
Dienstag, 27. Januar 2004
Ist bestimmt auch eine lohnende Rubrik.
Teaser für so eine Gerichtspathologen-Serie, gerade eben:
"Der Uterus einer Stute ist so groß wie ein Fußball. Genug Platz, um darin einen Beutel Diamanten zu transportieren."
(Der zweite Satz ging eventuell ein wenig anders)
Und jetzt stelle ich mir vor, es ist - sagen wir - 1963.
Und dieser Satz läuft im deutschen Fernsehen.

Dienstag, 27. Januar 2004
... der Profi sie daheim hat, würde mir wahrscheinlich die Schulter auskugeln.
"I shot a man in Reno, just to watch him die", kann natürlich auch nur Johnny Cash ungestraft sagen. Und auch erst nur, seit wir selbst auf unserer Seite des Zauns wissen, wieviel Humor der Kerl besaß.
Nein, die edlere Waffe ist doch der Füllfederhalter. Und das Notizbuch. "Beschreib mich, beschreib mich", ruft es, angeregt durch einen Beitrag des verrückten Hutmachers . Los, wir zeigen jetzt alle unsere Wummen.
Meins ist kein ehrfurchtgebietendes Powertool vom Kaliber .357, nein, nicht einmal eine Beretta unter den Notizbüchern, meins ist ein schnörkelloses 9mm-Buch. Eine nur leicht aufgebohrte Chinakladde ohne viel Glamour. Aber diese erfüllt präzise ihren Zweck, leidet nicht unter Ladehemmung wie manch überzüchtetes Exemplar - und hat nur 2,95 nach altem Geld gekostet. Es faßt Fotos und Karten im Format 10x15 cm... und jede Menge Einkaufslisten und Gedanken. Und ein kleines Bild auf dem Frontcover macht sie unverwechselbar.
So, da habt ihr!

Zeit für eine neue Rubrik. Neulich musste ich ja schon den Vergleich hinnehmen, Johnny Cash sei wie Gottfried Benn. Die Postmoderne erlaubt weitere Bögen quer durch die Kunstgeschichte:
"Die Polizeiberichte beschrieben Ed Geins Wohnung als ein Labyrinth aus Knochen, Torsi und ausgestopften Körpern, beinahe ein zur grausamen Realität gewordenes Pendant zu Kurt Schwitters' "Merzbau" in Hannover, der bezeichnenderweise den Untertitel "Kathedrale des erotischen Elends" trug."
(Martin Büsser. Lustmord - Mordlust: Das Sexualverbrechen als ästhetisches Sujet im 20. Jahrhundert . Mainz, 2000 , S. 152.)

Montag, 26. Januar 2004
Da werde ich irgendwie jetzt schon müde. Die letzten Tage hatten einen etwas verworrenen Charakter. Heute dann wurde eine Arbeit von mir mit einer eines Kollegen verglichen, dessen Arbeiten ich in aller Regel nicht so spannend finde. (Hm, kann man wahrscheinlich auch komplizierter ausdrücken.)
Nun ist das Rad ein Rad, seit es es ein Rad ist. Deshalb also "Aktion Ente": Alles hübsch an sich abperlen lassen.
Andererseits: Wenn Zwerge pinkeln, haben auch Riesen nasse Schuhe.

Samstag, 24. Januar 2004
breaking news: Helmut Newton (83) bei Autounfall in Hollywood tödlich verunglückt.
Edit: Wenn ich mir das Wrack so anschaue, scheint da kein Airbag dringewesen zu sein? Und der Fahrer war, ich rate mal, nicht angeschnallt? Denn sooo arg sieht es doch nach heutigen Verhältnissen nicht aus...
Na ja, es haben sich schon Leute vom Bordstein aus das Genick gebrochen, während andere unbeschadet vom Dach fallen. Und am Herzen hatte er es ja auch.
Helmut Newton. Starfotograf. Ich war gar nicht mal so sehr ein Fan seiner Bilder. Aber ich mochte seinen Humor. Auch den auf seinen Bildern. Ich hätte immer gerne gewußt, ob er die Kritik aus diesen - ich sag es jetzt mal frech mit Newtons Worten - "Feminazi-Kreisen" ("Das Fräulein Schwarzer hat ein Problem") wirklich so souverän weggesteckt hat... oder ob es nur seine äußere Präsentation war. Ich glaube, in Wahrheit hat es ihn doch verletzt. Diese Ignoranz gegenüber seiner Kunst, seiner persönlichen Intention, seiner Biografie und letztlich den (dem) repräsentierten Frauen(typus) gegenüber. Vielleicht hat ihn einfach auch nur diese Humorlosigkeit verletzt.
Ich glaube, seine Haßliebe zu Deutschland, speziell zu Berlin, deutet darauf hin.
Über 50 Jahre war er mit June Newton/Alice Springs verheiratet.
Sicherheit ist ein schönes Gefühl.

In diesem jungen, elektrisch beleuchteten Magazin gibt es ein Interview mit den Ärzten.
Wir behaupten: Viele Rockstars singen von Einsamkeit, aber haben gar keine Ahnung davon.
[...]
Bela: Aber Elvis war wirklich einsam.
Rod: Und Hank Williams.
Farin: John Lennon auch. „Help“ war ein deutliches Zeichen. Bei den meisten ist es aber Pose, behaupte ich.
[...]
Farin: Aber wenn Johnny Cash „Hurt“ singt, das er noch nicht mal selbst geschrieben hat, dann nehm ich ihm jede Zeile ab: „I hurt myself today to see if I still feel“
Nur, um mal zu zeigen, zu welcher Monotonie ich neige.
Gibt es hier eigentlich auch mal neue Themen?
Ok ok, vielleicht. Wenn ich morgen aus der Boltanski-Ausstellung komme. - "Aber die hast du doch schon gesehen?" Egal, ich geh ja nicht allein.

