Borderline Solstice



Sonnenwende am Timmendorfer Strand. Ja, das ruft Erinnerungen wach, aber nevermind, nur leise, nicht laut. Nicht in diesem Blog. Unter der Woche kann man sich sogar in überlaufene Ostseebadeorte wagen. Also flugs den roten Aufsitzrasenmäher beladen und ab ins gleißende Licht. Wasser, Mittwend-Sonne und halbnackte Körper, die sich vollmondexaltiert im angewärmten Sand wälzen. An der Kante des Wassers suchen wir den Hühnergott.

Das sämige Ananaseis entschädigt für frühere Besuche in eisiger Kälte, in Zeiten, in denen sich gar nichts mehr regt. Das letzte Mal, als ich im Sommer auf Rügen die Ostsee besuchte, hatte ich den Job als Kofferträger der ehemaligen Miss Mecklenburg. Immer respektvoll zwei Meter dahinter, nur Ohr, Hand, nicht Mund. Aber das ist zum Glück lange her, dieser Rabe lange davongeflattert.

Hingegen wie schön heute das entspannte Flanieren, der verstaubte Glanz der alten Boutiquen. Unter der Seebrücke pfeift Teenagerliebe. Die Lolitas des Ortes, die jungen Gecken. Von der Brücke springen ein paar bronzegefärbte Jünglinge mit runtergelassenen Hosen hinab in die See. "Arschbombe!" rufen sie, die Mädchen halten sich kichernd die Augen mit gespreizten Fingern zu. Heute ist Sonnenwende, da wird Holz brennen und ein harziger Geruch sich verbreiten.
Und hie und da, unten am Strand, fließt ein wenig Blut.

Ausfallschritt | 02:34h, von kid37 | Kondolieren | Link

 
gaga - Mittwoch, 22. Juni 2005, 03:59
gefunden,
den hühnergott?
irgendwann hörte ich, wenn man einen hühnergott findet, ihn gegen die sonne hält, durch die öffnung sieht und es sich fest wünscht, und ihn dann zurück ins meer wirft, findet einen die liebe. was für eine schönes ritual. vielleicht sollte man sich solche geschichten nicht nur anhören.

den schönsten fand ich weit vom meer, in der steinwüste sprengisandur im norden von island. aus tiefschwarzer lava. den kann ich nicht werfen.

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kid37 - Mittwoch, 22. Juni 2005, 11:10
Den würde ich auch behalten. Wer weiß, wann man so was mal braucht.

Von diesem Ritual habe ich, ehrlich gesagt, noch nie gehört, was aber nichts heißt, weil ich mich in solchen Glaubensdingen nicht gut auskenne. Das scheint mir wirklich ein schönes Ritual zu sein. Leider hätte es damals auf Rügen wohl nichts gebracht. Durch-Schaut habe ich allerdings schon - und gemerkt, daß ich bei der steinerweichenden Verachtung, die mir damals entgegenschlug, wohl mehr als einen Hühnergott gebraucht hätte. Die hätten sich ja sofort verformt. Die Insel ist aber sehr schön, da will ich nichts gesagt haben.

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arboretum - Mittwoch, 22. Juni 2005, 11:42
Die Insel ist wirklich wunderschön - schade, dass Sie keine ebenso schöne Reisebegleitung hatten.
Wenn ich das nächste Mal dort bin, werde ich das von Frau Gaga beschriebene Ritual mal ausprobieren, wenn es funktioniert, gebe ich Bescheid.

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kid37 - Mittwoch, 22. Juni 2005, 13:10
Über die "Schönheit" meiner Reisegefährtin möchte ich selbstverständlich auch nichts gesagt haben. Obwohl sie stets betonte, derart äußerliche Dinge unwichtig zu finden. Aber da ging es vielleicht mehr um meine Beschaffenheit. Und das andere... Nun, es wird Leute geben, die so was mögen. "Jeder Hühnergott findet einen Deckel", sagt doch der Volksmund.

Ich überlege nun auch, ob ich mit meinem im Gepäck da noch einmal hinfahren sollte. Wir machen das aber besser unabhängig von einander, nicht daß da noch was passiert mit unseren Hühnergöttern. Dann kriegt sich Bloggerdorf gar nicht mehr ein. Oder ich lade Frau Gaga ein, die kann mir bestimmt noch ein paar andere Dinge exorzieren. Die Analyse neulich hat ja schon gute Ergebnisse gebracht.

