Mittwoch, 4. April 2012


Molotows Büro



Früher war das Molotow ja mal so was wie mein extendiertes Wohnzimmer, mittlerweile aber bleibe ich zuhaus bin ich weitergezogen, zu anderen Plüsch und Plünnen. Gern aber schaue ich immer wieder vorbei, vor allem, wenn die Hamburger Clubinstitution auf der Reeperbahn so unterhaltsam bespielt wird wie gestern abend. Berni Mayer, den viele als den Burnster aus diesem Internet kennen und lieben, stellte dort seinen Roman Mandels Büro (habt ihr ja schon alle gekauft) vor. Die Hütte war tatsächlich voll, viele bemerkenswert junge Leute - der Burnster hat offensichtlich seine Fans, und die kommen nicht alle aus dem Internet. Außer einer Hamburger Bloggerin und den Leuten vom Laden kannte ich kein Gesicht; romanschreibende Blog-Autoren ziehen offenbar ein völlig anderes Publikum an.

Wenn der Burnster liest, ist das ja mehr so Plauderstunde mit Motörhead. Gemeinsam mit Max Leßmann von Vierkanttretlager pflügt er munter durch ausgewählte Strecken der launigen Erzählung über zwei lose Verkrachte, die vom Musikbusineß ins Schnüfflergewerbe gewechselt sind. In verteilten Rollen, unterbrochen von Seiten- und Querverweisen, beigesteuerten Fußnoten aus dem Publikum und zahlreichen Anekdoten aus dem Leben auf der Musikstraße, breiten die beiden einen munteren Klangteppich aus. Es riecht nach Rock'n'Roll, Katholizismus, Rauch und Bier und Jack, ein kurzer Ausflug aus dem zauberberghaften Teestubensanatorium, mit dem meine eigene Welt derzeit beschrieben ist. Der Mann ist noch auf Tournee, wer irgendwo in der Nähe ist, sollte hingehen. Den Roman gibt es in jedem gutsortierten Handel.


 


Montag, 2. April 2012


April, April

Scorpio is known to be a loner, but this month you will see that there is at least one, if not more than one, person in your life that you would like to align with in a close, serious partnership.

Haha. Diese Frau im Internet will mich wieder foppen.

Kein Aprilscherz aber ist, daß der Burnster, der alte Internet-Haudegen, nach Hamburg kommt, um aus seinem Roman Mandels Büro zu lesen. Am 3.4. im - yeah! - Molotow. Müßt ihr alle kommen! Und noch welche mitbringen. Dieser Club muß schwitzen. Ich jedenfalls freue mich schon.


 


Sonntag, 1. April 2012


Rauhes Haus

Aus einer gewissen Unruhe heraus schaue ich ja links und rechts nach einem neuen Wohnsitz. Man muß weiträumig denken, denke ich mit aufgeräumter Geste. Horizontaler denken, nicht nur vertikal. Mein Leuchtturm ist in dieser Hinsicht zu eindimensional. Nun scheint es, als hätte ich mein mögliches Haus gefunden. Müßte mal gestrichen werden, oder auch nicht, ich bin da nicht kleinlich oder gehöre zu den ewig unzufriedenen Leuten, die in ihren Wohnungen immer umräumen und werkeln müssen und von links nach rechts schieben. Ich nehme das Erdgeschoß, der Tisch ist dort schon gedeckt. Die fehlenden Gäste denke ich mir aus.


 


Samstag, 31. März 2012


How to dance: Gothic Style



Der Samstagabend naht, Zeit für die Unversehrteren unter uns, die Tanzschühchen unterm Bett hervorzukramen, den Staub herunterzupusten und ein paar Dehnübungen für eine lange Discotheken Clubnacht zu machen. Aber, werden sich die etwas Eingerosteten fragen, wie ging das eigentlich noch mal, dieses düstere Gothic-Tanzen?

Wir hatten das ja schon mal hier besprochen (Merke: man sollte öfter in die Archive schauen). Betrüblicherweise ist die dort in den Kommentaren erwähnte Instruktionsseite derzeit nicht erreichbar. Zum Glück aber gibt es nun dieses Lehrvideo, das einige der wichtigsten Stilarten des Gothic-Tanzens leicht anschaulich und nachvollziehbar erklärt. Leider fehlt der berühmte "eine Glühbirne einschrauben"-Stil, aber man kann nicht alles haben.

via Coilhouse

Tentakel | von kid37 um 21:08h | 2 mal Zuspruch | Kondolieren | Link

 


Donnerstag, 29. März 2012


delighted and enlightened

Große Freude heute, die englische Verwandtschaft schickt ein monströses Kärtchen mit besten Genesungswünschen. Und für zagende Kids, hält die Karte gleich noch weiteren Trost bereit - sie leuchtet im Dunkeln, wenn man sich schüchtern nur noch durch die Flure wagt, auf tiefnächtlichem Weg zur Toilette oder zum Kühlschrank.

