
Freitag, 7. November 2008
Die Schablonensprüche, die manchen so unbezahlt aus dem Munde purzeln, das Ach-ich-freu-mich-so-Getue - morgens, abends, immerzu - an den Tagen (und die Nächte, Herr Kid?), an denen bloß feuchter Nebel durch Ritzen und Fugen einen Weg sich bahnt, an denen man Hände sucht für einen kurzen Druck, für den Halt, für die Erinnerung an ein Verlangen, an diesen Tagen soll Stille sein. Das Reflexgerede, der Postkartentrost - ein Schild hängt man raus, auf dem "Keine Werbeversprechen" steht. Ernstes Schweigen, feine Linien ziehen. Heute sehr viel Papier zerknüllt, Worte dem Papierkorb zugeführt. Sie wären zu leise gewesen, immer noch zu leise. Selbst das trockene Rascheln der Blätter klingt lauter unter dem Schritt.

Mittwoch, 5. November 2008

Wie schön es wäre, denke ich manchmal, einen Garten zu besitzen. Einen kleinen vielleicht, denn ein Grundstück macht auch Arbeit. Fallende Blätter, wühlende Würfe, maulende Besucher. Man zupft hier und spatet da, pflanzt, sät und macht. Aber wie schön es wäre, so denke ich manchmal, in leicht domestizierter Natur auch ein wenig zu entspannen. Auf Liegen liegen, in Büchern blättern, nach Wolken gucken. Und im Sommer könnte ich eine lampionverhängte Gartenparty geben. Oder Krocket spielen.

Montag, 3. November 2008

Bildnisse & tote Tiere, treffsichere T-Shirts, die Einsamkeit von Landstrichen mit viel Landschaft, dazu ein Test auf Kindersicherheit.
So ist Leben. Kann man mal machen.

Freitag, 31. Oktober 2008
Süden, Osten, Norden und Westen.
Herr Schneck hat da eine wunderbar melancholische Befindlichkeitsstrecke zusammengetragen.

Donnerstag, 30. Oktober 2008
Vielleicht ist es falsch, seine Vorstellung von Loyalität aus einem Tennessee-Williams-Stück herzuleiten. In Zeiten, in denen man einen lädierten Fuß hat, ist es allerdings gut, eine Katze im Haus zu haben, die auch kämpfen will.

Dienstag, 28. Oktober 2008
And the whirlwind is in the thorn tree.
(J. C., "When The Man Comes Around")
Und trotzdem kommt er ungefragt zu mir. Die Dornen, die Blüten auch. Immer ein bißchen Hoffnung, immer die Überraschung, die sich zwischen das Basilikum gräbt. Steißgeburt, sagt meine Mutter. Ich war schon immer ein wenig eigen.

Samstag, 25. Oktober 2008
Früher hat man ja, möglicherweise leicht angetüddelt, sich abends oder später an den Rechner gesetzt, gehofft, daß Blogger.de nicht mittendrin abstürzt und alles ins Nichts reißt und irgendwelchen, womöglich sogar emotional geprägten Unsinn gebloggt. Heute geht das auch ohne Alkohol, aber lange nicht mehr so gut.
Der Spaß, heißt es, sei irgendwie vorbei. It just ain't fun anymore, und wenn ich wüßte, aus welchem Film das wieder war, könnte ich öfter einmal fünf Minuten eher einschlafen. Maulkörbe, Gelangweiltsein vom eigenen Tun & Treiben, falsche Rücksichten und richtige noch dazu, das Schleifendrehen in der immergleichen Sisyphosprojektion - indes am Ende einer harten Arbeitswoche, so die Kollegin, mit der ich heute auf dem Heimweg ging, ist man froh, wenn nicht allzuviel für die Montagskehrbesen übrig bleibt.
Mancher Peinlichkeit wünschte man im Nachhinein die [del]-Taste, aber, so antwortete ich heute meiner Kollegin, wir haben auch ganz schön was weggeschafft. Die Hornhaut auf den Fingerspitzen, die Stahlplatten über dem Herzen, die goldbedampfte Sonnenbrille gegen die Strahlen aus der Zukunft - man ist ja auch gewachsen womöglich.
Der frohe Spott, der unbedachte Witz, die schlecht verborgene Liebeserklärung, der enttäuschte Zorn. Die Menschen, die man traf, die paar, die man besser nicht getroffen hätte. Träume auch und ein paar zu laute Versprechen. Die Biere bei Kehrwieder, die Reisen, das Vorlesen, die falschen Hoffnungen. Zwischendurch das Immerweitermachen, immerhin, die augenrollenden Freunde, die sehr schöne Frau™, die zu klug für all das war, die Rollschuhchampionesse, die ihr eigenes Geschick nicht kennt, die Frau, die das Lied von Moloko mit mir nicht teilen wollte, die Frau, die mir am Ende die Leviten las.
Die Freunde, die fremden Städte, die oft so unverdiente Hilfe, das spontane Picknick auf dem Friedhof, die Kaffeetafeln in verwunschen wunderlichen Gärten, die Schickanedernächte, und all die, die um ihre Gesten wohl gar nicht wissen. Nothing can come close to this familiar feeling.
Früher hat man diese trunkenen, womöglich emotionalen Dinge gebloggt.