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arboretum - Mittwoch, 22. Juni 2005, 13:46
Meine Bemerkung bezog sich auch gewiss nicht auf die äußere Schönheit der Miss Irgendwas, auf deren Verachtung Sie anscheinend zumindest eine Zeit lang viel gaben. So gesehen, wären ein paar exorzistische Rituale der werten Frau Gaga auf Rügen vielleicht wirklich keine schlechte Idee. Mit mir zu reisen wäre Ihnen wahrscheinlich auch viel zu anstrengend, stelle ich Ihnen ohnehin schon viel zu viele unbequeme Fragen. Womöglich würden Sie Ihren Hühnergott nach mir werfen, und wie sollte das dann etwas mit der Liebe werden.
Was Bloggerdorf dazu meinte, wäre mir übrigens von Herzen egal, wer gibt schon etwas auf Vororttratsch? Ich schon lange nicht mehr, dazu haben sich einfach schon zu viele das Maul über mich zerrissen. Wie sagte einmal jemand so schön: Es sind die bunten, nie die grauen Mäuse, über die geredet wird. Machen Sie sich also nichts daraus.

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gaga - Mittwoch, 22. Juni 2005, 19:24
exorzistische rituale auf rügen
klingt nach einer gutverkäuflichen geschäftsidee. zumal ich, ohne das jetzt groß beweisen zu müssen, eine hundertprozentige erfolgsquote habe. herr kid kriegt die behandlungen gratis und muß dafür ein kleines morbides werbebanner inclusive testimonial auf seine seite kleben. ich denke da so an esopreise um die 3000 euronen zzgl. mwst. pro wochenende zuzüglich der kosten für unterkunft und sakrale bewirtung (wein, oblaten). einführungspreis. zielgruppe: alle, die zahlen. bei nachweislicher kundenzuführung über das hermetische café provision. frau arboretum kann geschickt formulieren und wird marketing-chefin. die spreepiratin dreht einen als doku verschleierten werbefilm.

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arboretum - Mittwoch, 22. Juni 2005, 19:56
Liebe Frau Gaga, gerne komme ich mit Ihnen nach Rügen, aber bitte, bitte nicht als Marketing-Chefin, dafür bin ich leider völlig ungeeignet (das sage ich den Absurden auch immer). Dann texte ich Ihnen lieber die von Ihnen unbedingt herauszugebende Eso-Zeitschrift voll (Ufos und Kornkreise zählt neben dem Dirndl-Magazin ja schon immer zu meinen all time favourites), assistiere der Spreepiratin bei der "Doku" oder produziere ein Feature fürs Radio (ich quäle Herrn Kid einfach mit ein paar Fragen, damit er zwischendurch immer 'mal schön stöhnt und schreit, das gibt dann eine tolle Atmo).

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gaga - Mittwoch, 22. Juni 2005, 20:52
is gebongt.
genau! esozeitschrift. sie wissen eben doch, worauf es ankommt! stellen sie ihr licht mal nicht so unter den scheffel.

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kid37 - Mittwoch, 22. Juni 2005, 21:01
Ich sehe schon, Frau Arboretum. Ich hämmere Ihnen gleich mal ein paar Antworten raus, da legen Sie die Ohren aber flach an ;-)

Ich bin da ganz begeistert. Hagazussas im reflektierenden Licht der Kreidefelsen. Ich würde gerne Schwarzweiß-Portraits der Teilnehmer machen. Als Vorher-Nachher-Bilder. Ich laß dann auch diesen Gothic-/Fetischkrempel weg, Frau Gaga, versprochen.

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gaga - Mittwoch, 22. Juni 2005, 21:38
leider sehen die meisten hagazussas
ziemlich scheiße aus ( ich habe schon eine menge von der sorte gesehen). da müssten wir dann noch nacharbeiten, stylingtechnisch. das muß alles noch viel körperbetonter werden. insofern liegen ihre damen da schon richtiger. von mir aus auch gerne mit totenkopf. ich mag ja knochen. wir brauchen effekte! ich will hochglanzbilder! das soll ja keine häkelgruppe werden. sex und glamour sind gefragt! glauben sie mir. vorher-nachher ist natürlich auch enorm überzeugend. das lockt den kunden.
bilder richtung cover laguz within the lake. elfenmäßig verschleiert und doch scharf.

