
Donnerstag, 18. Juli 2013
schoppenhauer | 27 Beiträge
Ich habe das Buch gelesen aber nur weil es auf einem Altpapierberg lag.
Die Verfasserin ist einfach nur eine SAU, mehr fällt mir dazu nicht ein.
Das letzte was diesel Land braucht, so ein Buch und so eine Sau!
Nein, ich kenne KEINE Frau die ihre Eiterpickel auslutscht oder sich an ihren
Ekrmenten labt!
Was wir denn da für ein Frauenbild gezeigt?? So ist keine normal Frau!
Die "SAU" müsste man einfach des Landes verweisen, nachdem sie
all das in Real gemacht hat, was in dem Buch beschrieben wurde! [Q]
Aus unerfindlichen Gründen, womöglich, weil ich ihn nicht besitze, habe ich den Roman gar nicht gelesen. Nun wird er verfilmt, und die Deutschlandfähnchen am Auto das GMX-Forum steht Kopf. Jetzt wäre es natürlich leicht, sich über Schoppenhauer und seine steile These vom Dieselland zu erheitern, wo ein möglicherweise marodierendes Wildschwein im Real was eiteres macht.
Ein schöner, wenn auch verzerrter Spiegel von da, wo die Leute noch gesund und normal denken. Das erdet mitunter oder läßt einen mit den Zähnen klappern. Eine eigentümliche Welt. Erinnert mich in all seinem Verdrängen von nachlässig gewaschener Sexualität und welker Körperlichkeit an Hermann Ungars Die Verstümmelten, ein Roman von 1922, den ich immerhin bereits im letzten Jahr schon las. Wo ein Versehrter, ein Krüppel, von sich selbst und dem eitrigen Gestank seiner Wunden und Stümpfe abgestoßen, die Menschen in seiner Umgebung demütigt, sich suhlt im letzten Aufbäumen von Macht und Schmerz und Einsamkeit und Selbstkasteiung. Ein rechtes Ekel also.
>>> Beim Schweizer Radio kann man eine Hörspielfassung nachhören, die eBuch-Version gibt es gratis bei verschiedenen Portalen.

Sonntag, 14. Juli 2013
Ich bitte meine häufigeren Absenzen zu entschuldigen. Aber wenn ich nicht gerade damit beschäftigt bin, mich mit Duftproben, die ich munter aus Frauenzeitschriften reisse, einzureiben, oder mich wenigstens intellektuell mit Dingen wie klemmenden Küchelsockelleisten und zickenden Großelektrogeräten herumzuschlagen, versuche ich wenigstens ab und an aushäusig zu sein.

Beispielsweise für einen kleinen Akademierundgang durch die HfbK. Mußte ich letztes Jahr noch aus fadenscheinigen Gründen schwänzen, nahm ich dieses Jahr den Kampf gegen Treppen, lange Flure und mindergelüftete Atelierräume wieder auf. Geschickterweise suche ich dabei stets die sonnenseuchigen Hitzetage aus, auf daß rinnt der Schweiß in Strömen, von der Stirne heiß.
Schlagfertige Ausverkaufskünstler preisen ihre Auslage, an den Rändern zagt ein wenig Protestkultur. Wie jedes Jahr am Sonntag bilden die Reste von der Partynacht zuvor ganz eigene skulpturale Werke, Spülsteinkunst, Art prost als Zeichen jugendlicher Lebendigkeit. Geschlechtsteilpoeten hinterlassen ihre Reviermarkierungen, ein einzelner Pimmelmaler hält standhaft die Tradition des Vitalismus aufrecht. Eine Jugend mit Zukunft.

Einen Kontrollraum der besonderen Art war ganz unten im Gebäude verborgen. Ein mit dem Neuland verbundener Kassenbondrucker druckte automatisch alle Tweets, die mit #Angst markiert waren, aus. Gut möglich also, daß ich einige von euren dort gesehen habe, auf einem großen Haufen, archiviert für akribische Geister. Ein Berg voller Angst, eine drückende Last auf leichtem Papier.

