Freitag, 15. Februar 2008


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Kurz mal tief durchatmen.

| von kid37 um 12:54h | 24 mal Zuspruch | Kondolieren | Link

 


Donnerstag, 14. Februar 2008


Zum Glück ist es Beton



Ach. Und wo gehen sie hin, heute, die Herzen? Die freudigen und klopfenden, die zagenden und traurigen? Muß man sie erst flicken und zusammenlöten? Ich schenk euch einfach das da oben, soll es jeden Stein erweichen.

Heute aber haben auch zwei besondere Menschen Geburtstag. Die grandiose und bezaubernde Miss Wurzeltod mit ihrem wundervollen Blog, das mich bereits so viele Jahre begleitet. Dort sind heute auch viele tolle, liebenswert-morbide Links zum Valentinstag zu entdecken. Und dann noch jemand. Jemand, der mir wunderbar erscheint und reizvoll und faszinierend. (Das sind drei sachliche Adjektive.)

Denen wünsche ich ganz besonders große und aufgeregt klopfende Herzen.
Denen wünsche ich ganz viel.


 


Mittwoch, 13. Februar 2008


Arm, aber faltig

Wer bereits Anfang vierzig ist, der kommt auf keinen grünen Zweig mehr.

In einer der letzten Diskussionsrunden der Neigungsgruppe wurde "reich heiraten" als mögliche Lösung in die Debatte eingeführt. Meine romantische Dummheit Verklärtheit steht dem jedoch im Weg - und dazu eine gewisse düster-absinthige Unbeholfenheit den Damen gegenüber. Ich werde mich natürlich mit dem Schreiben meiner Memoiren und von Selbsthilferatgebern über Wasser halten können - oder vielleicht auch eine Burlesque-Show für Ältere leiten. Aber was sollen all die anderen machen. Immerhin: Wir werden viele sein. Verdammt viele.


 


Dienstag, 12. Februar 2008


Immer noch ich

Ich hatte Glück und so viel Pech.
Doch im Aufrechnen war ich immer schlecht.

(Bernadette Hengst, "Immer noch ich". 2002).


Es ist doch so. Dieses schöne Gefühl dann auf einmal wieder, wenn man etwas bastelt, muß nicht spektakulär sein. Wie plötzlich der Boden, der karge, harte, übersät ist mit buntem Papier, Fitzeln und Resten. Wie man Kleber an den Händen hat, die Reste zusammenpfriemelt und von den Fingerspitzen pult.
Wie man nämlich etwas tut.

Wie man baut oder träumt, muß ja nicht spektakulär sein. Gestohlene Tage und gemeinsame Zeit. Ein Lächeln, ein Blick. Keine Langeweile. "Jetzt ist danach, und es fühlt sich an, als klebte ich immer noch daran", singt die Hengst, die ihr Album in verschiedenen Städten aufnahm. Und erst jetzt erkenne ich die Fotos im Booklet. "Mit Gott im Etap Hotel" (Hengst). Doch die Reise geht weiter, immer weiter, weiter lernen, weitermachen.

Ich kann mein Herz spüren, das ist die gute Nachricht.

Wo nichts zurückkommt, geht man nicht hin. Man schafft sich neue Träume. Erkennt die wahren Geschenke und geht auf Reisen. Manchester, zum Beispiel, sieht gut aus. Sich selbst annehmen und immer wieder geben.


 


Montag, 11. Februar 2008


Neigungsgruppe Trümmer und Krank



Ein wenig geht es zu wie im Film "The Great Rock'n'Roll Swindle". Lektion 1: Etabliere den Namen. So hat die Neigungsgruppe Kummer & Trunk mittlerweile nicht nur Resonanz in Blogs gefunden. Ganz neu hat auch die Hamburger Kunstszene Begriff und Vorstellung entwickelt, nachdem eine hochkarätig besetzte Abordnung (beide Mitglieder) am Samstag bei Feinkunst Krüger vorbeischaute, um die Ausstellung von Derek Hess zu würdigen.