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arboretum - Mittwoch, 22. Juni 2005, 23:10
Herr Kid, ich weiß gar nicht, wie Sie auf die Idee kommen, ich hätte Segelohren, Sie wissen doch gar nicht, wie ich aussehe. Außerdem haben Sie mich sowieso wieder einmal ziemlich missverstanden - 'mal ganz abgesehen davon, dass ich vorhin eher das meinte, was im Brack dümpelt. ;-) Dann werde ich Sie halt mit meinem noch zu suchenden Hühnergott hauen, damit Sie mir eine feine Atmo liefern, Dr. Kids Murkes gesammeltes Schweigen gibt es schließlich bereits.

Sex and Glamour? Gute Idee, Frau Gaga. Ihr erster Proband will ja zum Glück nur alle nachfolgenden Teilnehmer fotografieren, nicht die Menschen, die Ihnen zur Hand gehen. Fürs Marketing findet sich vielleicht ja noch jemand anderes.

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kid37 - Mittwoch, 22. Juni 2005, 23:18
Jajaja! Genau, mehr Sex, mehr Sinnlichkeit, mehr Glam! Ich bin ja auch Gun for Hire - wenn ich mal vermessen sein darf; Sie verstehen das sicher. Und wo Sex ist, darf auch Hein nicht fehlen - der Tod und das Mädchen, das beschwingt doch alle Sinne und tieferen Erinnerungsschichten. Das Cover ist schon sehr überzeugend. Die weißen Kleidchen werden vielleicht unter Hühnerblut leiden und dem feuchten Moos der Wälder. Aber am Ende gibt es bestimmt auch ein Mitternachtsbad in der Ostsee zum Zeichen der Neugeburt. Dann mantrische Gesänge am Strandlagerfeuer... Rest des Abends zur freien Verfügung.

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gaga - Mittwoch, 22. Juni 2005, 23:41
aber aber - arboretum!
wo steht, dass meine assistentInnen nicht in den genuss einer (kostenlosen) behandlung zum selbstkostenpreis kämen? sie sind gleich die erste nach herrn kid. das versteht sich doch von selbst. und wenn sie erst die verwandlung des ersten probanden gesehen haben, werden sie es gar nicht abwarten können, sich auf die blutrote ottomane zu legen.

herr kid: ich sehe, die ersten fortschritte kündigen sich bereits an. sie werden proaktiv. das ist nie verkehrt. und denken sie bitte an ihre leichte fremdwörterschreibschwäche: es heißt hier ausnahmsweise nicht mantrisch (obgleich keineswegs widersprüchlich) sondern: t-antrisch. vgl.: esoterisch/erotisch. an diesem kleinen freudschen manko werden wir in den nächsten sitzungen noch verstärkt arbeiten müssen.

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arboretum - Mittwoch, 22. Juni 2005, 23:46
Nee, nee, Frau Gaga, ich bin kamerascheu. Deshalb praktiziere ich dann doch lieber weiter meinen eigenen Zauber. Und ich bin zwar sehr gerne an der Ostsee, aber nicht so gerne in der Ostsee, denn die ist mir meistens viel zu kalt, außerdem schwimme ich eh äußerst ungern, soll heißen, freiwillig keinen Meter. Strandlagerfeuer lass ich mir aber gefallen, ich muss ja nicht mitsingen. ;-)

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mark793 - Mittwoch, 22. Juni 2005, 23:51
"mantrische Gesänge"
das bezog sich ja wohl auf Mantras und nicht auf tantrische Praktiken, oder? Schönes Wortspiel, kein Fehler...

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gaga - Mittwoch, 22. Juni 2005, 23:54
liebe arboretum. es geht auch mal ohne kamera.
um investigative beiträge in unserem esoblättchen zu schreiben, müssen sie schon auch ein wenig bereit sein, sich dem geschehen auszusetzen. zumal ich mich in meiner praktischen forschungsarbeit mit besonderer inbrunst dem themenkomplex mitternachtsschwimmen verschrieben habe. da sind sie eine probandin par excellence. nur keine scheu.

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gaga - Mittwoch, 22. Juni 2005, 23:57
lieber herr mark,
tantrische gesänge sind immer mantrisch. aber: mantrische gesänge sind nicht immer tantrisch. ein anderer therapeutischer ansatz gewissermaßen. eine frage der - äh - indikation.

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arboretum - Donnerstag, 23. Juni 2005, 00:04
Na, ich muss das ja nicht selbst ausprobieren, gut beobachten langt auch. Und schwimmen gehe ich auf gar keinen Fall, no way. Schließlich bin ich ein doppeltes Luftzeichen und kein Skorpion wie Sie und manch anderer hier.