Ich habe beschlossen, daß meine Wände nunmehr "Absinthgrün" gestrichen sind. Das klingt definitiv angesagter als "irische Nationalfarben" oder "Signallampengrün". Es paßt schon, denn hier steht grad "Absenta Tunel" auf dem Tisch. Nach der Wiener Analyseliste ist das Zeug ja nur Augenwischerei. Grüngefärbter "Küstennebel", wie man hier in Hamburg sagen würde. An "Mata Hari" kommt der Thujon-Gehalt jedenfalls nicht ran. Selbst das wegen seines Labels so beliebte "Tabu" knallt wohl mehr. Die Geschmacks- und Farbstoffe sind bei "Tunel" künstlich. Der bittere Geschmack suggeriert zwar Wermut, wird wohl aber ebenfalls eher aus dem Chemiebaukasten stammen. Er färbt sich leicht trüb, ich glaube aber nicht, daß wirklich viel Anis dadrin ist. Aber für 20 Euro die Flasche darf man dieser mallorcinischen Spezialiät nicht allzuviel abverlangen.

Freitag, 23. Januar 2004
"Dessous oder Dessert?"
In der Nachtschiene werden neuerdings Fragen gestellt, die Depressionsgeschwächte vor arge Entscheidungsschwierigkeiten stellen.
"Dessous oder Dessert?"
Having one's cake and eating it...
Das Publikum zu befragen gilt jetzt nicht. Ein 50/50-Joker macht bei der Frage keinen Sinn, soweit blicke selbst ich durch. Wen aber soll man um diese Uhrzeit anrufen? Nehme ich das Dessert, gelte ich als Erotikverächter, nehme ich die Dessous, bin ich ein Triebtäter, der gutes Essen nicht zu schätzen weiß.
Im Geiste notieren: Unbedingt endlich das Rauchen anfangen, um solche Fragen philosophisch zu Ende zu führen.

Donnerstag, 22. Januar 2004
... kann natürlich Hass erzeugen. Oder Neid. Oder was auch immer.
Björk-Hasserinnnen schauen hier. Sehr lustig!
Björk ist übrigens sehr schlagkräftig.

Mittwoch, 21. Januar 2004
Ich habe auf einem alten Mix-Tape aus den 80ern diesen grandiosen Song, in dem es heißt "Susie had a party, but no one came..." Ist das von Farm Life? Kennt das noch jemand? Sachdienliche Hinweise bitte gerne hier oder per eMail.
Die Schnittchen-Affäre zieht Kreise. Konsequent wurde ich undankbarer Geselle heute nicht auf eine Geburtstagsparty eingeladen. Es gab kein Käsebrot.
Dann fand ich in meinem Küchenschrank noch eine Tafel RS Alpenmilch.
Dann erreichte mich eine aggressive eMail.
Ich möchte mehr davon. Mir ist gerade sehr katholisch zumute.
Edit: Man muß nicht laut schreien. Es kommt von allein.
Immerhin ist auf etwas Verlaß.

Sicherheiten
Die sicherste Methode, eines Tages verlassen zu werden ist:
Sich aus Angst/zum Schutz vor dem "großen schwarzen Loch danach" zu sehr durch betonte Unabhängigkeit absichern zu wollen.
Gefunden hier bei jeamuc.
Jaja, das alte Spiel mit der richtigen Mischung aus Nähe und Distanz.

Das Gefühl, auf Bewährung entlassen zu sein.
Aber die Auflagen nicht zu kennen.

Der Tod und das Mädchen
Sieh an, zwei neue Bücher trudelten via Hauspost ein. Es wird Zeit, daß es Frühling wird. Das Thema scheint definitiv "Lust" zu heißen. Nett, bunt und definitiv voller Humor: Dave Naz, "Lust Circus". Beim anderen Buch ist das nicht so der Grundtenor. Dafür ist es aber eine ganz interessante morbide Motivstudie. Dieser Martin Büsser ("Lustmord - Mordlust", Ventil Verlag) scheint ja ganz rührig in populären Kulturthemen. Der inhaltliche Sprung von Bataille über Bret Easton Ellis zu einem allgemeinen Überblick in US-amerikanischer Kunst und Film kommt mir zwar etwas, nun ja, gewollt-gewagt daher. So aus der "lameng" strukturiert. Macht auf den ersten Blick den Eindruck einer aufgeblasenen Magisterarbeit. Aber das muß ja nicht unbedingt falsch sein. Und das Hans-Bellmer-Cover weckt schon mal Vertrauen.
Eigentlich wollte ich mir ja Maria Tatar, "Lustmord: Sexual Murder in Weimar Germany" zulegen, aber die horriblen shipping costs hielten mich ab. Ist aber die grundlegendere Studie, und kommt dem hier verhandelten Sujet auch näher. Bronfens "Nur über meine Leiche" passt da noch auf die Liste. Schau nach bei Dix, Chagall und Grosz et al. Der Lustmord als Motiv der 20er Jahre. Von wegen "golden". Masereel fällt mir noch ein. Die Stadt. Und der Lausch-Bogen zu SPK ist auch ganz schnell geschlagen. Ein weites Feld also. Grad wollte ich noch Georg Heym zitieren, aber der Weg zum Buchregal ist mir jetzt angesichts der Uhrzeit zu weit. Morgen vielleicht. Nein, und mein Name ist nicht "Bateman". Das Interesse ist wie immer streng kulturwissenschaftlich. Bevor es wieder irritierte Aufschreie gibt. (Aber dann, wie heißt es so schön: "Nicht jeder Bastler ist harmlos.")
