Montag, 24. August 2009


In die Gänge kommen





Am Wochenende lockten die Abbruchhäuser des Hamburger Gängeviertels zur umfangreichen Kunstbeschau. Der Block aus Wohnhäusern und alten Fabriken steht seit langem leer, nun ist ein Investor gefunden, der letzte Lücken im umliegenden Glas- und Betongeflecht schließen, solventen Mietern schicke Lofts bauen und in Hamburg dringend benötigte Büroräume in diesen Stadtteil setzen will. Letzte Spieltage also für ein paar spontane Ateliers und Galerien, um Löcher in Boden und Wänden herumzumalen, Bilder zu hängen und Installationen zurechtzudengeln, während unten im Hof die Würstchen schmurgeln und ein Soundsystem wabernde Baßfrequenzen durch die maroden Treppenhäuser schickt.





Im Hof singt eine Dame zum Klavier, in den Häusern gibt es Licht, öfter auch Schatten, das trifft natürlich wie immer auch auf die gezeigten Werke zu, aber am Ende zählt ja auch die Atmosphäre des einmaligen, des besonderen, die Energie, die aus den Wänden schwitzt, die Erinnerung an die alten Bewohner, die Geschichten unter den abgerissenen Tapeten. Im Kinderzimmer noch ein Lichtschalter von Winnie the Pooh, ein Mädchen hat in alle Spülbecken Blumen gestellt. In den alten Backsteinfabriken die unwiderbringlichen Details, schmiedeeiserne Fenster, verrostete Feuerleitern aus Metall, kleine Balkone, Industriesicherungen und Meßgeräte, dazwischen Schmetterlinge, die grazil um die Kunst tanzen.




Für ein Wochenende zeigt die Stadt, was möglich wäre, ließe man kreatives Leben in diesen letzten Nischen zu. Gleich nebenan nämlich glotzen neidisch die toten Glasfronten der um diese Zeit geschlossenen Läden und Büros, ausgestorbene Straßen, die auf die Ankunft der Arbeitsameisen am Montag warten.

>>> Webseite vom Gängeviertel