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gaga - Donnerstag, 23. Juni 2005, 00:12
wir gehen die sache ganz in ruhe an.
sie sehen sich alles an. dann sehen wir weiter ;-)
sie haben hier eine verantwortungsbewusste jungfrausonne vor sich, die das übrige skorpionische gewimmel bei bedarf unter den teppich scheucht. das sollte ihrem feinfühligen mond in konjunktion vertrauen einflößen.

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mark793 - Donnerstag, 23. Juni 2005, 00:14
Liebe Frau Gaga,
ich lerne gerne dazu, bislang hatte ich es ja eher mit mandragorischen Gesängen...

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kid37 - Donnerstag, 23. Juni 2005, 00:15
@ Frau Gaga: Reden Sie sich nicht heraus, ich meinte schon "mantrisch", sonst hätte ich ja "tantrisch" geschrieben.

Das stand übrigens zuerst da, dann habe ich es geändert, weil ich fürchtete, Sie würden mich zum Sex-Maniak stempeln. Aber so ein Mantra am Lagerfeuer summen, ist wohl in Ordnung. Bau-bo, Bau-bo, beispielsweise. Danach kann man dann ja tantrisch zur Sache gehen. Erotisch-esoterisch.

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gaga - Donnerstag, 23. Juni 2005, 00:25
ebend drum
(...) "zuerst geschrieben". passen sie auf, was sie denken. ich denke mit. (aus rein beruflichen gründen, versteht sich).
die projektion des eigenen uneingestandenen schuldempfindens auf den therapeuten ist eine klassische reaktion. (teil des übertragungskomplexes) "reden sie sich nicht heraus". solche floskeln kommen dann besonders häufig zum einsatz. grämen sie sich deshalb nicht. auch symptomatisch: bewusstes tiefstapeln im bezug auf bereits gedankliche abgründige regungen. manipulation des selbstausdrucks aus opportunistischen beweggründen, ausschließlich geleitet von (nicht selten irrigen) mutmaßlichkeiten, früheren prägungen. wir arbeiten daran.

lieber herr mark: selbst ich lerne nie aus. gegen den gesang einer alraune bleibt vermutlich auch das schönste humanoide geleier kläglich zurück.

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kid37 - Donnerstag, 23. Juni 2005, 01:24
Haha, Sie haben Hirn, müssen aber auch mal lernen einen Fehler einzugestehen. Andererseits würde das vielleicht Ihre Therapeutenrolle schwächen, da sollte ich Ihnen besser die Oberhand belassen.

Ansonsten kenne ich (ausnahmsweise) keine Schuld, sonst wäre es ja auch leicht gewesen, darüber zu schweigen. Tiefstapeln hingegen räume ich ein. Als Skorpion wird einem ja ein Leben lang suggeriert, man würde sich zu sehr mit der Welt der geschlechtlichen Dinge befassen. Da steuere ich lieber mal gegen. Also Blogger bin ich ja sozusagen geschlechtslos.

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arboretum - Donnerstag, 23. Juni 2005, 01:30
Als Blogger bin ich ja sozusagen geschlechtslos.

Kicher.

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gaga - Donnerstag, 23. Juni 2005, 02:19
ja.
ich glaube, es wäre ein sowohl dramaturgisch, als auch experimentell gesehen interessanter effekt, an dieser stelle auf den klientenwunsch einzugehen. ich gestehe also einen fehler nach ihrem gutdünken ein. haben sie gerade den eindruck, ich verliere das, was sie oberhand nennen?

wer suggeriert dieses 'zu sehr' mit der welt der geschlechtlichen dinge? wenn wir von astrologischer literatur ausgehen, gibt es dahingehend keine wertung, lediglich eine feststellung, kenntnisnahme des phänomens, dass dieses zeichen zu einem stärkeren kontrollverhalten neigt und im zuge des grundsätzlichen dranges alles auszuloten, auch selbstredend vor diesem thema nicht halt macht und sich keine innere grenze setzt.

das klare bewusstein über die eigene extreme empfindungsfähigkeit führt auch zu dem bewusststein, dass die wucht der gleichzeitig seelischen und körperlichen empfindungen andere überwältigen muß, auch im falle von antipathie. insofern ist die zu erwartende konsequenz der außenwelt radikale zu- oder abneigung. um die feinde zu minimieren, die negativen energien abzuschwächen, die dann wie pfeile treffen müssten, wird der ausdruck stark kontrolliert. besonders in der körperspannung und im bereich der augen und der mundpartie erkennbar. eine starke kontrollierte gesichtsspannung. die einen gewissen adlerhaft lauernden ausdruck verleiht. beobachtung und kontrolle der umgebung ist selbstverständlich, verinnerlicht. handlungen erfolgen wie schachzüge.

