Freitag, 3. April 2020


Das Haus der Krokodile



In Zeiten der großen Heimisolation haben manche begonnen, komplexe Sprachen zu lernen, Kochrezepte oder sogar ein bislang unterrepräsentiertes Musikinstrument. Andere bringen ihren Haustieren lustige Tricks bei. Mir ist ja die ganze Welt ein Instrument, daher sah ich meinem Hauskrokodil ins noch unfertige Auge und lehrte es geduldig, selbst noch einen Tick geduldiger mit weit geöffnetem Maul dazusitzen. Wir haben das jetzt ein paar Mal geübt, und ich kann nun meinen Kopf zwischen die beiden kräftigen Kiefer legen (und im zweiten Schritt drei Rollen Klopapier jonglieren, die ich gerade noch im Supermarkt ergattern konnte). Wie Krokodilbesitzer wissen, neigen diese Tiere leider zu Halitosis, weshalb es ratsam ist, die über der Nase gut geschlossene Behelfsmaske auch in der Manege zu tragen. Ich habe bislang leider noch keinen diplomatischen Weg gefunden, das Thema Mundgeruch anzuschneiden, ohne die bekanntlich empfindsame Seele des Krokodils zu verletzen.

Wofür braucht man das? Das ist eine Frage, die sich selbstverständlich aufdrängt, wenn die Gedanken sonst nur um "Mehl" und "Hefe" kreisen. Ich aber muß an die Zukunft denken. Irgendwann werden wieder Straßenkünstler gesucht, die vor einer imaginären Glasscheibe stehen oder aus dem Atem eines Krokodils die Zukunft vorhersagen. Vielleicht ruft auch der Cirque du Soleil an, der mich bittet, meinen Kroko-Akt auf dem Hochseil vorzuführen. Bleibt gesund und habt Ideen!

>>> Geräusch des Tages: Echo and the Bunnymen, Crocodiles


 


Freitag, 27. März 2020


Ein Blob namens Wilson



Um Vereinsamungsnachteilen während der Heimkontorarbeit zu entgehen, habe ich mich mit neugewonnenem Interesse anderen Lebewesen zugewandt. Da ist der durch eine Heißklebepistole zum Leben erweckte Oktopus (derzeit noch Quattropus), der nun in meinem Bad lebt und mit mir launiges Liedgut unter der Dusche absingt, andererseits aber ein manchmal irriterend hartnäckiges Bedürfnis nach philosophischen Gesprächen hat. Ich bringe ihm derzeit das Schachspielen bei.

Dieses andere Lebewesen kann dies vermutlich schon. Der Blob (Physarum polycephalum ), ein Schleimpilz, der sich auf der Suche nach Haferflocken mit verblüffender Effizienz durch Irrgärten bewegen und recht "bewußte" Ernährungsentscheidungen treffen kann (in beiden Bereichen ist er den meisten Menschen im Supermarkt voraus), lebt zum Glück nicht in meinem Bad. Dafür in meinem Kopf, denn dieses Dings regt, wie man so schön sagt, zum Nachdenken an. Eine Doku auf Arte erklärt den Superorganismus.

Sollte er wirklich, wie im TV-Beitrag beschrieben, dereinst wie in einem Jules-Verne-Roman die Reise ins All antreten, wird er die neue Laika sein. Ein scheinfüßiges Superwesen auf dem Weg, wo nie ein Mensch den Fuß hinsetzte. Während wir uns immer mehr einigeln, bedroht von unsichtbaren Gefahren wie sonst nur im 50er-Jahre-Trash-Scifi-Film, düst der Superschleim von Porridge ernährt in unendliche Weiten davon. Guten Flug, kleiner Blob!


 


Montag, 16. März 2020


Aus dem Familienalbum #2



Mein Urgroßonkel Stanislaus, von dem leider nur dieses verwaschene Foto existiert, fand nach dem großen Krieg keine Arbeit mehr und war fortan als sogenannter Wanderimker unterwegs. Mit einem an einem Wanderstock befestigten Bienenkorb zog er über die Dörfer, hielt mal an diesem Heidebusch oder an jenem Akazienbaum, so muß man sich das wohl vorstellen, hielt auch mal Rast an einem Rapsfeld und reiste auf diese Weise immer der wechselnden Blütenfolge nach. Zum Schutz vor den Bienen, die ihn aber gut kannten und selten stachen, hielt er dabei ein Ringnetz vors Gesicht so wie ein Detektiv seine Lupe halten würde.