Die Kollegen in der Häschenschule sind auch ganz freundlich, sie pinseln fleißig ihre Osterware, haben mir einen Platz freigehalten, so daß ich diese Woche ganz unauffällig mein Tagewerk wieder aufnehmen konnte. "Ich habe ein Auge auf dich!" rufe ich meiner Arbeit zu und kichere über den gelungenen Scherz. Es muß jetzt monstermäßig vorangehen, habe ich beschlossen. Ich bin noch jung habe noch was vor.


 


Dienstag, 27. März 2012


Der schwarze Kaffee der Frühe

Search request: Chancenviertel frühstücken

Heute noch vor dem Frühstück gute und schlechte Nachrichten. Meine Gedächtnisleistung ist erstaunlich gut, dabei kann ich mir doch nie etwas merken. Offenbar aber kann ich vor dem ersten Kaffee besser Zahlen addieren und Begriffe im Kopf behalten. Mein Gegner werde aber nur ich sein. In einem Jahr. Frau Sorge bringt wieder Unruhe ins Spiel. Leider war sie auf einem Symposium, hat nachgedacht und will erneut tiefer graben. Sie hat etwas gegen Fragezeichen, ich finde die schön gebogen. Aufkeimende Bockigkeit, hier muß mal Ruhe in den Karton oder wenigstens ein Kaffee auf den Tisch.

Den könnte der nette Herr Masuda machen. Der ganz bezaubernd eingerichtete Japaner ist Kaffeeliebhaber einer zeitverschobenen Schule und hat sich nun überlegt, aus seiner stillen Passion ein Geschenk zu machen. So fährt er mit seinem kleinen mobilen Kaffeehaus ins Katastrophengebiet des Tsunamis, bietet den Menschen dort seinen verdammt guten Kaffee an, spielt auf seinem Grammophon alte Platten und verbreitet überhaupt eine ganz freundliche Stimmung. Eine sehenswerte kleine Dokumentation von Mackenzie Sheppard. Demut lernen.


 


Sonntag, 25. März 2012


Unrund



Ein gezwungener Versuch, die Müdigkeit aus den Knochen zu schütteln, Schotterstraßen abrumpeln, Rundwege, die unrund laufen. Knapp 20 lächerliche Kilometer, die aber nicht ohne Pause gehen, ein finsteres Ergebnis, von dem ich nicht weiß, was ich davon halten soll. Kraftlosigkeit.

Immerhin Sonne, Vitamin D bilden, wie man so sagt, und das Gleichgewicht gehalten. Im Saarland wird bunt gewählt, das wird entweder langweilig oder sehr lustig. Die Fotos von Ed Ross, die er mit Plattenkameras macht, bringen mich auf die Idee, endlich mal meine letzten Filmvorräte aufzubrauchen. Schon allein, um das Tiefkühlfach freizuräumen. Ich versuche, mir gerade Ziele in alle Richtungen zu setzen, Sichtweise zu fordern.

Nachmittags dann Ruhen im Lesestuhl, ich höre das neue Album von Lee Ranaldo, das mir mittlerweise besser gefällt. Textlich manchmal etwas wenig einfallsreich, mochte ich anfangs auch die auffällig zurückhaltenden Arrangements nicht. Merkwürdig gezähmt schienen mir Sound und Willen ("Die Welt als Wille und Gassenhauer"), vom George Harrison von Sonic Youth hatte ich mir weniger domestiziertes erwartet. Aber da hatte ich das Album noch unter Kopfhörern gehört, als der der Klang noch in zuviele Einzelteile zerfiel. Lauter spürt man den Druck, hüllen einen auch die zugänglicheren Melodien ein, wie überhaupt eine gewisse Entspanntheit über dem Werk liegt, vor allem, wenn man es mit der Nöligkeit der Thurston-Moore-Soloalben vergleicht.

Ein bißchen Blättern in Magazinen, die schwache Hand bewegen, Inventur machen in Haus, Hof und Herzen. Abwarten. Erstmal weiter abwarten.