Freitag, 25. Februar 2005


Wahnsinnig sinnvoll



Andere bekommen Sachen aus ihrer Amazon-Wunschliste, getragene Unterwäsche oder unzüchtige Fotos - ich bekomme Schokolade geschickt.
Ich bin gerührt. Ich bin sehr gerührt. Eine gute Tat.

Vielen Dank. Ungelogen.


 



Die lieben Kollegen

Ich habe das Buch "Mein wunderbarer Massenselbstmord". Da habe ich gleich an dich gedacht. Ich bringe dir das mal mit.

Sie sind so nett zu mir.


 


Donnerstag, 24. Februar 2005


Elsterfutter

Hm. Im Leben bekommt man ja für alles mögliche die Quittung. Was aber, um Himmels willen, fange ich hiermit an. Ist das eine Betriebsausgabe? Werbungskosten? Arbeitsanzug? Was hat der Hase da zu schaffen? Bin ich Donnie Darko?
Ein wenig müde jedenfalls, denn die gestrige Nacht war kurz, weil die dicke gelbe Larve am Himmel als Schwingungsverstärker wirkte. Dabei hatte ich den Abend schon damit verbracht, ein wenig zu brechen und ein wenig zu weinen. Dann wieder ein wenig zu brechen. Vielleicht hätte ich mich besser an einen Busen aus Weichplastik kuscheln sollen.

Heute entschlüpfte mir der Satz, daß auch schon Menschen beim Grübeln gestorben seien. Sehr zum Beifall meines Gegenübers. Manchmal muß man einfach mal was tun und nicht immer nur zögern und zaudern und, ach, ein Wägen und ein Wiegen und ein Messen betreiben. Nachmittags brauchte ich dann meinen lose mitgeführten Deckenhaken. Ich schraubte ihn außen unter meinem Fenster in der Fabrik in die Wand. Für den Fall, daß ich mich schnell dort abseilen muß.


 



Frl. Trudel fragt

Heeerr Kiiid, wie ist das mit ihren Superkräften?

Ich habe einen Psycholetten-Magneten. Den schalte ich ein, dann kommen die und machen alle fertig.


 


Mittwoch, 23. Februar 2005


Jumping Someone Else's Train

Auf dem Bahnhof ist es einfach. Eine Lautsprecheransage klärt darüber auf, wann man zurücktreten muß. Die Türen schließen sich selbsttätig, es ertönt ein Pfiff, eine Kelle wird gewunken. Dann setzt sich die Lok in Bewegung, ein letztes Winken, bis man Türen und Fenster und einzelne Waggons nicht mehr voneinander unterscheiden kann.

Dort, wo es nur Worte, Andeutungen und leise Zwischentöne sind, eine Randbemerkung, die über das Ende des Bahnsteigs huscht, dort wird ein Pfiff nicht ertönen. Manchmal ist es die Stille, die gerade nur einen Augenblick zu lange dauert, oder ein Blick, der sein Ziel vermeidet.

Am Ende bleibt es sich gleich. Der Zug ist abgefahren.


 


Dienstag, 22. Februar 2005


Ein Mondtag

Noch schnell die Frage zum ausklingenden Montag: Gibt es eigentlich etwas innerlich berührenderes als bei nahendem Vollmond das Elster-Programm zu installieren?

Nach heutigen Erfahrungen muß ich sagen: nein.


 


Sonntag, 20. Februar 2005


Everything Can Be Beaten


It doesn't know much about "welcome" or "joyful", but he has spent
a whole life getting very good at pain and suffering.

(aus: Everything Can Be Beaten)


Sie sagt, ihre Art der Selbstzerstörung bringe wenigstens Spaß. Dem kann ich während der Spaßfastenzeit selbstverständlich nicht folgen. Vielleicht sollte ich mir aber ein Beispiel nehmen an den jungen Leuten und ausnahmsweise dieses Jahr zum Jahr der Orgien ausrufen. Falling Down und Spaß dabei...


