Dienstag, 3. Juli 2018


Ich komme nach Hause



Ich komme nach Hause in mein Traumlabor, das aussieht wie ein explodierter Reisekoffer, und versuche, meinen Rhythmus wiederzufinden und aus komatöser Erschöpfung hinübergleitend, Wachen, Schlafen, Vorstellung und Wirklichkeit auseinanderzumeditieren. Überraschende Telegramme manchmal mißverständlichen Inhalts, es scheint so die Zeit dafür, interkulturelle Differenzen und diplomatische Verwicklungen aus dem Märchenland als sei alles ein Traum in einem Traum: so die grimm'sche Lage.

Auf dem Tisch liegen weitere Schlüssel, ich werde den Brotkrumenspuren nachgehen, Abzweigungen überprüfen und immer gut über die Schulter blicken. Mein Leben sei einfach, höre ich. Darüber wird noch zu reden sein. Erstmal Maschinen anwerfen.

>>> Geräusch des Tages: Max Sharam, Crashlanding


 


Samstag, 26. Mai 2018


À l'après-midi d'un Blog



Wenn ich jetzt bei dieser trägen Hitze auf der Chaiselongue in meinem Edward-Gorey-Case-Study-Salon sitze, den dicken Bauch in einen viktorianischen Pelzmantel gehüllt, hege ich Gedanken. Von links, nach rechts und an den Blumen vorbei in den Brokatvorhang hinein. Ein Tag ist noch zu planen. Im nahegelegenen Drogeriemarkt mit Herz könnte ich eine Tube Zahncreme erstehen. Die liegt, das weiß ich genau, direkt vorne im Gang, wo auch die Zahnbürsten sind. Denn die Dinge sind, anders als in meinem Kopf, meist wundersam geordnet und auf zarte Weise miteinander verbunden. Darüber könnte man mal gesondert nachdenken. Schon springt es weiter zu einer Frau, die gern sehr große Hüte trug. Wie angenehm wäre es doch, säße die Frau mir gegenüber, nur mit einem Hut bekleidet. Der Hitze wegen. Ein schönes Bild wäre das. Gleich einer sonnigen Allee, die ich bewundern könnte. Auch wenn sich das nicht gehört. Und leider ist es ja meist auch so, daß es selten nur bei einer entspannten Betrachtung bleiben kann, weil der Mensch dann ungeordnet unruhig wird. Wie ja schon das berühmte Zitat sagt, daß Unglück nur daher rühre, weil der Mensch nicht mal einfach ruhig in seinem Zimmer sitzenbleiben könne. Anstrengend. Immerzu muß etwas geschehen!

Immerzu aber springen auch die Gedanken weiter, wie die Fliege, die hier ihre Runden brummt. Ohropax brächte Ruhe, fällt mir unvermittelt ein. Auch die könnte ich, ohne bislang einen Millimeter weitergekommen zu sein, im Drogeriemarkt mit Herz kaufen. In welchem Gang man aber die nun findet? Ich werde später fragen müssen, eine Frau, die zwar keinen Hut, aber einen Dienstkittel mit Herz trägt. Die Antwort ist pikant, von daher sei hier weiter keine Rede. Das Ordnungssystem hingegen, das ich eben noch lobte, ist mir nicht ganz klar. Darüber werde ich gesondert nachdenken müssen. In bedächtiger Ruhe, denn noch immer quillt Hitze durch die Vorhangfalten. Daß dagegen noch keine Verordnung greift, lasse ich Gedanken lose Form finden. Man sollte dagegen in kurzen Hosen protestieren, allein, um die Dringlichkeit zu demonstrieren. Fußball ist heute auch, in kurzen Hosen: Hier weiß ich wenigstens, woran sich dieser Gedanken entlanggehangelt hat. Mein Gott, Gerenne bei dieser Hitze. Schweiß steht mir auf der Stirn. Jemand sollte mir mit einem großen Hut Luft zufächeln.

