Aufklärung

Irgendwie ist das ja alles putzig. Vermutlich sind solche Menschen oder auch solche von ihrer eigenen "Aufrichtigkeit" noch regelrecht berauscht.

Dabei liegt die Antwort auf der Hand.

Ich wiederhole es auch hier noch einmal gerne: Wahrheit ist eine Bürde, die man nicht einfach irgendwo abladen kann. Die muß man schon hübsch selber tragen.

Und, was immer Ihr tut: Keine Details.

Tentakel | 09:33h, von kid37 | Kondolieren | Link

 
dondahlmann - Mittwoch, 27. April 2005, 12:44
In welchen Foren Sie so lesen...

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nase - Mittwoch, 27. April 2005, 12:45
ja, man kann sich wundern.

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wise.up - Mittwoch, 27. April 2005, 12:45
... ich wunderte mich auch soeben.

Aber wahrscheinlich hat Herr Kid nur gegoogelt... hoff ich! (wenn er schon nicht raucht)

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kid37 - Mittwoch, 27. April 2005, 13:10
Ich will doch die Seele der Frauen verstehen. Man kommt halt so rum, bei seinen Forschungsprojekten. Im Netz gibt es immer wieder hochinteressante und vor allem possierliche Dinge zu entdecken. ;-)

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fabe - Mittwoch, 27. April 2005, 13:33
beispiel 2 übrigens incl. deppenapostroph.

was mich gerade ein wenig, wie soll ich sagen: ist dieses unreflektierte rausgeblubber von so doofen sprichworten, "in der liebe und im krieg bla bla"...

wissen die eigentlich was sie da sagen? ach, egal. unwichtig.

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evasive - Mittwoch, 27. April 2005, 13:54
Ich glaube nicht, dass die Seele an sich, das, was davon übrig bleibt, wenn man das ganze Gedöns abpflückt, in weiblich oder männlich geteilt werden muss.

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kid37 - Mittwoch, 27. April 2005, 14:55
Das bezog sich nur auf den Namen dieses Forums.

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blue sky - Mittwoch, 27. April 2005, 16:30
(Das haben Sie trotzdem schön ausgedrückt, @evasive.)

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sonrisa - Mittwoch, 27. April 2005, 12:55
Wahrheit ist vor allem auch etwas geteiltes, und ihr Anspruch besteht darin, das Geteilte (welche Buchstabenkürzel das auch sein mögen) zusammenzuhalten, auch dann, wenn es explodieren will. Wo das nicht geschieht, da kann man auch gleich Seifenstücke ausgeben. Wahrheit, wo sie etwas gilt, explodiert also nicht, sondern implodiert. A la longue und vereinzelt wird sie dann eben jene Bürde. So mein Bild.

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evasive - Mittwoch, 27. April 2005, 13:58
Sie implodiert, sehr schön gesagt, denn sobald sie explodiert, dehnt sie sich aus und die Ränder werden fransig und in den Fransen setzt sich Dreck fest. That´s it.

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wasweissich - Mittwoch, 27. April 2005, 14:59
A propos Details: gerne hat man Details, die in der Fiktion Atmosphäre erzeugen, ungerne solche, die in der Realität unnötig indiskret sind. Gestern Lesung von Louise Welsh, "Tamburlaine Must Die". Sie las sehr schön, unter anderem eine Stelle darüber, dass und warum Details die elementare Zutat des Erzählens sind, ich wünschte ich könnte diese Stelle hier zitieren.

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kid37 - Mittwoch, 27. April 2005, 15:01
Wer die "Wahrheit" nur deshalb loswerden will, um sich selbst zu entlasten, handelt meist falsch. In jedem Fall schwingt man sich so zum Richter auf. Justitia wird blind und mit einem Schwert dargestellt. Wer dieses scharfe Schwert benutzt, sollte unbefangen und unbeteiligt sein - sonst gibt es nur Verletzungen. Man wird auch die eigene "Schuld" nicht dadurch los. Jede Gesellschaft hat sich dafür die Einrichtung beispielsweise eines Priesters oder eines Ältestenrats geschaffen.

