Fabrique



Ich weiß nicht, wo ihr eure Surfbretter läßt, wenn ihr den VW Bus zum Überwintern in die Garage gefahren und mit der Segeltuchplane abgedeckt habt. Ich stelle die immer hinten in die freie Ecke neben den Metallspinden, und räume dann zwei, drei Medizinbälle (vintage) davor, weil ich gerne Struktur mag und der Themenbereich "Sport"zusammenbleiben soll.

Bei einer Tasse frisch gebrühten Exquisitkaffee mit handaufgeschäumter Milch verblättere ich dann so einen usseligen Sonntagnachmittag gern mit ein paar Kaffeetischbilderbüchern für Erwachsene, wie dieser recht hübsch zusammenkuratierten Sammlung von industriellem Einrichtungskrempel. Das weckt verloren geglaubte Energie oder besser profanen Besitzdrang, besonders nach dieser zauberhaften, beleuchteten Art-Deco-Tischlupe aus dem Hause Gruber ("Loupeclaire"). Wer so eine in Baumärkten angebotene "dritte Hand" mit Lupe und beweglichen Krokodilklemmen daheim hat, wird nun in stille Tränen ausbrechen, wenn er (oder sie) sieht, wie sowas auch in hübsch aussehen kann.

Sollte mal jemand einen solchen Begehrgegenstand in einem staubigen Karton heimatlos in der Ecke rumlungern sehen, denke er (oder sie) doch bitte an mich und sage Bescheid. Bis dahin muß eben dieser Bildband reichen.

(Misha de Protestad, Patrice Pascal. Vintage Industrial: Living with Machine Age Design. New York: Rizzoli, 2014.)

Ex Libris | 17:04h, von kid37 | Kondolieren | Link

 
frau eff - Montag, 7. November 2016, 12:04
Oh, oh, wie schön (auch das Autofeuermobil aus dem letzten Beitrag)...! Und ich verfalle in stille Tränen, wenn ich daran denke, dass es während meiner Werkstudentenzeit bei einem multinationalen Konzern in Leverkusen ein sogenanntes Möbellager gab (riesengroße Halle), in dem ausrangierte alte Schreibtische, Metallspinde, Rolltürschränke, auch Werkzeug etc. herumstanden, auf das die Belegschaft sich für eine symbolische D-Mark etwas für den Schrebergarten mitnehme.

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kid37 - Dienstag, 8. November 2016, 20:44
Ja, da fallen mir im Nachhinein auch noch so einige Schätze ein, die man einst achtlos... ach je. Vielleicht mache ich eine Dokumentation darüber, etwa wie "Serengeti darf nicht sterben". Und gründe später einen Nationalpark und habe eine eigene TV-Sendung: "Heute habe ich Ihnen etwas mitgebracht..." Das muß doch alles erhalten werden! Und nicht nur in Hipster-Wohnungen!

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carodame - Montag, 7. November 2016, 15:29
Bescheid...
Die Vorliebe für Blechschränke, Propeller, Lampen und dergleichen vom vorm Krieg kann ich unbedingt teilen... Diese alten Nützlichkeiten haben einen sehr speziellen Charme, der schon Tränen der Rührung rinnen lasen kann...
Schöner Buchtipp.

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kid37 - Dienstag, 8. November 2016, 20:50
Ich habe einen mittelgroßen, recht schwergewichtigen Werkstattventilator, den ich nur auf Stufe 0.5 bis 1 betreiben kann, so stark ist der. Für Stufe 5, so vermute ich, brauche ich erst einen Pilotenschein. Wie sagt man? Das ist doch noch Qualität! (Hatte früher jeder!) Und immer wieder erstaunlich, wieviel stolze Designideen tatsächlich in diese Maschinen und Gebrauchsgegenstände einflossen. Als "Industrie" noch für Fortschritt und Wohlstand stand.

Und wie sangen Siouxsie and the Banshees in unnachahmlich übersetztem Deutsch bei "Mittageisen": "Metall ist stark/Metall will scheinen/Verrostet nicht/Wenn geschmiert und rein"

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hossinger - Dienstag, 6. Dezember 2016, 02:54
Toller Blog und gute Kommentare
Bin durch Zufall hierher gekommen und finde es richtig gut hier.

Klasse Bilder, schoene Texte und sehr gute Kommentare.

Ich werde hier in Zukunft oefter sein, Danke

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annekerrr - Montag, 7. November 2016, 22:56
so viel charme!!! gefällt mir sehr gut...

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