Stanislaus war findig im Finden, hatte ein Näschen für duftende Blüten und fand so immer die besten Weideplätze für seine summsigen Immen. (In Wahrheit, so ist zu vermuten, waren es die Bienen, die ihre Späher und Scout vorschickten und deren Navigationstänze er lesen konnte. So nahm er seinen "Bienenstock" und ging den Blütenständen einfach entgegen.) Sein Honig galt als exquisit und war daher besonders begehrt. So erhielt er 1927 auch die begehrte Jahresmedaille Goldene Wabe des Imkerverbandes. (Dies war sicher der Anlaß für das Foto, auf dem er die Wabe wohl um den Hals trägt, so weit man das erkennen kann.)



Die Medaille findet sich noch heute in unserer Familienschatulle. Ein Glas Honig ist leider nicht erhalten geblieben, die Vorräte wurden irgendwann zu Notzeiten aufgebraucht. Nun, da ich zuletzt gebeten wurde, für mich selber und meinen beruflichen Wanderweg neue Ziele und Ideen zu entwickeln, hatte ich den Plan, Onkelchen Stanislaus' Tradition als Wanderimker aufleben zu lassen und selber mit einem Bienestock (auf einem Tragestell auf dem Rücken vielleicht oder auch am Wanderstock befestigt) umherzuziehen. Dabei würde ich heute, wo ein Großteil unseres Honigs gemäß Warendeklaration vorzugsweise aus "EU- und Nicht-EU-Ländern" stammt, aber eher in der Wissensvermittlung arbeiten wollen. So könnte ich vielleicht umherwandern und Schulen und Kindergärten besuchen, um Kindern die Welt der Bienen zu erklären. Ganz ohne Maja-Kitsch und nostalgische Verklärung. Leider kam jetzt die Schließung dieser Einrichtungen dazwischen und meine Idee starb einen schmerzlichen Drohnentod.

Stanislaus' Spuren verloren sich irgendwo bei Lüneburg. Vielleicht traf er eine kesse Biene, die ihn in ihre Wabe lockte, so die Version, die wir als Kinder öfter hörten. Vielleicht, so meine dunkel bewolkte Befürchtung, wurde er in einer stürmischen Nacht von seinem Volk erstochen, das seine Panikbeute verteidigen wollte. Ein König Lear der Bienen, der einsam und zerstochen in der Heide endete.


 


Montag, 9. März 2020


Walk Like A Giant

I used to walk like a giant on the land
Now I feel like a leaf floating in a stream

(Neil Young, "Walk Like A Giant")



Wie sich ältere Leser hier erinnern, habe ich ja lange in einer Gartenzwergfabrik gearbeitet. Keine große Kunst, aber was Nettes und überaus Sinnvolles für die Leute, manchmal spöttisch belächelt, aber im Grunde eine coole, kreative Sache. Wie manche wissen, ist damit nun Schluß, weil die gesamte Firma entkernt und ohne Stammpersonal, wenn auch mit den alten Gußformen, weitergereicht wurde. Letzte Woche habe ich die wirklich allerletzten Arbeitsmaterialien abgegeben und den letzten Sachverwaltern im zugigen Gebäude (tumbleweed!) kämpferisch die Faust gezeigt und auf Hamburgisch "Tschüß!" gesagt.

Jetzt erst mal Altsackphase, feucht-fröhliche Auskehr, Fenster auf und frische Luft, Gedankenkeller ausmisten und Schuhe frisch geputzt. Mit 37plus denkt man schon mal an Fahrtrichtungsänderung raus aus der Drei-Meilen-Zone. Stichwort: die alte Familienimkerei wiederbeleben und mit sieben Hühnern und drei Ziegen auf den Resthof im Mecklenburgischen ziehen. Eine Garagenband (Name: "Drei Pfeifen im Wind") gründen. Nach New York ziehen, um es dort zu schaffen.

Viele muntern mich auf ("Junge Leute werden immer gesucht!"), andere prüfen schon mal die Bausubstanz. Ich habe fünf Schubladen voller Pläne, fühle mich aber auch ein wenig müde. Aufgabe also: einmal komplett umstülpen, dann wie ein stures Pferd voran. I wanna walk like a giant.

>>> Geräusch des Tages: Neil Young, Walk Like A Giant


 


Donnerstag, 5. März 2020


Ährenmord



Schutzmasken sind all überall ausverkauft. Ich habe nun einfach eine alte Kupferplatte poliert, zurechtgebogen und gelötet und einen Helm zurechtgedengelt. (Und bevor wieder einer meckert: Ja, es fehlen noch die Nieten und natürlich der Schlauch für die Sauerstoffzufuhr.) Bald kann ich auch mal wieder raus und die Sonne genießen.

