I got one more thing I'd like to talk to y'all about right now

Been down so long,
Getting up didn't cross my mind.

(Bobby Womack, "Across 11oth Street")


Im Grunde weiß kaum jemand besser als ich, wie sich der Wandel der Zeit anfühlt, das Verändern, sich Häuten und Vergessen werden. Meine Güte, wieviele Karrieren habe ich schon gehabt, da zähle ich den Gewinn der C-Jugendstadtmeisterschaft im Fußball gar nicht dazu - schließlich bin zur Hälfte der Saison ausgestiegen, und so gebürt mir nur ein halber Pokal. Das sind Dinge, die sind vergänglich, flüchtiger Glanz äußerer Schönheit, die du so oft besingst. Wer wüßte das besser als Menschen wie Shah Rukh Khan. Oder auch Bob Dylan. So ist das im Alter, da kommen Leute und kennen einen nicht mehr.

Seit ich nicht mehr auf der Straße erkannt werde (anders als zum Beispiel mein alter Kollege Ricky Shane), erlebe ich natürlich auch eine ganz neue Freiheit. Aus dem Vergessen heraus kann ich mir neue Leben erfinden. So kann ich jetzt Musik hören, die mir früher keiner geglaubt hätte. Marvin Gaye stellt die Frage, What's Going on? Vielleicht dringt von gegenüber auch Bobby Womack herüber: I'm not saying what I did was alright. Abendmusik, ein Schuß Schmerz statt einer Droge, Musik für warme Nächte, wenn man sich hinausstehlen kann aus dem affektierten Gekreische der Clubs. Wenn man drei, vier Minuten für sich haben kann. Für sich, die Lichter, die verwehten Klänge, eine letzte verschwitzte Berührung. Für einen Rückblick, wütend oder traurig, mitgenommen oder nüchtern. Und immer wieder berührt. Immer wieder auf Reisen sein, und zurückkehren nur zu denen, auf die man sich verlassen kann. Ich werde die Koffer noch oft packen. Und manches nicht vergessen. Die schönen Momente, und die, als du mich vergessen hast.

>>> Bobby Womack, Across 110th Street

Homestory | 02:37h, von kid37 | Kondolieren | Link

 
sunny5 - Sonntag, 16. August 2009, 03:19
oh.

nachtrag: wissen sie, irgendwie möchte ich aufhören mit dem bloggen, aber ich weiß noch nicht wie. ständig kommt mir was dazwischen. irgendwie möchte ich aber gerne. möchte diesen computer aus dem fenster werfen und immer wieder neu anfangen - sofort ist man wieder vernetzt. man kann im netz nicht umziehen. die wege sind zu kurz.

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kid37 - Sonntag, 16. August 2009, 13:58
Man kann sich Vergessen natürlich auch wünschen, leider ist es hier ein Hase-und-Igel-Spiel. Man muß Gegenden finden (geografische wie soziale), in denen sich die digitale Welt noch nicht "wie eine Hülle über alles" gelegt hat, wie es sich eine internetbekannte Prominenzperson wünscht. (Ob der wohl von einer Polizeistreife erkannt würde? Amüsanter Gedanke gerade.)

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monopixel - Sonntag, 16. August 2009, 03:24
Bob Dylan scheint sowas ja öfter zu passieren, doch fällt mir zu Ihrem Kofferpacken nur ein Filmzitat ein, in dem jemand Unbekanntes allein an der Bar gefragt wird, Sie sind wohl neu in der Stadt? Nein, ich bin der alte, nur die Stadt ist neu.

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kid37 - Sonntag, 16. August 2009, 13:45
Ich bin der alte, nur die Stadt ist neu.

Schöner Satz. Reisen macht nur Sinn, wenn man einen Platz hat, an dem man zurückkehrt. Sonst wäre man ja auf der Flucht. Oder in einem Roman von Chandler.

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ladys smock - Sonntag, 16. August 2009, 03:56
auffallend ist ja gleich, wie beide sich verhalten haben.
Zurückhaltend höflich - wie Sie es ja auch immer sind - bleibt stets achtungsvoll in Erinnerung.

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kid37 - Sonntag, 16. August 2009, 13:40
Haha, Sie kennen aber auch nur mein Sonntags- und Urlaubsgesicht ;-)

(Das hoffe ich übrigens dieses Jahr auch noch mal zeigen zu können.)

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ladys smock - Sonntag, 16. August 2009, 23:39
Dann fang ich schon mal an für mein drittes-Urlaubstag-Gesicht zu üben und den Sonntag als Tag des Herrn K. zu feiern.

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