Freitag, 16. Mai 2008


My eGoZentrik

Dass Webseiten wie MySpace, MyCoke und auch MySpass ihre Angebote im Netz mit dem Zusatz "My" verkaufen, verrät, was man in einer auf das Ich konzentrierten Gesellschaft als attraktiv und wichtig wahrnimmt: vor allem und erst einmal sich selbst. (Dirk von Gehlen in der Süddeutschen Zeitung, 10.5.)

Darüber kann man lamentieren, vielleicht Gegenbeispiele finden, auf Früher™ verweisen, auf andere Gesellschaftsformen, auf Utopien - und doch war es vielleicht seit den 70ern nie anders. Es wird nur alles immer lauter. MyGier wäre auch eine schöne, sogenannte "soziale" Plattform, MyGeiz ist wahrscheinlich schon vergeben. Gleich Urlaubern eines Südstranddomizils wirft man sein "Ich zuerst"-besticktes Handtuch auf alles, was sich nicht bewegt, will Habe, will iEgo im transparenten Design. Die Welt als MyLiegestuhl betrachtet. Von selbigem aus.

Vielleicht bleibt deshalb vieles so unberührt. Eine monotone Mühle, begleitet von einer Kirmesorgel, in die einst zuviel Bier geriet. Das Leben, ein Achselzucken. Wer zuerst weint, verliert. Klage? Nein, keine Klage. Wir sind ja alle dabei. Wie sagen Die Sterne? Du darfst nicht vergessen zu Essen.


 


Donnerstag, 15. Mai 2008



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| von kid37 um 14:45h | 27 mal Zuspruch | Kondolieren | Link

 


Mittwoch, 14. Mai 2008


Der Zorn eines Autors



Der Filmemacher Harald Bergmann, ehemaliger Student an der Hamburger HfBK, hat einen Schatz gehoben: Endlose Rollen Super-8-Filme und Tonbänder des früh verstorbenen Underground-Literaten Rolf Dieter Brinkmann hat er zu einem wilden Filmexperiment verdichtet. Schauspieler Eckhard Rhode wuchtet sich darin lippensynchron durch nachinszenierte Szenen, agiert zum Soundtrack eines exaltierten Misantrophen - deklamiert wilde Flüche in den Kölner Himmel hinein, seziert und dokumentiert sein privates und künstlerisches Leben, als sei er ein sich-selbst-entfugter Blogger, dem das Internet zu klein wurde. Brinkmanns Zorn ist - genau - zornig, zärtlich, ein kakophones Aufbegehren. Ist toll.

Am 12.6.2008 im WDR.

Super 8 | von kid37 um 17:15h | 4 mal Zuspruch | Kondolieren | Link

 


Dienstag, 13. Mai 2008


Alles für die Kunst

Die Vorstellung, früher in den Schlaf zu finden, wenn ich nur zahngeputzt und pyjamabewehrt abends vom Bett aus das Internet ansteuere, muß als eine irrige verworfen werden. Man surft nur etwas gemütlicher. Nicht weniger lange.


 


Montag, 12. Mai 2008


Picknick am Valentinstag Muttertag




11. Mai. Man kann den Möwen Schopenhauer deklamieren in der Ostsee baden. Und die Neigungsgruppe Rot & Käppchen hat das Geheimnis des Korbes gelüftet.

Ihr müßt auch mal mehr rausgehen.


 


Samstag, 10. Mai 2008


Die Sonne ist ein fröhliches Gift



Im Winter habe ich gerne Carnivale geschaut, eine großartige HBO-Serie voller mysteriösem Gedöns, barbusigen Tänzerinnen und Zirkusvolk. Gibt es demnächst auch in einer deutschen Synchronisation, unbedingt ansehen. Jetzt, wo das Wetter wechselt, bleibt man gerne beim C und wechselt zu Californication, wo David Duchovny ein wenig an seine Rolle in Trust The Man (natürlich nicht!) anknüpft. Wunderbar. Ich mag den Mann, seit ich vor Jahren mit der sehr schönen Frau™ immer Akte X sah. Wegen unseres gemeinsamen Interesse am Skurrilen, unseren Brillen und der Farbe unserer Haare sahen wir selber ein wenig so aus wie Mulder & Scully - leider gelang es uns nicht, einen Platz für den Look-a-like-Wettbewerb eines Fantreffens zu ergattern. Sonst jetzt Weltkarriere. Ach was sage ich, internationaler Durchbruch! Eine schöne Erinnerung, vor allem in Zeiten, da man die Wahrheit wieder irgendwo da draußen suchen muß. Oder in schlammbespritzten Heuschobern.



Viel verlockender aber, wir bleiben beim schönen Wetter, ist das Versprechen, das in diesem Korb wartet. Mein kleines Picknick. Nicht schauen, selber tun. Und dabei an Carnivale denken. Der nächste Herbst kommt bestimmt.


 


Freitag, 9. Mai 2008


Wenn Türen sich öffnen

Manchmal ist das Leben schon verrückt. Gerade wenn man denkt, es geht nicht mehr, alle Züge sind davongefahren und man selbst steht da, ratlos, einsam vielleicht und etwas verloren. An einer staubigen Bushaltestelle wie Cary Grant in Der unsichtbare Dritte - und man muß sogar noch vorsichtig sein, wenn man einem kleinen Flugzeug winkt. Mit einem freundlichen Hallo.

Und dann blitzen sie auf, die kleinen Momente, die zeigen, wozu vielleicht doch alles gut war, wie sich neue Möglichkeiten ergeben, wie alles zusammenpaßt auf schier unglaubliche und ungeahnte Weise. Baby, wenn du kommen möchtest, einfach reden vielleicht, schick mir eine Mail, die Adresse steht links. Hauptsache, du hast ein bißchen Interesse an mir und suchst nicht nur einen Platz, um dich auszuruhen. Wir gehen dann tanzen und können auch so Sachen machen. Ich bin da ganz offen.