Willst du aber auch das Internet erobern, so heißt es, vergiß die Katze nicht. Wenn ich dann aber mal ein mir gerecht werdendes Katzenbild im Internet posten will, stößt das nicht immer auf die erhoffte Anerkennung. Mit anderen Worten: Nicht alles, was man in Workshops über neue Medien lernt, führt auch zum Erfolg. Die Lage ist häufig unter schwierigen Umständen wie in einer dunklen Tiefsee erstarrt.

Ich könnte es dafür mit dem Schreiben probieren. Das machen viele, so höre ich. Und viele schreiben in letzter Zeit in der heimischen Provinz angelegte Kriminalromane. Ich könnte daher, sollte ich bald einen Resthof mit drei Ziegen und sieben Hühnern bewirtschaften, ein bäuerliches Milieu beackern und aus dem Bauchladen heraus den vorbeituckernden Treckerfahrern nach ihrer Demo jeweils ein Exemplar verkaufen. Der Auftakt meiner Kriminalromanreihe hieße nämlich: Ährenmord - Ein Bauernkrimi.

Nebenher will ich dann ein Geschäft als Blumenfotograf aufbauen. Da es schon sehr viele, sehr gute Blumenfotografen gibt, werde ich es als sehr schlechter Blumenfotograf probieren, denn in diesem Bereich, das haben meine Marktstudien ergeben, klafft noch eine Lücke, die es zu füllen gilt. Wundert euch also nicht, wenn ihr einen zauseligen Mann mit Taucherhelm Strohhut auf Hamburger Märkten herumlungern seht, der Bilder von ebenso zerzausten Blumen feilbietet.


 


Mittwoch, 8. Januar 2020


Die Tränkung


Die Kardinälin, 2020. Acryl, Rost auf Papier
und Schellack. 1000,- Mark.


Als Wuppertaler ist man ja Tränkung und Durchtränkung gewöhnt. Tage-, wenn nicht wochenlang, eingenieselt von mittelfeinem Landregen (Landregen in der Stadt!) spürt man erst noch den nixennassen Griff von hinten in den Kragen, bald gar nichts mehr, außer dem Gefühl einer klammen Pferdecke, die jemand fest um einen gewickelt hat. Dazu das schmatzende Geräusch schiefgelaufener Sohlen auf dem steigungsschrägen Asphalt. Laune entsprechend. Nun ist in meinem Bekanntenkreis die Frage, ob Kindheitserlebnisse prägender Natur sind, umstritten. Die besonnt Aufgewachsenen sagen nein, andere anders. Mich hat es zu einem neuen Werkzyklus inspiriert, bei dem ich an feinste flämische Malerei erinnernde Bilder in Schellack getränkt habe, um sie unempfindlich gegenüber Stadt-, Land- und Flußregen zu machen.


Die letzte Sonne, 2020. Acryl auf Papier und Schellack. 1000,- Mark.

Die Ergebnisse sind berückend (die Scans geben den Reichtum an Details und Farbe nur unzureichend wieder) und Ausdruck einer condition humaine zwischen ständiger Dekonstruktion und Niederschlag, in der weder das Verfinstern der Sonne noch goldener Glaube Hoffnung und Zuflucht bieten. Traurig eigentlich, aber so ist die Kunst. Mehr kann ich nicht erklären, sonst hätten die bei der Monopol ja nichts mehr zu schreiben über mich.

Pastoser Trübsinn im Atelier, während ich Ecken zurechtschmirgle und meine Zukunft grundiere. In der von Lösungsmitteln weichgedämpften Birne wandelte ich mich bereits vom Saulus zum Paulus und vom Kritiker des Projekts Elbphilharmonie zum Kartenkäufer. Aber nur wegen Meredith Monk, die im Februar vortragen wird. Vielleicht kann ich mit einem meiner Apparate eine Schellackaufnahme davon machen. Wasserfest.


 


Donnerstag, 2. Januar 2020


Bombette!

Als Semiotiker verbringe ich meine Neujahrsspaziergänge durchs Viertel ja mit Zeichenexegese. Dieses Jahr allerdings schlich ein zwielichtiger Mann mit so einer Pfandflaschengreifzange umher und beeilte sich, offenbar im Auftrag einer zwielichtigen Organisation, die kodiert ausgelegten Schrapnelle der Nacht (so der Titel meines Debütromans), die Spurenlage also, zu vernichten und die Beweismittel um Mülltonnen und Verteilerkästen aufzusortieren. Zwielichtig nenne ich das, und als er mich entdeckte, eilte er schnell in ein angrenzendes Neubauhauslabyrinth zurück. 2020 aber werde ich ganz neue bedeutsame Nachrichten lesen.