>>> Geräusch des Tages: Edward Elgar zu Jayne Hinds Bidauts Tintypes (zum Bewundern)


 


Mittwoch, 16. Mai 2018


Scheuchen



Die beste Entscheidung zuletzt war, den Vertrag mit meinem Telefonanbieter zu kündigen. Ich sah mich ja bereits im Ringelhemd auf einem Acker stehen, um munter tschilpenden Vögeln Zeichen zu geben. Ein trostloser Job am Feldrand der Gesellschaft. Vielleicht bei den Buddenbohms, deren Garten ich am Wochenende besichtigte. Seit der Kündigung aber läuft mein Internet astrein. Toi-toi-toi. Das mache ich jetzt jeden Monat so. Kündigen, aber innerhalb der Frist nicht bestätigen, zack, Internet läuft. Daher ja auch der Ausdruck: den Laufpaß geben.

Der guten Ratschläge sind natürlich in solchen Situationen nicht wenige. Der Mensch will nicht, daß sein Mitmensch in kommunikativer Not ist, manch einer beteuert Verständnis und behauptet, "auch viel im Internet" zu machen, "Online-Banking" z. B. und ich sage, ja, schlimm, wenn man keines hat. Ich solle die Farbe meines Anbieters wechseln, überhaupt, nicht beim Testsieger zu sein, und dann nicht einmal Smartphone, wie alt ich eigentlich noch werden wolle mit dieser nach außen getragenen Altmode.

Wir sind noch einmal davongekommen, möchte man Thornton Wilder nach dieser schweren Prüfung ins Internet hineinzitieren. Davongekommen aber nicht vor der Steuererklärung, die ich dieses Jahr nicht wie sonst traditionell am Tag der Arbeit erledigte. Schwitzen muß ich nun darüber bei Wärme in meinem humiden Dachsalon. Vor dieser Art Datenverarbeitung schützt mich aber keiner. Darum muß ich mich also noch kümmern, und dann dieses und dann jenes. Ihr ahnt es nicht, und nur wenige wissen darum. Ein wenig gescheucht fühle ich mich.

Einige sind mittlerweile schwer krank. Weil wir nicht jünger werden. Ich erinnere mich, wie eine Freundin mal meinte, Menschen die nicht richtig funktionieren, gingen ihr schwer auf die Nerven. Nun, dachte ich wiederum dabei still für mich, bei solchen Funktionsstörungen weiß man immerhin sofort, was drohen würde. So kam es auch. Nicht aber lange ärgern, sofort wegscheuchen und den Laufpaß geben. Neue Verbindungen herstellen, Router resetten. Es läuft dann schon. Läuft es.


 


Montag, 23. April 2018


Letztes Aufbäumen



Auf einem meiner letzten Spaziergänge durch die nahe Parkanlage fühlte ich mich ein wenig beobachtet. Nur so ein vages Empfinden, in der Regel ist das ja Quatsch, da war ja kaum ein Mensch außer mir. Bis ein Baum mich ansprach, so verrunzelt vertraulich aus der Borke heraus, er hätte da was, das er mir sagen müsse. Er spräche aus meinem Traum zu mir, richtete er aus und bewegte ein paar Zweige. Ob ich denn auch so Wurzeln schlagen wolle so wie er? Oder ob es nicht langsam mal vorwärts ginge.

Ich erwiderte, wach auf, Alter. Während du hier rumgammelst, nämlich, und mit den Kumpels vom Walde her über tief im Boden verwachsene Pilzfäden kommunizierst, wie die Biologie mittlerweile weiß, ein Wald-Weites-Web eines Hyphengeflechts, den Lan-Kabeln der Natur, bin ich ja aus der Welt geworfen. Mein Kommunikationsanbieter sagt "Oh, oh", also zweimal, der angekündige Techniker der Telekom (oder vielleicht auch eine Technikerin) kommt gleich gar nicht, warum auch, man ist ja Fremdkunde. Und zwar ein ziemich angepißter. Das wiederum konnte der Baum in meinem Traum gut nachvollziehen. Der kennt Hunde.

Ich aber wachte auf aus schweren Träumen - und hatte kein Internet mehr. Oder Telefon. Oder irgendwas. Ein Freund tippt diese Zeilen vom Stenoblock. Ich starre auf blinkende grüne Lämpchen mit maliziösem Lächeln. Vielleicht, denke ich, war dieses "Online" auch nur eine Phase. Vielleicht soll das Leben etwas anderes sein.