Denen kann man sich anvertrauen, die eigenen Sünden beichten, sich einen (hoffentlich weisen) Rat holen. Wie es ausgeht, wenn jeder "Wahrheiten" verkündet und zum Richter wird, sehen wir ja in Nachmittagstalkshows - oder hier in Bloggerdorf.
Zurück bleiben nur Verletzte.

Amen. ;-)

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evasive - Mittwoch, 27. April 2005, 15:02
Mit den Details ist es wie mit der Wahrheit, jedes Auge saugt sich an einer anderen Einzelheit fest (oder auch Ohr....)

Ja, Details sind das Leben der Erzählung, je indiskreter, desto lebendiger, der Umkehrschluss der anderen Seite liegt auf der Hand. Ausweg aus dem Dilemma parat?

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kid37 - Mittwoch, 27. April 2005, 15:09
Ich sehe da kein Dilemma. Ich will Details nicht wissen.

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evasive - Mittwoch, 27. April 2005, 15:11
Dann stellt sich die Frage nicht.

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sonrisa - Mittwoch, 27. April 2005, 15:47
Subjektive Wahrheit* ist keine Wahrheit mehr, denke ich. Wahrheit strebt immer nach Objektivität. Das macht sie ja eben so unmöglich. Ein Bild von explodierender Wahrheit fiel mir noch ein, nämlich jene die jäh und plötzlich aufgeht, im Augenblick, und vergeht. Das ist aber etwas sehr erhabenes, den Interessen und Intentionen enthobenes, und bestimmt das Gegenteil von jenem bacchantischen Taumel wie man ihn auch in der Blogoleere gerne konsumiert.

*"Mit den Details ist es wie mit der Wahrheit, jedes Auge saugt sich an einer anderen Einzelheit fest"

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evasive - Mittwoch, 27. April 2005, 15:59
DIE Wahrheit, die eine, die alle anderen Lügen straft, kann es gar nicht geben, nicht einmal die Götter, die jeder für sich ein anderes Ansinnen, Streben, eine andere Gesinnung haben, sehen dieselbe Wahrheit. Was also tun mit der Wahrheit? Sie so weit wie möglich abgleichen? Oder die eigene hüten und hegen und keine andere nebenher dulden? Oder sie wie die Zahnfee behandeln, ein netter Einfall, aber nicht mehr?

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sonrisa - Mittwoch, 27. April 2005, 16:09
Ich finde es ja nützlich, die Wahrheit als eine Idee und die Wahrheit als Phänomen, etwas was sich ereignet, auseinanderzuhalten. Wahrheit im Sinne von Meinungswahrheit, damit kann ich nichts anfangen. Wenn überhaupt in dem Sinne, dass jede Meinung, jede Perspektive etwas über Etwas zu sagen und zu meinen hat. Wahrheit als Idee und als ein Streben zur Idee ist etwas anderes, ist eine Art Plädoyer sich anzustrengen, sich und alles in Frage zu stellen.

Wahrheit als Ereignis schließlich, als evidentes Phänomen, das ist, wenn da zwei Menschen freiwillig die Lippen aufeinander drücken und keiner danach so tun kann, als wäre es nicht passiert. Das spannende an dieser Wahrheit ist nicht, dass jemand Drittes, von Außen, vielleicht etwas völlig anderes sieht und interpretiert, z.B. ein Sozialexperiment unter Teenagern, sondern, dass da etwas wahr >werden< kann, was sich völlig von den Intentionen aller Beteiligten abhebt. Das ist eine Art von Wahrheit, die kommt über einen, ob man nun will oder nicht.

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evasive - Mittwoch, 27. April 2005, 16:15
Ja, ich verstehe, und nicke mit dem Kopf, Wahrheit als evidentes Phänomen, die einzige, die man zwar von allen Seiten beleuchten, aber nicht bestreiten kann. Danke für die schöne Erklärung.

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kid37 - Mittwoch, 27. April 2005, 16:17
Das führt aber ein bißchen vom Thema weg. Da ist es ja nur ein Vorwand, einer "Wahrheit" genüge tun wollen - mit einer ganz bestimmten, selbstsüchtigen Intention (Prahlerei, Rache, Eigennutz, Boshaftigkeit etc.).

