Samstag, 8. Dezember 2007


Und heute, ja...

...bereue ich es, daß ich damals den Kommentar gelöscht habe, wenn es auch gute Gründe dafür gab. Und heute lese ich noch einmal in alten eMails nach und lese, daß er mich wohl gerne kennengelernt hätte. Und heute wissen wir, daß es nicht mehr möglich sein wird. In dieser Welt.

Es steht mir nicht zu. Nur unbekannterweise. Alle Vorwürfe waren damals richtig. Und letzten Endes mag ich es, wenn Leute Rückgrat zeigen. Bussibussi gibt es genug. He, Punkrocker, danke, daß du mir auf die Schnauze gehauen hast. Denn du hattest recht.

Rock on. Woimmer du bist.

The Mercy Seat | von kid37 um 03:08h | | Link

 


Samstag, 8. Dezember 2007


Ein Glücksfall fürs Marketing

Klar ist die talentiert. Das sagen die Fans von Joe Cocker über den Mann aus Sheffield allerdings auch. Und natürlich liebt jeder "uns Amy". Schon aus Beschützerinstinkt. Sie tut schließlich niemandem weh, höchstens sich selbst. Andererseits wird es in jedem zweiten US-amerikanischen Kirchenchor eine ebenso talentierte geben. Oder hier, in Hamburg. Nur nicht ganz so schwer tätowiert und als "huch, verrucht" vermarktbar.

Ich hatte übrigens zu Weihnachten einen Pet-Shop-Boy-Remix von "Rehab" erwartet. Schon wieder so eine Enttäuschung.

Die können es schließlich. 'Cause they were never being boring. Das Lied, das die 80er beendete und für die Erinnerung öffnete. Auf die allerschönste Weise. Denn eins waren wir nie: langweilig. Und ja, manchmal denke ich, du sitzt hier neben mir. Wie wir es uns ausgemalt hatten.

Damals.

Radau | von kid37 um 00:59h | 18 mal Zuspruch | Kondolieren | Link

 


Donnerstag, 6. Dezember 2007


Rotmützenalarm

Weder brav noch böse, dieses Jahr bin ich gar nicht gewesen. Deshalb stand kein Jakobiner vor der Tür (alter Studentenbewegungswitz) und noch nicht einmal ein Nikolaus. Den gab es immerhin in der Fabrik. Sehr gerührt gewesen, hätte nur noch gefehlt, daß ein kleiner Posaunenchor unten im Hof "Nun danket alle Gott" gespielt hätte. Derweil möchte meine Mutter wissen, ob ich etwas zu Weihnachten geschenkt haben möchte und verwies auf die tollen Angebote eines großen Kaffeerösters.

Beim Blättern fiel mir ein Hilfsmittel ins Auge, bei dem ich mich sofort fragte, wie ich bislang ohne es auskommen konnte: das elektrische Krawattenkarussell - sogar mit Beleuchtung (aber ebenfalls ohne Musik). Lieber hätte ich deshalb das Karaoke-Einstiegsset mit sogenannter Party-DVD. Wie ich hörte, soll das Menschen Freude machen. Zusammen mit meiner noch zu erwerbenden trübselig wild blinkenden Heimlichtorgel, werde ich 2008 der coolste Typ Hamburgs sein. Ach was, Hamburg. Man muß in größeren Dimensionen denken! Ich jedenfalls lade mich dann ein.


 


Mittwoch, 5. Dezember 2007


Aus den Augen

They come - and they go
It's a passing of time

(Siouxsie and the Banshees, "Monitor". 1981.)

Menschenkino, ein steter Fluß von Reizen mit wechselndem Programm.

Ich glaube, ich muß mich gleich übergeben.


