
Montag, 23. August 2004

Backup Datum: 23.07.2003
Alten Zustand wiederherstellen?
Um Gottes willen!
Ich fand noch eine Registry und ein paar Systemdateien vom letzten Monat. Nun ist er wieder halbwegs auf den Beinen. Mit Krücken. Fragil. Scheint, als wäre mehr verloren gegangen als nur der Communicator und ein Mailaccount. Die Katzenbilder sind alle noch da, auch die von den exotischen. Alle 700 MB. Auch die 2 MB Entwürfe für die Fabrik, für die ich den Rechner ja habe, sind erhalten.
Aber ein paar Kid-Updates sind wohl fragmentiert. Das ist sehr bedauerlich, trugen sie doch dazu bei, daß das System in den letzten Wochen insgesamt wesentlich stabiler lief. Die Stereo/Mono-Umschaltung scheint ebenfalls Schaden genommen zu haben. Ich hoffe, es ist nichts dauerhaftes.
[Edit: Quickspace immerhin laufen wieder. "Don't give up". Was sonst. Firewall läuft auch wieder. Man muß sich schützen in diesen Zeiten.]

Samstag, 21. August 2004

I can simply not relate.

Freitag, 20. August 2004
Man muß natürlich auch vorsichtig sein.

Freitag, 20. August 2004


Während der Mittagsexkursion in die Innenstadt war bedauerlicherweise wieder einmal Gelegenheit für gewisse stilpolizeiliche Ermittlungen. Die Jahreszeit mit den linden Lüftchen provoziert ja regelmäßig mit Ansichten, die wie blanke Reißnägel ins Auge fallen.
Offenbar ist für junge Damen diese Saison die Hosenfarbe Weiß angesagt. Kurz hintereinander marschierten gleich drei dieser Exemplare aus durchscheinender, wohlgefüllter Baumwolle vor mir her. Nun wäre ich der letzte, der etwas gegen die anmutige Bewegung runder Formen hätte. Aber wie sieht das denn aus? Durch diese transparenten Hosen sieht man überdeutliche nackte Hintern, über denen ein dreieckiger Stoffetzen dünne Strippen gerade noch zusammenhält. Meine Damen, wir sind doch nicht am Strand von Las Palomas!
Die Stringtrendfarben (sofern sie nicht aus echtem Leder sind, wie wir hier erfahren können. Ach so, waren gar nicht gemeint. Egal.) sind weiß (geht gar nicht), schwarz (geht immer) und blau mit etwas, was wie rote Punkte oder Blümchen aussah. (Zu sehr wollte ich nicht in die Hocke gehen, und ich hatte meine Stilpolizei-Marke nicht dabei, um eine eingehendere Untersuchung vornehmen zu können.)
Wie auch immer, das wissen wir nun. Vielen Dank. Nachdem ich gestern in irgendeinem Blog, das mir gerade nicht einfällt, was von "zerfetzten Höschen unterm kurzen Rock" gelesen habe, scheint sich ebenfalls anzudeuten, daß der Trend dieses Jahr eindeutig wieder zum "Ich trage Unterwäsche" geht. Das ist löblich, nicht immer aufregend, aber gut für die Blase.
An den Anblick minderjähriger Schnurwäscheträgerinnen, denen das Stoffdreieck irgendwo zwischen den Schulterblättern hängt, hat man sich ja schon gewöhnt. Man zuckt ja nur noch hilflos mit den Schultern. Aber transparente weiße Hosen bringen dieses Land, das ja sogar andere Probleme als die Rechtschreibreform hat, wie ich immer wieder lesen muß, nicht weiter. Zumal, und ich muß es leider sagen, es nicht immer nur lockende Ansichten sind, die einem da - freiwillig oder unfreiwillig - präsentiert werden.
Wenn das nicht bis morgen aufhört, ziehe ich kurze Pfadfindershorts an und schocke mit weißen, haarigen Beinen zurück. Oder probiere doch den Red Hot Chili Peppers-Look. That's official!

