Kid Rock, the Fruiscante years



Es ist vielleicht nicht die cleverste Idee, nach gefühlt 20 Jahren auf Stahlsaiten neu anzufangen. Aber no pain, no gain, und letztlich ist es erstmal auch nur ein Experiment, ob ich überhaupt noch etwas hinbekomme. Derweil geht es um Feinmotorik üben und das Gehirn trainieren. Musik ist dafür genau richtig, und unterstützt von diesem kleinen röhrenmodulierten Vox-Dings klappt das schon ganz aufmunternd. Einfach ein bißchen Krawall reindrehen, schon sind die gröbsten Fehler und Unsauberkeiten verziehen und gehen notfalls in einem Wall of Sound unter. Meine Lieblingseinstellung ist die Young'sche Rust never Sleeps-Phase - gespielt allerdings mit den eher gichtigen Fingern des Herrn Bob. Ich bleibe da jetzt mal dran, jeden Tag eine halbe Stunde, und wenn es losgeht mit dem "heute mal nicht", kann man immer noch prima Wäsche zum Trocknen dranhängen.

Meine Aufgabenliste ist sehr umfangreich und detailliert, die Ziele hochgesteckt. Neil Young ist in der Hinsicht ja ein Vorbild. Gut, der Mann hat, wie nennt man das, ab und an schon mal "Ansichten". Aber allein, wenn man sich mal die Liste seiner Krankheiten und Operationen anschaut, fällt es schwer, sich selbst mit windigen Ausflüchten vor der Kulturarbeit zu drücken. Immer weitermachen, meine Güte.

>>> Geräusch des Tages: Neil Young, Hey Hey, My My

Radau | 08:37h, von kid37 | Kondolieren | Link

 
mark793 - Donnerstag, 29. Juni 2017, 08:52
Ich finds gut, dass Sie sich da wieder ranklemmen, auch wenn das für die Fingerspitzen linker Hand erst mal eine Tortur ist, bis da wieder genügend Hornhaut drauf kommt.

Sehr schöne Klampfe jedenfalls, Alvin Lee, einer der Gitarrenhelden meiner frühen Jugend, spielte so eine, B.B. King desgleichen, und mit dem Multi-Effektgerät sind die Möglichkeiten der Klangerzeugung nahezu grenzenlos.

Um es mit dem tanzenden kleinen Mann aus dem roten Zimmer zu sagen: "Let's rock!"

 link  
 
kid37 - Donnerstag, 29. Juni 2017, 09:03
David Lynch ist ein gtes Beispiel. Wenn man sich dessen Alben anhört, weiß man, daß man auch mit drei Tönen weit kommen kann. Ich sehe es auch als Reha-Übung. Klavier wäre wahrscheinlich von der Komplexität her noch besser. Aber da ist die Lernkurve von Satie bis Rachmaninoff so irre steil. (Das Krachmachgerät hat 'ne kleine Röhre drin und ist wirklich cool.)

 link  
 
mark793 - Donnerstag, 29. Juni 2017, 09:11
Ich habe ja lediglich so einen kleinen Winz-Marshal-Verstärker, der mit einer 9-v-Blockbatterie läuft, der kann nur clean oder distortion. Aber selbst damit kommt man schon recht weit. Das eigentliche Limit ist die Fingerfertigkeit.

Ein Klavier im Haus ist aber auch nicht schlecht. Meine Frau hat vor paar Jahren ein E-Piano angeschafft, auf dem ich bisweilen etwas rumimprovisiere. Cool ist vor allem der Kirchenorgel-Modus, damit klingt selbst banalstes Geklimper auf einmal großmächtig und erhaben.

 link  
 
kid37 - Donnerstag, 29. Juni 2017, 14:12
O Haupt voll Blut und Wunden! Aber spätestens wenn man bei der echten Orgel auch noch mit den Füßen jnglieren muß, hört es schnell auf. Klavier wäre für ich ganz gut, ich glaube, das trainiert die Verbindungen zwischen Hirn und Fingern besser. Leider ist meine Wohnung so klein, ich bekomme höchstens einen Stutzflügel hinein.

 link  
 
frau eff - Donnerstag, 29. Juni 2017, 09:29
What a beauty!

 link  
 
kid37 - Donnerstag, 29. Juni 2017, 13:58
Leider nur ein Nachbau. Wir hatten ja damals nüscht! (Aus nostalgischen Gründen will ich mich auch nicht trennen.)

 link  
 
monnemer - Donnerstag, 29. Juni 2017, 12:47
Kaum lese ich das: "...Der Gitarrenheld, die verkaufsfördernde Maßnahme schlechthin, ist ihnen abhanden gekommen...", packen Sie die Klampfe aus. Das kann kein Zufall sein.