 


Dienstag, 4. Dezember 2007


Toll, toll, toll

Während ich soeben mit zittriger Hand eine weitere steuerschuldnerische Überweisung für das Finanzamt unterschrieben habe, die aus meinem zunehmend wehleidiger werdenden Konto eine wässrige Neige gleich dem Grund einer Packung Speisequark machen wird, lese ich frohe Kunde:

Wie die Sterndeuter orakeln, steht mir neues Geld ins Haus! (Nicht vergessen, gleich unbedingt mit meinen supergeheimen Gewinnzahlen zur Lotteriebude zu gehen!) Und mehr noch: You may start a blog, heißt es da. Klingt das nicht wunderbar? 2008 werde ich auch endlich wieder verreisen (zwei Ziele winkten mir die Tage bereits wie lockende Hula-Tänzerinnen verführerisch zu), was erleben, einen Großbildfernseher kaufen und mein Bruder wird mir vielleicht bei der Badrenovierung helfen. Oder mich einfach mal besuchen. Überhaupt wird mein neues kanariengelbes Sakko mir ein völlig unbekanntes Leben bescheren: If you've ever felt invisible at parties or other gatherings, you certainly won't feel that way now. Toll, toll, toll.

Die Sache mit der erforderlichen neuen Frisur gibt mir noch zu denken, aber davon war ja neulich - das kann kein Zufall sein! - schon die Rede. Am 23. steht eine spannende weite Reise ins Blaue ins Haus, da werde ich also gespannt sein, wie sehr sich Wuppertal verändert haben wird. Und es stimmt, rund um die Weihnachtszeit, jetzt bin ich aber verblüfft, werde ich wohl meinen Bruder sehen. Und da ich innerhalb der angesprochenen fünf Tage um den 24. Oktober Geburtstag habe, kann ich ihn offenbar ruhig auf diese Badezimmergeschichte ansprechen.

Danach dann - denn es heißt: If you are a writer, you may learn to be a television personality - bereite ich vielleicht eine eigene TV-Show vor. Gestern hörte ich eine Nachtigall las ich, Matussek sei nicht mehr Kulturchef beim Spiegel. Alles klar.


 


Sonntag, 2. Dezember 2007


Tanzen, bis die Luft weg ist



Bei den interessanten Dingen muß man drängeln, sich balgen, laut aufzeigen, mit den Fingern (beweglich) schnipsen. Es ist ein Kreuz. Vielleicht wäre es besser, ich versuchte etwas aus der Mode geratenes zu ergattern, eine Lichtorgel zum Beispiel, wie sie in den 70ern die Cooleren meiner Klassenkameraden aus der Siebten besaßen. Die konnten die Vorhänge ihrer Kinderzimmer zuziehen und drei trübselige Lichter wie eine irregeleitete Ampel flackern lassen, während aus den kleinen kunststoffverstärkten Lautsprechern ihrer Kompaktanlagen Partyhits wie "Lady Bump" oder "Popcorn" quäkten. Heiße Sache. Ein Freund hatte sowas. Eines nachmittags ließ er mich lange seine Partyhits hören, während er unter dem Vorwand, eine Besorgung machen zu müssen, die Wohnung verließ. Irgendwann kehrte er zurück, und wir diskutierten noch ein wenig über die Qualitäten eines Stücks wie "Popcorn". Als ich ging, zu spät vielleicht, hatte jemand die Luft aus meinem im Hausflur abgestellten Fahrrad gelassen. Er war sehr empört über die Heimtücke der Nachbarn. Ich sah, daß ich meine Luftpumpe vergessen hatte. Helfen konnte er nicht, denn er fuhr ein schickes neues Rennrad mit Blitzventilen*. Seine Pumpe paßte nicht an die schäbigen altmodischen Dinger meines noch viel schäbigeren Rades.

Erst Jahre später, nennt mich ruhig naiv, die Freundschaft war längst erloschen, begriff ich in einer sentimentalen Stunde, als ich alte Erinnerungsfetzen in meinem Kopf sortierte, wer wirklich, großes Drama, die Luft aus meinen Reifen gelassen hatte. Rückblickend fand ich, er hätte mir auch anders mitteilen können, wie blöd er mich fand. Nun gut, er trägt heute Schnäuzer und arbeitet bei der Sparkasse; es sortiert sich im Leben eben alles zurecht.

