
Freitag, 27. Mai 2005
Ich mag den Silberblick von Amanda Peet.
Aus der Reihe: Bemerkungen, die man immer mal gemacht haben wollte.

Freitag, 27. Mai 2005
Partly politic
Heads will roll
Mostly politic
God must call
Till the winning hand does belong to me
(Echo and the Bunnymen, "Heads Will Roll")
Als ich heute vom Aktzeichnen kam, dachte ich über die Worte meines Dozenten, eines anerkannten Malermeisters, nach. Ob ich den Realismus nicht gleich überspringen und gleich das Kubistisch-surreale ansteuern wolle? Streichen wir aber das "Surreale", meinte ich, da bin ich empfindlich. (Nachher muß ich Fische durch den Himmel fliegen lassen.) Mein Erfolgserlebnis sei schneller größer, meinte der Meister. Effizient gedacht, das mag ich. Zumal mein Kopf in letzter Zeit eh von Begriffen wie Synergie und Zeitgewinn überschwemmt ist.
In der Gartenzwergfabrik beginnt nämlich jetzt auch endlich für unsere kleine Dienststelle die Fastenzeit und das große Köpferollen. Namen werden noch nicht genannt, der Spannung halber, denn spannende Sachen haben wir uns aufs Tapet geschrieben. In der Versammlung verkündete der Chef aber bereits zur allgemeinen Verwunderung, meine Einmann-Abteilung gäbe es ja gar nicht.
Seither verlange ich, mit "The Man Who Wasn't There" angeredet zu werden. Mein Kopf kann also nicht rollen, denn ich bin gar nicht da. Da ist das Schöne, wenn man vogelfrei ist. Da kann man den Kopf einziehen, Fische statt Vögel fliegen lassen, den ganzen Tag unbekleidet herumlaufen, weil es einen ja sowieso nicht gibt, und allerlei Schabernack treiben. So lange, bis wir alle neue Kleider haben. Die Zukunft nämlich ist schick und elegant.
Und so betrug es sich, als die kaiserlichen Berater eine große Volkszählung veranlaßten, daß die freien Mitarbeiter nicht wußten, in welche Abteilung sie sich begeben sollten. Denn sie waren nackt wie im Paradiese, und keiner der Köpfezähler konnte ihre Kleider sehen. Ein surrealer Traumtanz in der Kleiderkammer. Wie schön. Jetzt kann der Sommer kommen.

Donnerstag, 26. Mai 2005
Mein Herz pocht! Just wanderte ich durch ein tiefes Tal entlang der tentakligen Arme des trashigen Labors von 1313, ein Ort anheimelnder Erbauung (grad läuft noch die Wahl zur "Miss Morgue 2005"!), da verirrte ich mich zum Film Day Off The Dead [sic!], den man bei Atom Films anschauen kann (was man tun sollte, unbedingt, wenn man ein romantisches Herz hat).
Aber dann sah ich die Vorankündigung für den neuen Animationsfilm von Lee Lanier: Little Dead Girl. O Zauber einer Maiennacht! Ist sie nicht tot zuckersüß? Schöner wäre sie natürlich als Stop-Animation und nicht als Geschöpf aus dem Computer (schnell Haar in der Suppe finden). Außerdem könnte sie andere Strümpfe vertragen, mal überlegen, hm, hm... Welche würde ich da empfehlen...
Wir janusköpfigen Seelen vom hermetischen Café danken jedenfalls erneut dem Herrn Pappnase, der mich heute an Joe Vaux erinnerte, durch den wiederum ich überhaupt so weit kam.
Der ganz wunderbaren Miss Wurzeltod muß ich Blut Dank zollen für die Hinweise auf Coraline Gillet, die ihre Geschöpfe durch tomatenhafte Traumlandschaften schickt und Angie Mason, die kleine Tentakelmädchen unsittlichen Situationen aussetzt. Heuchlerisch, wie ich bin, will ich nämlich genau das sehen, um mich sogleich als Held und Retter aufspielen zu können.
Dazu höre ich dann Emilie Simon mit Desert Song, nähe ihr sachte die Haut wieder zu und trage sie zu mir in mein marodes Haus. Wir verwandelten uns in weiße Streifen, ich zeigte ihr meinen Hengst und meine Schlange und ganz allgemein hätten wir eine doch ganz orchideenhafte Zeit.