was die besondere assoziation von skorpion und sexuellen gedanken angeht, beruht diese auf eben der als häufig erotisch empfundenen ausstrahlung, die der konflikt inneren vulkanischen geschehens und äußerer disziplinierung mit sich bringt. es geschieht spürbar unwägbares in solchen menschen und das unwägbare ist in der phantasie der anderen (und ja de facto auch der eigenen) im zweifel immer das 'sündhafte'. insofern stimmt das klischee. ein koketter witz ist freilich, da oben zu lesen "da steuere ich lieber mal gegen", wie zufällig neben so einem unschuldigen lichtbild. aber das wissen sie ja selbst. und das kleine spiel damit ist ja auch ein vergnügen. für alle beteiligten ;-)

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kid37 - Donnerstag, 23. Juni 2005, 02:40
Ein bißchen Vergnügen darf dann ruhig mal sein. Auch hier in diesem Blog.

Ich komme ja aus dieser verlorenen Generation, die zu Proto-Feministen erzogen werden sollte, "Neue Männer braucht das Land", Sie erinnern sich. Lila Latzhosen (hatte ich zum Glück nie), stricken im Unterricht (ebenfalls nie) und so weiter. Alle 15 Sekunden fragen "Tu ich dir auch nicht weh?" und schlimmeres.

Man kann in diesen Dingen seltsame Erfahrungen machen. Es ist ähnlich wie mit Glauben und Moral - zwei Bereiche, die heute stärker tabuisiert sind als Sexualität. Sie können heute öffentlich über den Geschmack von Sperma faseln (nur mal als völlig willkürlich gewähltes Beispiel genommen), ohne damit Probleme zu bekommen. Versuchen sie das mal mit Themen wie "Glauben" oder "Moral". Sie haben sofort eine geifernde Meute an den Hacken, die sich provoziert und gestört fühlt. Ist dieser Wertewandel nicht merkwürdig?

Ich glaube, Skorpione ecken auch mit dem starken Verhaftetsein in diesen so gegensätzlichen Lebensbereichen Eros und Thanatos bei vielen Menschen an - die es zumeist ja ausgewogener haben wollen und Extreme vermeiden. Dabei gehört das so eng zusammen wie nur was.

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gaga - Donnerstag, 23. Juni 2005, 02:58
wohl wahr.
das gegensätzliche von eros und thanatos ist nur vermeintlich für schlichte gemüter. religion, der wunsch nach 'rückverbindung' mit dem ursprung aller dinge, der wunsch des eingebundenseins in das geschehen des universums, sexualität und tod sind derart ineinander verflochten, dass jede separate betrachtung für mich langweilig ist. insofern kann ich den oben genannten wunsch nach beichte auch nur kokett interpretieren.

wer religiöse gefühle in den uns zugänglichen möglichkeiten des verschmelzens von materie, gefühl und geist identifiziert, erkennt: schlaf, traum, orgasmus, musik, tanz, tod hat nichts zu beichten. wenn körperliche liebe, auflösung ein selbstverständlicher teil der religion wird, gottesdienst, einen ins universum katapultiert, zum göttlichen funken - wem hätte man zu beichten.

wir reden hier doch nicht ernsthaft von kokolores wie sog. 'sünde'. sünde für meine sicher auch heute noch zum teil christlich geprägten moralbegriffe (wenn auch heute relativiert, in frage gestellt - ich bin lange und sehr bewusst aus der kirche ausgetreten - nicht (nur) des geldes wegen, bin aber keinesfalls atheistin. meine religion ist wenn überhaupt im besten sinne eine heidnische) findet zuallerletzt in einem bett statt.

das sündhafte bei einem 'ehebruch' beispielsweise wäre nach meiner moral nicht die sexuelle handlung an sich, sondern der bruch einer vereinbarung, in konsequenz einer lüge, die auch im 'weglassen' bestehen kann. ich glaube ich komme gerade ein wenig von ästchen auf stöckchen, aber das prinzip ist wahrscheinlich klar geworden. irgendwie. mehr oder weniger.

gute nacht!

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wise.up - Mittwoch, 22. Juni 2005, 11:23
Der Aufsitzrasenmäher wäre ja schon ein tolles Gefährt. Mir wäre aber das Couch-Fahrrad lieber.


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kid37 - Mittwoch, 22. Juni 2005, 13:15
Haha, groß.