Montag, 8. Juli 2013
Should I crawl defeated and gifted?
Should I go the length of a river?
Oh, I'm pissing in a river.
(Patti Smith, "Pissing In A River")
Auf diesem Bild hat Herr Kid einen Arzt versteckt. Könnt ihr ihn finden?
Am Samstag mal Anflug von Sommer in der Stadt, eine schnelle, schwitzige Runde auf dem Rad, dann aber los zum Familienausflug in den Stadtpark. Die "Großmutter des Punk", wie sie mittlerweile genannt wird in einer leicht frechen Verschiebung von Godmother zu Grandmother, spielt dort. Und zwar pünktlich. Ich bin leicht spät dran, weil ich vorher noch schnell wohin mußte und dabei - irgendwie verfolgt mich das gerade - von einem jungen Mann, zurecht aber diesmal, ermahnt wurde. Wißt ihr das auch, too much information, ich weiß.
Frau Smith spielte bereits "Ask The Angels", bemerkte aber kurz darauf zwischen zwei Liedern, daß sie Adleraugen besäße und alle genau erkennen könne, auch wenn einer grad "taking a piss" wär. Na toll, das hat gesessen, und ich will auch gar keine höheren Umstände anmelden. Könnte ich aber!
Wie um mich zu foppen, gab es später eine ganz großartige Version von Pissing In A River, einer von Smiths schönsten Songs. Man ist ja schon ergriffen, wenn die Anfangsakkorde auf dem Klavier durch das Stadtparkrund klingen, sich durch die Hecken und Bäume winden und alles einweben, dieses so ganz geradeaus gewundene Liebeslied, die unverhohlene und eindeutige Hingabe. Um beim Thema zu bleiben: Piss Factory hat sie aber nicht gespielt und nun ist auch schon gut damit. Meine Güte.

You bore me already, Baby. - No, no - just joking. You are one of the most exciting persons I've met in my life.
Erst dachte ich, Mensch, die spielt ja schon am Anfang alle Hits. Bis mir einfiel, daß sie ja auch kaum andere Stücke hat. 35 Jahre Hochkraftrock, auch die Stücke vom letzten Album fügen sich ein mit Feedback und Energie. Bei Patti Smith herrscht immer auch eine gesellige Familienparty. Sie wandert herum, spricht mit dem Publikum, nutzt eine Verschnaufpause, als die Band um Lenny Kaye alte Rock'n'Roll-Kracher zu einem Medley mischt, und läuft raus zu den Leuten weit links und rechts der Bühne. Mich würde auch nicht wundern, wenn sie zwischendurch belegte Stullen und Würstchen vom Grill reichen würde. Ein vorlauter Schreihals wird von ihr lachend aufgezogen, das ist alles ein friedlicher "Ghost Dance" hier. Ein in Hamburg weltberühmter Regisseur macht eifrig Fotos, ein bekannter Punkrockschlagzeuger bewegt im Takt den Kopf, während die Smith in "Banga" (liturgisches Beispiel) die Hunde beschwört. Whoo-hoo.
Dann geht es zurück zu den ernsten Dingen. Smith mahnt den Abrißwahn an, so als wüßte sie um die Hamburger Gentrifizierungs- und Verwüstungstendenzen. Man solle darauf achten, die Welt und die Städte nicht eine einzige große "Tourist trap" zu verwandeln, sondern auch die abgeranzten Ecken erhalten. (Heute abend trinkt sie noch einen im Gängeviertel, schätze ich). Ein Neil-Young-Cover, eine gesungene Protestnote für Edward Snowden. "Thank you for giving the secrets of my country - to me", ruft sie unter Applaus, viele sind jetzt einer Meinung und zwar der richtigen. G-L-O-R-I-A.
Und das muß man ja mal sagen: Es gibt nicht viele Künstler, die bei ihren Konzerten deutlich machen, wie sehr sie mit ihrer Musik in der Zeit stehen. Nicht eine gut marinierte Vergangenheit beschwören, die Musical-Version ihrer Karriere und größten Erfolge spielen. Die rotzige Haltung, das dezidiert Politische bei der Smith: Da ist überhaupt kein Nachlassen von Energie oder Konzentriertheit zu spüren. Da tanzt eine kleine alte Frau über die Bühne mit einer Stimme, die ein erstaunliches Volumen besitzt und das Rund füllt, dabei gurgelt und röchelt, ächzt und stöhnt, und sich eher gewaltiger anhört als vor 30 Jahren. Wie ein Ozean.
Ein bißchen beschämend auch, wenn man selbst so vergeht. Die Botschaft aber bleibt: "People Have The Power", und die Zukunft ist jetzt.
Genau so nämlich sieht es aus.
>>> Rock'n'Roll Nigger, Hamburg