Man kennt das aus dem Alltag, diese Masken des Edelmuts. "Ich will doch nur helfen", "dein Bestes", "zur Aufklärung beitragen"... Warum hält Kinkys Bekannte nicht einfach die Klappe?

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evasive - Mittwoch, 27. April 2005, 16:24
Sorry, ja, ein bisschen offtopic geraten, aber mir war es dennoch ein Vergnügen....

Weil Kinkys Bekannte keine Wahrheit ausführt, sondern Boshaftigkeit?

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blue sky - Mittwoch, 27. April 2005, 16:42
Es könnte auch einfach nur Gedanken- oder Rücksichtslosigkeit sein. (Von vielen gerne auch als "Ehrlichkeit" bezeichnet.)

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yvonnesonne - Mittwoch, 27. April 2005, 16:52
wie steht es damit: wenn man den freund einer freundin mit einer anderen knutschend trifft, der freundin erzählen oder lieber nicht?

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mark793 - Mittwoch, 27. April 2005, 16:55
Ich würde sagen:
Einzelfall-Abwägung.

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40something - Mittwoch, 27. April 2005, 16:57
.. von der es dann nur ein kleiner Schritt zur Willkür sein kann?

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kid37 - Mittwoch, 27. April 2005, 17:04
Im Normalfall: Nicht der Freundin erzählen. Den Freund ermahnen. Alles andere ist Tratscherei.

(Man könnte jetzt natürlich Fälle konstruieren, in denen es gute Gründe für eine tiefere Einmischung gibt.)

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sonrisa - Mittwoch, 27. April 2005, 17:06
Erzählen, wenn man weiß, dass die Freundin es erzählt haben will. Oder mit wem ist man befreundet?

"Im Normalfall: Nicht der Freundin erzählen. " Das halte ich in den meisten Fällen für sehr bequem, zuschauen wie der Karren gegen die Wand rauscht. Mit Tratsch hat das dann doch nichts zu tun. Tratsch wäre, wenn ich es nicht der Freundin, sondern unbeteiligten Dritten erzählen würde.

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yvonnesonne - Mittwoch, 27. April 2005, 17:09
hab es damals erzählt (da war ich aber 16 und die freudin auch, da ist ein außereheliches knutschen noch ein drama) hab aber lange gerungen und jetzt bereue ich es eigentlich.

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mark793 - Mittwoch, 27. April 2005, 17:11
...
Und von dieser Diagnose der Willkürnähe ist es vielleicht nur ein kleiner Schritt zur Prinzipienreiterei, Herr 40something?

Lassen Sie uns doch nicht mit solchen Begriffskalibern kartätschen.

Da ich in solchen zwischenmenschlichen Fragen kein Richteramt anstrebe, empfinde ich einen Hauch von Willkür gar nicht mal als Makel. Ich halte es da mit Pontius Pilatus, der einfach die Frage in den Raum stellte: Was ist Wahrheit? Leute, die darauf schnelle und eindeutige Antworten parat haben, sind mir schon immer leicht suspekt gewesen ;o)

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arboretum - Mittwoch, 27. April 2005, 17:33
Im Normalfall: Nicht der Freundin erzählen. Ich weiß nicht, ob ich ihr das nicht doch übel nehmen würde, wenn sie es mir verschweigen würde - zumal wenn die Situation so war, dass es noch mehr Leute mitbekommen haben. Es als Letzter zu erfahren, stelle ich mir so schön auch nicht vor.

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k.tastrophe - Mittwoch, 27. April 2005, 17:35
nicht der freundin erzählen und den fremdknutscher "ermahnen"? aha. ist das die neue definition von diskretion? ich bin doch mit ihr befreundet und nicht mit dem herrn womanizer. da mach ich doch keinen auf harmlos. aber sicher: muss man 'differenziert sehen' und der 'einzelfall' vs. '(un)normalfall'. pfft.

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40something - Mittwoch, 27. April 2005, 17:40
Keine Kartätsche (ich als KDV... also bitte...)