Dabei hätte es Hinweise, und das wird nun sehr viele interessieren, auf ein von alten Quellen so benanntes böllerozentrisches System gegeben, bei dem sich Erde, Mond und eine enthemmte Bevölkerung konzentrisch um eine Batterie von Knallkörpern drehen. Ich habe derzeit ein bißchen Zeit und werde dem in weiteren Studien nachgehen. 2020 aber werde ich ganz neue bedeutsame Systeme entdecken.



Meine Trash-Tanzkapelle für die soll "El Kid & The 37 Bombettes" heißen, mit der ich auf wilden Silvesterpartys in den Untergeschossen alter Abbruchhäuser sleazy Rock'n'Roll-Klassiker auf Spanisch vortragen werde (kann kein Spanisch). Alle angesagt mit dem Bombenspruch "One, two, three, four, seven!" (Hier ein leicht erkennbares Beispiel. Ich bin ganz links.) 2020 aber werde ich ganz neue bedeutsame Musik, Filme, Bücher und Kunst entdecken.



Derweil brodeln über den Globus verteilt neu entdeckte Vulkane und stoßen heiße Funken aus. Ich habe da kein gutes Gefühl, zumal ein über die Jahre auf dem Syfy-Channel ausgestrahlter dokumentarischer Film über einen Ex-Navy-SEAL und eine knapp bekleidete Vulkanologin ganz ähnliches berichtete. 2020 aber werde ich in meinem geheimen Geheimlabor eine bedeutsame Weltformel entdecken, die uns allen Frieden, mildes Klima und gute Schokolade bescheren wird.

So weit die Vorsätze. Ich will nicht klein anfangen, denn ich brauche ein Haus in den Hamptons für meinen inneren Weltfrieden oder wenigstens einen Gnadenhof für Bienen in Mecklenburg, die dort tanzen und schwarzen Honig für Gothics produzieren sollen.


 


Dienstag, 31. Dezember 2019


Auf nach 2020!



Über die Weihnachtstage habe ich zwei Versionen von "In 80 Tagen um die Welt gesehen", einmal eine TV-Variante mit Pierce Brosnan und dann natürlich die "klassische" mit David Niven. Beide sind nicht wirklich gut gealtert, eine machte aus dem Ballon ein Luftschiff, dazu allerhand Langatmigkeiten und Stereotypen - und am Ende dachte ich, es ist wie so oft im Leben: Am besten, man macht es selbst.

2019 sägte man gleich den ganzen Baum ab, auf dem ich saß, bedachte aber nicht, daß ich mein Seil doch lieber selber kappe. So blieb ich vor dem Fall zu Boden einfach in der Luft hängen. Ab und an reitet ein Bote heran mit Schreiben höherer Wesen, um mich zum Runterkommen zu bewegen. Das letzte erreichte mich sogar noch knapp am 30.12. Aber ich halte aus, ich habe Vorräte, und so bleibt mir ein bißchen Zeit, weiter an meinen Projekten zu basteln, den Ballon zu provisionieren, um dann 2020 vielleicht nicht raketengleich, aber mit hoffentlich guter Thermik Fahrt aufzunehmen. Mal schauen, wohin der Wind so weht, ich habe Karten aller Länder an Bord.

Allen einen guten Rutsch in ein hübsch grau gestreiftes neues Jahr - und achtet auf den Nachthimmel. Vielleicht seht ihr mich, wie ich zwischen all den Raketen durch die Wolken gleite.


 


Mittwoch, 25. Dezember 2019


Aus der inneren Berghütte gesendet


Herr Kid hat den Baum schön

Erstmals in all den Jahren hatte ich freie Hand und Muße, einen eigenen Weihnachtsbaum in meinen Leuchtturm am Ende der Wasserstraße aufzustellen. So wird Weihnachten doch gleich gemütlicher! Eigentlich war dann der Plan, rund um den Baum ein paar neckische Fotos nachzustellen, aber ich konnte meine roten Strumpfhosen nicht finden.


Für die jüngeren Leser, die das nicht kennen: Das ist die Form einer Schneeflocke

Am Morgen dess ersten Weihnachtstags, wenn die Eltern noch schlafen, kann man immer schön mit den Geschenken spielen und Reste trinken. Ich bin ja jetzt in dem Alter, wo man sich "nichts mehr schenkt", also das Haus schnell voll mit "Kleinigkeiten" hat. Aber die besonderen sind dann eben doch besonders. Wie diese handgeschöpfte Seife einer Kollegin aus der Ukraine. Ich bin mir nicht sicher, ob sie mir damit etwas sagen will außer, "Schau mal, hab' ich dir mitgebracht". Das Leben ist bekanntlich voll mit verschlüsselten Botschaften und komplex verschachtelten Zeichensystemen.