 


Samstag, 14. April 2018


Samstag. Das Wetterjournal.





Selbstverständlich hatte ich wie ihr alle Viv Albertines neues Buch To Throw Away Unopened lange vorbestellt, falls jemand fragt, weil der Internetriese sagte, er besorgt mir das dann sofort in England. "Sofort" bedeutet aber bei AmazonDE wie wenn ein Heimwerkerehemann sagt, "Schatz, ich kümmere mich darum!" - also "Juni". So daß ich die Vorbestellung sofort nach Erscheinen wieder storniert habe und direkt bei AmazonUK bestellte, die mir das wichtigste Buch der Saison jetzt nach fünf Tagen bereits auf den Tisch legten. Wäre ich im internationalen Storno und Handelsverkehr nur immer so schlau!

Jetzt kann es meinetwegen bis "Juni" durchregnen oder jedermann schnöde Einladungen zum Kaffee ignorieren, denn heute habe ich die Packstation komplett allein befüllt, in Ölzeug gegen den sogenannten "Blutregen", der Hamburg treffen sollte, gepackt den Supermarkt leergeräumt (Vorräte!) und die Haare für den Filmabend mit einer Diva frisch gekämmt.

Dann aber hohe Zeit für meine kleine schrullige Rippenprellung und mich fürs Sofa, gegen das usselige Temperatureinknicken in Bücher gehüllt, der abgeschabte Wintermantel ist, falls jemand fragt, mittlerweile ins Sommerlager verräumt. Übrigens, falls auch hier jemand fragt, kommt die David-Lynch-Biografie mit vernünftiger Bibliografie und Stichwortverzeichnis daher, etwas, was deutsche Verlage ja auch nicht mehr so recht auf die Bucheditionskette bekommen. Es wäre so viel Klage zu führen! Stattdessen habe ich Wäsche gewaschen und die Spülmaschine ausgeräumt. Einfach mal was Gutes tun!

Karl Hubbuch, falls jemand fragt, ist ein Maler und Chronist meiner Jugendtage, aber immer noch auf der Höhe der Zeit. Hier sein Bild "Twitter" und hier sein Bild "Tinder".

War eben alles immer schon da.


 


Dienstag, 10. April 2018


Straßenbetrachtung




Das Aufklaren des Wetters schwemmt derzeit viele Touristen an meinen Notruf Hafenkante. Mittags sitze ich mit Herren und Damen aller Länder an Draußen-Tischen, so wie neulich mit den zwei Mlles aus Frankreich, denen ich galant erklären konnte, was das Schild bedeuten soll, das jeden Tag dort hängt: "Heute Selbstbedienung".

Bedeutung liegt ja häufig im Auge des Betrachters, und wenn man von dort aus mit affektiver Aufmerksamkeit schaut, so lasse ich mich von einer ganz und gar nicht weiß getünchten Wand herab belehren, sehen Dinge anders aus als sonst. Es muß also nicht gleich ein exotischer Schnaps sein, mit dem man sich zum Schauen (oder Reden) Mut antrinkt. Einfach mal so, locker und vor allem: Freundlich ist ja auch ein Weg.

Wenn ich, halbwach, mich so umschaue, ploppen gerade überall die winterverhärteten Knospen auf. Frauen zerren ihre bunten Kleider aus den Schränken, man möchte sie bewundern, allein die Vorsicht lehrt, dies lieber auf Blumen und Alleen zu beschränken. Aber sie sehen gut aus darin, aufblühende Menschen mit Hoffnung im Gesicht.

Vor den Türen letzte rabenschwarze Nachtgewächse. Sie rucken und gurren, scharren mit dem kranken Krüppelfuß. Sie wissen nicht, sie wollen nicht, sie spüren Hunger und malen mit der Asche auf dem Finger ihre Zeichen. Nur immer heraus, mein Schatten, mein Bläßchen. Man muß ja nicht gleich fressen, was man liebt.

Ein jeder sieht, was er sieht.