Nur die Überlegung: Ob, wie, wem ich's erzähle, hängt ab von der Nähe zu dem/derjenigen. Und dabei mache ich mich dann nicht den Kopf, wie es sich auswirkt.

So gesehen, ich gebe es zu, bleibt dann nur Willkür in irgendeiner Form...

Auf die Ebene von "Was ist Wahrheit" wollte ich damit allerdings nicht hinaus. Damit kommt man dann in die Bibel und ins glaubensbekenntnis und in die Sprichworte und da gehöre ich nicht rein...

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mark793 - Mittwoch, 27. April 2005, 17:51
Da sind wir ja
nicht weit auseinander (auch wenn ich vor 21 Jahren als Bundspecht durchs Gehölz streifte). Hab mich nur ein wenig an dem Begriff Willkür gestoßen und nicht so recht verstanden, was daran verkehrt sein soll, die näheren Umstände in die Einzelfall-Bewertung mit einfließen zu lassen...

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kid37 - Mittwoch, 27. April 2005, 17:52
Ach, Kinners. Ich würde mir den Freund zur Brust nehmen, sicher. Und zwar richtig. Das ist der erste Schritt. Wenn der dann nicht reagiert, kann ich immer noch überlegen, was die Freundin wissen muß - und ob es mir überhaupt zusteht, mich da einzumischen. Einfach darf man es sich da aber nicht machen. (@k.tastrophe: Das hat mit Diskretion nichts zu tun, sondern mit Verletzung.)

Betrachtet mal die Geschichte bei der Spreepiratin. Man muß hübsch vorsichtig sein mit dem Überbringen solcher Geschichten. Darin liegt eine sehr große Verantwortung.

Ich achte jeden, der eine klare Linie vertritt und hoffe, er bleibt von den eigenen dunklen Seiten verschont. Das Leben lehrt oft andere Geschichten, als die, die man sich idealiter ausmalt.

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kid37 - Mittwoch, 27. April 2005, 17:59
Ich möchte auch noch mal daran erinnern, daß die Personen in den obigen Beispielen keine unbeteiligen Zeugen, sondern Beteiligte mit eigenen Interessen waren.

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40something - Mittwoch, 27. April 2005, 18:05
hm, ja. aber beteiligter ist man ja immer, wenn man mit einer der div. personen zumindest befreundet ist... sonst wäre es einem ja völlig egal, wer da mit wem rummacht?

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evasive - Mittwoch, 27. April 2005, 18:13
Ich würde es nicht wissen wollen, würde mich für "Aufklärung" auch nicht bedanken. Er hat die Hand im Bonbonglas, nicht schön, aber so was kommt vor und wenn er sie wieder rauszieht, ist die "Wahrheit" eine Belastung, wenn er sie drin lässt, wird er es mir dann schon noch selbst sagen.

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yvonnesonne - Mittwoch, 27. April 2005, 18:14
ach es wäre so schön wenn man sich ausmachen würde wie man lebt - monogam oder mit offener beziehung und dann einfach daran halten, nicht alles erzählen aber ehrlich sein.

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arboretum - Mittwoch, 27. April 2005, 18:14
Bezog sich das mit den Beteiligten nicht auf die Leute, die sich in diesem Forum und im Chat mit Kinky äußerten?

wird er es mir dann schon noch selbst sagen.
Ach, viele Leute haben nicht genug Mut, sich von ihrem Partner zu trennen. Ich weiß von Leuten, die jahrelang an Bonbongläser gingen und das verheimlichen und vor allem: immer so weiter machen wollten, aber es flog dann eben doch auf. Das gab auch sehr häßliche Szenen.

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evasive - Mittwoch, 27. April 2005, 18:33
Solange die anderen die Bonbongläser sind und man nicht selbst zu einem degradiert wird... ups, klingt übel, ist es auch.....

Bevor man es gesagt bekommt, weiss man es doch ohnehin schon, oder? Will man nur nicht wahrhaben.....

