
Dienstag, 7. Februar 2006
Der Dom ist weiträumig abgesperrt, und auch der flehentliche Appell "Ich bin Blogger, bitte lassen Sie mich durch" bringt kein Erweichen in die grimmigen Gesichter hinter dem rotweißen Gitter. Dabei sind noch Plätze frei, wie der Blick ins Fernsehen beweist. (Interessant, wenn man zwischen Erstem und Zweiten hin- und herschaltet. Beide senden live, aber um fünf Sekunden zeitversetzt. Man möchte darüber denken, was Unmittelbarkeit wohl heißt.)
Die Rede vom Weggefährten rückt gerade, was manche nur bespötteln. Meist die, für die alles nur noch Pose ist. Der andere Weggefährte, selbst gezeichnet, döst. Kein Grund, wie ich meine, solche Bilder auszuschlachten.
Am Ende ein interessantes Bild: im Hintergrund die bronzene Haut vom Palast. Heute ruhen die Abrißarbeiten. Davor, die Stufen der Treppe hinab, langsam der Sarg, darauf die Fahne. Da gehen sie, die letzten Vertreter der alten Republik.

Sonntag, 5. Februar 2006

Gerade gefunden in einer alten Ausgabe (1955) von Marcel Proust, Tage der Freuden, die ich offensichtlich 1984 antiquarisch erwarb - und noch offensichtlicher nie gelesen habe.
Dieser kleine, mittlerweile vergilbte, nichtsdestotrotz lockende Werbezettel markierte das Kapitel XVIII: Gestade des Vergessens, dessen erster Satz lautet: "Man sagt, der Tod verschöne seine Opfer, er hebe ihre Tugenden ins Licht, aber oft ist es nur das Leben, das sie in den Schatten gestellt hat."

Wenig nur scheint mir die südamerikanische Extase, die in dieser modernen Tanzgaststätte geboten wird, zu den Worten Prousts voll "Schwermut und Trauer" zu passen (wohl ein Grund, weshalb ich mir das schmale Bändchen kaufte).
Denn wenn in den herrlichen Räumen im Casino Bad Harzburg Deutschlands Jazz-Geiger Nr. 1 aufspielt und zu deutschen und chinesischen Speisen (1955, sieh an!) gute Unterhaltung bietet - wo bleibt da noch Platz für Schwermut?
Mein Vater hatte recht.

Freitag, 3. Februar 2006
To prove I'm right
I don't need to be forgiven
Don't cry
Don't raise your eye
It's only teenage wasteland
(The Who, "Baba O'Riley")

Entschuldigt mich dann bitte mal für die nächsten zwei Stunden.
Alle Regler sind auf zehn. Ich werde euch sowieso nicht hören.
(3000 zerstörte Gitarren säumen meinen Weg undsoweiter.)

Eigentlich (eigentlich immer noch das schönste deutsche Wort: eigentlich) wollte ich ja nicht mehr. Dieses Selbst & Referentielle. Aber dann kam Frau Julie - und einer kleinen Fr... großen Bloggerin kann ich nichts abschlagen.
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Donnerstag, 2. Februar 2006
Micker, macker, mecker.
Jimmer, jummer, jammer.
Nimmer jammer immer.
Mecker schlimmer nimmer.
Link, Link, Link.
Streckl, strackl, strickl.
Fell, Fell, Fell!
Jembo, Jimbo, Jambo.
Spin, Span, Spon!
Link, Link, Link.
Warum ruft er/sie/es nicht an?
Mecker, jammer, ritzl.

Mittwoch, 1. Februar 2006
Pray the Lord my soul to keep
Kiss to kiss and breath to breath
My soul surrenders
Astonished to death.
(Patti Smith, "Frederick")
Auch 2006 soll eine gute alte Tradition nicht unterbrochen werden. In der locker-frivolen Reihe Mit toten Tieren durch das Jahr eröffnen wir den Reigen 2006 mit der Möwe. Das fröhliche Tier (hier möglicherweise ein Exemplar der Larus ridibundus im Winterkleid) gehört neben den Katzen zu den beliebtesten Tieren innovativer Bastler und anderer Exzentriker. Diese hier ist nun tot. So offenbar wie bedauerlich. Ausgepumpt, das kleine zagende Herz. Verweht die gefiederte Seele. Mit tränenfeuchten Augen, eine offene Schale voller Kümmernis schaut man es an: ein Demento mori.
Manche Diskussionen enden so. Auf einmal beugt man sich und sieht zu seinen Füßen den toten Punkt. Und ahnt: diese Sache fliegt nicht mehr. (Flieg nicht so hoch, mein kleiner Freund!) Adé, Nestbau, kein Ei wird hier je gelegt.
Immerhin: eine weitere Metapher zu Tode geritten. Kann man da auch einen Haken dranmachen. Und so begrüßen wir mit einem ungehemmten "Hiaaarrrr" die frische Saison und wälzen neue Pläne. Sturmerprobt wie diese Vogelart drehen wir den gierigen Schnabel in den Wind, lassen freifliegende Ideen im hauseigenen Guano wachsen und sind überhaupt - wie stets - nur guter Dinge.
Dem ein oder anderen rufen wir ein freundliches "Hallo" über den Gartenzaun oder drohen schelmisch mit der Forke. Denn ist der Schnee erst weggetaut, fliegt alles auf.

Dienstag, 31. Januar 2006
Die Lage ist nicht bedrückend. Wir wüßten von ihr. So aber malt mir das Nachrichtenmagazin Der Spiegel auf seinem Titel, wie ich mich durch die heilende Kraft der Bewegung in eine straffe, blonde junge Frau verwandeln kann. Ich korrigiere: in eine nackte, straffe, blonde junge Frau.
Derart ver- und entpuppt zu einen bedrückungsfreien Schmetterling greife ich zum neuen Buch einer Meisterin der dunklen Verwandlung: Immune heißt der neue Fotoband von Floria Sigismondi. Der Vorgänger Redemption ist eines der lichteren Werke in meiner kleinen Bibliothek und immer wieder Anlaß für betrachende Freude, wenn ich das einmal so umständlich wie galant ausdrücken darf.
Nebenbei: Die Webseite der Fotografin und Regisseurin ist ebenfalls frisch tapeziert.

Montag, 30. Januar 2006
Haha, so jung war ich auch mal. (QT, 35 MB)
(Völlig vergessen: am 22. Januar wurde Malcolm McLaren 60!)
