Stahlklang

I wake up everyday, the wrong side of the bed
I won't lay down on the floor like I'm the whore in your head
Call me a failure, pretender, sex offender, infector
Say I killed all my friends, and I deserve to be dead
Kiss, baby, kiss - Bang, baby bang - Suck, baby, suck...
This isn't music, and we're not a band
We're five middle fingers on a motherfucking hand.
(Marilyn Manson, "Vodevil")

Manchmal, wenn ich mir ganz gepflegt einen mit meinem alkoholfreien Pastis angehängt oder stundenlang vergeblich über CSS-Definitionen gebrütet habe, werde ich zum wilden Mann. "Einen wilden Mann kann man nicht halten", sang Bernadette La Hengst einmal. Da hat sie recht. Ein wilder Mann, der muß mal raus. Am besten an die frische Luft, wie das früher hieß. Man kann aber nicht immer nur Revolution machen. Manchmal ist auch Pause.

Heute ist ja schon Revolution, wenn man im Stehen pinkelt. Deshalb ergötze ich mich gerne an diesen Bildern. Schaue ich mir stundenlang an. Kippe alkoholfreien Pastis oder kalten Kamillentee herunter und warte auf den großen Moment: "The only ones left standing/Are the ones not demanding".

Dann liest man völlig isoliert, herausgerissen und zuordnungsfrei vom Tod der Mutter und wundert sich. Oder denkt sich, na gut, "No concept of pain/No right to complain". In diesen merklich frostig gewordenen Nächten spüren wir alle mal den kalten Griff metallener Kliniktische. Man muß nicht alles verstehen.

Halt' mich einfach fest. Ich mach' nur kurz mal Pause.

Homestory | 05:03h, von kid37 | Kondolieren | Link

 
ker0zene - Donnerstag, 14. Oktober 2004, 11:22
Hoffen wir für Herrn Skácel das der Wind günstig steht. Vielleicht war es das, was Cobain meinte, als er "Territorial pissings" schrieb.

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kid37 - Donnerstag, 14. Oktober 2004, 14:18
Möge der Wind immer mit dir sein. Das gab es doch mal in so einem Film. Ich erinnere mich nur dunkel.

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ub - Donnerstag, 14. Oktober 2004, 17:12
Die Österreicher, oder generell Älpler hat man ja immer gerne »Schluchtenscheißer« gerufen. Durch diese Fotos bekommt meine Erinnerung eine ganz neue Qualität.

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kid37 - Donnerstag, 14. Oktober 2004, 18:30
Zielgerichtet
Hier lohnt es sich noch einmal, Camille Paglia zu zitieren:
[Der Mann] muß lernen zu zielen. Ohne Zielorientierung besudelt er, wenn er uriniert oder ejakuliert, wie ein Kleinkind den eigenen Körper [...].
Freud glaubt, daß der männliche Primitive stolz darauf war, ein Feuer mit seinem Urinstrahl auslöschen zu können. Ein erstaunlicher Grund zum Stolz, aber jedenfalls eine Leistung, die nicht im Vermögen der Frau liegt, die sich bei der Aktion höchstens den Hintern versengen könnte. Der männliche Urinstrahl ist tatsächlich eine Art Großtat, ein Tranzendenzbogen. Eine Frau wässert einfach nur den Boden unter sich. Das männliche Urinieren ist eine Form der Stellungnahme. [...]
(Camille Paglia. "Sexualität und Gewalt oder: Natur und Kunst."
In: Die Masken der Sexualität. München, 1992.)

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leteil - Donnerstag, 14. Oktober 2004, 18:39
schöne Bilder. Aber Transzendenz finde ich denn doch etwas zu weit hergeholt fürs Stehpissen. Das ist eher ein letztet Anker unserer wilden Natur, mit ganz direkten Instinkten und nicht immer feinen Handlungen - auf Kneipenklos habe ich jedenfalls den Eindruck, ich bin im Zoo - als Bewohner neben den anderen Pissern :-)

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kid37 - Donnerstag, 14. Oktober 2004, 18:53
Also gerade von Ihnen hätte ich jetzt eine Begeisterung für die Sublimierung von Verrichtungen des Alltags erwartet. Man kann gegen C.P. vieles einwenden (z.B. ihre Wertung der Promiskuität bei Männern und Frauen). Aber daß Über-sich-hinausweisen, das Kritisieren/Stellungnehmen durch Anpinkeln, die schlichte Projektion als männliche Strategie, ist nicht von der Hand zu weisen.

In Kneipen werden übrigens gerne kleine Bildchen oder Spielzeuge in die Urinale geklebt, um die Männer zum besseren Zielen zu ermutigen (funktionierende Prostata vorausgesetzt). Das Schönste, was ich in dieser Hinsicht bislang sah, war ein kleines Fußballtor mit einem an einer Schnur davor aufgehängtem Plastikball.

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leteil - Donnerstag, 14. Oktober 2004, 19:01
das Kritisieren/Stellungnehmen durch Anpinkeln - dem stimme ich zu, unterstelle das aber auch schon unseren tierischen nachbarn. (im zoo hannover weden die besucher bei den schimpansen davor gewarnt, dass diese mit kot nach ihnen unsympathischen gaffern werfen - "und die treffen hervorragend".)

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kid37 - Donnerstag, 14. Oktober 2004, 19:10
"Achtung! Löwe spritzt ins Publikum." (Wuppertaler Zoo)

Tiere pinkeln übrigens nicht im Stehen. (D.h. bei Affen bin ich mir jetzt nicht so sicher. Aber gesehen habe ich das noch nicht.)

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yvonnesonne - Donnerstag, 14. Oktober 2004, 22:48
weiß einer der anwesenden, wo dieses bild aufgenommen sein könnte?

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kid37 - Donnerstag, 14. Oktober 2004, 23:23
Sie müssen jetzt aber nichts beweisen.

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yvonnesonne - Freitag, 15. Oktober 2004, 12:36
nein, sie kennen ja meinen feminismus. ich muss nur wohinfahren.

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kid37 - Freitag, 15. Oktober 2004, 12:44
Sollte ich vielleicht auch tun. Bevor man mich wegsperrt. Ich habe noch nicht einmal halluzigene Pilze gegessen. Benehme mich aber so.

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yvonnesonne - Freitag, 15. Oktober 2004, 13:37
von diesem genuss würde ich ihnen auch dringend abraten. außer sie mögen geister, die aus der zimmerwand zu ihnen sprechen.

ich werde in die stadt auf dem felsen übersiedeln, wenn ich herausgefunden hab wo sie ist. dann können sie mich dort besuchen kommen.

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