Ich liebe übrigens diese Live-Version. Auf dass das kleine Dings abraucht!

 link  
 
kid37 - Donnerstag, 29. Juni 2017, 14:09
Hammer. Also Metal Hammer, quasi. Was geht ab mit der verdorbenen Jugend? Als ich jüngst in Berlin war, war da so eine Noise-Indieband (Name vergessen) mit einer Art Yoko Ono an der Gitarre (inkusive Signatur-Kreischgeschrei), sehr gutem Schlagzeuger und einem Typen, der viel von seinem Laptop beisteuerte. (Das waren die, die verständlicherweise ein wenig eigen mit ihrem Equipment waren und das für einen Spontanauftritt eines noch unbekannten australisch-deutschen Duos nicht rausrücken wollten, tant pis) So gesehen, eine klassische Besetzung. Das gibt Hoffnung. Vielleicht hat das auch was mit Geschechterrollen in der Musik zu tun. Dieses Macho-Phallus-Gewichse an E-Gitarren will halt keiner mehr sehen. Deshab mag ich auch Warpaint, die haben dieses Muckertum voll drauf. Das ist eine schöne Verkehrung.

Hübsche Version. Ich werde nachher alle Regler auf zehn drehen, mal sehen, ob ich den Neil hinkriege. (Ist auf der Bühne ja eh ganz anders, wenn einen diese Elektrizität durchfließt und die Hosenbeine flattern.)

 link  
 
frau eff - Donnerstag, 29. Juni 2017, 15:45
Äh, was'n mit den Nachbarn...?! (selbst lange Nachbar gewesen)

 link  
 
kid37 - Donnerstag, 29. Juni 2017, 15:59
Um die Neubauten zu zitieren: "Ich bin neun Meter groß - und alles ist wichtig!" Nah, das kleine Vox-Ding kann man unter Kopfhörer spielen. Das restliche Geklimper von der Halbakustik müssen die ertragen. Ich hätte mir ja auch eine Trompete kaufen können.

 link  
 
gaga - Donnerstag, 29. Juni 2017, 18:38
alle Daumen hoch.
Klasse. Ich freue mich... über den Eintrag und diese Welle, diesen Aufschwung. Die Gelegenheiten ergreifen, als Geschenk begreifen.

 link  
 
kid37 - Donnerstag, 29. Juni 2017, 19:19
Es tut ganz gut, auf ganz entspannte Weise ein wenig gefordert zu werden. Transformation, wenigstens ein bißchen. Ja, ein großes Geschenk. Und Sie haben's lange eingefädelt ,-)

 link  
 
cabman - Donnerstag, 29. Juni 2017, 19:54
Fein. Dann können Sie ja mal die Titelmelodie von Feuerwehrmann Sam einstudieren und ich wüßte dann eine Person, die Sie mit freudvollem Singsang unterstützt:



Danach dann gartenduftumwölkt Gasherdkaffee und Bienenstich. Vielleicht sogar 2 Stücke, bei all der Performance...

 link  
 
kid37 - Donnerstag, 29. Juni 2017, 20:12
Ich kenne aus meiner Zeit nur Postman Pat, aber lernbegierig, wie ich gerade bin, bin ich für alles offen. Für Kaffee sowieso.

 link  
 
cabman - Freitag, 30. Juni 2017, 09:03
ha, wie geil ist denn der Postman?! Danke für den Tipp!

Wegen Kaffee: machen wir auf dem anderen Kanal.

 link  
 
iii - Freitag, 30. Juni 2017, 12:01
Oh, Herr Dylan und Herr Frusciante kommen gemeinsam in einem Beitrag vor ♡♥ Üben Sie auch so was?
{Meine Verbindung zu Herrn Young ist mir ja irgendwann abhanden gekommen. Ohne Streit, zerbrochenes Geschirr, Grund - war einfach weg. Traurig. Aber ein großartiger Musiker, keine Zweifel.}

 link  
 
kid37 - Freitag, 30. Juni 2017, 12:48
Nice try. Aber gut, man muß sich ja Ziele setzen. Zeit ist ja, wenn hier Wasser für zehn Tage vom Himmel fällt. Derzeit hört es sich bei mir noch deutlich eher nach einem Holzfäller an, der beim Lagerfeuerklampfen vergessen hat, die Hanschuhe auszuziehn. Aber wer weiß. Wie heute auf Twitter zu lesen war, haben auch nicht so bekannte Künstler immer wieder die Chance, entdeckt zu werden.