Schöne Sache, schöner Abend, die Anwesenden, darunter der Künstler, waren zurecht gut gelaunt, das Ideenbild (Spleen & Idéal) der Neigungsgruppe verbreitete sich zudem wie ein Lauffeuer. Um dem Statutenwerk genüge zu tun, drängte es uns aber bald wieder zu Schnaps und Filmprogramm. Das Ergebnis zeigt, es besteht eine formelhafte Korrelation zwischen der Induzierung höher drehender Spirituosen, der zur Verfügung stehenden Zeit und der daraus resultierenden Wirkung (Koeff. %/t/W). Da der Abend zum Morgengrauen hin nun kürzer war als andere, die Flaschengröße aber dieselbe, ist der im Volksmund sogenannte "Kopffaktor" um x ASS-500 höher als beim gestreckten Konsum ("mäßig aber regelmäßig").

Um es kurz zu fassen: Man kann sich tatsächlich hauseigenen Kummer machen, befolgt man die einstudierten Rituale von Kummer & Trunk allzu schablonenhaft. Man muß eben auch mal spontan festgefügte Strukturen überdenken können. Nächstes Mal dann Filmkunst und Kamillentee.


 


Freitag, 8. Februar 2008


Stumm stehen wir im Lunapark



Irgendwann die Erkenntnis: Man will sich ja nicht anbieten wie Sauerbier, man will dann lieber selbst eins trinken oder drei, natürlich keines von der sauren Sorte. Warten kann man auch an der Theke und sich dabei ein Gesicht in die Schaumkrone malen. Oder eine Dartscheibe.

Man kann sich wegträumen, und überlegen, die Neigungsgruppe Kummer & Trunk (die beste! die beste!) auf eine Exkursion zu führen. Man kann auch sagen, ach, was uns fehlt, ist neue Sachlichkeit.

Herr Krüger sagt, traurig sein, junger Mann, können Sie auch bei mir: Am Samstag nämlich, das merkt euch alle vor, zeigt Derek Hess neue Bilder bei Feinkunst Krüger. Wen die nicht rühren, ist ein Fall für die Kardiographie, aber still, still, das Doppler-Echo!

Heute aber, Freitag, noch ein Knaller bei Chez Linda. Da eröffnet die Ausstellung "Rock & Wrestling gegen Gewalt" mit Fotos der legendären und auch hier gern gelobten einzig aufrichtigen Röck'n'Röll-Sportart.

Mehr kann ich nicht tun. Überhaupt kann ich kaum mehr tun.


(Derek Hess, "Overrated and Weeded Out". Feinkunst Krüger, Hamburg.
Bis 1.3.2008.
"Rock & Wrestling gegen Gewalt". Chez Linda, Hamburg. Bis 15.2.2008.)


 


Mittwoch, 6. Februar 2008


Aschermittwoch

And the lost heart stiffens and rejoices
In the lost lilac and the lost sea voices

(T.S. Eliot, "Ash Wednesday". 1930.)



Hinter Dortmund liegt der erste Schnee. Der Zug bohrt sich tiefer in das Herz der Industrieruinen, nach langer Fahrt durch flache, matschige Felder. Es ist nicht viel, der Boden gerade mal bedeckt. Aber doch Schnee. Am Horizont reihen sich bewaldete Hügel auf, die Flüsse haben Wehre. Weiter geht es hinein ins Bergische Land. In Wuppertal stehen erste Jecken auf den Bahnsteigen, frierend, schunkelnd, ein bunter Kontrast zu nassgrauen Hausfassaden. Frohsinn im Dreck, denke ich. So sind wir dann wohl.

Durch die Stadt führt eine melancholische Fahrt. Die Musik im Ohr abgegriffen wie das Gotan-Projekt, wie der Himmel in einem alten Café. Zäh schiebt sich der Zug dazu zwischen häßlichem Etwas hindurch, allzu langsam durch das enge Tal. Und mir wird bewußt, schmerzhaft, wie gerne ich gezeigt hätte: Die kleinen Orte, die rostigen Eisenbrücken, die verborgenen Stiegenhäuser, der alte Ascheplatz. Das Aufdecken, daß man selber auch Familie hat und ein Leben.

Denn am Ende überleben nicht die Versprechungen. Was bleibt, sind die geteilten Erinnerungen. Die Reisen, die rührenden Momente. Die stillen, die sanften, die schönen und auch die traurigen. Nicht das, was hätte sein sollen. Nur das, was war.