Merhaba!



"In welcher Welt leben wir eigentlich?" fragte der Hamburger "Kultursenator" Stuth in einer wie von einem trotzigen Kind im Senat vorgetragenen Verteidigungsrede seiner radikalen Kürzungsbeschlüsse. Er verwies auf die angeblichen Verhältnisse in Großbritannien, Polen und sogar Bayern. Übersetzt heißt diese von den Grünen freundlich abgenickten Hamburger Kulturvernichtung wohl, in einer Welt der Spekulations- und Mißwirtschaftssubvention, nicht aber eine, die sich der Kultur verpflichtet fühlt. Es verblieb (ausgerechnet, möchte man meinen) einem Abgeordneten der Fraktion der Linken, dem Hamburger Pfeffersacksenat Nachhilfe in Sachen Kultur und (Hamburger!) Geschichte zu geben.

Meine Welt hingegen war diese Woche die der europäischen Kulturhauptstadt 2010, die, man mag eine wohlbedachte, wenn auch bittere Ironie dahinter vermuten, nicht einmal in der EU liegt. "Crossing the Bridge" heißt dort das Motto, ich selbst überschritt diese dann auch wieder einmal für mich selbst:

Pünktlich zu meinem Geburtstag jedenfalls (dort eine Stunde früher) setzte ein großer Regen ein, so daß ich dachte, das von Madame Modeste beschriebene Unwetter aus Lissabon hätte es in der Zeit quer über das Mittelmeer bis nach Istanbul geschafft. Es regnete und regnete, und die Einwohner machten dafür den Ausbruch des Eyjafjallajökull verantwortlich, dessen Aschewolke das Wetter irrwitzig verändert habe, und empfahlen einen weiteren Tee.

Die Türken blieben derart entspannt, daß sie das große Feuerwerk zu meinem Geburtstag um einen weiteren Tag ins Trockene verschoben und in quasi orientalischer Verklärung einer plumpen Lüge behaupteten, dies geschehe zu Ehren des Nationalfeiertags.

Meine Ausbeute aus Konstantinopel ist lange nicht so opulent wie bei Hollister Hovey, dafür aber echt - strictly made for tourists, kein Grund für mich also, "19. Jahrhundert" davorzudichten.

Wieder daheim dann halbgute Nachrichten: das Altonaer Museum bleibt nun doch (erstmal) erhalten, vorausgesetzt, alle assoziierten Museen amputieren sich einen Arm, das Finanzamt möchte die erwartete größere Summe von mir, meine Bank hingegen wünscht mir "alles Liebe, Gute und vor allem Gesundheit für das neue Lebensjahr" und rät, "genießen Sie Ihren Ehrentag". Balik ekmek, sage ich nur. Fisch & frisch vom Bosporus.

Ausfallschritt | 22:22h, von kid37 | Kondolieren | Link

 
gaga - Sonntag, 31. Oktober 2010, 00:00
Das sind ja tolle Souvenirs!

Einfach verschwinden ist im Übrigen nur aus dem gegebenen Grund gegeben. Sie haben also nichts falsch gemacht.

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kid37 - Sonntag, 31. Oktober 2010, 00:22
Es gäbe viel zu erzählen (und sicher tue ich das noch) über Turkish hospitality. Die Stadt jedenfalls war gut vorbereitet, wie dieses Haus zeigt (das übrigens als Filmset mietbar ist):



Wer es nicht glaubt, hier noch mal im Detail, was unter der Hausnummer 37 an die Wand schabloniert wurde:


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gaga - Sonntag, 31. Oktober 2010, 01:05
Toll, wie akkurat Sie mit der Schablone arbeiten können!

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novesia - Sonntag, 31. Oktober 2010, 08:17
Bin später dran als Ihre Bank, aber ich gratuliere viel, viel herzlicher und wünsche Ihnen ein Schiff (jedenfalls etwas größer als Ihr Boot) und Zeit und Freiparkscheine für jeden Hafen der Welt. Das lässt vielleicht den hamburgischen Abbau leichter verschmerzen. (Sonst natürlich auch alles Gute!)

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kid37 - Sonntag, 31. Oktober 2010, 21:57
Oh, vielen Dank. Meine Bank ist in der Hinsicht sehr akkurat, das schafft Vertrauen. Ein kleines Kabinenboot, das wäre schon was. Ich könnte wie Charon tote Tiere in die Unterwelt ein Fährmann über die Elbe werden.

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lorilo - Montag, 1. November 2010, 00:58
Allerherzlichste Glückwünsche nachträglich.
Feuerwerk, Ringelstrümpfe und einen Ausflug haben Sie sich selbst geschenkt - so lob ich mir das.

Und was Hamburg angeht: Wenn es die reservierten Elbkinder mal schafften, für ihre Kultur gescheit viele Kinder und Rentner auf die Straße zu setzen bringen wie die Schwaben, stünde meiner Migration sympathietechnisch (fast) nichts mehr im Wege.

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kid37 - Montag, 1. November 2010, 12:22
Merci! Und es gab sogar Süßigkeiten. Alles dabei.

Ja, der Protest ist ein wenig zahm. Immerhin haben die Grünen zumindest im Bezirk am Ende doch ein wenig Angst bekommen. Der GAL-Spitze ist in Kulturfragen wohl nur schwer zu helfen, aber das wurde immerhin auch mal sehr deutlich.

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the thilo - Montag, 1. November 2010, 21:29
Auch von mir alles Gute!
Bleiben Sie bitte weiterhin so alt! :)

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kid37 - Montag, 1. November 2010, 23:42
Auf jeden Fall!


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cut - Montag, 1. November 2010, 22:15
Glückwunsch nachträglich noch!

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kid37 - Montag, 1. November 2010, 23:43
Vielen Dank.

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