Sub-er-Vision




Was ja immer geht, wenn Besuch in der Stadt ist: Hafen zeigen. So zog ich gestern, man kann ja zweimal, nachdem ich zum Schichtende mit dem großen Hauptsicherungshebel die Maschinen stillgelegt hatte, mit Frau Kopffüßler auf das Gelände dieses Subvision-Kunstfestivals. Wetter gut, keine hochbehackten Präsentierteller und deplatzierte Deal-Einfädler unterwegs, da könnte man ja mal einen Blick auf die Kunst werfen. Wir landeten, auch aufregend, in einem halbdunklen Container, in dem Bücher von Frank O'Hara und Thomas Pynchon auslagen und zugleich Dias eines Museumsbesuchs in Berlin an die Wandd projiziert wurden. Fragt mich nicht, es war zum Lesen zu dunkel.

Gleich nebenan hatte jemand eine Hafenkulisse aufgebaut, Liegestühle vors Wasser gestellt und eine untergehende Sonne in den Wolkenhimmel projiziert. Solche Kunst schaue ich mir gerne an, call me loony ("Herr Kid! Total verruckt! Schaut sich an Schiffe und Sonnenuntergang!"). Aber mit charmanten Frauen an der Seite macht man gerne Ausnahmen. Ich möchte also meine Kritik am Subvision-Festival dahingehend differenzieren, daß man wirklich sehr schön dort am Wasser sitzen kann, bis die Nacht ganz Nacht wird. Bier 2,50 plus Pfand. Kartoffelsalat "wie bei Muttern".

Am Vorabend hatte Lu mich gehänselt, weil ich x-mal diesen roten Ball fotografiert habe. Nun kann ich verraten, aus welcher Vorahnung heraus dies geschah. Gestern machte es nämlich plötzlich Bumm - und das war es dann mit dem Ball. Ich nehme an, es handelte sich um eine subvisionversive Kunstaktion, die das Kernproblem der Hafencity auf den Knallpunkt brachte: Die Spekulationsblase ist geplatzt! Toll. Jedenfalls, der Ball ist weg, der Himmel leer. Danach brummelte nur noch das Feuerwerk vom Alstervergnügen durch den lauen Nachthimmel, während vor uns die Hedi mit bunten Lichtern und engagierter Musik übers Wasser schipperte.

"Und da hinten ist das Meer", sagte ich dann noch.

Flanieren | 11:24h, von kid37 | Kondolieren | Link

 
diagonale - Freitag, 28. August 2009, 13:34
Ich wollte ja nur mal so ins Café werfen, dass mein Bekannter und ich heute am späten Abend, Ihre Stadt erreichen und bis Sonntag dort weilen werden...

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kid37 - Freitag, 28. August 2009, 14:43
Haha, prima. Ich könnte Sie zur Hafenkunst schleppen und wir schauen dann aber nur aufs Wasser. Dreimal ist nämlich auch gut.

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diagonale - Freitag, 28. August 2009, 16:39
Wasser gucken finde ich prinzipiell großartig. Wenn würde ich aber wahrscheinlich eine ganze Baggage Leuts und Walter mitbringen.

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ichichich - Freitag, 28. August 2009, 16:40
Nehmse mich mit?

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diagonale - Freitag, 28. August 2009, 16:44
Meinen Sie mich? Hier steht noch gar nichts fest.
Außerdem ist mein Bekannter nicht besonders bloggerfreundlich. Ich muss das erst mal mit ihm besprechen.

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ichichich - Freitag, 28. August 2009, 16:45
Ich frag nur so allgemein in die Runde.

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diagonale - Freitag, 28. August 2009, 16:48
Ahso.

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kid37 - Freitag, 28. August 2009, 17:19
Ihr Bekannter sieht es richtig. Mit dem wär ich gern befreundet. Ich bin nämlich nicht besonders leutefreundlich, da hat man doch direkt was gemeinsam ;-) (Sie haben ja meine Mailadresse.)

Herr Ichichich, ich wär dabei. Ist auch was für kleine Kunstfreunde.

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ana - Freitag, 28. August 2009, 15:36
Ich habe so einen Ball, riesig, in gelb im Istanbuler Hafen bei Tag und Nacht photographiert. Ich frage mich bis heute, was das für ein Gebilde war. Es schien mir nützlich und gefüllt zu sein - vielleicht mit Gas.
Wenn Sie noch nicht in Istanbul waren, die Stadt ist eine Reise wert.

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kid37 - Freitag, 28. August 2009, 17:24
Istanbul steht auf meiner Liste, und leider war ich noch nie da. Der von mir sehr geschätzte Regisseur Nuri Bilge Ceylan übertreibt es zwar ein wenig mit der Bildbearbeitung, hat aber trotzdem schöne Fotos in der Stadt gemacht.

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lilli marlen - Dienstag, 1. September 2009, 08:31
"Und da hinten ist das Meer" - sagt ja wohl jeder Hamburger, dauernd. Aber - ich weiß nicht recht, manchmal habe ich da so meine Zweifel...

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kid37 - Dienstag, 1. September 2009, 10:49
Nein, nein. Es ist tatsächlich da. Ich habe es schon gesehen. Wenn die Stadt sehr, sehr still ist, kann man die Brandung hören. Na ja, fast.

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