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Freitag, 18. Januar 2008


Immerhin: Aussichten

Die schönsten Frauen gibt es auf Vernissagen, heißt es, und manchmal weiß man tatsächlich nicht, wo man zuerst hinschauen soll. Aber das nur nebenbei. Der Nachwuchswettbewerb "Gute Aussichten", der nun zum vierten Mal stattfindet, präsentiert auf einer Wanderausstellung die elf Gewinner 2007/2008 - derzeit in den Hamburger Deichtorhallen. Kurz gesagt: ein wenig Licht, ein wenig Schatten - wirlich umgehauen hat mich leider nichts, aber das mag meiner Stimmung geschuldet sein. Wem alles grau ist, dem erscheint die Farbe nicht, heißt es bei Lao-Tse, und daran - ich lege mich mal vorsichtig fest - wird wohl auch etwas Wahres dran sein.

Erwähnenswert finde ich die Arbeit von Andrej Krementschouk, der mit seinen Fotos Einblicke in seine russische Heimat bietet. Rustikale Schlichtheit, Alter und Armut - ein Atem von Einsamkeit liegt über den Bildern, selbst dort, wo Kinder zu sehen sind. Einen ähnlich wehmutsbeladenen Ausflug in die Vergangenheit unternimmt Margret Hoppe von der HBK Leipzig. Sie fotografierte "verlöschende Erinnerung" - die fahlen Schatten abgehängter oder übermalter Bilder aus der Zeit der DDR, die nun nur noch als Leerstellen auf den Wänden sichtbar sind.

Kann man Erinnerung festhalten? Was kann man schon festhalten. Die Dinge wollen freiwillig bleiben. Aber darum muß man sich auch kümmern. Wollen.



("Gute Aussichten". Deichtorhallen, Hamburg. Bis 24. Februar 2008.)


 



Dish of the Day

Sehnsucht sollte immer gleichmäßig verteilt sein.

(Aus meinem Buch: Die Welt als fluffiges Tierbaby vorgestellt.)


 


Donnerstag, 17. Januar 2008


Hauptsache



Bis nächste Woche heißt es, Haltung gewinnen, denn es geht ins Stilwerk. Zusammmen mit Merlix, MC Winkel und Herrn Paulsen werde ich als Art Quotenfrau ein, zwei Texte lesen. Die Veranstaltung findet im Rahmen des Wordcamp 08 statt, ist selbst aber öffentlich und für umme. Anschließend rauche ich eine Zigarette.


 


Mittwoch, 16. Januar 2008


Auf Holz klopfen

Jammern allein macht auch nicht sexy, ebensowenig wie immerzu bloß Käsebrot. Aus diesen zwei von Freundesrat und Hunger angetriebenen Erkenntnissen hielt ich es gestern für angebracht, gemeinsam mit der famosen Lady Grey auf eine Unterschrift anzustoßen, die ich gestern geleistet habe (im Namen von Ruhm, Ehre und Gewissen und der fragilen Deckungskraft meines freundlichen Kontos). Locker und entspannt wie zwei zugezogene Hanseaten nur sein können, schlenderten wir später im Dunkel der anbrechenden Nacht spontan noch rüber zu Feinkunst Krüger, den netten Herrn Krüger himself herausbettelnd, uns bei einem letzten Bier seine aktuelle Ausstellung zu zeigen.

Der Hamburger Holzwerker SAM. (das ist Nils Koppruch) zeigt dort, wie man Boden fruchtbar macht (ein Thema diese Tage): Aus alten Dielenbrettern hat er hübsche Holzreliefs herausgearbeitet, die teils auf tradierte Ikonographie (St. Georg und der Drache) teils auf volkstümliche Motive zurückgreifen (mein Favorit: die Frau am Kai, die dem Schiff hinterherweint und vieleicht sogar einem Matrosen. Aber wer weiß das schon. Vielleicht hatte er nur vergessen, die Seidenstrümpfe dazulassen.). SAM. - Ein Mann, der mit Beitel und Hammer Bilder schlagen malen kann, statt alles nur kaputtzumachen! Ich war verblüfft und beschämt zu gleich.

Die scheinbar harmlosen, roh behauenen Holzschnitte Bilder bieten auch viel Raum für überraschende Entdeckungen und sich gegenseitig nur so an Freude überbietenden Sieso-Ichso-Spielen. Sie so: "Schau mal die Katze!", Ich so: "Schau mal, der Totenkopf!" Aber wie so oft in letzter Zeit, hielt ich mich nur für hart und cool und morbide. Denn diese Katze schaue man sich ruhiger mal genauer an.


(SAM. "Holz leichter machen". Feinkunst Krüger, Hamburg. Bis 2.2.2008.)


 



Wenn ich wiedergeboren werde...

... möchte ich schreiben können wie Suna.

Tentakel | von kid37 um 10:20h | 4 mal Zuspruch | Kondolieren | Link

 


Dienstag, 15. Januar 2008


...

Etwas verlieren, aus Angst, es zu verlieren.