 



Becherovka



Wer nicht Meister seines Glücks sein kann, ist vielleicht besser Herr seines Unglücks. (Besser ein Herr über etwas, als König über nichts.) Mit den Konsequenzen leben, schließlich das Haus aufräumen oder aufräumen lassen.

Unter Bloggern sitzen, südtiroler Schinken zerlegen, Jägerlatein hören und tschechischen Becherovka kippen. "Der ist nur für Männer", heißt es - und so bekommt der Kid erst einmal nichts. Ich will daraus nichts weiter für das Leben ableiten. Dies aber völlig entgegen meiner Art.


 


Samstag, 19. Februar 2005


Tote tragen keine Karos

Clean My Place

Bei "Dummy" weiß ich ja, was ich gekauft habe. Was aber soll "Meine Putzfrau" bedeuten? Ist das ein Special Interest-Magazin? So was wie Mein Garten für Leute mit viel Dreck daheim? Steckt dieses Buch dahinter? A Cleaning Woman?

Ich bin jetzt zu müde, durch die Quittungen, die ich bekommen habe, durchzusteigen.


 


Donnerstag, 17. Februar 2005


Fähnlein Freudenschrei

Gewappnet mit den rücken- stärkenden Worten der Kaltmamsell ("Denken Sie daran, daß Vogelfreie nur so weit fallen können, wo sie eh schon stehen - ins Nichts", jetzt mal aus dem Kopf zitiert) ging ich heute zu einer Betriebsversammlung einem Familientreffen. Mit einem herzlichen Willkommen stellten sich drei der neuen Herren ("Lock, Stock & Barrel") der gespannten Belegschaft. Alles ist gut, lautete die Botschaft, offen, transparent, kommunikativ sei man. Sorget euch nicht, arbeitet, schwebte kurz der Geist von Dale Carnegie über den Köpfen der Zuhörer. Worte wie "Synergie" und "Harmonie" huschten durch den Raum wie ein Mantra, und bald füllte ein Om Mani Lull Lull die stickige Luft und verklebte die Hirnzellen. Fast hätte sich das Dach des Saales gehoben auf einer Woge der Begeisterung und wäre davongesegelt - nach Süden, Richtung München womöglich. So jedenfalls hätte es Peter Rüchel beschrieben, Pate der legendären Rockpalastnächte, der jedes Jahr vom Davonschweben des Daches der Essener Grugahalle faselte.

Hier dämpften die nur flüchtig mit einer Plane zugedeckten Reisekoffer der Herren, aus denen Messer und und blutige Sägen herausragten, die Stimmung. Schlank werden durch Essen, so die Devise der nächsten Monate. Stellenzuwachs durch Stellenabbau, raunte ein mächtiger Odem. Frieden ist Krieg, Leid ist Freude, und wir alle lieben den großen Bruda!

(Man muß aber auch nicht alles schlechtreden, nur weil es neu ist. Wer weiß, was ich lerne. Tabulos will man sein - und das stünde mir vielleicht mal ganz gut zu Gesicht, ehe ich noch als verklemmter Hagestolz ende. Ja, ich freue mich, dabeizusein, ein Teil der Sache, auf neuen Wind und neue Herausforderungen und weitere Monate der Ungewißheit. Denn Ungewißheit ist Sicherheit, und Damokles der Gott all derer, die den süßen Kitzel klassischer Arbeitsplätze schätzen.)

Apropos süßer Kitzel. Ich beginne, mich auf meine alten Kernkompetenzen zu besinnen, ehe man mir als Abfindung die Vaseline für meinen neuen Job hinterm Hauptbahnhof reichen will. Da war doch noch was. Müssen es immer Gartenzwerge sein? Heute kaufte ich mir ein Buch, das mich an glorreiche Zeiten im balinesischen Staatszirkus erinnerte. Wenn ich bloß ein wenig übe, wird es bestimmt noch mal was mit der Messernummer. Bei mir fange ich an.
Mein Stern soll nicht sinken. Ich habe ein buntes Jahr im Fokus.