Freitag, 2. Juli 2004


Kummerbund



Es wird immer bunder und bunder.


 



Schwingungen

Am Samstag findet ja wieder die bei jüngeren Menschen beliebte Geräuschveranstaltung "Stahlklang" in dieser Hamburger Tanzdiele statt, in die ich nicht mehr gehen mag kann mag.

Muss ich auch nicht, denn das industriell geprägte Klangambiente habe ich inklusive. Zum Beispiel heute früh beim Zahnarzt. Während der hochfrequentfiepende Ultraschallschaber durch mein Zahnfleisch fräste, begann das tieftonige Schnorcheln des Absaugers einen monoton-noisigen Tranceteppich auszulegen. So muß es sich in der Gebärmutter anhören, dachte ich, und begann fast wegzulullen. Bitte nochmal über die freiliegenden Zahnhälse schreddern, danke, bat ich die hübsche Assistentin. Aaah! Das macht wach.

Ja, auch Schmerz will moduliert sein.


 



Mit den Ohren zwinkern

Schöner Artikel in der NZZ über eine längst überfällige Nische im Hörbuchwesen. Das Lauten, Lallen, LaLuLa.

Leider teuer, nur Jandl, den gibt's heuer... billiger.

Ex Libris | von kid37 um 15:15h | noch kein Zuspruch | Kondolieren | Link

 


Dienstag, 29. Juni 2004


In Hamburg sacht man tschüß

Am rauhen Gestade wird vieles vom Winde verweht. Doch mancherlei Ballast kann man besser noch gewinnbringend unter den Hammer stellen.

Andere verhökern nur Geschenke, wer aber gründliche Arbeit leisten will, der macht auch aus Erinnerungen einen kultigen Dachbodenfund und weist jegliche Garantieleistung nach dem neuen EU-Recht weit von sich. Gut gemacht, junger Mann!

Ich werde gleich noch auf den Speicher eilen. Mal sehen, was sich da findet. Den Text aus oben genannter Auktion kann ich ja einfach übernehmen, das paßt schon.

(via die lu)


 



Mit uns zieht die neue Zeit

Sieh an, wie nett. Jemand hat Das hermetische Café für das Preisbloggen bei der Zeit vorgeschlagen. Wie ehrenvoll und rührend. Vielen Dank.

Das erinnert mich an meine Zeit als Preisboxer bei der Kirmes, ich weiß nicht, ob ich davon jemals schon erzählte. (Neulich hieß es, geht es in Ihrem Blog eigentlich ehrlich zu, Herr Kid? Natürlich ist alles wahr. Irgendwie.)

Jedenfalls gab es pro Kampf 50 Mark, und dafür, daß ich die Klappe hielt. War ja alles abgekartet. Wie beim Rock & Wrestling im Komet neulich. Jetzt kann ich es ja sagen.

Ich weiß nicht, ob es beim Preisbloggen der Zeit auch etwas zu gewinnen gibt. Aber wahrscheinlich werde ich die Klappe halten müssen. Gerade eben wollte ich noch jammern, über Frauen zum Beispiel, die sich früher nie für die Dinge interessiert haben, die ich so machte, nun aber geflissentlich Tag für Tag mein Blog lesen. Außer am Wochenende. Da haben sie frei. Da hören sie dann jemand anderem zu.

Das kann ich nun nicht schreiben, denn nun muß ich fürs Preisbloggen die Klappe halten und ordentlich Jux und Allotria für die vielen Zeit-Leser treiben.

Nehmen Sie erstmal Platz, Bedienung kommt gleich.


 


Sonntag, 27. Juni 2004


Sachliche Distanzanalyse

"Herr K., Sie müssen sich von dem Gedanken befreien, Sie hätten etwas ändern können. Menschen mit dieser Art psychischer und sozialer Muster haben nie etwas anderes gelernt, als in eben diesen bestimmten Mustern zu leben. Wenn Sie diese Muster durchbrechen, werden Sie nur als Bedrohung für diese Menschen wahrgenommen. Es ist traurig, aber so ist das. Im Gegenteil, die Schrauben werden nur immer stärker angezogen werden. Solange, bis auch Sie 'auf Linie' sind."

