Merz/Bow #56



Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub, und wer hier beim Lesen meines zehnteiligen Diaabends (oder auch längsten Besprechung von PJ Harveys Stories of the City, Stories of the Sea) schon ermüdet war, kann meine eigene Erschöpfung vielleicht nachvollziehen. Und meinen Wunsch, mich von psychischen, physischen und emotionalen Anstrengungen einfach nur in Rückenlage zu erholen - oder schnell noch eine andere Stadt zu besuchen.

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Doch von wegen, "first we take Manhattan, then we take Berlin". Da wurde wohl nichts draus. Erst konnte ich kein Bett nach meinem Geschmack finden, dann vergaß die Bahn, mir rechtzeitig eine neue Bahncard zu schicken. Und dann war das Wetter so merkürdig... wechselhaft. Hü, hott, wie ein unentschlossenes Pferd. Da soll man noch mitkommen. Vielleicht kann man eben auch nur so und so viele große Städte im Jahr sehen. Ich teile es mir ein, geduldig.

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Stattdessen habe ich neue Bücher erworben, etwas über Dead Girls gelesen, die Miniserie Mildred Pierce mit Kate Winslet mit wirklich nur ein paar unerheblichen Jahren Verspätung nachgeholt und mich mit den zauberhaft illustrierten Werken The Sick Rose und Crucial Interventions akribisch so weit medizinhistorisch fortgebildet, daß ich einfach mal mein frischgeschnittenes Herz in die Hand genommen und mich - denn just gelernt, ist alles gewußt - gleich um einen Job beworben habe. Immer weitermachen! Be of use!

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Das belgische Pärchen, das unter dem Namen Mothmeister firmiert, geistert schon länger durch Modestrecken, Magazine und Marginalien. Die Farben sind mir zwar meist zu weit aufgedreht, das Buch aber besser als erwartet. Begleitet werden die Fotos von blogtextartigen Erläuterungen, Notizen und Tagebucheinträgen, die angenehm zu lesen sind und nicht so akademisch steif daherkommen wie in vielen solcher Publikationen. Spannend sind Mothmeister ja besonders dann, wenn sie mit anderen Künstlern zusammenarbeiten, die ihnen obskure Masken, taxidermische Präparate oder herzige Tierpuppen zur Verfügung stellen. Vor allem die von mir sehr geschätzte Annie Montgomery.

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Zurück zur Musik. Max Sharam hat das Thema Mermaids, das hier offenbar in der Luft liegt und von Martin Badway sehr entspannt besungen wird, ebenfalls aufgegriffen und fürs Video ganz berückend animiert. Das berührt den inneren Oktopus in mir.

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Apropos Musikerinnen. Nachdem die in meiner Küche ab und an Süppchen kochen (also einmal), möchte ich diese bezaubernde Idee zu einem regelmäßigen Konzept für Funk und Fernsehen ausarbeiten. Unbedingt auf der Liste steht die Australierin Stella Mozgawa, die Schlagzeugerin von Warpaint, deren Geburtstagskonzert ich mal gesehen habe. Ich wette zwei Paar Drumsticks, daß die super Suppe kann. Und dann wirklich gerne Viv Albertine, die, jetzt schauen wir uns aber mit erstaunten Augen an, bekanntlich ebenfalls ursprünglich aus Australien stammt. Wer Spuren lesen kann, wird einen Traumpfad darin erkennen. Wer einen Löffel hat, wird satt.

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Ganz schön frauenlastig dieses Mal. Nicht, daß ich noch zum Bewunderer werde und mich hinter einer Plane verstecken muß.

MerzBow | 18:37h, von kid37 | Kondolieren | Link

 
samojede - Montag, 17. September 2018, 21:32
- Ich fange nach dem Urlaub immer Mitte der Woche wieder an, kommt mir sanfter vor. Andererseits auch Jacke wie Hose, nach 1-3 Tage ist man wieder drin in dem Sog.Such´ aktuell nach Lösungen | Strategien, um das nicht mehr zu haben. Fangen Sie auch diese Woche wieder an bzw sind angefangen? Wie ich. (romantisch)
- Rate Ihnen Berlin zu meiden. Schlecht fürs Karma. Meine Meinung.
- Wie, wars das jetzt mit NY?
- Stichwort frauenlastig: Denke mal Sie sind 1 Typ, wo besser mit Frau_en kann als mit Männer (menschlich )?