 link  
 
iii - Freitag, 30. Juni 2017, 14:46
Ich bin aber auch Talentscout! Für Nischen in der Nische in der Nische.

 link  
 
kid37 - Freitag, 30. Juni 2017, 15:46
Sie haben ein feines Näschen, das weiß ich. Vielleicht spiele ich Ihnen mal was vor, wenn ich drei Akkorde zusammenhabe.

 link  
 
fritz_ - Freitag, 30. Juni 2017, 21:10
Nebenher bewundere ich fasziniert die technischen Experimente, den Fortschrittsfimmel von Neil "The Old". Nach meinem Eindruck basierend auf einem Reservoir von kreativen bis schrägen Privattheorien, die er pflegt.

Da haben wir seine selbst bestückten Elektroautos bzw. Hybridautos, von denen der 1959er Lincoln Continental das prominenteste ist, und wir haben Pono, sein selbst entworfenes Soundsystem.

Denn "normally you are getting less than 5 percent of the original recording." Pono nutzt das freie und offenkundig verlustlose Audioformat Flac. (Mit MP3 verglichen wie Tag und Nacht. Ein Musikalbum, das mir zuflog, ist im Flacformat auf mich gekommen und begeistert mich sehr. Wo ich sonst jemand bin, der ganz sehr oft Ruhe, nichtnoise, als das schönste Geräusch empfindet. Ich habe viel Zeit in Schwatzbuden und Industriebetrieben verbracht, zwei Trigger, die einem in der Freizeit die Ruhe anzuempfehlen sich anschicken.
Ich weiß aber nichts über die Natur der dazugehörigen Rohdaten des Albums, wer die wann wo im Schaffensprozess abgegriffen hat.)

Wieso Herr Neil den Elektroauto-Fortschritt justament auf einen Zweieinhalbtonner-PKW in Eierschalenfarbton imaginiert, das hat wohl etwas mit Künstlerseele zu tun und mit "Querdenken will gelernt sein". Der Witz an dem Auto ist, dass ein mit garantiert biobiobionachhaltigfairtrade-usw. Alkohol betriebener Verbrennungsmotor die Batterien nachlädt (+im Stillstand an der Steckdose), was in manchem Musik- oder Autoportal wahlweise als Turbine oder Generator Erwähnung findet, aber vermutlich mit Lichtmaschine am Vierzylinder ausreichend korrekt bezeichnet ist.

In der größten Not bringt der alkoholige Verbrennungsmotor die Kiste ohne Strom vom Fleck, wie Millionen alkoholbetriebene Motoren in Brasilien es vormachen. Irgendwo stand, Young habe mit dem Elektro-Lincoln, den er LincVolt nennt, längst die 500000 Meilen vollgemacht.

Musikalisch, was mich über die Zeit mit am wenigstens nervte, war Tonight's the night. Ich höre aber noch mal in alles rein und frische meinen Eindruck auf, es sind 12 GB Natursound. :-)

 link  
 
kid37 - Samstag, 1. Juli 2017, 05:40
Der Gute hat eine gewisse Sturheit, vielleicht auch Bockigkeit, mit der er seine Ziele und Ideen verfolgt. So wie er eisern an seiner Lieblingsgitarre mit dem defekten Humbucker festhält. Zugleich aber eben auch sehr modern. Dieser Pono war leider ultra häßlich, so was verkauft sich nicht an Hifi-Liebhaber, sonst hat er natürlich völlig recht, was MP3 angeht. Zur Philosophie seines Autos kann ich nicht viel sagen, da steckt sicher so viel Americana, drin, daß ich die Besessenheit damit nicht wirklich nachvollziehen kann. hier braucht man solche Kutschen nicht. Aber es gibt wenige Künstler, die so interessiert sind außerhalb ihres Gebietes, und die gegen eigene Widerstände und Hemmnisse immer weitermachen, das imponiert mir. Und nebenbei schaut ab und an und letztlich regelmäßig ein gutes Album heraus. So eine Kraft suche ich gerade.

 link  
 
fritz_ - Samstag, 8. Juli 2017, 15:35
Habe mich vorgearbeitet zum akustischen Tell me why, LP After the gold rush.