Das ist ein alter Beitrag, der vor längerer Zeit seinen Weg zu Flokati fand. Dort passiert aber leider schon lange nichts mehr. Und weil er gerade hierzu paßt, hole ich ihn heim.
Als Kind war ich in den "großen Ferien" immer bei meiner Großmutter, die in einer schleswig-holsteinischen Backstein-Kate direkt neben einem Bauernhof wohnte. "Hausen" würde man heute wohl sagen, denn es gab nur ein Plumpsklo, das sich in einem gemauerten Schuppen gegenüber des Häuschens befand. Wasser gab es nur aus einer Pumpe auf dem Hof. Morgens wurden zwei Eimer geholt - einer für Trinkwasser, der andere für Brauchwasser zum Waschen. Die Eimer wurden in der Küche auf zwei alte Stühle platziert, und dann nahm man sich zum Waschen etwas davon in eine Schüssel. Vor dem Häuschen gab es eine kleine Rasenfläche und einen kleinen Weg, der aus grobem Kopfsteinpflaster bestand. Hinter dem Haus befand sich der Nutzgarten. Dort standen ein paar alte Kirsch- und Apfelbäume und Beete, in denen Mohrrüben und Kartoffeln wuchsen.
Ich fürchte, das Ganze war alles ein wenig schäbig. Aber als Kind was es das Größte. An der Kate befand sich noch ein alter Kuhstall, der aber nicht mehr genutzt wurde und voller Gerümpel stand. Hier, fürchte ich, haben noch richtige alte, antike Schätzchen gelegen. Perdu.
Das aufregendste aber war der Bauernhof nebenan. Dort wurde die Milch gekauft. Ein gefährlicher, großer Hund lag an einer langen, klirrenden Kette, von der man nie genau wußte, wie weit genau sie reichen würde. Vorsichtshalber sind wir Kinder immer ganz flink an ihm vorbei und haben uns in die Ställe geschlichen. Hier haben wir nach den Kälbern geschaut oder die Fütterung der Schweine beobachtet. Manchmal waren wir auch häßlich zu den Hühnern oder spielten mit der einäugigen Katze. Ein wenig unheimlich war auch der "Verrückte". Die Bauern hatten einen behinderten Sohn unbestimmten Alters, der sich in unartikulierter Sprache mit uns zu verständigen versuchte und ansonsten seinen geheimnisvollen Geschäften nachging. Als Kinder waren wir grausam genug, ihn hinter seinem Rücken zu hänseln - auch wenn ich immerhin zugeben kann, daß mir das als nicht "ganz richtig" vorkam. Aber die Dorfkinder neigten auch dazu, sich vor mir als "Städter" als besonders abgebrüht und weltläufig zu produzieren.
Mit Vorliebe wurden mir auch die grausamen Geschichten erzählt. Wie sich Kinder im Getreidefeld versteckten, um ihren Vater zu überraschen, der mit seiner riesigen Erntemaschine das Getreide mähte. Die meterlange Messertrommel glänzte böse im Sonnenlicht. Und natürlich hat er im infernalen Lärm seiner Maschine die eigenen Kinder nicht gehört und ihnen mit der Mähmaschine die Arme abgeschnitten.
Dann spielten wir immer Verstecken im Stroh. Im Nachhinein war das wohl gefährlicher als sich während der Ernte im Getreide aufzuhalten. In der Scheune lagerte das Stroh meterhoch. Wir sprangen von wackeligen, gepressten Ballen hinunter ins Heu und wühlten uns durch labyrinthische, enge Tunnel, die manchmal zwei, drei Meter steil nach unten führten. Es war heiß und stickig in der Tenne und die Strohhalme pieksten uns in die Arme und bohrten sich durch unsere Hemden. Wir wären wahrscheinlich jämmerlich erstickt, wenn die Strohballen über uns zusammengefallen wären. Aber daran haben wir nie gedacht.
Einmal habe ich einen verdorrten Hühnerfuß im Stroh gefunden. Ich habe nie herausbekommen, ob den die einäugige Katze oder der verrückte Sohn dort hineingelegt hatte. Oder ob das dumme Huhn während der Ernte im Getreide herummarschierte.

Mittwoch, 18. August 2004
"Jeden Tag trifft irgendwo jemand die Entscheidung, jemand anderen zu zerstören."
Adaption (USA 2002).