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sonrisa - Mittwoch, 27. April 2005, 18:47
[ja, ja ... du wieder und deine Bonbongläser *g*]

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evasive - Mittwoch, 27. April 2005, 18:53
[Lecker sind die, solange man sie isst, wenn man selbst gefressen wird, naja, auch lecker, aber nur vorübergehend.....*g*]

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kinky - Mittwoch, 27. April 2005, 23:48
(Bin ja wie immer ein bißchen spät, aber dafür habe ich peinlich genau die Kommentare studiert... *g*)

Warum hält Kinkys Bekannte nicht einfach die Klappe?

Ein paar Stunden sind vergangen. Ich versuche an den Punkt zu gelangen, an dem ich ihrer Bemerkung gegenüber Gleichgültigkeit verspüren kann. Gepaart mit dem Wissen, dass ich nichts weiter mit ihr zu tun haben werde.
Menschen, die immer auf Ehrlichkeit pochen. "Hauptsache, ich weiß was Sache ist." Am liebsten ist es ihnen allerdings, wenn sie selbst die Übermittler solcher Nachrichten sind. Erst gibt es eins in die Fresse und dann erwarten sie ein artiges "dankeschön".
Nicht zu vergessen ist auch die ultimative und kollektive Wahrheit: Wir haben keine Schuld!

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kid37 - Donnerstag, 28. April 2005, 00:25
Frau Kinky: Sie sprechen mir aus der Seele. Genau auf dieses Denken wollte ich hinaus. "Ich bin eben immer ehrlich", wird gern noch hinterhergeschoben. Nein, nur bequem.

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kinky - Donnerstag, 28. April 2005, 00:29
Und vergessen Sie nie, Ehrlichkeit ist eine Tugend *kotz*.

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brittbee - Mittwoch, 27. April 2005, 18:23
Herr Kid, Ihr Rat damals war weise (ja, ich bestehe darauf) und hat zum bestmöglichen Ergebnis geführt. Offenheit unter den unmittelbar Beteiligten. -B.B.

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k.tastrophe - Mittwoch, 27. April 2005, 18:36
ich würde auch nicht im stechschritt zu besagter freundin eilen und trällern "weißt du, was/wen ich gerade gesehen habe? duuu glaubst es nicht." freundin, wie gesagt, ja? obwohl ich selbst das noch besser fände als... naja, lassen wir das.
(aber schön, dass du für die hellseitigen noch mal hervorgehoben hast, dass man es sich nicht einfach machen darf und hübsch vorsichtig sein muss.)

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kid37 - Mittwoch, 27. April 2005, 19:23
Man muß dem anderen allerdings erst einmal die Möglichkeit einräumen, die Sache selbst zu kären, sich selbst zu bekennen. Allerdings, der Meinung bin ich.

Ich maße mir nicht an, Schicksal zu spielen, nur um mir anschließend auf die Schulter klopfen zu können, weil ich ja ach so "aufrichtig" bin. Es gibt genug Beispiele für solche, die Gutes wollten, aber Böses schafften.

Zur rechten Zeit muß man auch schweigen können. Ja.

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k.tastrophe - Mittwoch, 27. April 2005, 19:54
ich sehe das etwas anders. aber du hast schon wieder so einen komischen theatralischen ton drauf (vgl. z.b. gutes wollen/böses schaffen), dass es wohl wenig sinn macht, das hier weiter zu erläutern. da werd ich nur sauer vs. pieksig. muss ja.
... & donnerstag ist floskelbloggen.

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kid37 - Mittwoch, 27. April 2005, 21:03
Na, hier ist das pathetische Sprechzimmer, ist doch bekannt. Mit der einen Hand schwenke ich so eine Weihrauch-Schale, mit der anderen bekreuzige ich mich immer, wenn ich Beiträge lese, die mir widersprechen... und dann wird weiter gepredigt.

Sauer ist ok, mir sind emotionale Menschen ganz lieb - so lange nicht unter dem Tisch getreten wird oder gebissen. Ich finde, es gibt für komplexe Sachverhalte keine einfachen Lösungen, will man nicht dogmatisch werden. Wer weiß denn schon, ob Gut und Böse immer Gut und Böse sind? Wir besitzen da heutzutage eine große Entscheidungsfreiheit, die nicht immer zum Besten ist.

