
Montag, 25. Oktober 2004
Tod im Morgengrauen: Ein Exemplar der Gattung Sciurus vulgaris.
Man kann es nicht länger leugnen: Der Herbst ist da. Die Eichhörnchen fallen bereits von den Bäumen. Kindergarteneinsatztruppen schwärmen in bunten Gummistiefeln durch das Laub und sammeln in bestickten Brotbeuteln eine reiche Ernte. Zurück in den Basis-Camps ihrer Kindertagesstätten stecken sie mit kreativem Eifer Streichhölzer in die erstarrten Nager und basteln Räuchermännchen oder surrealistische Giraffen, um sie den erstaunten Erziehungsberechtigten und stolzgeschwellten Patchwork-Eltern zu präsentieren.
Im Rheinland war es am Wochenende ungefähr 23° C warm - und ich habe ohne Übertreibung drei fette Mücken erschlagen (zwei davon mit Graham Greene, Erzählungen). In Notwehr, denn ich zähle - ebenfalls ohne Übertreibung - ungefähr fünf Stiche an verschiedenen, hier aus Schicklichkeit nicht näher zu bezeichnenden Körperstellen.
Kurz gesagt, die Welt ist aus den Fugen.
Dennoch: Vergesst das Zähneputzen nicht.

Freitag, 22. Oktober 2004
"It ain’t over till the fat lady sings."
Die Kaltmamsell ist da einer großen Sache auf der Spur. Ist es denn normal, daß eine Lady nach einigen Jahren fett wird?

Donnerstag, 21. Oktober 2004
Damals, als ich gerade den Dave-Gahan-Tanz- wettbewerb zum zweiten Mal gewonnen hatte, faßte ich einen Entschluß.
Ich würde zunehmen, nur noch gute Musik hören und die Finger von bösen Frauen lassen. Egal in welcher Reihenfolge. Eigentlich wollte ich auch nur noch Kleidung von Dries Van Noten tragen. Aber dann habe ich das Preisgeld gleich in derselben Nacht mit einer schwerst- tätowierten Frau durchgebracht. Immerhin zeigte sie mir in einer stilleren Stunde, daß man mit ihrem Glöckchen-Piercing tatsächlich gute Musik machen konnte.
Seither habe ich aber etwas zugenommen und täglich bessere Musik gehört. Spiel, Trunk und Klimperaugen lasse ich standhaft links liegen. Und sei es einmal nicht so, nun, so rät der Philosoph, wovon man nicht sprechen kann, darüber muß man eben schweigen.
Manche halten mich deshalb gleich für einen Moralisten. Das ist natürlich Quatsch. Es stimmt, daß ich ein paar Mal eingeladen wurde, die Sonntagspredigt zu halten. Aber Fragen des sittlichen Benehmens und einer gewissen Etikette sind nun nicht unbedingt an rigide Moralvorstellungen gebunden. Chacun à son gôut, heißt es nicht umsonst. Und wer Milch predigt, aber Wein trinkt, den verlacht am Ende die Kuh.
Eines aber wollte ich nicht mehr sein: Blitzableiter. Bekannt für meine eigene große und quasi unerschütterliche emotionale Ausgeglichenheit ziehe ich nämlich die mit leichter bis mittelschwerer Energie aufgespannten Zickzack-Menschen an wie ein Kinderdrachen Blitze am Gewitterhimmel.
Die sagen dann, aber Herr Kid, Sie waren doch früher mal Messerwerfer im balinesischen Staatszirkus. Bitte, einmal nur die Nummer noch!
Naa, antworte ich. Das ist lange her. Und heute zu gefährlich. Die Messer bleiben hübsch im Schrank. Denn man muß wissen, wann seine Zeit abgelaufen ist. Nur sonntags noch, gleich nach dem Gottesdienst, lasse ich ab und an einmal die Scheibe kreisen. Dann stelle ich mir ein Glas Milch bereit mit nur einem winzigen Schuß von rotem Wein. Und manchmal, wirklich manchmal nur, mischt sich darin ein kleiner Tropfen Blut.

Mittwoch, 20. Oktober 2004
Während sich bei mir in den Referrern immer nur allerlei Dreck oder Unsinn sammelt (neulich noch: "Wie lerne ich meinem Kind das Flöten?" [sic!]), haben andere die wirklich großen Suchanfragen.
Gottesbeweise bitte an meine Mailadresse oder hier ins Blog, danke.
Ich sammel so was.

Mittwoch, 20. Oktober 2004
I wish I was special
But I'm a creep, I'm a weirdo.
(Radiohead, "Creep".)
Mail von einem fernen Planeten.
Du siehst nicht besonders aus.
Du kannst nichts besonderes.
Du bist nicht besonders im Bett.
Aber Du bist intensiv, das habe ich gemocht.
Gut. Ich halte mir jetzt ein Bolzenschußgerät an den Kopf.
Und dann geht es auf die Intensiv-Station. Haha.
Dort ist offensichtlich mein Zuhaus.
(Notiz an mich selbst: Im nächsten Leben unbedingt als Ork wiedergeboren werden.)
Gonna use my arms
Gonna use my legs
Gonna use my style
Gonna use my sidestep
Gonna use my fingers
Gonna use my, my, my imagination
’cause I gonna make you see
There’s nobody else here
No one like me
I’m special, so special
I gotta have some of your attention, give it to me
(The Pretenders, "Brass In Pocket".)

Montag, 18. Oktober 2004
Geschenke unter Freunden sind eine schöne Sache. Persönliche Geschenke sind noch toller. Je intimer und persönlicher ein solches Geschenk ist, umso bedeutsamer wird es sein.
Eine Geste, die Sehnsucht, Begehren, Anerkennung und vielleicht auch ein wenig augenzwinkernde, verschwörerische Verbundenheit demonstriert.
Vor allem verschwörerisch. Nicht jeder versteht das. Kate Winslet schon.
Mir würde das auch gefallen.

Freitag, 15. Oktober 2004
...and now for something completely different.
Geistert ja gerade durch die Blogs. Ich mach's aber nur, weil sonst niemand Nr. 115 angekreuzt hat. Vielleicht auch für die Mit-Stenographen interessant, die können ja eine Akte anlegen.
(Liste in den Kommentaren)
Via Kaltmamsell.

Als Ersatzspieler wollte ich nicht enden.
Da habe ich die Sportart gewechselt.
