Cool for Cats

So here in the bar
The piano mans found
Another nail for my heart.

(Squeeze, "Another Nail
For My Heart". 1980.)

Ungefähr, na sagen wir, 1980, fand ich einen Sommer lang Squeeze gut. Die hatten eine sehr poppige Mischung aus prototypischem New Wave (XTC), Beatles (was sonst), Rock(abilly) und TwoTone (Selecter et al.) öh, zusammen - öh - gemischt. Ein harmloser Spaß alles in allem - so wie ich.

Die hatten mehrere Sänger (Chorgesang!), mehrere Songschreiber (Jools Holland wurde später mit seinen TV-Sendungen noch recht bekannt) - und Texte, die für einfache Pop-dittys immer einen Tick zu sophisticated waren. "If I didn't love you - I'd hate you" war noch von der plumperen Sorte.

Einer meiner Lieblingssongs von ihnen ging über eine junge Liebe - und wie das so ist mit den Schwiegereltern. "Her father seemed to like me", hieß es dort. "I helped him fix his car". Solcherart Alltagsbeobachtungen wie in "Seperate Beds" lagen einem pubertierendem Herzen natürlich bitternahe. Gerne auch laut gehört: Take Me, I'm Yours. (Hier weht kurz der Geist von Wire durch den Song.)

Aber der Knallersong war definitiv Pullin' Mussels From the Shell, den Subtext darf sich jetzt jeder selbst zusammenreimen. Aber wenigstens einmal im Leben gehört haben sollte man es! Echt jetzt!

Zugegeben, wirklich uber-cool waren Squeeze vielleicht letzten Endes nicht. Sie sind aber im Alter ziemlich lässig geworden: Punks Not Dead und Jimi Hendrix hört man unplugged auch nicht alle Tage (und diese Version von "Voodoo Chile" muß man nun wirklich gesehen haben. Fuckin' cool!).

>>> Webseite von Glenn Tilbrook und Chris Difford bzw. Squeeze. Irgendwann 2007 soll auch der Backkatalog auf CD erscheinen.

Radau | 16:25h, von kid37 | Kondolieren | Link

 
the great gate - Dienstag, 1. Mai 2007, 20:51
Sie haben Recht
Muss man gesehen haben.
Voodoo Chile, schon sehr entspannt.

Und endlich wird hier mal bewiesen, dass punk nicht nur nicht tot ist, sondern nie existiert hat. War nur ein großer folgenschwerer Tippfehler. Es hätte Pubrock heißen müssen.

Schöner Switch zurück in die Zukunft

Ach so, genau. Frage: Lüge ich mir da die Vergangenheit schön, oder stimmt es wirklich, dass am 01. 01. 1980 tatsächlich The Jam Nummer Eins der britischen Single-Charts waren mit ausgerechnet: Going Underground.

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ulrich s. - Mittwoch, 2. Mai 2007, 11:29
Stand Up And Spit
Ne ne ne ... The Squeeze waren mir damals einfach zuviel von allem, so gesichts- und konturlos. Da lagen mir die Members mit ihrem Sound Of The Suburbs und dem ersten Klassiker Album At the Chelsea Nightclub (a bunch of smashhits) weit mehr am Herzen. Wenn man sich die Jungs allerdings heute auf Myspace anschaut, sieht man traurige, dicke, verlebte Männer, die lustlos ihre Gassenhauer runterdaddeln.
http://www.myspace.com/godfathersofbritpop

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kid37 - Mittwoch, 2. Mai 2007, 14:23
Damit das klar ist: Squeeze war völlig harmloser Pop. Sommermusik mit dem ein oder anderen melancholischen Einschlag. Ich mochte aber immer schon so ditties, ich kann mich auch für Madonnas "Borderline" begeistern. The Members waren eine ganz andere Schublade, klarer Fall. Ich mochte die irgendwie nicht so.

Herr GreatGate, Pubrock, ganz wichtige Strömung, die zeigte, daß Gitarrenbands funktionieren - während "offiziell" überproduziertes Geschwurbel wie Genesis, BJH und Mike Oldfield als "wichtig" galten. Punk aber nur auf drei Akkorde zu zu redizieren war mir aber immer zu einfach. Der kreative Ausbruch, die immens wichtige Botschaft des "Do it yourself" (und vor allem "Do it!") zielte deutlich über die Begrenztheit (und Bierseligkeit) eines Pubs hinaus. Daher auch Peter Heins jüngst wieder in ähnlicher Form kolportierter Spruch "Die Gammelpunx fanden wir damals schon scheiße".

Wenn ich mich recht erinnere, provozierte "Going Underground" einiges an Häme. The Jam waren gerade zu einem Major gewechselt und der Titel wurde ein wenig als Bettelei um Credibility verstanden. Man kennt das ja vom Bloggen. Großer Song aber.

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the great gate - Mittwoch, 2. Mai 2007, 17:34
Ganz großer song: Zusammen mit that´s entertainment das Beste, was m.E. Paul Weller mit den Burschen gemacht hat.

Was den Punk angeht, haben Sie auch wieder Recht. Mir haben seinerzeit nur die bekannten Hits dieser etwas einfacher gestrickten Art Hardrock interessiert, weil mir sozusagen die talking heads immer schon besser gefallen hatten.
Die Platte Remain in Light ist für ich immer noch das amtliche Ende und sozusagen der bislang nicht mehr erreichte Höhepunkt dessen, was man als Musiker ohne Kenntnisse in Notation und Quintenharmonik mit klassischer Rock´n Roll Besetzung im Diesseits von Blues, Soul, Elvis und Dylan erreichen kann.
Was danach kam war auch in seinen besten Momenten so neu nicht, auch wenn es natürlich immer schöner und besser geremastert geklungen hat.

Die letzte Band, deren Konzert, mich wirklich angenehm überrascht hat, war " Name fällt mir momentan nicht ein-Banhart" als support der Coco Rosies. Das ist aber jetzt auch schon wieder zwei, drei Jahre her, seit die als Vorprogramm ihre inzwischen berühmten Musikstudenten-Schwestern ganz locker an die Wand gespielt haben.

Den Peter Hein habe ich zuletzt nach ihrem Münchner Gig mit der Band im Holy Home, unserem amtlichen Pub im Gartnerplatzviertel, sitzen sehen. Da machte er einen ganz aufgeräumten und für sein Alter durchaus frischen Eindruck. An der Bar saß in gehörigem Abstand zufällig oder auch nicht der so genannte DJ Hell, der Geyer Helmut, der immer noch davon zehrt, mitte der 80er im Libella in Kirchweihdach und später im Größenwahn in München gelernt zu haben, wie man z. B. We Are Family und Flesh For Fantasy übereinandermischt (wobei ich heute noch überzeugt bin, dass das damals, 85 schon eine Konserve war, die er nur als Livemix verkauft hatte, aber ich kann mich auch täuschen, klang jedenfalls sensationell gut) und hat – wie mir auffiel – schon etwas neidisch von seinem Energiedrink- oder Mineralwasserglas immer mal wieder zu den tatsächlich in Würde erwachsen gewordenen Fehlfarben hinübergestarrt. Ich fand das irgendwie bezeichnend, könnte jetzt aber auch nicht genau erklären, warum eigentlich.

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