"Ja, so war es dann wohl. Ein herrschendes Muster. Und ich nicht à la mode."


 


Samstag, 26. Juni 2004


Im Halbfinale des Lebens

Man muß sich eine Niederlage auch einmal eingestehen können.


 



Man muß das auch mal filmisch sehen

Die Bremer Designerin Johanna Kromp macht nicht nur interessante Fotografien, sondern hört auch gerne die heute zu unrecht vergessene französische Musikgruppe Charles de Goal.

Rock de Jeune. Man muß das auch mal anerkennen.

Augenzucker | von kid37 um 22:15h | noch kein Zuspruch | Kondolieren | Link

 



Versonnene Betrachtung

Heute regnet es.

Homestory | von kid37 um 13:23h | ein Zuspruch | Kondolieren | Link

 


Donnerstag, 24. Juni 2004


Day Tripper



Kann man mal was anderes machen. Urlaub zum Beispiel. So für einen Tag.
Muß ja nicht weit sein. Reeperbahn tut's auch. Anfahrt mit der U3, man reist ja wieder mit leichtem Gepäck.
Einchecken ins Hotel, Cocooning ist immer noch in. Dann um die Ecke zum Italiener. Was ebenso leichtes zum Abend. Köche befinden sich heutzutage ja eher in Umschulungsmaßnahmen denn am Herd oder legen ihre Finger nur noch an verbotene Früchte.

Deshalb ist das mit der Gastronomie, ähnlich wie mit dem Installationshandwerk, so eine Sache in Hamburg. Aber vielleicht aus Mitleid mit dem drohenden EM-Aus der Squadra tedesco wurde ein empfehlenswert leckeres Essen zu zivilen Preisen serviert.

Zum Nachbier rüber in die Meanie-Bar, die zweite Halbzeit läuft. Stimmung gequält. Der Name "Schneider" fällt öfter in despektierlichem Zusammenhang. Dann ist das Spiel Aus! Aus! Aus! Meaniebar leert sich, Deutschland fährt nach Haus (und kommt gebräunt zurück), Rudi macht auch das Licht aus.

Nebenan im Molotow starten pünktlich nach dem Abpfiff die Elektropunkpfeifen von
Pink Grease.
Sechs durchgeknallte Jungs aus Sheffield schmieren sich durch einen halluzigenstoffreichen Discopunksumpf, toben durchs Publikum und machen hübsch den Iggy, wie sich das mit 17 gehört. Oder 18einhalb.
Zum Schluß gibt es sogar noch einen Joy Division- Exkurs. "In a room with no windows in a corner I found truth..." (Shadowplay).
Da erweichen auch ältere Herzen.


Großartig. Gut, daß ich vorher noch schnell den Tanzkurs How to Dance Punk inhaliert hatte.
Keine Angst, die Herren machen da nicht wirklich an sich rum, tun im Rotlicht aber so. Schmierig, irgendwie. Die Glamrock-Punketten im Publikum wären kaum zu halten gewesen, hätte ich mich nicht dazwischengeworfen. Anschließend war es spät. Und es wartete ja noch das "Kill Bill"-Zimmer auf mich. Man kann es nur vermuten: Die Braut haut ins Auge und hinterläßt ein Splatterornament (Verbrechen genug also) an der Wand. "Requiem" heißt der Raum offiziell im Kunst-Hotel. Wer das Blutbad überlebt, darf nächstes Mal zu den "Priesterkindern". Da sieht arte povera-mäßig schick aus, voll Kemenaten-style. Ist wunderbar zur Selbstgeißelung und -kasteiung geeignet, kommt aber ebenfalls als Doppelzimmer. Ist vielleicht für die zahlreichen Ex-Goths, die hier jüngst aus ihrer dunklen Vergangenheit aufgetaucht sind, ein interessanter Tip.
Für Damen mit gekrepptem Siouxsie-Haar mache ich für eine Nacht dann auch gerne noch mal den Robert.


Wenn man im "Requiem" an die Decke schaut, hat man angenehme Träume. Frühstück gibt es übrigens bis 17.00 Uhr. Zum Glück aber auch vorher.

