Papppansenerzählung (zu Pferde)

Weil ich meiner Mutter von meinen Geächze mit dem Rücklicht erzählt hatte, meinte die "Kauf dir doch ein neues Rad". Ich sagte "Ich will aber ein Pferd!" und sie meinte, so was hätte ich mit zehn schon angefragt und ob ich nicht mal langsam erwachsen werden wollte. Ich aber gebe nicht so leicht auf, niemals, und so verband ich, schon um alle anderen ins Unrecht setzen zu können, zwei Welten und fand ein Zentaurenrad, halb Pferd, halb Dreirad, auf eBay Kleinanzeigen. Hier in Hamburg, kann ich abholen und von dort direkt nach Hause radeln. Müßte allerdings erst noch ein Rücklicht anbringen.

In der Zeit, als ich kurz mal zweiter Bassist in der Punkband Pansen war (Album: Hundesteuer, Parkverbot, ein Leben voller Limits), besaß ich auch kein Pferd, gab aber immerhin musikalisch ordentlich Gas, bis man mich rauswarf wegen "kreativer Differenzen". Erinnere mich nicht mehr, was das gewesen sein sollte, weiß aber, das ich insgeheim froh war, denn der Bandname bezog sich auf den Geruch im Probenraum.

In meinen unterhaltsamen Lebenserinnerungen, die ich daraufhin schrieb, (Von Menschen war ich oft enttäuscht, Bd. I-IV) betrachte ich verschiedene epiphane Phänomene des Alltagslebens. Zum Beispiel kann man sehr lange Wochenenden darüber nachdenken, daß die deutsche Sprache seit der großen Reform von Annodings ein Buchstabenkonglomerat wie Papppapagei zuläßt. Das muß man mal schnell ein paar Mal hintereinanderwegsagen, dann niederschreiben und zuletzt von einer Grundschullehrer:in auf Twitter bewerten lassen.

Vielleicht geht das auf in einen Pop-Kanon, schließlich hat es das weithin ungebräuchliche Wort Fußgängerübergang auch zu einer rotzig besungenen, internationalen Berühmtheit gebracht.

Papppapagei. Pansenpunk.

Homestory | 20:13h, von kid37 | Kondolieren | Link

 
fidibus - Donnerstag, 27. Mai 2021, 03:06
"Wer die blühenden Wiesen kennt
Und die hingetragene Herde,
Die, das Maul am Winde, rennt:
Junge Pferde! Junge Pferde! [...]"

So städtische Dreiradpferdchen sind aber auch nicht verkehrt. :-)

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kid37 - Donnerstag, 27. Mai 2021, 16:29
Das Beste: Ich kann damit auch die Reitwege im Naturschutzgebiet benutzen! Das erschließt völlig neue Perspektiven.

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kuena - Donnerstag, 27. Mai 2021, 11:39
Das Pferd sollten Sie sich unbedingt kaufen. Ich sehe Sie schon damit zur Lesung von "Von Menschen war ich oft enttäuscht" (von Pferden nie) auf die Bühne reiten.

So wie die Pionierin der Stromgitarre Sister Rosetta Tharpe ?Didn´t it rain?? (wie passend) einst stilvoll auf die Bühne kutschierte. Die mochte auch Pferde.

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kid37 - Donnerstag, 27. Mai 2021, 16:27
Mein Pferd braucht auf jeden Fall einen großen Auftritt! Habe mich allerdings noch nicht kundig machen können, ob Pferde auch eine Maske tragen müssen. Gummischürze ist ja für die Fiakerpferde in Wien z.B. schon Pflicht.

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studio glumm - Donnerstag, 27. Mai 2021, 19:25
Ein bisschen enttäuscht bin ich schon
Und ich war immer der Meinung, Bd. III von "Von Menschen war ich oft enttäuscht" wäre von mir gewesen. Das hätte ich geschrieben. Oder zumindest... ach, man kann so was von danebenliegen.

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kid37 - Freitag, 28. Mai 2021, 02:54
Ich muß da selbst noch mal nachschauen. Vielleicht war das der Sonderband "Bergisches Land", dann gibt es natürlich Ähnlichkeiten.

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frau eff - Donnerstag, 27. Mai 2021, 19:38
Bald können Sie das Pferd nicht mehr kaufen, dann habe ich das nämlich getan. Ich kenne mich auch besser mit Pferden aus, ones a rider, ever a rider, hat mal jemand zu mir gesagt.

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kid37 - Freitag, 28. Mai 2021, 02:58
Das Eisenroß paßt wirklich großartig zu mir, bin ja Pferdeflüsterer, solange ich eine Karotte in der Hand halte. Aber ich verstehe, daß da viele ins Überlegen kommen. Bei Ihnen wäre es sicher sehr gut aufgehoben.

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