(Man sieht, hier ist jeden Tag Floskelbloggen ;-))

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wasweissich - Mittwoch, 27. April 2005, 21:22
Ist interessant, was sich da in der Zwischenzeit alles abgespielt hat!
Dass ich nicht missverstanden bin: ich meinte Details nur in der Fiktion, aber dürfte eigentlich auch klar gewesen sein...

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kid37 - Mittwoch, 27. April 2005, 21:42
Da sind Details tatsächlich das Salz in der Suppe. Eben weil sie die Phantasie anregen, alles so realistisch/authentisch machen. ("Diese Details kannst du dir nicht ausdenken!")

Eben deshalb kann ich in anderen Zusammenhängen auch gerne darauf verzichten.

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casino - Mittwoch, 27. April 2005, 22:04
Das war ja ein feiner Ritt durch tiefe Gewässer! Schön und genau fand ich Evasives Wahrheits-abstract ganz weit oben. Damit kann ich sehr gut leben: es gibt einen Faktenkern, der ist feststehend, und es gibt drumrum davon völlig unabhängige andere Entitäten. Gefühle, Standpunkte, Verantwortung, die nach eigenen Gesetzen funktionieren müssen und damit beweglich bleiben können. Und zu richtigen oder falschen Entscheidungen führen können.

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k.tastrophe - Mittwoch, 27. April 2005, 22:26
@kid: Ich fand die frage von frau yvonnesonne (so wie sie da steht) eigentlich recht simpel. zumindest konnte ich aus den daraus hervorgehenden fakten nicht verstehen was das mit schicksal spielen, schultergeklopfe und co zu tun haben soll. aber vielleicht hast du auch von etwas ganz anderem geschrieben. zukünftig nicke ich einfach nur bedeutungsschwanger zu derart "komplexen sachverhalten."
amen †

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kid37 - Mittwoch, 27. April 2005, 22:54
Hm. Ich glaube, "Cinnamon Girl" reicht heute abend nicht... Das bedaure ich.

Die Sache mit dem "sich selbst dabei auf die Schulterklopfen" bezog sich auf die Frau aus dem Forum, was ich eingangs verlinkt habe. Da passen einfach Taten und Anspruch nicht zusammen. Sie reklamiert "Wahrheit" und "Aufklärung", benimmt sich aber erst völlig daneben und hat später eigentlich nur egoistische Ziele. (Was sie im Verlauf der Diskussion selber zugibt.)

Das Beispiel von Frau Sonne ist da etwas anders, weil die dritte Person nicht selbst beteiligt ist. Folgen Sie mal dem Link zur Spreepiratin da oben. Da gibt es ja eine ähnliche Geschichte, wo eine Unbeteiligte aktiv in das "Schicksal" einer Beziehung eingreift. So würde ich es machen. Einfach oder "simpel" aber ist das alles nicht, finde ich.

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kid37 - Mittwoch, 27. April 2005, 23:15
@ Casino: Sie hatten ja auch gerade dieses "Wahrheits"-Thema. In der Fiktion ist das noch eine weitere Zwiebelschale. Ich sehe das sehr ähnlich wie Sie und Evasive. Der Faktenkern und eine Gemengelage drumherum aus "weichen" Schichten, Werten, Gefühlen, sozialen Gepflogenheiten (wer sagt schon den ganzen Tag die Wahrheit?)... Man muß da immer wieder abwägen.

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yvonnesonne - Donnerstag, 28. April 2005, 00:12
das war schrecklich schwer damals. sie nämlich war unendlich in ihren freund verliebt, wir waren gemeinsam auf urlaub und er ließ nichts anbrennen. im nachhinein bereue ich es nicht wegen moralischer gründe sondern weil die freundin gar nie eine gewesen ist, sie wußte zb lange daß jemand in mich verliebt war den ich sehr mochte, an dessen gefühlen ich aber immer gezweifelt hatte. das behielt sie lieber für sich.

wie ich heute reagierte wüßte ich nicht, aber ich würde es wissen wollen. wenn jeder andere es weiß und reagiert von mitleid bis spott, na ich weiß nicht. vorallem wie umgehen mit ihren endlosen geschichten davon wie sehr sie ihn, bla bla bla? heute hab ich keine freundin mehr die mir immer in den ohren läge mit sowas, zum glück.

egal. jetzt radio. gute nacht internetz

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kid37 - Donnerstag, 28. April 2005, 00:27
Positive Dinge darf man nicht verschweigen, da bin ich einfach streng.

