Donnerstag, 4. September 2008


Die Todeslibelle im Café deiner Träume



Mit Spielzeug gewint man ja bekanntlich mein Herz. Da meine Träume in letzter Zeit nicht mehr so hochfliegen, vermutete ich, so ein kleiner Wohnzimmerhelikopter brächte bestimmt Spaß, Aufregung und Gesumm ins hermetische Café. Ich muß einräumen, ganz so gut wie der Helipilot bei Magnum bin ich noch nicht. Hier fehlen noch Übung und Expertise. Ein Spielzeug für ältere Jungs: Man ist irgendwie froh, das Ding oben zu halten. Wenn das der Kafka bloß gewußt hätte! Denn das kleine motorisierte Insekt ist andererseits ganz wie sein Besitzer aus fast unverwüstlichem Material. Ideal also für den ein oder anderen Absturz. Ansonsten: Es geht auf und ab, aber immer im Kreis.


 


Dienstag, 2. September 2008


Three years



No cheers.

Natürlich kann man viele Dinge vorhersehen, vor allem wenn man schließlich auf sie zurückblickt. Aber wie lange es dauerte, überhaupt das Prinzip der Erinnerungszentrifuge zu verstehen. Viel Grübelei und Stirnrunzeln lagen dazwischen, eine Überdosis zudem an Remineszenstrahlung nach dem bedauernswerten Unfall im unterirdischen Kardiologielabor. Zwar fühle ich mich nun manchmal wie eine Fliege, Facettenblicke, ninetysix tears in my ninetysix eyes, aber immerhin kann ich ein Summen hören. Den Stimmen zufolge, die mir lange wie von unter Wasser her flüsterten, wie durch einen Wattepfropf hindurch, muß es immer sein wie ein Klavier, dessen Stimmlage niemanden interessiert. Es muß immer sein wie ein Erdbeben.

| von kid37 um 22:56h | 26 mal Zuspruch | Kondolieren | Link

 


Montag, 1. September 2008


+++ Reklame #2 +++



In meinem berühmten Roman Ich weiß, eigentlich wolltest du die Welt retten, aber dann war da ja diese Party beschreibe ich bekanntlich, immer auf wohlwollende Weise natürlich, die Jeunesse dorée einer noch bekannteren deutschen Großstadt auf ihrem traumtaumeligen Weg zwischen Sinnsuche, Selbstdarstellung und Applaussucht, kurz - so die Kritik bei einem ebenfalls sehr bekannten deutschen Buchversender - "ein irrlichterndes Leben am Rande des großen man könnte, ein neonflackernder Konjunktiv, eine Jugend im ewigen Zustand des eigenen Projekts gefangen..." usw. usf.

Wie sehr also kann der ebenfalls wohlwollende Leser meine glückshormonpumpende Freude beim Öffnen des Briefkastens antizipieren, als mir der heißersehnte dicke Umschlag in die Hände fällt. Denn Herr Vert nämlich hat nicht nur angekündigt, sondern getan: Ansichtskarten gedruckt, wie sie in den quietschenden Drehständern am Point of Sale erst recht sehr bekannter norddeutscher Badeorte nicht zu finden sind. Da mußten wieder einmal erst Blogger her!

Wunderbar. Ihr da draußen, Urlauber, Reisende, Ansichtskartensammler, müßt das alle kaufen, zehnerpackweise und Ruhm und Ehre dieses Mannes landauf landab verbreiten.

Zum Drehständer bitte hierhin.


 



+++ Reklame +++



Bis kurz nach dem offiziellen Herbstanfang werde ich hoffentlich wieder rasiert und gekämmt sein - denn zu dieser Veranstaltung möchte ich gerne hin. Ich werde da einiges zu erzählen haben, so ganz unter uns. Vor allem freue ich mich aber über die charmante Isa, dem nicht nur literarisch Exquisites auftischenden Herrn Paulsen und den mit Herz und Dame gesegneten Merlix. Moderiert wird der Abend von Bov Bjerg, was allein schon das Kommen lohnt.

Im Anschluß gemeinsames Singen und gleich darauf zum Kaffee.Satz.Lesen. Müßt ihr machen.


 


Freitag, 29. August 2008


Projektor # 1 und # 2



Rausschwimmen. Durch den Verkehr atmen. Scharfglänzende Bilder an glattgeleckter Oberfläche, Landschaftsfolie im scheintoten Raum. Ratternde Züge wie von ungelenker Hand abgeschossene Silberpfeile. Ich sage, komm laß uns aufbrechen, immer dem Licht nach, dem Rausch der Bewegung. Du hast schöne Beine und ich, ich habe ein Ziel.

