Merz/Bow #57



Ich mag es, wie speziell diese US-amerikanischen Kulturstudien als explodiertes Notizbuch dahergekommen, eine Fundgrube weit weg von steifherzig formulierter Bürokratenfleißarbeit, wie man sie hierzulande oft findet. Collagiert erzählt, und couragiert natürlich auch. A Field Guide to Getting Lost war mir zuletzt so ein Fund. Nun bin ich bei High Stativ Dead Lines gelandet, in dem die Kulturwissenschaftlerin Kristen Galerneaux auf den Spuren von Kittler & Co. durch die Technologiegeschichte des späten 19. und des 20. Jahrhunderts spaziert und Klang, Kultur und Esoterik zusammenmischt. Voller wunderbarer Zitate, Querverweise, Anekdoten und verrauschten Spuren. Rauschzustände durch weißes Rauschen, geheime Botschaften auf obskuren Sendefrequenzen, militärische Experimente mit Infraschall, klandestine Sender in Gefängnissen... Hier eine Rezension. Entdeckt hatte ich es in der Taz.

#


Fokus und Entschlossenheit. Das harsche Interview im SZ-Magazin mit Viv Albertine haben hoffentlich alle gelesen. Auch bei den Arbeitskollegen große Begeisterung.

#


Immer noch bleibt die Frage: Was ist mit ihrem Twitter-Account?

#


Auf meiner Endeavour wurden früher Örgler und Eunmalkluge mit einem Boot auf einer kleinen Insel ausgesetzt. (Mit 5 Litern Wasser, zwei Avocados und einer Zitrone wg. Skorbut, ich bin ja kein Unmensch.) Leute, die fragten, wenn man gerade ein Haus besetzen will (wg. Protest oder Wohnraum oder für Künstlerarbeitsplätze), "Müssen wir da nicht vorher den Eigentümer informieren?" - Hey, you must be fun at partys!

#


Ich höre gerade mit Freude Rebecca Saunders Void im Wechsel mit Meredith Monks bezauberndem Album impermance. Das ist schon zehn Jahre alt, aber ich bin mittlerweile so furchtbar langsam wie Mrs. Monks Schildkröte, die angeblich bereits 37 entzückende Jahre bei ihr lebt.

#


Wie will diese Generation überleben, wenn in zehn Jahren die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen und Straßengangs gründen, um ihre Grundsicherung aufzubessern? Ausgerüstet mit Schallgeräten, die weißes Rauschen produzieren. Das wird noch Tränen geben und Angstpischern und Eingaben auf Petitionsplattformen.

#


Energie und Geheimnis. Den Rest des Tages bis in die fröhlichen
Abendstunden höre ich Kurzwelle ab und kontempliere statische Entladungen. Ob am Ende alles Rauschen sein wird?

MerzBow | 16:27h, von kid37 | Kondolieren | Link

 
kid37 - Freitag, 18. Januar 2019, 19:18
Addendum
Der Staat indes bereitet sich vor und zeigt eine erste Übung für den Umgang mit renitenten Alten:
http://www.taz.de/Raeumung-eines-Obdachlosencamps/!5563998/

 link  
 
kid37 - Freitag, 18. Januar 2019, 21:50
Addendum II
Ganz vergessen einzubinden: Die Künstlerin und Buchbinderin Marianne Dages (bekannt durch ihr ehemaliges Blog "Huldrapress") mit ihrem Buch/Ausstellungsprojekt Objects of Unknown Use mit Soundcollagen.

 link  
 
fidibus - Samstag, 19. Januar 2019, 01:09
Bin froh, dass ich mit der englischen Sprache auf Kriegsfuss stehe - noch ein Buch, das ich sonst kaufen müsste ...

(Ihr erster Nachtrag macht mich fassungslos. Wir sind so eine furchtbar herzlose Gesellschaft.)

 link  
 
kid37 - Samstag, 19. Januar 2019, 11:36
Ja, die Vermehrung von Büchern ist ein Problem. Auch ich habe mehr als die bei modernen Menschen aktuell als Obergrenze von 30 Stück ausgegebenen Menge.

(Angeblich alles notwending und gerechtfertigt. Eine gute Funktion haben der Bericht und das Video ja: Sie zeigen unsere normalen Zustände.)

 link  
 
akrabke - Donnerstag, 24. Januar 2019, 09:37
Nada Brahma,
die Welt ist Klang. Kennen Sie noch/schon die wunderbare Radiosendung von damals?
https://vimeo.com/129348476

 link  
 
kid37 - Donnerstag, 24. Januar 2019, 16:40
Das kenne ich gar nicht, aber da forsche ich nach. Vielen Dank für den Tip!

 link