 


Montag, 14. Januar 2008


In The Mood For Jägermeister

Die Idee klingt hervorragend. Sumpf the Pain away, lautet das Motto des Samstagabends, der Besuch bringt eine Flasche hochprozentigen Geweihschnaps mit, und ich mische das Zeug mit Rotwein. Nicht nachmachen, Kinder! Wir sehen dazu In The Mood For Love, Wong Kar-Wais letzten großen Film, und zählen die ungefähr 62 verschiedenen Kleider von Hauptdarstellerin Maggie Cheung. Alle toll, alle sexy.

Wie sehr dem Heute doch oft die Eleganz fehlt, die tragische Geschichten wenigstens stilvoller ertragen läßt, denke ich, während ich Wehmut und Verlangen und das große Vermissen nicht auf Ex, sondern in ganz kleinen Schlucken trinke.


 


Freitag, 11. Januar 2008


Bitterer Honig

Eine Art samtene Traurigkeit liegt über den Tagen. Ich lausche der Stimme am Telefon, halte den Hörer noch lange in der Hand, einem fernen Klang folgend, der sich zäh und zögernd verliert, wie Honig, der in einem umgestürzten Glas langsam nach unten fließt.


 



Refererbotschaften

Search request: midlife power statt midlife krise

Danke, das brauche ich jetzt.


 


Mittwoch, 9. Januar 2008


Was bleibt

Der beste Augenblick in deinem Leben -
Ist nicht morgen, sondern grade eben.

(Bernadette La Hengst, "Der beste Augenblick".)

Mein langjährigster Freund ist ein halbes Jahr jünger als ich, und weil unsere Mütter von Anfang an ihre Kinderwagen Seite an Seite um den Ententeich geschoben haben, kennen wir uns nicht nur ein berühmtes halbes Leben lang, sondern tatsächlich ein ganzes. Wir waren gemeinsam im Kindergarten, haben nachmittags die Western vom Sonntag nachgespielt, später auch mal Feuer gelegt und uns die Nasen blutig gehauen, erste Zigarettten gedreht, uns gestritten und wieder vertragen. Wir wohnten in derselben Straße, zwei Häuser auseinander, und verloren uns dann doch ein wenig aus den Augen, weil eine unterschiedliche Schulkarriere unsere Interessen auseinanderführte. Der Kontakt brach dennoch nicht ab, wir trugen erst seinen Vater und später meine Katze zu Grabe, tranken einen Schnaps sowohl auf den einen als auch auf den anderen, und am Ende half er mir, meine 30 Kartons in einem Kleinlaster nach Hamburg zu bringen.

Der Kontakt ist immer noch lose, und oft ist es meine Mutter, die Nachrichten und Grüße von hier nach da trägt und uns gegenseitig auf dem Laufenden hält, bis auf die Dinge, die sie besser nicht weiß. Jetzt telefonierten wir zum neuen Jahr und hielten Bilanz. Was war, was geschah, was uns wirklich bewegt. Irgendwann fiel das Wort Midlife-Krise, wir redeten über Frauen (Kummer), Kinder (keine) und kleine rote Sportwagen (komisch) und das, was das Leben noch bieten wird. Das Heute wird mir wichtiger als das Morgen, sagt er, und ich wußte nicht, wie ich ihm widersprechen sollte. Ich erwähne meinen kleinen Unfall im letzten Jahr und wie ich im Krankenhaus lag und nachdenklich wurde. Und wie das Nachdenken stärker wurde, mehr Raum einnahm und sich ausbreitete, wie eine Wasserlache, die in alle Ritzen und Windungen dringt. Überall dorthin, wo plötzlich Leerräume sind. Was bleibt, ist die Frage. Und wer? "Man will ja nicht alleine sein", sagt er und erzählt mir, wie er fast zur selben Zeit im Sommer einen Unfall mit dem Motorrad hatte. Wie ihn seine gebrochene Schulter zurückwarf, auf ihn selbst natürlich auch und auf die Gedanken, die dann kommen.

Man merkt, sage ich, daß es nicht endlos nur noch vorne geht, egal, was nun kommt. Daß es nicht bloß mehr um Neugierde und Abenteuer und das Neue geht, sondern um Beständigkeit und Verläßlichkeit und um das, was jetzt ist. Um das, was bleibt. Und wer.

Er erzählt von einem Kollegen, dessen alten Arbeitsraum er nun als Lager benutzt. Der Mann galt als aufopferungsvoll, ein Workaholic, immer für die nächsten Projekte und die Firma da. Nicht wegzudenken. Eines Tages war er tot, fiel einfach um, im besten Alter, wie man so sagt. Seine Stelle wurde nicht neu besetzt, sein Arbeitsraum blieb, wie er war. "Ich sollte alles entrümpeln", erzählt mein Freund. Und hielt am Ende zwei Kartons in den Händen, darunter Fotos vom Schreibtisch und geschäftliche Briefe, die der Kollege nicht mehr geöffnet hatte. Die Bilanz von 30 Jahren, zwei verstaubte Kartons, Strandgut eines ganzen Lebens. Tja, sage ich. Meins paßt auf eine CD.