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kid37 - Montag, 17. September 2018, 21:51
Ich habe heute sozusagen nach "Hamburger Modell" wieder angefangen, weil ich nachmittags einen Termin hatte. Das war ein sanfter Einstieg. (Muß ich natürlich nacharbeiten, fragen Sie mich in III Tagen noch mal.) Von zwei Wochen Urlaub habe ich eine gebraucht, um den Erschöpfungszustand loszuwerden. Nächste Woche haben wir Stressseminar, danach kann ich doppelte Menge, ohne zu murren.
- Berlin ist ja irgendwie schon auch vertraut, aber auch kratzbürstig. Ist zwiespältig.
- Ich will ja nicht langweilen, nur weil ich jetzt einmal und quasi als letzter Mann in NYC war. Ich könnte natürlich noch erzählen, wie ich vorm Dakota stand und Yoko Ono zuwinkte.
- Über Männer weiß ich ja schon alles. Ein auserzähltes Geschlecht.

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samojede - Montag, 17. September 2018, 22:05
Ich glaube der Mensch ist für Deiche, Meer, Schafe + baumelnde Beine & Seelen gemacht, nicht für 40-50 Std Wochen. Oder Berlin.

Nee, bitte nix von Yoko,gut, aber ist ihr blog, müssense selbst... nur ich dachte ja, da kommt noch was mit | von Dylan, weil vielleicht hat er dort ja zeitgleich mit Ihnen einen kleinen Gang, Song oder Schabernack gemacht?! Aber vielleicht ist NY ihm auch..zu viel. Weiß man nicht.

.ahA

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kid37 - Montag, 17. September 2018, 22:29
Ich habe, aber zufällig, die Dylan-Tour durch Greenwich Village gemacht. Also Saxofonspielern im Washington Park zugehört, Bleecker Street natürlich usw. Derart inspiriert, habe ich mich mit Mitgliedern der ACLU unterhalten und die gute Sache unterstützt!

Das Chelsea Hotel war leider doof eingerüstet, sonst hätte ich das besser würdigen können. Auch in der Hinsicht war ich nicht gut vorbereitet, dabei ist alles kartografiert.

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kid37 - Montag, 17. September 2018, 22:36
(Haben Sie eigentlich mal über die Verbindung von John Frusciante und der von mir ein, zweimal erwähnten Band Warpaint nachgedacht?)

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samojede - Montag, 17. September 2018, 22:54
Zu Dylan & NY: ❣

Zu Frusciante & Warpaint: Aber selbstverständlich. Ich dachte, ich hätte hier auch schonmal meinen Senf dazu gegeben - sie haben Warpaint ja schon 1,2mal erwähnt, kann aber auf die Schnelle nix finden. Musikalisch passen die auf eine schräge Art gut mir Herr, F. zusammen, finde ich. Ich glaube, Herr F. war auch mal ~näher~ mit einer Dame der Band bekannt. Finde die Frauen von warpaint alle sehr schön und Herrn Frusciante auch - passt. Ebenso wie Frau Milla Jovovich, die ja auch mal Musik gemacht hat mit ihm (~u.a.~)

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kid37 - Montag, 17. September 2018, 23:34
Ich habe ja einen crush mit Stella Mozgawa. Also musikalisch. Würde gern mal mit der zusammenspielen, wenn ich es denn noch könnte. Wie man hört, haben - bis auf eine angeblich - die Frauen von Warpaint keine Starallüren. Also wie ich. Sehr sympathisch.

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samojede - Dienstag, 18. September 2018, 00:11
Die Drummer*innnen sind die unterschätztesten Musiker*innen überhaupt. Sind ja immer im Hintergrund .¹
Glaube, Sie haben grundsätzlich 1 kleine bis mittlere Schwäche für Musiker*innen und Frauen auf Bühnen, wo ein wenig wie sollmansagen *glitzern* . Wünsch Ihnen was.













