
Freitag, 13. März 2009
Ganz am Ende dann, jenseits aller Selbstergriffenheit, sollte es besser so sein.
(Vielleicht ohne die gepunktete Krawatte.)

Donnerstag, 12. März 2009
Wann eigentlich genau entschwand das Wort Gegenkultur?

Mittwoch, 11. März 2009

Ich sammle besitze ja olle Bürostempel. Mit kühnem Schwung und steifer Sprache vermag man mit ihnen seinen Schriftwerken eine Art von Nachdruck zu verleihen, für die es sonst umständliche Testate bräuchte. "Certified True Copy" ist so ein Stempel, irgendwo aus dem Rest gezogen. "Ablage, "Vertraulich" - Mitteilungen aus dem Grundbedarf. Weil das Amt für Geldentzug Belege für Betriebsausgaben und Minderüberschuß sehen möchte, habe ich heute eine Sicherheitskopie angelegt und konnte gleich meinen neuesten Stempel ausprobieren, den ich am Wochenende auf dem Flohmarkt für ganz wenig "Barzahlung, Quittung wird nicht erstellt" erstand. Ich möchte, daß alles seine Ordnung behält in einer Zeit, in der alles zerfällt.
Schönen Gruß auch und Danke.

Dienstag, 10. März 2009
Leider verreise ich nicht so viel, schaue mir aber gerne alles an. Da kommt mir das neue Blog, das der Herr Ichichich angerührt hat, gerade recht: Xplrr zeigt die Welt von oben und die Geschichten darunter. Faszinierende Dinge gibt es zu entdecken und wer auch welche weiß, trägt es dort ein. So habe ich auch endlich diesen maroden Freizeitpark entdeckt. Vor Jahren hörte ich das erste Mal davon, aber leider konnte mir nie jemand genau erklären, wo das ist. Man muß eben nur warten, dann kommt alles zu einem. Wenigstens manchmal.
Kleine Welten hingegen gestaltet Thomas Doyle. Tatorte unter Glas, Schauplätze von Morden und anderen verzweifelten Trennungen. Herzallerliebst.
Wie Schneewittchen unter Glas werkelt auch Laura Plansker. Sie zeigt aber eher das, was man sieht, wenn man die Augen fest geschlossen hält. Auch hier: herzallerliebst.
Es ist doch so. Man fängt etwas an, und am Ende sieht es so aus: Desolate Metropolis. Wenn das Herz dann zerliebt ist.
Ich könnte die Vögel beobachten. Das bunte Gefieder und ihr unbeschwertes Tun.
Ich könnte natürlich auch mal wieder was schreiben.

Montag, 9. März 2009
Ihr werdet es alle gelesen haben. Der wunderbare Konzertkanal Fabchannel schließt seine Pforten. Letzte Gelegenheit also, sich aktuellere Auftritte neuer und alter Helden anzuschauen - in einer Qualität, bei der man fast die Konzertkarte zu sparen sich geneigt fühlen könnte.
Zum Beispiel die älteren Herren von den Buzzcocks hier, die ich dummerweise bei ihrer letzten Stippvisite in Hamburg verpasste. Sie sehen zwar aus als arbeiteten sie unter der Woche bei Elektro-Schmidt - aber in Begleitung von zwei ansonsten dankenswerterweise unauffälligen H&M-Punks in der Rhythmus-Sektion schrebbeln die Helden meiner Jugend mit lockerer Hand die schönen Hits von früher™ runter, daß man die Füße kaum unterm Schreibtisch halten mag. Und wenn sie dann "Nostalgia (For an Age yet to come)" singen, kann das nur augenzwinkernd gemeint sein. Denn spätestens dann ist man dem sentimentalen Gedenken an damals® wie unbedeichtes Land ausgeliefert.

Samstag, 7. März 2009

Die letzten beiden Abende verbrachte ich mit Radiobasteln. Es gibt in der Hege und Pflege ja immer was zu tun. Die Seilzüge neu justiert, einen dabei noch nicht richtig mit der vorderen Anzeige synchronisiert, entstaubt (innen, außen, die Gefäße), verzückt dem Glimmen der Röhren zugeschaut. Die NF-Seite hat noch Restaurationsbedarf, ein Lautsprecher geht nicht. Aber es ist die TS-Version, da darf einer ruhig fehlen. Zur Jungfernsendung passenderweise ein Bericht über 50 Jahre Kind of Blue. Ein warmer Klang füllt den Raum, so werde ich demnächst wieder die Nachrichten hören können. Beobachtet nur vom magischen Auge.

Freitag, 6. März 2009

Ihr Berliner da draußen! Ihr habt es gut, ihr geht nämlich heute Abend alle in die Strychnin-Galerie und schaut auf ganz eigentümliche Skulpturen: Raf Veuleman und Marc Janssen zeigen ihren eklatant eklektizistischen Kosmos aus Tod, Vergänglichkeit und dem Wunder der Tierpräparation, eine eher abgedunkelte Schönheit also und sicher nichts für die ganz Zarten unter uns Weltbetrachtern. Dabei ist das nicht weniger anrührend als ein Mädchen am Morgen, das ein viel zu großes Männerhemd trägt. Nur anders. Hier gibt es noch ein paar Informationen über die Künstler.
Wer wie ich in Hamburg bleiben muß, geht dafür morgen zu Feinkunst Krüger, wo Thorsten Passfeld einmal mehr seine großartigen Skulpturen und Bilder aus Holz zeigt. Witz, Biss und eine feinbestäubte Melancholie summen aus diesen Arbeiten, und wer heute in Berlin Memento mori! murmelt, wird morgen in Hamburg Ja, genau! rufen.
(Raf Veulemans und Marc Janssens: In Our Own Image. Plus: Christina Graf. Strychnin Galerie. Berlin, Boxhagenerstrasse 36. Ab 6. März 2009.)