Samstag, 6. Juli 2013
Satte Sonne vor der Tür, die Menschen strömen hinaus jenseits der Wlan-Grenzen, ein Lied und ein Brotdose dabei. Doch halt, bevor ihr alle losrennt - habt ihr nicht was vergessen?
Drei Tage lang haben wir Texte aus Klagenfurt beim Wettbewerb der deutschsprachigen Literaturkritik gehört, einige sehr gute darunter, mit unruhigen Tieren oder exotischen Zimmerpflanzen. Viel sehr clever gestaltetes, wo Autoren ihre Federn spreizen und zeigen, wie sie Sprachtonleitern rauf- und runterklimpern, kühl, technisch versiert, wie Turnerinnen am Schwebebalken oder oberschlau und distanziert ironisch, Autoren, die nicht selbst und ihren Text, sondern eine Präsentationsfigur ins Rennen schicken, die Klingen zu kreuzen mit ebenso sich teils spreizenden Kritikern, die - so ein Kommentar auf diesem Twitter - ruhig mal aus einem roten Cabrio heraus dozieren sollten.
Mit buchstäblich flatternden Segeln, offenem Herzen - und überhaupt: dem Herzen - mit Wollen und Wagnis also und großer Verletzlichkeit war nur eine Autorin darunter und die, so finde ich, hat aus all diesen Gründen heute den Publikumspreis verdient.
Wer jetzt also nicht von Sonnenmilch gar zu verschmierte Hände hat, klickt diesen Link bei 3sat. Und zwar zwischen 15.00 und 20.00 Uhr, so lange läuft die Abstimmung.
Ich habe, der Einfachkeit halber, schon einiges voreingestellt. Ihr könnt, wenn ihr wollt, noch einen Kommentar dazu schreiben, etwa "Super!" oder "Ganz toll!" oder "Schreibt wie das Leben und nicht wie die Uni!" oder "Endlich mal Kunst und nicht Kunsthandwerk!" oder "Endlich mal eine Autorin, die beim Bachmannpreis einfach vom Beckenrand springt und nicht auf Kritikererwartung hinschreibt". Oder auch ganz was selbst ausgedachtes.
Danach könnt ihr die Beine wieder baumeln lassen.

Mittwoch, 3. Juli 2013
Heute, am denkwürdigen 3.7., beginnen die 37. Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt. Wieder - und möglicherweise auch zum letzten Mal, sollte sich der ORF mit seinem provozierenden Testballon durchsetzen, die Veranstaltung nicht mehr zu übertragen - wird dabei der Ingeborg-Bachmann-Preis verliehen. Dieses Jahr ist es ein bißchen merkwürdig, weil ich ein wenig voreingenommen bin. Das aber zurecht: Dieses Jahr liest Anousch aus ihrem Roman, der im JuliAugust erscheint, und das ist etwas schade für die anderen hoffnungsvollen Teilnehmer. Aber es kann eben nur eine gewinnen.
Anousch, bereits jetzt Bachmannpreisträgerin der Herzen hier im hermetischen Café, dürfte kaum Raum für Diskussion oder Konkurrenz lassen, das sage ich mit aller gebotenen Objektivität und weiß damit den Preis in guten Händen. Ab morgen, kurz nach zehn, geht es los. Bitte schalten Sie ein und verlieben sich.
>>> Bachmannpreis
>>> 3sat