Jedenfalls, dachte ich, vielleicht sollte ich jetzt die fehlende Coolness von damals nachholen und mir eine Lichtorgel ersteigern. Dann könnte ich die Fenster verdunkeln und in meiner Wohnung für mich ein wenig tanzen, ganz so, als sei alles unbeschwert. Zuerst vielleicht Monster Magnet, "Monolithic", danach dann aber gleich Moloko Familiar Feeling.


 


Samstag, 1. Dezember 2007


Der Grill und die Ameise

Heute habe ich das letzte Grillgut entsorgt. Ich glaube, das wird dieses Jahr nichts mehr. Das halbe Dutzend Gammelwürstchen balgte sich in meinem kleinen ***-Fach nur noch mit dem eingefrorenen Filmmaterial um den Platz und wie so oft im Leben hieß es, einer muß nun gehen. In diesem Fall waren es die armen Würstchen.

Seltsam und ungewöhnlich (Herr Kid, Sie sind so ungewöhnlich!) genug für mich, solche Dinge überhaupt zu besitzen, fand ich. Letztes Jahr war ich allerdings während der Fußball-WM irgendwo zum Spiel-schauen-und-Grillen eingeladen ("Kommste einfach nach der Arbeit vorbei"), stellte aber, sozial unbeholfen wie ich bin, erst vor Ort fest, daß für mich gar keine Wurst vorgesehen war. Das Bier mußte man sich eh im Büdchen nebenan holen, das war ok, aber zu Essen gab es nichts. Die Einladende bot mir an, kurz mal bei ihr (also bei ihrem Würstchen) abzubeißen, bzw. ihren Brötchenrest zu essen, was zwar lecker, aber auch irgendwie demütigend war und zudem den Hunger nicht stillte. Normalerweise wäre dies ein Zeitpunkt gewesen, mit überraschtem Blick aufs nackte Handgelenk zu starren und zu rufen "Oh, so spät haben wir schon! Na, da muß ich aber!", um sich dann, ohne einen allzugroßen sozialen Scherbenhaufen zu hinterlassen, heimlich zum nächsten Dönergeschäft zu begeben.

Aber nun wollte ich ja das Spiel sehen, das die deutsche Märchenmannschaft, wenn wundert das jetzt noch, als einziges verlor. Immerhin waren die anderen satt, und ich schwor, das alte Pfadfinderwort "Be prepared!" nicht noch einmal zu mißachten. Seitdem trage ich immer ein Würstchen in der Tasche mit mir herum, man weiß ja nie.

Es kam aber nie dazu, es auch irgendwo auf ein gut vorgeglühtes, zu allem bereites, hitziges Rost zu werfen, weshalb ich dann dieses Jahr (wir schreiten in der Erzählung voran) beschloß, Achtung, selbst einen Grill anzuschaffen. Denn ich dachte, das klingt doch lustig, da kann man in den Park gehen wie so viele und vielleicht kommt ja jemand mit, wenn Zeit ist oder so, dann muß ich das nicht alleine tun. Das war eine super Idee, denn kaum hatte ich Gerät und Holzkohle (Buche, extra) eingelagert, war es vorbei mit dem Sommer, also Ende Mai oder so. Falls sich jemand gefragt hat, ja, ich war's. Ich habe ihn auf dem Gewissen, den Sommer dieses Jahr.

Man soll eben bei seinen Leisten bleiben und nicht im vorgerückten Alter plötzlich wunderlich werden und Dinge tun, die man nicht beherrscht. Wieviele ältere Herrschaften brechen sich die Knochen, weil sie unbedingt noch Motorrad fahren oder einen Hengst reiten oder im Gebirge herumkraxeln wollen, während sie ihr Leben zuvor auf dem Bürostuhl verbracht haben. Wer weiß, welch häßlicher Grillunfall mir erspart blieb. Und den Würstchen erst.