Schatten saufen. Und als ich in meiner Küche stehe, Scampi in die Pfanne werfe, zum knoblauchgetränkten Zischen ein Lied summe, am Rande von Übermut torkelnd, denke ich daran, wie die sehr schöne Frau™ einst tütenweise von dieser ganz großen Sorte mit nach Hause brachte, Beifang eines dieser Food-Jobs. Und wie wir kleinen Kindern gleich hineinschauten in den knisternden Schlund der Packung, staunend auf die rosafarbene Pracht, und wie aus einem Mund sagten: Rieeeesig! Und lachten. Denn das war der Grund, warum wir nach Hamburg gingen. In großen Städten sei eben alles etwas größer, behaupteten wir. Die Sehnsucht zum Beispiel, die Versprechen aber auch.

Bilder in Licht gießen. Und dann neulich bei Sugimoto. Stumme Betrachtung zwischen Grauen und Entzücken, Trümmerland und Ach Du, Hauch von Verstehen. Ganz sanft durch die Säle gleiten. Mit meiner Begleitung über Blitze sinnieren, die Lightning Fields und fragiles, transluzierendes Unterwassergetier. Diese wunderbare Idee, die Zeit einzufrieren, einen Film zu bannen in ein einziges Bild, geronnene Bewegung, ein Abdruck aus Licht. Wie ein ganzes Leben, diese zerbrechliche Membran. Unendlich klein und dicht.

Und einfach unglaublich hell.


 


Mittwoch, 27. August 2008


Acht Glasen

In a word, it was Queequeg's conceit, that if a man made up his mind to live,
mere sickness could not kill him: nothing but a whale, or a gale,
or some violent, ungovernable, unintelligent destroyer of that sort.

(Herman Melville. Moby Dick or, The Whale. 1851.)




Die Ohnmacht bleibt, in diesen Momenten nicht nahe genug zu sein. Die Stille nicht mittragen zu können. Wenn Wasser nimmt, was Erde nicht trug.

Acht Glasen. Nimm für mich Grüße mit.

All hands on deck at dawn

| von kid37 um 02:00h | | Link

 


Donnerstag, 21. August 2008


...

"Here", said she, "is your card, the drowned Phoenician Sailor.
I do not find the Hanged Man. Fear death by water."


Manchmal, damals vor Jahren, meist am Telefon, habe ich versucht, dich ein wenig aufzuziehen, deinen absurd überpräzise formulierten Sätzen etwas entgegenzusetzen. Aber ich kannte die Frage nicht, darum verstehe ich jetzt auch deine so endgültig formulierte Antwort nicht.

Lebwohl. Ich wünsch' dir was. Frieden. Uns allen.

We all shine on

| von kid37 um 02:00h | | Link

 


Mittwoch, 20. August 2008


Mit Schmatz und Schmackes

So, Freunde, jetzt mal kurz das Feuilleton und den Wirtschaftsteil beiseitegelegt und Olympia ausgeschaltet, wir künden vom letzten wahren Sport: Rock & Wrestling, bekanntlich Hamburgs einzig weltweit schwitzendes Extremchoreographieprogramm, kommt jetzt als Film daher! Bianca Wiehmeier hat eine Schockumentation über die testosteronstimulierte Tumultschau gemacht, die hoffentlich bis in die letzten Winkel der ereignishungrigen Welt Erstaunen und Beachtung findet. Runter mit den falschen Glitzerfassaden - Platz für große, ehrliche Sportmaloche!

Den Trailer von La Paloma Film gibt es hier zu sehen. Tragt euer wildestes Kostüm dabei.

Radau | von kid37 um 18:49h | ein Zuspruch | Kondolieren | Link

 



in Treatment

Seitdem ich in diese neue Welt eingedrungen bin, in die mir niemand folgen kann, empfinde ich eine Abneigung gegen den Umgang mit Menschen und spüre unwiderstehliches Verlangen, mich von meiner Umgebung abzusondern.
(August Strindberg. Aus meinem Leben.)



Gabriel Byrne, wir erinnern uns, Lord Byron, findet nach einigen großen und noch ein paar mehr eher schwachen Rollen zur reifen Spätform: In der neuen HBO-Serie In Treatment spielt er einen Psychiater, der sich selbst schmerzhaften Rat holen muß. Die Woche über trifft er sich mit seinen Patienten-Klienten, um sich am erschöpften Freitag von einer Kollegin selbst in die Mangel nehmen zu lassen. Da hört jemand zu, stellt Fragen, hört zu, es wird geredet, sonst passiert nichts - und das im Fernsehen? Was klingt wie ödes Pädagogen-TV (keine Action? keine Waffen? Sopranos ohne Mafia?) entwickelt durch ein erstaunlich spannendes Skript, gewitzte Dialoge und gute Darsteller rasch einen ziemlichen Sog. Nach der Reihe problembeladener Mafiosi, Anwälte, Ärzte, Serienmörder endet der Bogen nun bei Dr. Psycho selbst. Ich leg mich auf die Couch.

>>> Offizielle Webseite

Super 8 | von kid37 um 13:00h | 8 mal Zuspruch | Kondolieren | Link