Dienstag, 24. Mai 2005
Da kann man mal sehen: Stefan Nagel trägt Material zu Schaubuden, Kuriositätenkabinette, Panoptika und Wunderkammern zusammen. Sehr anregend.
(via Schockwellenreiter)

"Als Modell der heutigen Kommunikation könnte der Minitelaustausch gelten. Man verbindet sich zuerst erotisch via Bildschirmtext, dann ruft man einander an, dann trifft man sich und - dann - was tun? Nun, "man ruft mal wieder an", kehrt zum Bildschirm zurück, auf dem es letztlich viel erotischer zugeht, weil zugleich esoterisch und transparent. Dies ist die reine Form der Kommunikation, die nur die Promiskuität des Bildschirms und den elektronischen Text als Filigran des Lebens kennt, wo wir uns in einer neuen Höhle des Platons wiederfinden und nur noch die Schatten der fleischlichen Lust an uns vorüberziehen sehen. Wozu sollte man noch miteinander reden, wenn es so einfach ist, zu kommunizieren?"
(Jean Baudrillard, "Videowelt und fraktales Subjekt". 1988. In: Aisthesis: Wahrnehmung heute oder Perspektiven einer anderen Ästhetik. Leipzig, 1990.)

Montag, 23. Mai 2005



Mythenbildung geht über das Internet ja schneller. Schon Odysseus wußte, sind die Stühle erst vor die Tür gestellt, heißt es, sich ein neues Heim zu schaffen. Schöne Bilder, schöne Lieder, schönes Essen auch. Das Gegenteil von Vegetarier heißt übrigens nicht Carnetarier, das war nur eine Satire. Muß man denn alles erklären. Zum Glück beginnt die Spargelzeit, da kann man dummes Geplapper in gemüslicher Bitterkeit ertränken.
Der Grand-Prix machte wieder einmal klar, daß ein Schwuler im TV nicht automatisch für Humor steht. Besonders irritert es, wenn der eine TV-Schwule dem anderen TV-Schwulen öffentlich in den Arsch kriecht und auf den einzig sinnvollen Satz des Abends behauptet, "daran" habe er auch "die ganze Zeit gedacht". Nein, bevor der andere das nicht erwähnte, hast Du überhaupt nicht daran gedacht, Du Flitzpiepe. Ich übrigens auch nicht, aber ich saß ja nur vor der Mattscheibe. Niemand wollte auch sagen, daß unsere Frau von der Gnade ihr Lied vor Nervosität und Übereifer schlicht zersungen hat. SpOn behauptet, nun wisse Deutschland, auf welche Länder es sich verlassen könne. Grundgütiger.
In der Ukraine kann man jedenfalls so viele Visa verteilen wie Fischer will, die mögen es nicht, wenn ledergekleidete Deutsche da auftauchen und "Run and Hide" schreien. Das leuchtet ein. Besonders in Tagen wie diesen. BESONDERS IN TAGEN WIE DIESEN muß man ja jetzt wieder sagen. Ab jetzt trinken wir also Rüttgers Club, haha, und ab Herbst dann Club Cola, hoho. Können die Ostdeutschen mal Verantwortung übernehmen, jenau, und nicht immer nur rumschreien, "aba keen Aldi-Kaffe!"
Gott, ist das bitter, da hilft nicht mal Ananas.

Früher ritt Europa noch auf einem Stier. Jetzt ist es wohl eine neue Pasiphae, die sich voller Entzücken einer Gans einem Ochsen nähert. Das wird nicht nur für die lüsterne Gute ein weitgehend folgenloser Spaß: Ein Minotaurus wird uns so jedenfalls erspart bleiben. Und bieliger ist es sicher auch. Nächstes Jahr also besser einen Ochsen Kastraten nach Athen schicken.

Samstag, 21. Mai 2005

Ich war unterwegs.