 


Sonntag, 1. April 2018


Traditionell



Von wegen Kraft durch Tanzen, alle Jahre wieder ertönt dieselbe Leier: "Oh, du meine Güte voll Blut und Wunden - an Karfreitag herrscht ja Tanzverbot!" Nie war die Gesellschaft bedrohter als an diesem Tag, denn auch wenn mal an einem Tag einige Ruhe und Besinnung suchen, soll doch Rambazamba sein. Gut, mit 17 sah ich das auch noch anders. Aber nur, weil in meiner kleinen Stadt nur am Donnerstag Gelegenheit zur musikbegleiteten Bewegung war. Jedenfalls was vernünftige Musik anging. Und wenn dann um Mitternacht nicht die Kürbiskutsche kommt, sondern das Ende der Party, da kann man als junger, schüttelzwanggeplagter Mensch schon mal Kreuzweh fühlen. Um im Bild zu bleiben.

Heute klagen Menschen, die wahrscheinlich lange schon nicht Tanzen waren, ihre Not auf dem Kurznachrichtendienst, während man selbst Schmerzen in den Händen und an den Füßen fühlt. Und an der Seite auch. Zum Glück kommt Ostern und damit Tradition der Fröhlichkeit, aber Tradition ist ausgerechnet Traditionalisten auch ein Kronendorn im Auge. Ein Kreuz. Aber nur, um im Bild zu bleiben.

Meine Lieblingsinfluencerin aus Wien und ich indes bewerben den Traditionshasen, als ob nichts Böses unter der Sonne glänzen würde. Denn Ostern ist ja traditionell ein Fest der genußfreudigen Aufbruchstimmung. Traditionell feiert auch Angeliska, die Großmeisterin der bunten Feiern, ein Kostümfest. Ich bleibe bei Grabesstimmung. Denn seit ich im letzten Jahr die strikte Anweisung freundliche Empfehlung zur Roten Beete erhielt, habe ich dieses Gemüse mit dem Geschmack alter Friedhofserde tapfer zum Ostergericht erklärt: "Denn siehe, das Grab war leer." So eine Freude, aber die Rote Beete liegt auf meinem Teller. Traditionell aber sehr gesund.

Welche Freude hingegen, als neulich diese Russin um ein Glas frische Milch bat. Ein Glas Milch! Mit Todesverachtung dem Leben zugewandt. So was gibt es doch an und für sich gar nicht mehr. Ein Osterwunder.

Wenn ihr Eier habt, tragt Hut.


 


Samstag, 24. März 2018


Kraft durch Tanzen



Ich mußte gestern mit einer russischen Pole-Dancerin zusammenarbeiten, genauer gesagt mit einer Russin, die auch Pole-Dance macht, es soll jetzt nicht zu aufregend klingen. Jedenfalls war es zwar anstrengend, auch weil ich nur drei Worte Russisch kann, aber atmosphärisch so sehr entspannt, daß ich mich beim Gedanken ertappte, mir vielleicht auch so eine Stange daheim im Südflügel zu installieren. Ich müßte nur den Stutzflügel Fernseher ein wenig zur Seite schieben und nach oben die gläserne Decke, die mich mein Leben lang schon aufhält, durchstoßen.

Wie vom Wink des Schicksals geleitet stolperte ich heute auch noch beim Gelegenheitsbummel durchs Oberland über die bei mir völlig verdrängte Existenz von John Neumeiers Ballettladen. Hier könnte ich samstags immer zum Üben hin, damit ich meinen Frühjahrtanz tanzen kann. Noch ziert sich diese vorherbstliche Jahreszeit recht gehörig, vielleicht könnten rituelle Kulturgesten hier ein wenig nachhelfen.



Bis zur Bühnenreife (oder wie auf dem Bild: Museumsreife) ist es für einen rostigen Roboter wie mich sicherlich ein weiter Weg, da ist ja doch der eine oder andere Schlackepartikel ins Getriebe geraten. Aber heute, wo mit Beginn der Sommerzeit das Leben wieder eine Stunde kürzer wird, ist wie gestern schon oder die Woche davor eine gute Gelegenheit, noch bessere Vorsätze zu fassen.

