Donnerstag, 2. Oktober 2008


Zehn Jahre Feines



Heute abend also. Zehn Jahre ganz viel junge Kunst, LowBrow, Pop-Surrealismus, Spaß, Rock, Skate und Punk, das ganze Gebrause mit vielen Ideen, tollen Einsichten, heimtückisch schönen Überraschungen - alles gesteuert aus der geheimen Sperrholz- Kommandozentrale des symapthischen Zeremonienmeisters Hr. Krüger. Toll gemacht, mit Liebe, wie wir so sagen und deshalb Herzlichen Glückwunsch! Die große Jubiläumsausstellunggala findet diesmal im Westwerk in der Admiralitätsstraße statt. Gezeigt werden Arbeiten von Anke Feuchtenberger, Tara McPherson, Heiko Müller, Derek Hess, Thorsten Passfeld, Jim Avignon, Natalie Huth, Moki und Sam neben vielen anderen.

Ihr müßt alle kommen. Tragt euer schönstes Kleid.

(Feinkunst Krüger, diesmal im Westwerk, Hamburg. 2.10 bis 12.10.2008.)


 


Donnerstag, 2. Oktober 2008


The Great Operettenschwindel

Natürlich ist es verlockend, sich im Leben immer an die gedeckten Tische zu setzen (vorausgesetzt, man entstammt dem Land des Lächelns). Und wenn das Geschirr zersprungen ist, nun, das Leben ist voller Möglichkeiten, so viele Tische warten, so viele - auch exotische - Gerichte gilt es zu probieren. Die gesammelten Momentaufnahmen als Daumenkino zusammengeklebt, ein Reichtum. Ohne Zusammenhalt.

It's your party, and I cry if I want to.

Radau | von kid37 um 01:54h | noch kein Zuspruch | Kondolieren | Link

 


Dienstag, 30. September 2008


Wir bilden einen Spielkreis

Jetzt mal was, wo nicht für alle Mann ist. Über die bei einigen sicher bekannte Videosammelstelle Youtube kann man vieles sagen. Auch Dinge, die nicht so schön sind. Aber wenn die soziale Vernetzung funktioniert, das alte, eben musikalische Spiel zwischen Call und Response, bin ich immer hoch entzückt.

In letzter Zeit, es begann, als ich nach gefühlten Dekaden wieder den Deckel meines Gitarrenkoffers öffnete, schaue ich ganz gerne die kleinen AngeberDemonstrationsvideos, in denen die Begabteren im Lande ihre Liebslingshits auf ihrem Instrument nachspielen. Oft bin ich schwer beeindruckt, zumal ich nie zu den technisch wirklich versierten Musikern gehörte. (Ich mache das alles mit Pathos und großen Handbewegungen und nenne es Wohnzimmerstadionrock.) Manchmal hört man auch schlichtweg falsch und schlecht gespieltes. Ab und an aber wird es lustig bis spannend. Wenn sich nämlich die echten Musiker einschalten und mit trockenen Kommentaren ("No. You've got it wrong.") penetrante Show-offs und Protzer zurechtweisen. Oder aber, und das ist nun wirklich toll, mit eigenen Videos hilfreiche Einblicke in die Werkstatt gewähren.

So zum Beispiel Derek Forbes von den Simple Minds. Das bei Bassern beliebte Stück "I Travel" wurde hier etwas krude runtergehackt - der Meister selbst hat es dann kurz mal zurechtgerückt. Wunderbar.

Und sie lernen schnell.

Ach so, statt Selbstkommentar (geht ja sonst das Gekreische gleich wieder los) hier noch schnell angehängt, zum Thema Channeling inspiriertes Nachspielen: Das ist auch sehr putzig. Zuerst dachte ich auch, wow, der Bassist hat den Bass ja so tief in den Knien hängen wie Peter Hook. Bis ich merkte, nein, der hat einfach die Knie... Also ich meine: Alles ganz wunderbar. Macht mehr Kunst!

Radau | von kid37 um 11:01h | 14 mal Zuspruch | Kondolieren | Link

 


Samstag, 27. September 2008


...un Blomen



Die Fabrik, für die ich bislang noch am häufigsten arbeite, liegt nicht weit von Planten un Blomen. Manchmal stehle ich mich dorthin, um eine Weile am Wasser zu sitzen, den Fischen zuzuschauen oder auf das Geräusch der Enten zu lauschen. Manchmal hat man Glück, und niemand setzt sich auf die Nachbarbank, um dort kakophonisch laut in sein Mobiltelefon zu quaken.


Neulich saß ich dort mit Christian Schad. Mal sachlich werden. Bilanzen ziehen, die Reste einer schweren Operation. Jetzt stehen die Gefäße und Pakete da, verschnürt, aufgereiht, wie ein perverses Erntedank. Der Brief, den ich schon lange in der Tasche herumtrage. Worte, die auch nur noch mich selber interessieren. Am Steg sind die Linien klar markiert, die scharfe Kante am Steg. Man sitzt dort und kann die Kühle spüren, jetzt da sich der Sommer hinausgeschlichen hat. Das ist das Schöne, am schrägen flirrenden Licht des Herbstes. Man entdeckt in den Schatten wieder mehr.