Dienstag, 17. August 2004
Ein frankokanadischer Ausflug in die Welt der Succubi. Der Student Thierry lebt mit seinem schwarzen Freund Henri (Thierry - Henri - soll das witzig sein?) in einer WG. Thierry mag keine Rothaarige, und der Film macht nach vielen unnötigen Schleifen ins öde Hierhin und Dorthin (Studienprobleme, abgebrochene Spontanumzüge) auch klar, warum er recht daran tat. Denn kaum schleppt er doch mal die rothaarige Claire ab, entpuppt die sich als Succubus. Die beiden hampeln dann etwas unkoordiniert auf Thierrys Bett herum (manche würden dazu wahrscheinlich sagen "leidenschaftlich", aber mir wäre das entschieden zu hektisch), dann macht sie etwas, was man wohl als kinky bezeichnen könnte. Aber warum auch nicht? Nur Henri schöpft gleich Verdacht.
Dann passiert erstmal wieder nichts, dann will der Film doch lieber eine Komödie sein, dann gibt es bißchen Blut. Der Film endet als Komödie, hinterläßt ein paar Tote und jede Menge Logiklöcher.
Die Botschaft war nun schon in der Eröffnungssequenz klar, wenn Thierry seine Abneigung gegen Rohaarige bekennt. Warum er sich dann doch eine krallt, wird sein Geheimnis bleiben.
Die Gefährlichkeit von Rothaarigen war mir hingegen schon lange klar, und ich habe auch Beweise dafür. Dennoch habe ich ein Faible für Rothaarige und irgendwie auch für Frauen, die ein klein wenig gefährlich sind. Wobei sich die Betonung mit zunehmendem Alter immer mehr auf "klein" und "wenig" verschiebt. Mein persönlicher Succubus saß im Publikum, mit weißer Haut und roten Haaren. Das muß ja nun nicht sein, habe ich erneut festgestellt. Wenn auch nur am plötzlichen Durchstrom hochkonzentrierten Adrenalins. Und an der Stimme, die plötzlich flüsterte: "Haben Sie schon mal über eine Beschäftigung im Ausland nachgedacht, Herr Kid?"
Ich habe nach wie vor Schwierigkeiten, gemeinsam mit dem Succubus in geschlossenen Räumen zu sein. Deshalb meide ich auch bestimmte Orte. Man weiß nie, von welcher Seite der Leinwand das Blut dann spritzen wird.
Und zu sagen gibt es ja nichts. Der Succubus ist auch nicht so dumm und würde fragen. Wozu auch. Das war schon vor Jahren nicht anders. Es ist auch nicht die Zeit, einen "Kaffee" zu trinken. Es ist auch nicht die Zeit, wortlos gemeinsam auf dem Klo zu verschwinden, um dort dann, hektisch womöglich, Dinge zu tun, die vielleicht ein wenig kinky sind. Ich bin dafür zu schüchtern, und der Succubus hat gewiß blutvollere Opfer.
Wie man einen Succubus befriedet und heilt? Man mache ihm ein Kind und spiele sein Spiel. Für diese Antwort hasse ich den Film.
Den andererseits sicherlich netten Film Octane heute abend habe ich mir nun vorsichtshalber gespart. Obwohl die "erotischen Fänge einer Sekte gut gekleideter Bluttrinker" sehr verlockend klangen. Für heute aber reicht es an Succubi.
La Peau Blanche (Kan. 2004). Regie: Daniel Roby