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yvonnesonne - Donnerstag, 28. April 2005, 01:09
dann ist keine antwort also eine antwort, oder?

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modeste - Donnerstag, 28. April 2005, 01:15
Diese Beichten mit Hintergedanken, das gute Gewissen der Wahrheitsfee mit einem Quentchen Eigennutz, das ist natürlich nichts, was auch nur entfernt in die angenehmen Kategorien fiele. Das Bedürfnis nach Beichte und Absolution dagegen entbehrt tatsächlich eines Ventils, das diesseits der Säkularisationsgrenze schwer anzutreffen ist. Alle paar Jahre müsste man ganz neu geboren werden, zu Asche brennen und auferstehen, Täter wie Opfer, seine alte, verlebte, und schuldbeladene Haut abstreifen und einfach davongehen können.

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yvonnesonne - Donnerstag, 28. April 2005, 01:33
ich weiß nicht, ob ich sie verstehe (was aber wenn dann an mir und nicht an ihnen liegt), aber ist nicht das problem bei dem bedürfnis der beichte einfach, daß es dinge sind die im, ich weiß nicht, insgesamten rahmen, karmisch oder so, gar nicht ins gewicht fielen? daß es nur diese dummen dogmen sind, uns anerzogen und eingetrichtert, die zu beichten es verlangt?

mir ist mein eigennutz klar, vorallem so wie ich es da oben geschrieben habe. aber damals war mir das nicht bewußt, ich wollte diese freundin als freundin weil ich gar keine ahnung hatte was es bedeutet jemand einfach zu mögen wie er ist. ein bischen sensationslust war da damals im spiel. ich fühlte mich als bedeutend weil ich etwas wußte daß ihr leben lenken könnte. grauslich eigentlich, von heute betrachtet.

aber nichsdestotrotz war ich nicht aus böser absicht so sondern wegen der umstände. gar keine schuldzuweisungen will ich verteilen, aber etwas fehlte. immer der versuch das loch zu stopfen und mit jedem dazutun wird es größer anstatt kleiner.

verzeihen sie, ich bin betrunken und rede unfug. aber ich wußte gar nicht wie sehr mich das thema beschöftigt hat unbewußt.


das ist einfach nur unsinn. vielleicht erheitert's wen...

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kid37 - Donnerstag, 28. April 2005, 11:17
Ich behaupte jetzt mal, daß jede Gesellschaft so eine "höhere" Instanz besitzt. Ich las von einer Kultur, die haben in einen hohlen Baum gebeichtet. Das Prinzip Reue (Grundvoraussetzung), Beichte, Buße/Absolution ist ganz entscheidend für das Zusammenleben. Insofern, Frau Sonne, weiß ich nicht, ob "Dogmen" dem im Weg stehen. Soziale Gepflogenheiten, Regeln und damit auch Regelverstöße, wird es immer geben. Die Möglichkeit, sich noch zu Lebzeiten von "Schuld" zu erlösen, "neu geobren zu werden", ist da doch sehr beruhigend.

Ich kann mir keine Gemeinschaft vorstellen, in der alles erlaubt ist.

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arboretum - Donnerstag, 28. April 2005, 11:40
Sie würde auch nicht funktionieren.

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yvonnesonne - Donnerstag, 28. April 2005, 12:18
sie haben beide völlig recht. ich weiß auch daß anarchie niemals funktionieren würde, soweit kann ich klar denken.

gestern war das -

ich schäme mich etwas. muß jetzt mal meinen kater pflegen...

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kid37 - Donnerstag, 28. April 2005, 13:05
Schämen ist ein starkes Wort. Sie haben ja auch recht, wenn Sie darauf hinweisen, daß der Leidensdruck in Gesellschaften, die sehr rigide sind, entsprechend hoch ist. Ich finde aber, wir leben schon recht liberal, heutzutage.