 


Freitag, 26. September 2008


Wer war das?



Heute war vor der Fabrik alles zugeklebt mit kleinen Plakaten. Wie rührend.
Ich würde die Frage mit Ja beantworten.

Aber nur Arme, die hinterm Rücken keine geheimen Zeichen machen.


 



Those on the cheaper seats clap your hands, the rest just...



Filmpartys machen mich schnell müde. Aber das ist jetzt erstmal überstanden, heute morgen fiel mir Glitzer aus dem Ohr. Immerhin aber: Das Filmfest Hamburg verspricht auch inhaltlich ein wenig Spaß - so jedenfalls mein Vorab-Eindruck. Das Programm liest sich vielversprechend, ein Hauch von Saudade, ein Hauch von Tokio - und solchen Lockungen muß man sich ja auch einmal unbefangen hingeben. Ausruhen kann man sich an jeder Haltestelle, warten auf den letzten Bus. Das leere Gefühl läßt man einfach zurück. Mußt du machen, meint mein Chef.

Super 8 | von kid37 um 13:32h | 8 mal Zuspruch | Kondolieren | Link

 


Donnerstag, 25. September 2008


Love of my Life



"Hinter jedem erfolgreichen Mann... steht eine überraschte Frau", meinte Nils Landgren in seiner charmanten Eröffnungsrede. Diese Variante des so oder so wahren Satzes kannte ich noch nicht, aber selbst wenn sie alt sein sollte, finde ich, der Mann hat Witz. Seine musikalischen Qualitäten sind ja sowieso unbestritten.

Siggi Loch, langjähriger Musikimpressario, zeigt seine Fotos seit den 60er Jahren: Hauptsächlich Jazzmusiker, hauptsächlich schöne Schwarzweißprints. Nicht immer große Kunst, häufig eher das kleine Notizbuch, blue notes, die Arbeit eines Liebhabers, des leidenschaftlichen Amateurs. Beeindruckende Begegnungen eines langen Lebens in der Musikszene. Ray Charles, Scott Walker, Ella Fitzgerald, die Star-Club-Szene... Dann spielt Nils Landgren eine schöne Version von "Bang Bang". Die schlichten Wahrheiten sind die wuchtigsten: My baby shot me down.



Eine zeitlang dann stehe ich neben einer Lederjacke, die sich einst mit einem Stück Pfefferminz in einen Prinzen verwandeln konnte. Was Liebe alles kann.

(Siggi Loch. Love of my Life. Deichtorhallen, Hamburg. 25.9. bis 9.11.2008.)


 


Mittwoch, 24. September 2008


Merz/Bow #15

Ab und an muß ich mit Kollegen in Straßburg telefonieren, die dort was mit Medien machen. Das sind immer sehr angenehme Telefonate, mit kleinen "Bonjours" und "Mercis" und dem Anschein einer Stimmung, die ähnlich arbeitenden Kollegen in anderen Städten (die hier ungenannt bleiben dürfen) ebenfalls gut zu Gesicht stünde. Schon allein deshalb natürlich, weil es mein eigenes Gesicht erhellt.

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Türkisch, so denkt man, ist eigentlich eine ganz einleuchtende Sprache. Metamorfoz heißt "Metamorphose" und Tarkan heißt "Tarkan". Streng genommen aber ist es beschämend, wie wenig man ich von dieser Sprache verstehe. Als mir der Blinddarm herausgenommen wurde, teilte ich das Zimmer auf der Kinderstation mit einem jungen Türken. Der versuchte, mir Schimpfwörter in seiner Muttersprache beizubringen, für den Fall, daß ich diese einmal brauchen sollte. Irgendwas, das übersetzt "du Kuh, du!" heißen sollte, aber ich war mir da nie ganz sicher. Gerade habe ich den Film Jahreszeiten - Iklimler gesehen, neues türkisches Kino, im Original mit englischen Untertiteln. Man schwimmt ein wenig hilflos - wie ein Korken auf einem fremden Meer. Wunderbarer Film, übrigens.

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Meine Band gibt es schon. Warum sagt mir das wieder keiner? Bald kommt die Zeit, da spiele ich dann auch nicht mehr mit euch.

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Search Request: hast du schon jemals etwas so schön einstürzen gesehen

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Neue Regeln. In meiner Wohnung dürfen nur zwei Frauen rauchen: Kate Moss und... nun ja, die andere.

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Gestern ist Geschichte. Morgen nur Gerüchte. Nie wieder Vertröstungen auf das Leben im Irgendwann. Das probiert man mit mir nicht lange. Ich werde dann... unruhig.

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Güle, güle.

MerzBow | von kid37 um 14:27h | 15 mal Zuspruch | Kondolieren | Link