
Freitag, 18. Dezember 2009
Das Heim und das Heimliche kehren zurück. Die Menschen seien "zu lange draußen" gewesen, hieß es vor einigen Wochen im Zeit-Magazin über die gewesene Epoche der allgegegenwärtigen Mode des to go. Die Krise dränge die Menschen zum - alle paar Jahre ausgerufenen - Cocooning. Mir macht es nichts aus, woanders ist schön, ich aber habe es hübsch daheim und kann folglich beides.
Wie man es hingegen besser nicht macht, zeigt dieses Beispiel. Ein alteingesessenes Stück voller Patina und abgewetzter Geschichte dilettantisch übergesprayed - The Horror! The Horror! würde der Colonel Kurtz des Homeimprovements entsetzt im Herzen der innendekoratorischen Finsternis murmeln.
Vernünftige Raumgestaltung, heißt es, ersetze manche Fernreise. Wo man sich im Alltag wohlfühlt und ästhetisch umfangen, wird das Konzept des Urlaubs ja fast obsolet - jedenfalls wenn es um reine Erholung geht. Der Bildungswert einer Reise, die Anregungen und Aufregungen, die man am anderen Ort erlebt, sind weiterhin durch nichts zu simulieren. Alles andere sei alltags bloß ein Ersatz. Ich mache es geschickt: Meine Wohnung sieht zur Zeit aus wie ein aufgeplatzter Reisekoffer. Manchmal halte ich mir eine leicht getönte und zerkratzte Scheibe vors Gesicht und winke meinen Sachen zu als säße ich in einem Flugzeug und sähe meine Habseligkeiten still ergossen auf dem Rollfeld liegen. Ein Urlaub daheim.

Mittwoch, 16. Dezember 2009
Seltsamerweise liest und hört man bislang nur am Rande von Elena. Die Gewerkschaften schlagen Alarm, Datenschützer sind besorgt, aber mir kommt das alles so leise vor.
Wenn man im Vergleich die hitzigen Diskussionen über die "Gesundheitskarte" betrachtet, den Protest gegen die Vorratsdatenspeicherung, scheint mir die Auseinandersetzung mit Elena einem angeregten Kamingespräch zu ähneln.
Vielleicht haben auch zu wenige noch Arbeit. Nur zur Erinnerung: "In dem Datensatz werden nicht nur Name, Geburtsdatum, Versicherungsnummer, Adresse etc. erfragt, sondern auch Fehlzeiten, Abmahnungen, mögliches "Fehlverhalten" und Streikbeteiligung." [Q] Beinahe herzig mutet in diesem Zusammenhang der Zusatz an: "Um einen Missbrauch der zentral gespeicherten Daten zu verhindern, soll der Zugriff nur mit Zustimmung des betroffenen Arbeitnehmers erfolgen." Das klingt, als wäre ein "Nein" tatsächlich eine Alternative, dabei bedeutet eine Weigerung wohl nur eins: keine Sozialleistungen zu bekommen.
"Die Arbeitgebermeldung startet am 1. Januar 2010." Ich stelle mir das als tentakelbewehrte Tag-Cloud vor, ein riesiges Datenmonster, das uns wie gute und schlechte Erbsen auseinanderzählen wird.
Erfunden hat es, man möchte fast sagen "natürlich", RotGrün. Die Flitzpiepen der ehemaligen Arbeiterpartei und die Öko-FDP.

Montag, 14. Dezember 2009

(© Andre Jordan, A Beautiful Revolution.)

Sonntag, 13. Dezember 2009
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Am Ende durchtanzter, vertrunkener Nächte sollte man nicht so, sollte man nicht so... Wirklich nicht.

Samstag, 12. Dezember 2009
Solche Videos kann ich nur ertragen, indem ich mir vorstelle, daß die junge Frau in Wahrheit in ihrer Freizeit mit einem alten, blutgegerbten Axtstiel Robbenbabys zu Tode kloppt.
Nur so. Als Ausgleich.

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Irgendwo tief im Herzen steckt, wie in einem dieser ächzenden, rasselnden Zauberautomaten des Robert-Houdin, in mir also immer noch ein ambitionierter, wenn vielleicht auch nicht der geschickteste Illusionskünstler. Mit Hingabe. Aber wie schwer es ist, den Zauber aufrecht zu erhalten, auch diese Erfahrung ergibt sich im Bühnengeschäft leider bald. Das Publikum, leicht abgelenkt, erwartet unruhig bereits den nächsten Akt, während es mir nicht gelingen will, die Taube endlich aus dem Ärmel zu befreien. Schon rieseln Federn, leichte Nervösität steigt auf, ich schwitze am Rande einer Niederlage. Welch schönes Wort auch, wenn man es recht überlegt: Niederlage. Man legt alles dar, Schilde, Waffen und das pochende Brimborium. Sich selbst.

Mittwoch, 9. Dezember 2009

Wenn man abends wie ein altes Väterchen vom Kohlenklau schwer bepackt und müde die sieben Stockwerke zu seinem Leuchtturm hinaufsteigt, freut man sich ja den Frost von den Fingern, wenn auf der Schwelle schon ein Päckchen wartet. Die formidable Miss Monolog war so freundlich, mich mit köstlichen Keksen aus der Hauptstadt zu versorgen. Wie mondän mein Leben plötzlich ist! Gern würde ich einen Prosecco dazu trinken, mich demonstrativ ans Fenster stellen, die obersten Knöpfe leger geöffnet, und den feschen Nachbarinnen vom Hinterhof keck zulächeln.
Das Leben, das mir eben noch wie sonst nur märkischer Sand zwischen den Zähnen knirschen wollte, hat nun wieder einen gaumenfreundlichen Sinn.