Donnerstag, 19. Mai 2005

Frau Eva und Herr Sebas warfen mit Stöckchen nach mir. So was sind ja Ehrenschulden, blabla, und gute Gelegenheiten, die Regale der Eitelkeit zu öffnen, sich fürchterlich interessant zu machen usw., die kryptotheologischen Inkunabeln und die Mann-bin-ick-belesen-ey-Laure-Romane aus dem Schrank zu holen. Seit dem Studium lese ich ja fast nur noch Bildbände, Joel-Peter Witkin, Gilles Berquet, Diane Arbus, Ralph Gibson, Bacon, Dix, Grosz, Masereel, Hausmann, Schwitters... die Liste ist lang. Gut, also Bücher mit Wörtern:
1. Du steckst in der Welt von Fahrenheit 451, welches Buch möchtest Du sein?
Mnemosyne, steh mir bei! The Melancholy Death of Oyster Boy & Other Stories von Tim Burton. Skurril (wer hätte es gedacht) und vor allem knapp genug gehalten, daß ich mit meinem löchrigen Gedächtnis eine Chance hätte, das Werk überhaupt zu memorieren.
2. Warst du je in eine Figur aus einem Buch verknallt?
O ja, so eine Schwester wie Franny aus Salingers Franny und Zooey hätte ich gerne gehabt. Natürlich frei von erotischen Gelüsten. Da müßte dann schon die Ich-Erzählerin aus der Autobigophonie von Françoise Cactus genannt werden.
3. Welches Buch hast du zuletzt gekauft?
Das waren drei: Erotisches im Alltag zwischen Kunst und Kitsch, ein amüsanter Band über die Erotica-Sammlung von Wolfram Körner. 4 Euro aus der Bücherstube der Kirche in der Nachbarschaft. Arnold Stadler, Mein Hund, meine Sau, mein Leben, ebenfalls von dort (50 cts.). Ebenfalls von dort: T. C. Boyle, Der Samurai von Savannah.
4. Welches Buch hast du zuletzt gelesen?
Siehe oben, Arnold Stadler. Davor war es Butchershop In The Sky von James Havoc. Durchgeknallte Skizzen und Erzählungen im Stile von Gilles de Rais trifft Manchester-Rave, die ursprünglich bei Creation Press erschienen sind (Alan McGee/James Williamson). Pronografisch, blutlüstern, psycho-pathologisch, nicht unbedingt nett.
5. Welches Buch liest du gerade?
Die ganz wunderbar lebendige Biografie Man Ray: American Artist von Neil Baldwin. Man Ray ist seit 20 Jahren einer meiner fotografischen Helden (neben Ralph Gibson, Gilles Berquet, Joel-Peter Witkin, George Hurrell...) vom alten amerikanisch-dadaistischen Schlag. Das bezaubernde an ihm war, daß er sich keiner "Schule" zuschlagen lassen wollte, mit Dada und Surrealismus knutschte, aber keine Kirche daraus machte. Weniger bekannt sind ja seine Gemälde und Schriften. Dichten konnte der nämlich auch. Außerdem war er mit Kiki de Montparnasse zusammen (Wer nicht? höre ich es schon gröhlend schallen, nun gut), was ich an seiner Stelle auch getan hätte.
6. Welche fünf Bücher nähmst du mit auf eine einsame Insel?
1. Das Buch der Bücher oder Herman Melville, Moby Dick. Kommt letzten Endes auf das gleiche hinaus.
2. J. D. Salinger, Franny und Zooey. Eine weitere Studie über den Glauben.
3. Kurt Pinthus Sammlung expressionistischer Lyrik Menschheitsdämmerung, trotz aller Schwächen immer noch der Klassiker. Vielleicht geht es ja wieder los.
4. Christian Reuter, Schelmuffsky. Man will ja auch was zu lachen haben.
5. Was, schon fünf? Das heißt, ich muß wählen zwischen Chandler, Schiller, Hemingway, Camus, Pynchon, Capote oder Laurence Sterne? Gut, dann nehme ich doch einen Bildband: Ellen von Unwerth, Revenge. Auch wenn darin die Ringelstrümpfe fehlen.
Weiter, weiter soll es wandern: Herr Stubenhocker, von dem ich weiß, daß er sich mit Literatur auskennt, die wunderbare Frau Modeste, die tatsächlich noch niemand aufgefordert hat? - und den Herrn Shako, weil der bestimmt ganz obskure Dinge zu benennen weiß.
Da ich ja zwei Stöckchen bekam, möchte ich die Gelegenheit nutzen, zwei derzeit pausierende Bloggerinnen aufzufordern: Frau Sonne und Miss Monolog. Sie dürfen gerne in den Kommentar reinmalen. Dürfen Sie.
