
Samstag, 28. Oktober 2006
Herr Jesus Christus! Du hast alle Leiden Deiner Zeit auf Dich genommen. Doch von einem Leid wurdest Du verschont: Du hast nie die entseelte Arbeit am Fließband erlebt, in die ich unbarmherzig hineingestellt wurde. Aber Du hast in göttlicher Voraussicht meine Arbeit zugelassen. Gib mir die Gnade, daß ich bei dieser geistlosen Tätigkeit meine Seele nicht verliere. Wenn der Geist auch brachliegt, so laß mich um so mehr meine Seele zu Dir erheben und für meinen Bruder neben mir offen haben!
(aus: Pater Leppich. Mit Christus auf der Reeperbahn. 1956.)
(Und nein, man kann "Fließband" nicht einfach durch "Bloggen" ersetzen.)

Freitag, 27. Oktober 2006
Ein echtes Wochenende steckt bekanntlich voller Forderungen. "Geh' ich in die Stadt oder geh' ich nicht in die Stadt" hieß es früher. Gönn' ich mir was fürs Auge oder eher was fürs Gemüt? Dieses Wochenende ist für Hamburgs Stubenhocker die Wegstrecke klar gezeichnet. Einfach die roten Schuhe anziehen und der yellow brick road folgen:
Im Haus 73 auf dem Schulterblatt lesen die Damen und Herren Poodle, Ally Klein, Rationalstürmer und Frl. Fuchs - allesamt ausgewiesene sichere Schützen, wenn es darum geht, ein Wortspiel mit aus der Hüfte gezogener Waffe und ohne großes Getue exakt zwischen die Augen zu treffen. Anschließend gibt es Musik und Tanz und womöglich Schlimmeres!
Am Sonntag dann der Hammer in Hasselbrook: Die Reederei Hamburg lädt ein zum Kaffe.Satz.Lesen in der Baderanstalt. Unter anderen liest Merlix ein paar seiner tollen Herzdamengeschichten. Dazu gibt es eine Ausstellung mit den Fotos von Kerstin13 von Lichtblick.
Ich bin sicher, diese Veranstaltungen enden nicht wie meine letzte Bloggerlesung.

Donnerstag, 26. Oktober 2006
Ihres war das erste Blog, das ich regelmäßig gelesen habe. Manchmal glaube ich, ihres wird auch das letzte sein, was ich regelmäßig lesen werde. Und sei es für Bemerkungen wie diese:
This is not "friends only" because it's scandalous. It's friends only simply because after all these years, I still have nutcase stalkers trying to shove their noses up my ass, which is why I stopped washing it.

Dienstag, 24. Oktober 2006
Standing still
Before the bedroom mirror
(The Cure, "Three Imaginary Boys")
Wie rote Stecknadeln auf der Landkarte, wie ein lästiges Ekzem vielleicht, breitet es sich aus. Der Zufall winkt mit mancher Leimrute. Klebrige Nähe, ein feuchter Mauerschwamm, der an allem seine Spuren läßt. Was man auch berührt, eine zähe Spur, ein Spinnennetz hat sich längst schon über alles gelegt.
Das alte Spiel vom Hasen und vom Igel. Dabei ist Barcelona doch auch eine schöne Stadt. Oder Dresden, Krakau, Ingolstadt. Dabei ist das Haus doch leer, nur die helleren Flecken im ranzigen Dreck zeigen, wo einst noch Bilder hangen. Manchmal will man das Entschwundene greifen, Nachfassen in Staub und Asche und brüchiger Farbe. Ein altes Foto, ein Gekritzel auf der Wand. Doch Wunderland ist abgebrannt. Hier ist Stille, vielleicht ein Wassertropfen noch, der aus rostigem Eisenrohr zu Boden fällt. Vielleicht ein Stöhnen aus dem Keller noch, vergessene Körper und noch fremdere Freundlichkeiten. Geister nur, imaginierte Freunde, ein Schatten im Spiegel, ein Name, dessen Buchstaben irgendwann nicht mehr zueinander passen wollen. Das Geräusch, wenn es dann unter deinem Fuß zerbricht. Wenn man seinen eigenen Namen auf dem Kinderbett liest.
Wunderschöne Fotos von Suzy Poling, einer Fotografin aus Chicago, die heute in Oakland lebt. Die Fotos aus der Serie Wonderland in Decay zeigen verschiedene, mittlerweile aufgegebene Psychiatrische Anstalten in den USA. Auf ihrer Seite gibt es weitere beeindruckende Serien über verfallene Vergnügungsparks, Büros und Motelzimmer.

Sonntag, 22. Oktober 2006
If I were a Klingelton and you were a lady
Would you download me anyway, would you have my baby

Freitag, 20. Oktober 2006
"Tote Tiere! Hunderte davon! Das ist nicht gut, Leute."
(aus: The Descent - Abgrund des Grauens. GB 2005. Regie: Neil Marshall.)

Donnerstag, 19. Oktober 2006

Miss Wurzeltod beklagt das Sterben der analogen Fotoautomaten.
Seit Agfa dicht gemacht hat, fehlt es anscheinend an Papier, auch wenn es von den meisten Produkten noch ausreichende Bestände gibt.
Schlußvorbei mit schnellem Spaß zu viert. Nicht mal schnell nach dem Nachtlokal mit derangierter Oberbekleidung eine angeheiterte Serie zur Erinnerung an einen unvergessenen Abend gemacht. Jetzt mal so als Beispiel. Kein Kurzfilmstreifen mehr mit improvisierten Stehgreifhandlungen - um es mal galanter zu formulieren. Kein serielles Erleben - nur noch digitales Quartett mit identischen Bildern. Quadrophenia.
Das dürfte auch Frau Mai interessieren. (Von der man leider auch schon lange nichts mehr gehört hat. Muß man sich Sorgen machen?)