Frau Harvey hat den Film schön

Rechtzeitig vor dem Fest erreichte mich aus dem bald sehr fernen England die DVD zu A Dog called Money, die Dokumentation, die Musikerin Polly Jean Harvey gemeinsam mit dem Fotografen und Filmemacher Seamus Murphy gemacht hat. Damit ich was habe, falls "nix im Fernsehen" ist. Ich bin sehr gespannt, teile mir wie immer im Leben die Dinge aber ein. Oben auf der Liste stehen ja noch die Weihnachtsspecials der Murdoch Mysteries, worin, wenn ich es richtig vorausgelesen habe, Constable Crabtree die "Picture Novel" erfindet - bebilderte Abenteuer um einen Superhelden, für das schnelle Lesen zwischendruch. Bin sehr gespannt, was das sein soll.

Während ihr also das Geheimnis der Gans lüftet, werde ich ein paar Dinge und Objekte erfinden, von denen das ein oder andere möglicherweise irgendwann einmal den Lauf der Welt verändern wird. Bis dahin: Frohe Weihnachten!


 


Donnerstag, 7. November 2019


Rückspiegel



Man müßte das mal rückblickend zusammenstellen. Die Art, wie sich Farben in den Jahren verändern. Herbstmode dieses Jahr ist offenbar so ein Graublau- oder wie die Modeexperten sagen: ein Blaugrauton. Kontrastiert durch signalfarbene (und vielleicht auch richtungsweisende) Rotweiß-Akzente. Sehr schmackhaft übrigens.

Weitere Schnittmenge: Tiere. Norbert Scheuers Winterbienen war mir bei Erscheinen natürlich aufgefallen, aber die letzten Erfahrungen mit zeitgenössischer deutscher Literatur haben mich zögern lassen. Jetzt, wo das Buch ins Haus gesummt kam, muß ich sagen: Der Auftakt ist überraschend einnehmend. Seine Geschichte und sein Thema einkreisend wie ein Schwänzeltanz. Details werde ich einfühlend bei Brehm nachschlagen, der knochentrocken festhält: "Alle Schweine der Erde ähneln sich in ihrem Leibesbau und Wesen". (Die Illustrationen der sehr schönen Ausgabe vom Duden-Verlag sind ebenfalls eine Wucht.)

Man muß den Dingen ins Gesicht und dem Energiefluß in die Steckdosennase sehen. Die letzten Woche bescherten Formulare, Zahlen, Rechenmodelle, Termine und Gespräche, ein Summen wie im Bienenstock. Während ich über einen Urlaub nachdenke, erreichen mich Karten aus anderen Zeiten und Ländern. England nämlich. Vielleicht sollte ich die Chance nutzen, solange es noch einfach ist.

Mittlerweile, ganz anderes Thema, bin ich in der achten Staffel von Murdoch Mysteries angekommen. Nach der noch etwas steifen (und viel zu indianerstark geschminkten) ersten Staffel, hat sich die Serie wie so viele ab der zweiten freigespielt, ab der fünften wird amüsierend locker mit dem mittlerweile erreichten Kultstatus (also im Heimatland Kanada) gespielt. (So gibt es eine selbstironische Folge über den "Murdoch Appreciation Club", wo eine Gruppe Fanboys und -girls einen Mordfall konstruiert, um ihr Idol aus nächster Nähe bei der Ermittlungsarbeit beobachten zu können.) Gesellschaftliche Veränderungen um 1900, wie der Kampf um Frauenrechte, spielen ebenfalls mehr und mehr eine Rolle. Hübsch sind die vielen Anspielungen (gerade habe ich eine Folge gesehen, in der Murdoch als eine Art "Indiana Jones" in den "Tempel des Todes" muß.) Der große Kniff der Serie, den anachronistischen Blick auf die Technikgeschichte, der mal vor- oder auch zurückdeutet, ist nach wie vor der größte Spaß. Murdochs Basteleien und Erfindungen (zwischendurch hat er auch ma eben eine Gangschaltung adaptiert, um an einem Radrennen teilzunehmen - nicht des Rennens wegen,, sondern als "Proof of Concept") sind immer noch teils irrwitzige Beispiele der Entwicklung in der Foresnik: So entwickelt er die von ihm erfundene automatische Kamera mit einem kleinen Ballon zur Drohne weiter, um Luftaufnahmen machen zu können. Letztlich alles ein milder Humor für erschöpfte Menschen, die sich nach einem harten Tag auf Twitter nicht mehr aufregen wollen.