Montag, 1. Juli 2013

Die letzten schönen verregneten Sommertage nutzend, wagte ich einen anorakverhüllten Ausflug zum hiesigen Zoo. Hagenbeck zehrt vom alten Ruhm, hat in hundert Jahren aber auch das ein oder andere neu gemacht. Kleine Elefanten etwa oder die kühlschrankkalte Eismeerlandschaft. Hier hausen mürrische Pinguine, die von ihren Happy Feet-Kollegen im Leben noch nichts gehört haben und ihre Tage damit verbringen, wie Sänger einer Neo-Gothic-Band bedeutungsschwer ins Nirgendwo zu starren. Wenn sie nicht gerade wie exaltierte Körperkult-Freakartisten Kot ins Publikum spritzen, wie ein Hinweisschild warnt. Bestätigen kann ich das nicht.
Sowieso aber geht man wegen dem Schrecklichen Odin zur Eislandschaft, Hamburgs häßlichstem Walross (wir berichteten). Der Handkreissägentenor aus dem Polarmeer wirkt an Land wie ein amorpher Blob, adipöse Fettschürzen schwabbeln walle, walle manche Strecke, wenn König Odin in seinem kleinen Tiefkühlreich fürs Publikum den Hirschen macht.
Durch eine Panoramascheibe aber schaut man der kleinen Gruppe unter Wasser zu. Bequem, aber mit einer gewissen halbtonnenschweren Eleganz gleiten vor allem die Damen in entspannter Rückenlage durch ihr kunstfelsenverziertes Becken, machen Faxen für die Besucher diesseits des Glases, Kopfstand für die Kinder, und untersuchen neugierig die Ecken und Winkel, ob es nicht doch einen Durchlaß zu den funktionsjackenbeschuppten Beobachtern gibt. Tatsächlich hübsch sind die sehr beweglichen Flossen, mit denen die riesigen Robben filigrane Blumen, mümmelnde Hasen oder Meeresungeheuer formen können.
Man sitzt und sinniert, überlegt, die Bären freizulassen und ihnen den Weg zu den aufgestellten Bienenkörben zu weisen. Kecke Ziegen hüpfen durch den Streichelzoo, mehr Kinder finden sich nur vor dem Tigergehege, der sibirische Kater selbst aber läßt sich entschuldigen. "Der uriniert", werde ich vom kleinen Schulstreber belehrt, "the call of nature!" denke ich und mache es bei nächster Gelegenheit der bedrohten Tierart gleich. Eins sein mit der Kreatur, zurückfinden zum animalischen Ich, sozial interagieren wie die munteren Gesellen auf dem Affenfelsen. Mein Rrrroooaaarrrr noch heiser, leiser als das Gezeter der Pavianrabauken. Aber schöner als Odin allemal.

Sonntag, 23. Juni 2013
Es klingt wie aus einem Science-Fiction-Stoff der 50er Jahre, aber die Invasion der Body Snatchers ist eigentlich keine Fiktion. Man kennt einen Parasiten, der das Verhalten von Katzen und Mäusen steuert, weil er beide Tiere als Wirte braucht, aber wahre Blütenpracht beim Töten zeigt erst ein Pilz namens Cordyceps. Der dringt in die Körper von bestimmten Insekten ein, darunter unseren Freunden, den Ameisen, zerstört nach und nach ihr Gehirn, läßt aber das Nervensystem intakt.
Das infizierte Tier bleibt also bewegungsfähig, wird dabei aber fremdbestimmt wie ein Roboter. Die Ameise, das zeigt die kurze BBC-Doku von Richard Attenborough oben, die man sich ruhig mal anschauen kann, wenn man schon länger keine Albträume mehr hatte, die Ameise also klettert auf eine erhöhte Stelle, klammert sich eisern fest schließt einen Riester-Vertrag ab - und gibt sich womöglich letzten verbissenen, pilzigen Eigenheimträumen hin. Benannter Fungus, man kann jetzt hier nicht drumrumreden, durchbricht die Schädeldecke, wächst zu einem Gebilde bizarrer Schönheit, ehe er seine Sporen freigibt, bereit, weitere Insekten zu befallen. Wie wunderbar ausgedacht!
Eine interessante Studie auch zum Thema Indoktrination und freier Wille, der bei Ameisen zugegeben von vorneherein minderentwickelt ist. Angeblich funktioniert auch der Smartphonevirus so, der Menschen dazu bringt, immerzu auf Displays starren zu müssen. Diese Nachrichten aber werden unterdrückt. Regierungsgeheimnis usw.
via BioMedical Ephemera
>>> BBC-Feature über Cordyceps fungi
