Aus Sand gebaut

Der belgische Fotograf Sebastian Schutyser dokumentiert seit seinen Studienjahren in Mali die Lehmmoscheen im Nigerdelta. Als "typische Architektur" zwar weithin bekannt, hat es bislang keine Bemühungen gegeben, diese oft in entlegenen Dörfern angelegten religiösen Bauwerke zu dokumentieren.


Über 500 solcher Moscheen hat Schutyser seit 1998 in zwei Fotoexpeditionen fotografiert. Einmalige und einzigartige, mal schlichte, mal höchst elaborierte, oft biomorphe Formen kennzeichnen diese eindrucksvollen aus Lehm geschaffenen Häuser. Die haptische Beschaffenheit des Materials mit seinen Rissen, seiner Rauheit und das reizvolle Spiel von Licht und Schatten sind dabei schwer faszinierend. Aber wie vieles scheinbar überkommen Archaische, ist auch diese Architektur leider durch Natureinflüsse, Vernachlässigung und die Mode des Modernen bedroht. Verändern und Bewahren - ein diffiziler Balanceakt.

Neben der internationalen, derzeit wohl nicht lieferbaren, gibt es auch eine deutsche Buchausgabe. Kleinbildaufnahmen der Moscheen in Farbe gibt es ebenfalls hier bei ArchNet.

via Bldgblog

Augenzucker | 22:37h, von kid37 | Kondolieren | Link

 
gaga - Mittwoch, 19. Juli 2006, 23:51
danke.

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ladys smock - Donnerstag, 20. Juli 2006, 02:05
Plötzliche
Erinnerung an die "Tartarenwüste"

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au lait - Donnerstag, 20. Juli 2006, 11:18
Sehr schön. Ein wenig kräuselt sich aber meine Stirn beim Versuch, biomorphe Formen vorstellbar zu machen. Sind es lebensförmige Formen? Wenn ja, wie sieht sowas aus? Der Fachmann wird womöglich sagen: Schau mal aufs Foto. Da kannst Du es sehen. Ich frage trotzdem.

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kid37 - Donnerstag, 20. Juli 2006, 11:33
Lebendige, organische, sich stetig verändernde Formen. Bei starkem Regen fließen diese Gebäude förmlich weg, verändern hire Gestalt. Im Design vielleicht Giger oder Karim Rashid. Der erste, der "Colani" sagt, fliegt raus.

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mark793 - Donnerstag, 20. Juli 2006, 12:15
Boah, voll Starck!
Ups, Verzeihung, bin schon weg... ;-)

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kid37 - Donnerstag, 20. Juli 2006, 13:09
Ich komme Ihnen gleich mit der Zitronenpresse!

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au lait - Donnerstag, 20. Juli 2006, 14:01
Ich staune mit wachsender Begeisterung. Und die Namensnennung eines Schnurrbärters mit Rundungsfetischismus käme mir nicht über die Lippen/Finger.

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mark793 - Donnerstag, 20. Juli 2006, 15:23
Die Zitronenpresse
vermag mich nicht zu schrecken. Weiß doch jedes Kind, dass mit dem Ding der meiste Saft daneben geht.

Aber zurück zum Thema: Diesen Lehm-Moscheen eignet etwas ganz fremdartiges und faszinierendes. Wie überhaupt dieser Region. Stiefeln dort nicht auch die legendären Dogon rum, die von der Existenz von Sirius B wußten, bevor die Fernrohre neuerer Zeit diesen kleinen schweren Zwerg am Firmament entdeckten?

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kid37 - Donnerstag, 20. Juli 2006, 15:36
Illuminatus!
Schlag nach bei Robert Anton Wilson. Ich bin mir aber nicht sicher, wo die Dog-Star-Beobachter lebten. (Edit: Tatsächlich, Wikipedia sagt Mali.) Faszinierende Sache, die Geschichte mit Sirius B.

(Es gibt von Katz & Goldt einen schön Karikatur: Zwei Typen in einer leeren Wohnung, starren auf ein Objekt, das einsam auf dem Fußboden steht. Unterschrift: "Sie hat mich verlassen. Alles was sie zurückließ, war ihre Phillip-Starck-Saftpresse." Wie demütigend.)

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ana - Donnerstag, 20. Juli 2006, 12:26
Wie alt sind diese Bauwerke eigentlich und werden sie noch als Moscheen genutzt?
Die Photographien zeigen nur die wie von einer großen Hand geformten Lehmgebilde und keinen einzigen Menschen. Es wirkt, als wären diese Moscheen nur noch stumme Zeugen einer bereits untergegangenen einst stolzen Kultur.

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kid37 - Donnerstag, 20. Juli 2006, 13:13
So wie ich es verstanden habe, werden die benutzt. Ich habe gestern noch einen Text gelesen, wie ausgeklügelt die belüftet werden, damit dort im Innern annähernd gleichbleibende Temperaturen herrschen (könnte man heute hier gut gebrauchen). Ich vermute, die Fotos entstanden zu einer Tageszeit, bei der sich kein vernünftiger Einheimischer dort rumtreibt. Es ist wahrscheinlich aber auch nicht so schwer. Die aufwendigen Kathedralen und Kirchen in der Bretagne lassen sich auch gut sans Menschen fotografieren.

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