Sailing heart-ships
thru broken harbors
Out on the waves in the night
Still the searcher
must ride the dark horse
Racing alone in his fright.

 link  
 
fritz_ - Samstag, 8. Juli 2017, 15:44
Sind Ihnen übrigens (als Sie bei den Pfadfindern waren?) die Lieder von Young in christlichen Singbüchern aufgefallen? Ich denke darüber nach, welche zwei, drei Schmusesongs es waren. It really needs a lotta love. It's gonna take a lotta love.

 link  
 
fritz_ - Samstag, 8. Juli 2017, 17:25
Wie geil ist das denn?
http://www.dasradiodervonneilyounggetoeteten.de/

Ich blicke nicht durch, wo da nun das Radio ist. Also wo man es hören kann. Ich muss nicht alles verstehen, aber he: Das Radio der von Neil Young Getöteten.

 link  
 
kid37 - Samstag, 8. Juli 2017, 17:48
Man würde es heute wohl ein Meme nennen. Vogtländer mit Humor, wie schön. Mein Radio ist aber auch nicht html5-tauglich scheint mir.



Sentimentale Lieder kann ich derzeit aus gesundheitlichen Gründen nicht hören. Da muß ich vorsichtig sein. Aber ich kenne das, das paßt natürlich super.

 link  
 
fritz_ - Sonntag, 9. Juli 2017, 00:38
Verstehe. Komischerweise empfinde ich es beim Durchhören häufiger gar nicht mal als sentimental, mehr so wie ein Kiebitz von storytelling. Als wenn man 200 Jahre später Heine-Gedichte liest.

Wobei, mh, irgendwo bei mir liegt ne Mono-CD herum, Fischer-Dieskau singt Schubert und Schumann Heine-Lieder. "Im wunderschönen Monat Mai" und dergleichen. Ui, das ist ne Hausnummer.
______

Beim Meister bin ich angekommen bei Fields of opportunity.

I've been wrong before
And I'll be there again
I don't have
any answers my friend
Just this pile of old questions
My memory left me here
In the field of opportunity
It's plowin' time again.

Ab sofort schweige ich zu dem Thema! :-)

 link  
 
kid37 - Sonntag, 9. Juli 2017, 01:33
Ich möchte mich bedanken für das Zitat. Vielleicht ist es genau das.

 link  
 
fritz_ - Mittwoch, 23. August 2017, 23:19
Cut, neuer Absatz 23.08.2017. (O, mein Gott!)
_______________________________

Neugierig geworden durch das kleine Gespräch von vorhin.

Sie, Kid, hätten mir im Juli 2017 ruhig offenbaren können, dass "das buch der von neil young getöteten" sich schon 2005 im Olymp von blogger.pop.de befand, als ich noch ein Quark im Schaufenster vom Gemüseladen war. Bzw. ich eher die weißlich dünne Vorstufe von Quark war. (Ähm.)

Zuletzt habe ich mich mit fast allem befasst, Sleeps with Angels, Mirror Ball bis Are you passionate. Chrome Dreams. Le Noise. Das ganze Pamphlet.

Ich habe nicht immer Bock auf seine Mucke. Und wenn, dann nicht auf alles. Aaaaber wenn, dann rubbel die Katz! Rubbel die Katz!

 link  
 
kid37 - Donnerstag, 24. August 2017, 15:10
Die Zeit rast nur so vorbei. Frau iii ist eine der wenigen Konstanten in diesem wirbelndem Rausch. Und ich sehe, Sie arbeiten sich wirklich akribisch durch das große Werk. Respekt. Ich bin zuletzt auf andere Schienen gewechselt und höre vermehrt Steve Reich und Penderecki und so was. Ich muß diese 4/4 mal aus dem Kopf bekommen.

 link  
 
iii - Donnerstag, 24. August 2017, 15:47
Also da stichts mir richtig, wenn ich den alten Kram von mir verlinkt sehe. Ohne Witz. Ich muss da mal rigoros durchfeudeln "bei mir". Hat nix mit Ihnen zu tun, Herr fritz_! Mit dem Kermani-Schinken kann ich übrigens nix mehr anfangen. Lese inzwischen andere Sachen, jetzt nicht wegen "weiterentwickelt" oder "Reife", sondern: kam so.

& Herr kid, also da stichts mir auch. Sie wissen ahnen doch, was ich für ein Lüftchen bin. *(|:-)

 link  
 
kid37 - Donnerstag, 24. August 2017, 16:33
Haha. Das war ja mehr so ein Pieks in die Seite. Über Anwesende nur Gutes! ;-)

 link