Nachher führt man maulige Klage wie so ein Blogger - oder Vincent Gallo. Der Bursche hat sich mit einem Offenen Brief zu Wort gemeldet, in dem er nicht durchgehend bündig tausend Dinge klarstellt und sich am Ende nicht zu schade ist, gegen meine Freundin Viv Albertine zu keilen. Die wiederum hat ihrer Begegnung mit dem wilden Mann eine launige, letztlich vor allem bedeutsam symbolische Anekdote in ihrem tollen Buch, das ihr hoffentlich jetzt endlich alle gekauft habt, gewidmet. Ratet, wer in meinen Augen die schlechtere Figur abgibt?

Demnächst tanze ich euch die Antwort.


 


Freitag, 16. März 2018


Einen vom Pferd erzählen



Was ja wenige wissen ist, daß ich seit ein, zwei Jahren unter die Pferdemaler gegangen bin. Noch reichen meine Fertigkeiten nicht dazu, in der Fußgängerzone zu sitzen und Bleistiftporträts von Roß und Reiter feilzubieten. Aber verbissen bleibe ich dran, übe Mähnen, zuckende Ohren, Schweif und Hufe, scheitere regelmäßig am Schattenverlauf der Nüstern, aber das sind Details, mal hier mal eine Trense, dort mal eine Blesse, dem hübschen Pony einen hübschen ebensolchen, und zack, wie im Galopp ist das Bild fertig. Meine kryptischen Zeichungen werden allerdings nicht von jeder Reiterin erkannt, da stimmten ja die Relationen nicht, und ob man nicht besser die Pferdedecke des Schweigens...? Da muß man dann das Tier wechseln und erst einmal ein Hühnchen rupfen. Du erkennst ein Pferd nicht, wenn es im Flur steht? rufe ich. Und zitiere aus dem letzten Traberseminar: Da muß man sein Mindset ändern!

Metaphernhengste erzählen dann vom toten Pferd, ich von rheinischem Sauerbraten. Ein alter Meister fragt, ob ich nicht das alte Sprichwort von den Eltern kennte: Wenn du das Pferd nicht zeichnen kannst, probier es mit dem Sattel. Fest drinsitzen nämlich, sich nicht abwerfen lassen, nicht auf Roßtäuscher hereinfallen, immer erst ins Maul schauen.

Es ist, schreibt auf, beim Malen wie immer im Leben: Erst Longieren, dann passionata.

>>> Geräusch des Tages: Blonde Redhead, Equus


 


Dienstag, 6. März 2018


Mein lieber Scholli



Jetzt wissen nur wenige, daß ich ja einst ein berühmter Eisschollenfotograf war. So manche gute Mark kam damit im Winter herein, denn für Schollen gibt es da draußen einen Markt. "Mach mir mal 'ne fette Scholle", tickerte es morgens durchs Fax. Und abends lag der Abzug in der Agentur. Doch im Frühjahr war Schluß, wohl weil plötzlich die Arbeitsgrundlage entfallen war. Das geschah einmal, geschah zweimal, und beim dritten Mal hatte auch ich es begriffen. "You can't fool all the people all the time!" rief ich hinaus auf den Fluß und wußte es seither besser.



Jetzt lese ich, daß die Frankfurter Allgemeine Zeitung ihre Blogs einstellt und neue "Experimente" plant. Ich habe mich auf diesem Kurznachrichtendienst gleich als Fashionblogger ins Spiel gebracht. Nun liegt der Ball in deren Feld. Ich könnte zum Beispiel meinen neuen Mann fürs grobe Tuch vorstellen: John Skelton heißt der und macht so Sachen zwischen Beetlejuice und Paul Harnden (von dem ich ja auch erst seit ein paar Jahren durch eine Leserin weiß). Sehr kleidsam und sicher winterwarm bei der Eisschollenfotografie.

Jetzt aber kommt der Frühling. Die Wetterfrau verliest freudige Depeschen. Vögel hängen abends in der Luft, beim Amt liegen Dokumente bereit. Die Eisschollen schmelzen, und ich auch ein bißchen, weil da jemand Strippen zieht. Ich bin das nicht gewohnt.