
Samstag, 5. April 2008
Die gemeinsame Vorliebe für Dijon-Senf.

Freitag, 4. April 2008
Daß das, was war, nicht mehr da ist.
(Die Sterne, "Wahr ist, was wahr ist")
Als nach einer langen Zeit der Regen wieder fiel, wusch er erst Flitter und Glitzer hinweg. Bald aber Farbe und Putz, das Stroh aus den Wänden, den Lehm. Ließ zurück nacktes Holz, ein Gerüst für Träume, Nägel und Seilschaften. Ließ zurück das Nichts, regnete weiter und spülte am Ende das Gesagte, Gedachte oder still auch Erhoffte die Hänge hinunter.
Wie alles immer weniger wird. Wie die Dinge, die erinnern, entfernt, abgenommen, versteckt werden. Wie man geht, weil man irrt, es gebe ein Bleiben, ein Halten, ein Dennoch. Wie aber nichts passiert. Weil es eben nie genug ist. Und wie man merkt, das was so groß hätte sein sollen, verschwindet, sich löst, zerfranst, zerfasert, bis am Ende die Gleichgültigkeit bleibt, ein leerer Tisch in einem Café. Wie alles nichts wird.
[aus meinem Buch: Pastis und Pathos. Zuviel ist nicht genug]

Donnerstag, 3. April 2008
you're boring baby when you're straight
(The Kills, "Cheap And Cheerful")
Heiße Luft, wir bleiben beim Thema, gibt es auch in den Hamburger Rockclubsschuppen aus dem Niedrigdeckenbereich. Die Laune eher bodennah, schleppe ich mich nicht allzu erwartungsfroh, aber aufgeschlossen in eine Art Übernachtungsheim für H&M-Punks. Jungs in geringelten Hemden, Mädchen mit geringelten Schals, wunderlich, denke ich, allzu wunderlich. Ich dachte, niemand wäre so wie ich. Kurz läuft Jamie Hince an mir vorbei, die Kills geben sich volksnah. Ich blicke ihm kurz in die Augen, dem Mann, der Kate Moss die Innenseite der Ellenbeugen küßte, wünsche ihm Glück fürs Konzert und unterdrücke in letzter Sekunde den Impuls, ihm dreimal über die Schulter zu spucken. Ich spiele ja kein Theater mehr. Also nur noch drei-, viermal im Jahr.
The Kills fangen zu meiner Seniorenfreude pünktlich an, das Leben ist endlich und Warten so 2007. Aber die Kills vertrösten nicht, die Kills sind zärtlich. "The Good Ones" stampfen von der Bühne, der Raum ist dicht gepackt, fast rauchfrei, aber auf einmal gut gelaunt. Alison Mosshart zeigt, wozu Frauen unbedingt lange Haare brauchen, sie preßt, haucht und stöhnt ihre Zeilen ins Mikro, flirtet mit dem Publikum, sichtlich angetan, sichtlich bei sich. "U.R.A. Fever" - das Duo füllt alle Poren mit Lärm, mit Schweiß, mit der Hoffnung auf Liebe, mit Sehnsucht, ja, die verdammte Sehnsucht, und hingefetzten Alltagsmomenten. "We ain't born typical" - wir verlernen nur, das Besondere zu schätzen.
Zur Zugabe zündet Miss Mosshart sich eine Zigarette an, schmust mit dem Mikro, lächelt ins Publikum, lächelt mich an, aber darauf falle ich nicht herein. Keine Menschen mehr, die nur auf Tournee durch mein Leben sind. Sie wird es verkraften, ich sowieso. "Fried My Little Brains", zehn Minuten, Hauptsache, das Herz kommt heil da raus. Staub abwischen, Rost entfernen, Pflaster drauf. Draußen pumpt das Lüftungsrohr eine Wolke Glitter auf die Straße. Drinnen bleibt ein Dreiklang aus Schlamm und Blut und einem aufrichtigen Hallo. "Get the guns out, get the guns out. Your love is a deserter."
>>> The Kills mit No Vow, wo sie ein bißchen wie zwei Blogger aussehen. Warum auch nicht.

Mit heißer Luft sind nur Ballone weit geflogen.
[aus meinem Buch: Sind das Schuppen in meinen Augen? Panik & Sentenzen.]

Mittwoch, 2. April 2008
Das Wetter wechselt.