Radau | von kid37 um 18:21h | 3 mal Zuspruch | Kondolieren | Link

 


Dienstag, 22. Juni 2004


Gotisch Tanzen

Wie einige vielleicht wissen, hatte ich FRÜHER™ einen schwarzgefärbten Zauselkopf. Und da hier neuerdings so viel über die wunderbare Kunst des Tanzens geschrieben wird, bin ich diesem Hinweis gerne gefolgt. Für das nächste dunkelgefärbte Wochenende in den Playrooms Eurer Stadt sollte man gut vorbereitet sein. (Es hilft auch, szenetypisch die Unterwäsche wegzulassen.)

Liebe Eleven: How to dance Gothic Style.

(Schrift muß nicht installiert werden, geht auch so. Via Hyperlog)
[Edit: Geht noch weiter: How to dance Punk. Auch gut.]

Radau | von kid37 um 20:22h | 30 mal Zuspruch | Kondolieren | Link

 


Montag, 21. Juni 2004


Trau keinem über 100


Ihr Vater war hundertzwei Jahre alt geworden und hatte an seinem letzten Geburtstag einen Viertelliter steifen heißen Grog getrunken. Er hatte den Zeitungsreportern erzählt, das wäre seine tägliche Gewohnheit und er verdanke dieser Gewohnheit sein langes Leben. Er hatte einen richtigen Skandal verursacht und freute sich sehr darüber.

(Katherine Anne Porter, "Oma Weatherall, die man sitzenließ", 193o.)


 



At Home He's A Tourist

Das Prospekt versprach eine tolle Reise. Eine Kreuzfahrt, kein Kreuzzug. Junger Mann zum Mitreisen gesucht. Auf, auf, all aboard. Leinen los und abgelegt. Das Schiff legt ab. Keiner hat gesehen, daß Titanic auf dem Heck steht.
Der Eisberg heißt Schweigen im ähnlichen Temperaturbereich. Kommunikationsverweigerung. Demütigungsszenarien. Abstrafung, um Wohlverhalten zu erzwingen. Abschneiden von Informationen und sozialen Ritualen.

Kein Kapitänsdinner. Essen am Katzentisch.

Erst lacht man drüber. Denkt, jeder Kinderkram hört von alleine auf. Steckt dann aber erst mit den Füßen, dann bis zur Hüfte im Leim. Verwickelt sich in den zähen Fäden widersprüchlicher Informationen, die sich wie ausgelassener Mozzarella um einen wickeln. Zuckerbrot und Peitsche.
Bis der Wille bricht. Oder nicht.

Die Tage ziehen sich hin. Auf der Straße herrscht Redeverbot. Demonstratives Konspirativgewisper am Telefon. Die Clique, per definitionem protofaschistoide Kadergruppe, muß instruiert werden. Soziale Rückkoppelungsmechanismen. Ausgrenzungsstrategie. Isolationshaft. Nächtliche Terrorkommandos, die Bilder von den Wänden holen, Scheiben zerschlagen. Schlafentzug. Ein Mahlstrom aus Adrenalinwirbeln. Konstante Verunsicherung. Ein Pandaemonium aus Geschrei, Weinen und dumpfen Aufprall. Darüber der pfeifende Atem der eigenen Hyperventilation. Niemand kommt hier lebend raus.
Panic Room. Eine weitere Falle.

Ein Rhythmus pendelt sich ein. Statt Quartalssaufen vierzehntägliches Wochenendbomben. Frustabbau. Offensichtlich an andere Besuchsrhythmen gekoppelt. Das alkohlbefeuerte Stück bekommt ritualisierten Charakter. Man spielt mit. Froh, überhaupt eine Rolle zu spielen. Die Abläufe folgen einem festen Skript. Lauern auf das Widerwort.

Zeit, den Notfallkoffer zu packen. Irgendwann für einen Programmwechsel sorgen. Das immer gleiche Spiel ins Leere laufen lassen. Lange kriechen, dann fällt das Schulterzucken leichter.

Diesmal nicht. Die Spiele kennt man alle schon. Sich plötzlich erinnern. Man wollte doch woanders hin. Jetzt nur noch alles herausschneiden. Ein malignes Herzensgeschwür.

Dann wieder Segel setzen.

The Mercy Seat | von kid37 um 04:00h | noch kein Zuspruch | Kondolieren | Link