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yvonnesonne - Donnerstag, 28. April 2005, 13:43
war gestern unglaublich grantig. mein schiff fährt munter dahin, aber die wellen bringen es ab und zu vom kurs ab, dann muß ich nachjustieren. und gestern dachte ich - einmal nord-west eingestellt und ich brauch nix mehr tun. (diese metapher stammt nicht von mir sondern von papa sonne, mit dem ich gerade darüber gesprochen habe) das war doof. schämen ist vielleicht wirklich zu viel, das impliziert meinen fast abgelegten perfektionswahn.

ich weiß nicht, liberal? frau dr erika fuchs sagte gestern im radio, daß unsere demokratie ja nie gewachsen ist sondern nach einem verlorenen krieg eingeführt wurde. vielleicht komm es mir deshalb manchmal so starr vor. ich habe drei jahre in einem anarchistischen gefüge gelebt, daß oberflächlich sehr stark hierarchisch war und deshalb zu pausenlosen revolutionen verführt hat. es hat geglüht vor leidenschaft, bei fast allen beteiligten, je nach persönlicher anlage dazu. das ist in 30 jahren gewachsen in klitzekleinem rahmen und war dann von einem auf den nächsten tag ruiniert. bin ja antiautoritär erzogen, was ich im prinzip gut finde aber grenzen sind schon nötig, laber laber. was ich sagen wollte: etwas wachsen lassen ist gut, etwas erzwingen nicht so. ich mag zb auch klare kommandosturkturen wie in stargate. als rahmen, in einzelfall ist dann eh zu entscheiden. ich weiß nicht, rollen die man annimmt. und spielt. zb als universitätsprofessor aber mit dem bewusstsein daß das eigentlich nicht viel bedeutet außer halt einer rolle.

ahh. keine ahnung. will sie hier auch nicht so zutexten.

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blue sky - Donnerstag, 28. April 2005, 13:59
Hm. Man fühlt sich mies, weil man etwas bestimmtes getan, gedacht, gefühlt oder unterlassen hat, und sagt dann "schlechtes Gewissen" zu diesem Gefühl. Meist ist es irgendeine Differenz zwischen dem, wie wir uns gerne sehen würden und dem, wie wir uns verhalten haben. Nur: woher habe ich dieses Wunsch-Selbstbild, woher dieses Schuldgefühl? Ist es wirklich meins?

Ich kannte z. B. mal ein Mädel, die sich innerlich zerfleischt hat, weil sie in einen jungen Pater verliebt war. Die hatte auch ein schlechtes Gewissen, hat sich wegen ihrer Liebe tatsächlich für einen schlechten Menschen gehalten. Oder ich selbst hab z. B. immer noch ein "schlechtes Gewissen", wenn ich Grenzen setzen muss, z. B. ein Hilfegesuch ablehnen, weil ich nicht kann/will, oder jemandem sehr deutlich sagen muss, dass er mich bitte in Ruhe lassen soll. Dabei ist das doch eigentlich gesund und auch nicht asozial.

"Gewissen" an sich reicht irgendwie nicht als Instanz. Einen schärferen Begriff habe ich aber auch nicht zu Hand, zugegebenermaßen.

[Edit: Darf man bei Ihnen eigentlich auch Donnerstags moralbloggen?]

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yvonnesonne - Donnerstag, 28. April 2005, 17:35
das frage ich mich derzeit auch vermehrt. manchmal geht es soweit daß ich mich schuldig fühle wie meine mutter ist, als hätte ich sie kaputt gemacht. derweil geht es ihr glaube ich besser, seit es mir besser geht und ich mich abgrenze.

ich halte das sogar für sehr gesund, ich mußte auch einigen leuten am weg sagen, daß es nicht mehr geht mit uns. andere sagten das zu mir und jedesmal tat es weh, war aber gut so.

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yvonnesonne - Samstag, 30. April 2005, 00:21
hab nachgedacht und geredet, sie haben recht. wir leben in verdammt liberalen zeiten und ich bin mehr als froh drum. was aber nicht heißt daß mich einiges nicht sehr ärgert.

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