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brittbee - Mittwoch, 22. Juni 2005, 23:47
Bin dabei! Für solch ein ehrenwertes Unterfangen prostituiere ich mich gern, natürlich nur, wenn ich mir den Mequito als Kameramann wünschen darf.

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kid37 - Donnerstag, 23. Juni 2005, 00:17
Für Sie macht der das bestimmt. Dann bekomme ich auch katholische Rückendeckung bei all dem Zauber.

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arboretum - Donnerstag, 23. Juni 2005, 00:22
Herr Mequito kann vor allen Dingen auch singen. Macht sich gut bei diesen was-auch-immer-Gesängen am Strandfeuer.

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gaga - Donnerstag, 23. Juni 2005, 01:07
britt!
was nochmal qualifiziert herrn mequito genau für eine herausragende tätigkeit in meinem stab? (bild?)

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arboretum - Donnerstag, 23. Juni 2005, 01:10
Er kann Leute sogar totsingen.

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gaga - Donnerstag, 23. Juni 2005, 01:20
leute totsingen.
(nimmt er geld dafür?)

ich sehe es so: wir alle haben die unterschiedlichsten talente in die wiege gelegt bekommen. gewiss eine mitunter nützliche fähigkeit. ich sehe sogar einen gewissen inhaltlichen bezug zu meinen forschungen. das spricht in der tat für herrn mequito. quasi eine schlüsselqualifikation für mehrere mögliche künftige tätigkeitsbereiche.

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kid37 - Donnerstag, 23. Juni 2005, 01:28
Zudem ist er der einzige, der mir die Beichte abnehmen kann (nach den tantrischen Verzückungen). Sie sind doch bestimmt alle atheistisch oder, schlimmer noch, evangelisch.

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wasweissich - Donnerstag, 23. Juni 2005, 01:47
Ich versuche jetzt mal, hier das schönste Theaterposter aller Zeiten von "Der Tod und das Mädchen" einzufügen.

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wasweissich - Donnerstag, 23. Juni 2005, 01:50
Juhu, das hat tatsächlich geklappt. Danke für den Tipp letztens. Dann habe ich so spät am Abend noch eine weitere tolle Spielerei gelernt! Und die ausgeliehene Digitalkamera lohnt sich wirklich.

Der Tod im Hintergrund ist schon sehr gruselig, finde ich. Am schlimmsten: seine Hand.

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arboretum - Donnerstag, 23. Juni 2005, 01:51
Ist Mequito denn ein Priester? Ich behalte dann aber trotzdem meine Sünden schön für mich, schließlich bin ich evangelisch.

Die Hand da ist genau an der richtigen Stelle.

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kid37 - Donnerstag, 23. Juni 2005, 02:43
Das gefällt mir sehr. Die Dame trägt zudem ein schönes Kleid.

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arboretum - Donnerstag, 23. Juni 2005, 08:36
Die Dame in Rot hat zudem schönere Kurven als die Dame mit dem Hirn weiter oben. Eindeutig das bessere Cover-Bild für Frau Gagas Zeitschrift.

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kid37 - Donnerstag, 23. Juni 2005, 02:57
Ich muß übrigens noch was beichten
Es gab gar kein Ananaseis, das habe ich mir nur ausgedacht, in finsterer Absicht. In Wahrheit hatte ich vier Kugeln: Stracciatella, Schokolade, Vanille und eine silberne.

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gaga - Donnerstag, 23. Juni 2005, 03:05
das
nenne ich eine nächtliche beichte.

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arboretum - Donnerstag, 23. Juni 2005, 08:30
Silbernes Eis? Klingt interessant. Schmeckt das?

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modeste - Donnerstag, 23. Juni 2005, 12:08
So eine Silberkugel sollte man ja immer mit sich führen, denn man weiß ja nie, wem man auf einmal gegenübersteht. Die Tarnung im Eisbecher ist natürlich besonders raffiniert.

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au lait - Freitag, 24. Juni 2005, 16:07
Hühnergötter waren im Ostfriesland meiner Kindheit rar gesät. Stattdessen kam es im Rahmen des Philosophie-Unterrichts aber in einer theosophischen Diskussion zum Postulat "Gott ist ein Eichhörnchen". Bis heute ist es allerdings unbewiesen geblieben.

Große Grüße für ein schönes, sonniges Wochenende aus Münster...
Ole

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kid37 - Freitag, 24. Juni 2005, 16:49
Oha. Nietzsche war hier.
Möglicherweise hat sich Gott aber auch einen Scherz erlaubt.

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