Dienstag, 1. April 2008
Bei Manufactum gab es das früher mal, wollte ich immer haben: Ein Kasten aus Aluminium, der Deckel ist gleichzeitig ein Klemmbrett im Din-A-4-Format. Innen kann man Papier und Stifte und weiteres hineinpacken. Ist ungefähr so dick wie ein Pack Kopierpapier. Hat jemand eine Idee, wo es so etwas gibt?

Manchmal konnte ich die Beiträge dort gar nicht ganz lesen.

Sonntag, 30. März 2008
Einmal war ich im Kindergarten ein Marienkäfer.
[Aus meiner Biografie: Mein Leben als Entertainer.]

Freitag, 28. März 2008
Has anybody ever told you
It's not coming true?
(The Kills, "Black Balloon")
Rasch fällt mir auf, warum ich lieber den Abendzug nehme. Der IC ist vollgepackt mit jungen Familien, quengelnden Kindern und Menschen mit obszönen Mengen an Gepäck. In der Reihe vor mir sitzt eine schöne junge Japanerin. Neben mir sitzt das nervigste Kleinkind des ganzen Waggons.
Während ringsum bildhübsche, wohlerzogene Kinder in ihren Pixibüchern blättern oder interessiert im Gang auf- und abtollen, zeigt Little Miss, wo sie in zwanzig Jahren sein wird: Eine egozentrische kleine Prinzessin, die ihre Sachen achtlos zu Boden werfen und augenblicklich ein Geschrei beginnen wird, reicht ihr nicht jemand augenblicklich alles zurück. Innerhalb einer halben Stunde ist der halbe Großraumwagen von ihrem Getue entnervt. Sie fordert alle Aufmerksamkeit für sich, die jungen Eltern kommen dem gerne nach. "Papa", schreit sie und langt nach dem jungen Mann, der neben der schönen Japanerin sitzt. Die blättert gelangweilt in der Bedienungsanleitung ihrer kleinen Digitalkamera. Der junge Mann vermißt sein altes Leben und schaut auf dem Notebook beim Nachbarn schräg vor ihm eine bekannte deutsche Kifferkomödie. Sofort aber kümmert er sich um Little Princess, die weint, strampelt und zudem, man muss es leider sagen, recht häßlich ist. Wie von mir im Stillen vorausgesagt, schreit sie sofort "Mama", kaum daß der Papa sie auf dem Schoß hat. Mama schnappt sie sich zurück, mit empörtem Seitenblick auf den nunmehr düpierten Papa, der sich wieder der Kifferkomödie zuwendet. Die schöne Japanerin blättert ungerührt in der Bedienungsanleitung.
Ein paar Reihen vor mir sitzt ein Mädchen mit rotschwarz gestreifter Ringelmütze und dazu passendem Sweater. Sie fällt mir auf, weil sie sich mit lässiger Kraft an der Gepäckablage entlanghangelt, um etwas aus ihrer Reisetasche zu holen. Dabei rutscht das Ringelhemd hoch, und sie präsentiert unbekümmert ihren Bauchnabel, den ich, wie ich gerne bekunde, sehr apart finde. Über Bauchnabel könnte man auch einmal ein schönes Buch schreiben. Die kleine Kreischkönigin spielt nun mit ihrem Stofftier und einem Taschentuch Schlafengehen und Zudecken. Weil die Taschentuchbettdecke über dem Schmusegefährten Falten wirft, schlägt sie mit flacher Hand und voller Kraft darauf ein. Nach einem kurzen Blick erkläre ich den Teddybär für tot. Ich träume mich aus dem Fenster hinaus. Bald, denke ich, wird die Zeit des ersten Mals kommen. Bald wird es das erste Mal sein, daß ein Luftballon aus der Hand gleitet, vom Wind vertrieben und vom Wetter umhergeworfen wird, und keiner, der ihn zurückbringt. Nicht um alles Geschrei dieser Welt. Festhalten, wird es dann heißen. Nicht Klagen.
Die schöne Japanerin hat begonnen, sich selbst zu fotografieren. Im Player stöhnt Chris Isaak "Baby did a bad, bad thing". Ich versuche zu schlafen, in meinen Traum zurückzusinken und das Wetter zu beobachten. Lebwohl, mein schwarzer Ballon.