Montag, 16. August 2004
Auch wenn ich aus der Gegend von nirgendwo stamme, bin ich als Kind sozusagen in Schleswig- Holstein aufgewachsen. Meine Großmutter väterlicherseits bewohnte dort eine alte Bauernkate, in der sie nach dem Krieg sechs oder sieben Kinder großzog. (Da meine Mutter ebenfalls sechs oder sieben Geschwister hat, geht mir da schon mal der Überblick verloren. Wie das in solch großen Familien üblich ist, besteht auch nicht mehr zu allen Teilen Kontakt.) Als kleines Kind war ich die ganzen Sommer über da, später dann zumindestens die sechs Wochen in den großen Ferien.
Die Sommer früher™ waren bekanntlich heiß und endlos. Ich war die ganze Zeit draußen, hing wahlweise im Kirsch- oder Apfelbaum oder auf dem Plumpsklo in dem kleinen Schuppen vor dem Haus, wenn die Früchte noch nicht reif genug gewesen waren. Das Haus war ein langgezogener Flachbau, in dem links und rechts jeweils Familien wohnten. In der Mitte befand sich ein ehemaliger Kuhstall, damals dann Lagerort allerlei geheimnisvoller Schätze und Piratenkisten. Das Leben war einfach und für uns Kinder nicht hart. Das war die Gegend, wo man kilometerweit barfuß durch den Schnee zur Schule ging. Aber, he, es war Sommer, und ich hatte große Ferien. Vier Steckdosen gab es in dem Haus, in jedem Zimmer eine. Wollte man zusätzliche Geräte anschließen, wurde eine mürbegewordenes, baumwollumsponnenes Kabel durch den Raum gespannt. Eines nachts holte ich mir an der wackligen Steckverbindung den ersten Stromschlag meines Lebens.
Der Tag begann damit, daß man Wasser von der Pumpe auf dem Hof holen mußte. Zwei Eimer voll wurden geholt. Einen für Trinkwasser, den anderen für Waschwasser. Großes Abenteuer. Dann ging es raus in die ewige Sonne (geregnet hat es selbstverständlich nie oder nur nachts). Ich spielte auf dem Kopfsteinpflaster rings ums Haus (auf denen konnte man sich prima aufgeschlagene Knie holen, wenn man zu schnell um die Hausecken peste) oder sah den Schwalben zu, die unter der Dachrinne im meterabstand ihre Nester bauten. Oder ich traf mich mit den anderen Kindern aus der Umgebung. Dann rasten wir durch die Getreidefelder oder besuchten die Kälber in den Ställen. Häufig waren auch zwei meiner Cousinen dabei, von denen die eine immer wollte, daß ich mich auszog. Ich spielte aber lieber mit den Katzen vom Nachbarhof.
Als ich älter wurde, war die ländliche Einöde Schleswig-Holsteins nicht mehr wirklich interessant, und ich verlebte meine Ferien anderweitig. Dreißig Jahre bin ich nicht mehr dort gewesen.
Bis neulich. Von Hamburg aus ist es mit dem Auto nicht so furchtbar weit, und vor ein paar Tagen habe ich es denn endlich einmal geschafft, die Orte meiner Kindheit aufzusuchen. Dunkel erinnerte ich mich an den Namen des kleinen Dorfes irgendwo bei Neumünster. Von der Bundesstraße links ab, hatte ich ein diffuses Bild vor Augen. Und tatsächlich ging es von der Bundesstraße links ab. Und tatsächlich kamen da die Bauernhöfe, und dann gabelte sich der Weg, und statt der von mir erwarteten endlosen Reihen nutzloser Einfamilienhäuser, waren da immer noch die Felder, in denen sich meine Cousine verdächtig oft die Schlüpfer geraderücken mußte, während ich nach meinem Kätzchen suchte. Und dann war da immer noch der große Baum (nun ja, es waren sogar zwei. Keine Ahnung, woher der andere auf einmal kam), an dem sich der Weg erneut gabelte. Und wieder ging es links, und ich dachte, na, nun werden hier aber nutzlose Einfamilienhäuser stehen. Aber dann kam der Bauernhof, wo meine Großmutter und ich abends immer die Milch holten, und die Scheune, wo ich einmal fast im Stroh erstickt wäre. Und dann stand da die alte Kate.
Und was soll ich sagen? Die alte Kate ist sozusagen eine neue Kate. Hübsch hergerichtet, der Dachboden ausgebaut, die Tür in den Kuhstall versetzt. Alles noch da, bis auf die Pumpe. Aber selbst die Schuppen mit den Plumpsklos stehen noch, nunmehr als reine Lagerräume für Gartengeräte genutzt.
Das war natürlich Anlaß für tolle Erinnerungsrückstürze. Wie kurz doch der Weg vom Haus meiner Großmutter bis zu dem großen Baum, der eigentlich zwei ist, geworden ist! Da entlang kam einmal die Woche der fahrende Supermarkt, ein umgebauter Laster, mit vielen Regalen, auf denen Lebensmittel aller Art angeboten wurden. Meine Großmutter kaufte mir immer Lakritzschnecken. Die Packung hielt aber nie bis zur nächsten Woche. Einen Briefkasten gab es dort auch, aber kein Postamt. Man warf den Brief einfach hinein und zwanzig Pfennig für die Marke hinterher. Auf der Post wurde das dann alles abgerechnet. Soll noch mal einer sagen, die Deutschen könnten nicht lässig sein.
Die neuen Bewohner waren nicht daheim. Aber mit den direkten Nachbarn und mit den Leuten von gegenüber habe ich mich unterhalten. Zugezogene, die sich aber noch dunkel an den Namen meiner Familie erinnern konnten. Die Nachbarn ließen mich sogar hinters Haus in den alten Garten gucken. Da stand noch der Kirschbaum. Meine Großmutter hatte dort ein Bündel alter Blechdosen gehängt, an denen eine lange Schnur befestigt war, die bis zum Haus reichte. Kein Dosentelefon, um mich zum Essen zu rufen, sondern ein Schreckapparat, um die Vögel zu verscheuchen. Ab und an ging man im Haus ans Fenster, wo das Ende der Schnur verknotet war, zog ein wenig und ließ die Dosen klappern. Dann rauschten ungezählte beleidigte Kirschendiebe mit wildem Gezeter davon.
Ein schönes Gefühl. Es ist alles noch da. Nicht zu einem Haufen alter Steine zermahlen, sondern schöner denn je. Erinnerungen, mal nicht zertrümmert. Meine Cousine bekam früh ein Kind. Ich weiß aber nicht, was sie heute so macht.

Fragmentarische Anrisse, Splitter nur:
Ginger Snaps Unleashed (Kan. 2004). mehr...
Madame Edouard & Inspector Leon (F/B/Lux. 2004). mehr...
The Big Empty (USA 2003). mehr...
One Missed Call (J 2003). Takashi Miike, dieses Mal geschenkt.
Ginger Snaps Back: The Beginning (Kan. 2004). mehr...
La Peau Blanche (Kan. 2004). mehr...

