Sonntagsmalerei



Da ich zu viel zu tun hatte, unter anderem mußte ich den Zählerstand der Wasseruhr ablesen, um die Werte ans Wasserwerk zu übermitteln, und dann wie vom Thema Wasser gerufen auch noch Regen einsetzte, schwänzte ich am Wochenende den jährlichen Kontrollgang Rundgang der Kunstakademie. So konnte ich also nicht hochkreativ Blumen und Getränkeflaschen in Atelierwaschbecken fotografieren, was sehr schade ist, denn irgendwo muß die Kreativität ja hin, und das Kochen überlasse ich lieber anderen.

Zum Glück bin ich ein, wenn auch talentfreier, so aber doch engagierter Sonntagsmaler. Meine großen Rückstände in der Exaktmalerei übertünche ich dadurch, daß ich meine Modelle so male als seien sie in Lappleinen und Mullbinde eingewickelt. Die Mumie lebt auf meiner Leinwand! Ansonsten aber ganz entspannt, wie ein Bob Ross des Bloggens: "Just some happy little Mullbinden!"

Während Farbe trocknet, kann man auch prima Pause machen, mit Snacks und einem großen ungehemmten Glas Apfelessig (mit Wasser gestreckt) - wie so ein Künstler! Auf Erfolge darf man ruhig anstoßen: Das Bild ist nämlich ein Auftragswerk. Für die Pharmaindustrie natürlich, es soll später mal in einem Wartezimmer hängen und Patienten beruhigend auf ärztliches Wirken vorbereiten.

"Halb so schlimm" ist der augenzwinkernd schelmische Titel, und es wäre schön, wenn dies für das ganze Leben gelten würde.

Augenzucker | 21:18h, von kid37 | Kondolieren | Link

 
schneck - Mittwoch, 13. Februar 2019, 01:02
Wunderbar reduziert, diese Malerei, auf's Wesentliche (die Mullbinden)! Formal wie inhaltlich, das gelingt nicht oft, ich weiß ja, wovon ich rede. Mich würden noch die Maße interessieren (des Gemäldes).

 link  
 
kid37 - Mittwoch, 13. Februar 2019, 21:19
Das ist recht klein, ca. 25 x 35 cm. Ein Beispiel der Kleinmalerei als Proof of Concept, wie die modernen Leute sagen. Wenn eine geeignete Arztpraxis gefunden ist, soll das als überdimensionales mural installiert werden.

 link  
 
fidibus - Mittwoch, 13. Februar 2019, 12:06
Hoffe, unser Gesundheitswesen kracht nicht zusammen, wenn wir jetzt alle Ärzte-Hopping betreiben, um Ihre avantgardistisch-philosophischen Werke in natura bewundern zu können.
(Herr Ross hat sich bei mir armen Zonenkind nicht blicken lassen. Endlich eine überzeugende Erklärung, warum meine eigene Kunstkarriere scheiterte, bevor sie begann.)

Ihren letzten Satz schreib ich in GROSSBUCHSTABEN ganz unironisch als Motto in den Jahreskalender - und wehe, das Leben hält sich nicht an die Abmachung.

 link  
 
kid37 - Mittwoch, 13. Februar 2019, 21:21
Sie können die Bob-Ross-Kurse aber jederzeit bei ARD-alpha nachholen. So bin ich auch erweckt worden! Schneller geht's, wenn sie dabei eine Afroperücke aus dem BVB-Fanshop Karnelvalsbedarfsladen tragen. Ach so, ich vergaß. Das gibt es ja in ihrem Berlin nicht. Wie heißt es? Halb so schlimm!

 link  
 
hr.fuenfprozentfrau - Donnerstag, 14. Februar 2019, 10:27
Von wegen kein Karneval in Berlin. Sogar mit echt.

 link  
 
kid37 - Donnerstag, 14. Februar 2019, 12:01
Im Mai. Nach Aschermittwoch. Pfff.

 link  
 
hr.fuenfprozentfrau - Donnerstag, 14. Februar 2019, 13:56
Ja (lang und freudig ausgesprochen) und statt Kamelle gibt es Döner.

 link  
 
zeilensturm - Samstag, 16. Februar 2019, 12:17
Ich finde die Brüste besonders gut gelungen.

 link  
 
kid37 - Samstag, 16. Februar 2019, 18:04
Unter Mull dürften sie sogar auf Instagram ausgestellt werden. Selbst auf Tumblr, der neuen Hauptgeschäftsstelle für Nippelzensur im Internet.

 link