
Donnerstag, 21. August 2008
I do not find the Hanged Man. Fear death by water."
Manchmal, damals vor Jahren, meist am Telefon, habe ich versucht, dich ein wenig aufzuziehen, deinen absurd überpräzise formulierten Sätzen etwas entgegenzusetzen. Aber ich kannte die Frage nicht, darum verstehe ich jetzt auch deine so endgültig formulierte Antwort nicht.
Lebwohl. Ich wünsch' dir was. Frieden. Uns allen.
We all shine on

Mittwoch, 20. August 2008
So, Freunde, jetzt mal kurz das Feuilleton und den Wirtschaftsteil beiseitegelegt und Olympia ausgeschaltet, wir künden vom letzten wahren Sport: Rock & Wrestling, bekanntlich Hamburgs einzig weltweit schwitzendes Extremchoreographieprogramm, kommt jetzt als Film daher! Bianca Wiehmeier hat eine Schockumentation über die testosteronstimulierte Tumultschau gemacht, die hoffentlich bis in die letzten Winkel der ereignishungrigen Welt Erstaunen und Beachtung findet. Runter mit den falschen Glitzerfassaden - Platz für große, ehrliche Sportmaloche!
Den Trailer von La Paloma Film gibt es hier zu sehen. Tragt euer wildestes Kostüm dabei.

(August Strindberg. Aus meinem Leben.)
Gabriel Byrne, wir erinnern uns, Lord Byron, findet nach einigen großen und noch ein paar mehr eher schwachen Rollen zur reifen Spätform: In der neuen HBO-Serie In Treatment spielt er einen Psychiater, der sich selbst schmerzhaften Rat holen muß. Die Woche über trifft er sich mit seinen Patienten-Klienten, um sich am erschöpften Freitag von einer Kollegin selbst in die Mangel nehmen zu lassen. Da hört jemand zu, stellt Fragen, hört zu, es wird geredet, sonst passiert nichts - und das im Fernsehen? Was klingt wie ödes Pädagogen-TV (keine Action? keine Waffen? Sopranos ohne Mafia?) entwickelt durch ein erstaunlich spannendes Skript, gewitzte Dialoge und gute Darsteller rasch einen ziemlichen Sog. Nach der Reihe problembeladener Mafiosi, Anwälte, Ärzte, Serienmörder endet der Bogen nun bei Dr. Psycho selbst. Ich leg mich auf die Couch.
>>> Offizielle Webseite

Dienstag, 19. August 2008
Über sexuelle Treue mag man verhandeln. Über Loyalität nicht.

Montag, 18. August 2008
Lange Nächte, kurze Tage. Man stellt besser um auf Solarbetrieb. Am schönsten sind Flohmärkte, die sich bis in die verwunschenen Durchgänge und Seitengassen erstrecken. Plötzlich steht man mitten in der Nachbarschaft und fast bei fremden Menschen im Schlafzimmer Wohnzimmer. Buchsuchen, Dingestöbern, Wachwerden. Ich hätte gern das Bastelbuch für jeden Tag aus den Fünfzigern gehabt, mit Vorschlägen für eine Kartoffelkanone und weiteren Notwendigkeiten für die kommenden Herbstabende. Aber - der Preis! Oh, du schönes Eppendorf. Du darfst noch träumen.
Zurück in Rentnertown (keinen Neid, bitte) strahlen mich junge Szenemenschen an. Nachher wird hier noch Musik gemacht. Mein Vater ist entzückt, weil man auf Google Maps sehen kann, wie er auf dem Balkon liegt. Ich habe es nachgeprüft, es stimmt. Man sieht nicht, wer es ist, aber man erkennt deutlich eine Person. Bei meinem Haus kann man die Vorhänge vor den Dachfenstern erkennen. Die müßten auch mal wieder gewaschen werden. Nur gut, daß meine Mutter keinen Computer hat.
Hinter den Vorhängen arbeite ich an meinen kleinen Formaten. Sonntagsmurmeln, im Hintergrund klimpert Erik Satie. Ich klebe Erinnerungen ins Sammelalbum und sortiere dabei gleich die doppelten aus. Nr. 417 und 268 fehlen mir, die sollte ich besser nachbestellen. Vielleicht aber gibt es mittlerweile eine Erinnerungstauschbörse im Internet. Ich hätte da ein paar anzubieten, die klingen wie ein verstimmtes Klavier.

Sonntag, 17. August 2008
And God says no.
(Monster Magnet, "God Says No". 2000.)
Mit so viel Feinden finden wir, o Herr, uns überall umgeben. Der eine reizt und schmeichelt hier, dort droht ein andrer unserm Leben... [Lied Nr. 367, ev.-luth. Gesangbuch] Der Ausguck meldet tückische See, ich greife beherzt nach der Flasche mit Kamillentee. Der Smutje, dieser falsche Hund, hat aus Gründen, die nicht mal seine Mutter wüßte, einen Totenkopf daraufgemalt. Die letzten Einträge ins Logbuch sind kaum mehr als krummfüßige Spuren wie Fliegendreck und so wanke ich hinüber in die Messe, spiele ein letztes Mal am verstimmten Harmonium. Nun danket alle Gott, der Rost nagt an der Mannschaft, gute Jungs allesamt. Bis auf den Ersten, auch so ein säureverseuchter Hund.
Das verrottete Auge dort hinter den Wolken... Wie mit grimmigen Unverstand Wellen sich bewegen! Nirgends Rettung, nirgends Land vor des Sturmwinds Schlägen! [Lied Nr. 569] Aus der Kombüse dringt der Klang messerscharfer Shanties, mir ist's als sei's der letzte Herbst.
Der banale Wunsch, der offenbar so unanständig war. Die Wellen, der Lärm des Publikums, wie der Steuermann am Runder riß, riffraff, das Spleißen von Holz und Bersten der Nieten, das wochenlange Treiben am Grund der Bilge, der trotzige Gedanke. Der letzte Eintrag kaum leserlich. Am Ende stille Erkenntnis. For No One. Am Ende eines harten Tages. Am Ende.

Freitag, 15. August 2008
Desolate Metropolis: Ich stehle mich hier langsam raus, zerlege die Fundamente, zerkratze die Wand und schaffe Platz für die nächste Partyhalle. Es bleiben Fragmente.
A girl coming to visit. Disaster. A girl leaving. Heartbreak.
Good Winter räumt die Wohnung um. Das Leben.
Mögen andere dick auftragen, ich mag das scheinbar Unscheinbare: Time to myself (Until I run out of Polaroids), eine Serie von Erin Jane Nelson.
Die Produzentin ist bemüht, kümmert sich um eine Ansichts-DVD und schreibt mehr als ein paar nette Zeilen. Sie gibt mir ihre Karte mit der Nummer in Los Angeles.
Hui, sage ich. Das ist ja nahe dran an Tinseltown.
Kommen Sie einfach vorbei, ich zeige Ihnen alles.
Solange dies nur eine berufliche Lüge bleibt, ist es ok.
Sie schaut einen Moment betroffen, dann lachen wir beide.
Mulder hatte ein Poster an der Wand. I want to believe. Geht uns doch allen so.
Ach. Da haben wir ja unser Problem.

Freitag, 15. August 2008
Endlich Gold im Aufmerksamkeitsdefizitsyndromschwimmen. Im Behauptungsweitwerfen, Selbsthochsprung und Fürmichhundertmeterlauf.
Jetzt Daumendrücken für die Leichtfertigkeitsathletik.
