2000neunzehn



Mit einem Stoßseufzer kann ich bekunden: Die anstrengenden Feiertage sind überstanden, alle Lieder abgesungen... aber, halt, nicht alle. Gleich vieler Mitmenschen aus Show- und Rundfunkbranche bin ich nämlich übers Jahr am sogenannten Troubadix-Syndrom erkrankt und habe nun den Ausdruck über die Musik für mich entdeckt. Die tumultartigen Ereignisse beim einzig geöffneten Feiertagsbäcker waren nämlich derart traumatisierend (allein unter Ellbogenfrauen), daß ich es gar nicht niederschreiben mag. Nur der Umweg über das ehrlich erzählende Lied, das ich im gesteigerten Singzwang schnell in den hermetischen Tonstudios im angesagten High-Energy-Sound aufgenommen habe, hilft mir, den Druck abzubauen und Angst und Grauen zu besänftigen. Es gibt kein Brot, möchte ich also dergestalt berichten - ganz wie ein mittelalterlicher Herold des großstädtischen Alltags. Das könnte ein ganz neuer Bloggertrend werden, statt Republica dann Treffen auf der Wartburg.

Nun ja, ich sage es mal so: Verhungert bin ich nicht. Jupiter steht günstig, es gab tatsächlich ein letztes Stück Brot, und auch sonst sprudeln die Gewinne. Erst waren es 14,70 Euro, drei Wochen später bereits 17,- Euro, die ich beim noch gelegentlich gespielten Lotto gewonnen habe. Zwar riet man mir eindringlich, nichts von meinem Gewinn zu berichten (wegen Nachstellerei, falschen Eheversprechen und Bettelbriefen), aber sind Mund und Portemonnaie erst übervoll, ist es schwer, die Zunge zu halten.

Den Rest einfach ausschwitzen. Interessantes, Aufregendes, Abenteuerliches, Merkwürdiges, Tragisches aus dem Vorjahr abwiegen, in die Liste eintragen, die Kanopen mit den Erinnnerungsfetzen in die Kammern mit den Jahreszahlen drauf stellen und mit großen Steinquadern verschließen. Neues Spiel, neues Glück.

Homestory | 00:26h, von kid37 | Kondolieren | Link

 
fidibus - Sonntag, 6. Januar 2019, 11:43
Die Hamburgerinnen (Männer sind mitgemeint) tun immer so etepetete. Und dann erfahre ich hier von Gewaltexzessen. In der Zuckerbäckerei! Aber toll, dass Sie Ihr Trauma umgehend musikalisch 'aufarbeiteten'.

(Ein wenig bewundere ich die Frauen, die ihre Ellenbogen effektiv einzusetzen wissen, aber schon.)

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kid37 - Sonntag, 6. Januar 2019, 13:11
Ich fürchte nur zwei Dinge: Daß mir der Himmel auf den Kopf fallen könnte - und hungrige Frauen. Da geh'ich nicht bei, wie man hier sagt. Wie die Löwinnen rangen die gegen alles und jeden vor der Bäckertheke. Ich möchte diese Bilder gar nicht ehr vor meinem inneren Auge heraufbeschwören. Schlimme Zustände. Perlenketten rissen, Kaschmirpullover blutbefleckt! Erst als ich schnell ein nebenan erstandenes Matjesbrötchen in die Menge warf, konnte ich die kurze Konfusion und Ablenkung nutzen, um beim Bäcker vorne ein kleines Brot abzugreifen.

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sid - Montag, 7. Januar 2019, 00:17
Alles Gute im neuen Jahr - auch ohne Goldfolie.
Gesundheit läßt sich darin eh nur schlecht verpacken ; )

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kid37 - Montag, 7. Januar 2019, 00:33
Das wünsche ich Ihnen auch.
(Ich will mal nicht klagen. Heute benutzte ich oft das Wort "Zufriedenheit".)

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sid - Dienstag, 8. Januar 2019, 03:01
jo mei - darf man auch mal ; )

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zeilensturm - Montag, 7. Januar 2019, 13:03
Das ist sicherlich die Zukunft des Pop. Man müsste irgendwie den Reim sweatshop/breadshop integrieren.
Vielleicht sollte ich entweder meine "ode an eine einfache gemüsebürste" oder aber mein "sonett vom finanzdienstleister und den drei saufbrüdern" ebenso hochenergetisch vertonen. Experimentiert hatte ich mal mit einem Song, dessen Text lautete: "biegen sie links ab. dann biegen sie rechts ab. sie haben ihr ziel erreicht." Mit der Stimme von "Renate, Deutsch". Ich mochte ihren lakonischen Ton.
Pedant's Corner/Lottogewinn: Hält man nicht wahlweise "den Mund" oder aber "die Zunge im Zaum"?

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kid37 - Montag, 7. Januar 2019, 22:04
Ich möchte mit meiner Band Schanzenbäcker Käsebrot zu gern in einem Oskar-Schlemmer-Kostüm auf einem Bauhaus-Festival auftreten und muß dazu schnell noch ein paar Lieder basteln.Mit Navistimme Lieder zu basteln ist auch eine sehr hübsche Idee.

Und Sie haben recht. Solche Zaumseligkeiten hoffe ich in Zukunft vermeiden zu können.

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novemberregen - Montag, 7. Januar 2019, 22:12
Ich bin sehr beeindruckt von der musikalischen Aufarbeitung. Das Beängstigende der Situation hat mich erreicht!

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kid37 - Montag, 7. Januar 2019, 22:46
Vielen Dank! Mehr kann man als Künstler nicht erreichen. (Außer ein bißchen mehr Hall auf der Stimme, aber das sind Feinheiten.)

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frau eff - Dienstag, 8. Januar 2019, 09:37
Habe einen zweiten Anlauf gebraucht, um Ihren "song" bis zum Schluss zu hören. Ich muss eine gewisse Ähnlichkeit zu dem anderen Projekt feststellen, von diesem Herrn Lynch, dessen letztes Werk ich leider bisher auch beim zweiten Anlauf nicht bis zum Schluss würdigen konnte.

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kid37 - Dienstag, 8. Januar 2019, 22:04
Dabei habe ich das extra auf eine extraflockige Schunkelmelodie gelegt. Und dann einfach Empfindung & Wahrheit sprechen lassen!

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