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¹ siehe auch John William „Bill“ Stevenson♡ von Descendents bzw. ALL (Poet) Hab ich ja seit vielen Jahren einen crush mit (intellektuell)

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kid37 - Dienstag, 18. September 2018, 23:46
*Glitzern*? Das klingt jetzt aber nach Beyoncé. (Germanistikstudenten*innen aufgepaßt: 1. Erwähnung von Beyoncé im Hermetischen Café.) ich mag Leute, die lieben was sie tun und das gut tun. Bei Warpaint mag ich die musikalische Ernsthaftigkeit, die sind wirklich an ihrer Arbeit interessiert. Etwa, wenn Ms. Mozgawa ihr Spiel und ihre Instrumente erklärt. Bechdel-Test bestanden. Und wenn Sie sehen, was sie mit Drumsticks kann, ahnt man doch, daß sie auch gut Kuchen backen kann, wenn sie Bock drauf hat. Oder ich nett frage.

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samojede - Mittwoch, 19. September 2018, 19:30
Find ihre Antwort irgendwie verbissen und antworte daher auch so, weils mich ärgert (war jawohl nicht böse oder negativ gemeint mit Glitzer):
- Ich wüsste nicht, was es gegen Beyonce zu sagen gebe oder gäbe (die Germanisten können sich einen drauf runter holen, habe aber auch nix gegen diese, bevor das wieder kommt). Ich glaube, sie geht auch mit viel Leidenschaft ihrer Arbeit nach.
- Meine Ansicht nach und die ist Ihnen ja bekannt, gibt es wichtigere Qualitäten und Prioritäten als Suppe und Kuchen. Aber hier wiederhole ich mich ebenso wie sie. Is aber ja ihr blog. Kreis- & Hackendrehung.

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kid37 - Mittwoch, 19. September 2018, 20:11
Gegen die Künstlerin habe ich nichts, ich kenne die ja nicht. Musik und Show sind nicht so meins, und glittert die nicht immer so auf der Bühne und in ihren Videos? Darauf wollte ich ja hinaus: Ich mag dieses Aufgebrauste nicht, GROSSE SHOWTREPPE usw. Warpaint sieht man ja oft in so Schlurfklamotten, ist halt alles unaufgeregter. Und unaufgeregt ist oft eine super Sache. Es geht ja um die Geste. Wie bei Suppe oder Kuchen. Ich freu mich dann immer.

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samojede - Mittwoch, 19. September 2018, 20:51
Aha. Für mich hat sie als Künstlerin jedenfalls genauso viel Ernsthaftigkeit und Leidenschaft wie die warpaint Musikerinnen. Geschmack ist ein anderes Thema. Wie bei Kuchen & Suppe & so weiter. (Ich mag sie ja, aber ich mag auch zb Gwen Stefani & Alicia Keys. + Bill Stevenson, wo auch glitzert.)

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kid37 - Mittwoch, 19. September 2018, 23:33
Deswegen war sie ja auch die erste, die ich erwähnte. Kann es sein, daß da gerade ein schon ganz schön dicker Mond am Himmel steht? Nachgerade glitzert?
Wie so ein dicker Smörebröd-Suppenkoch? ;-)

Und Alice Keys habe ich hier ja vor ein paar Tagen erst verlinkt, aus naheliegenden Gründen.

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samojede - Donnerstag, 20. September 2018, 00:25
Finds alles 1 rhetorische Riesensauerei ( auch von Ihnen), aber muss jede® selbst wissen! Nacht.

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kid37 - Donnerstag, 20. September 2018, 12:34
Aus Sicht einer Suppe haben wir uns jetzt aber ganz schön was eingebrockt! Ich glaube, ich kann in diesem Zusammenhang mit dem Begriff Glitzern nichts anfangen. Auf der Ebene einer Beoyncé arbeiten alle hart, sonst schaffte man es nicht Das ist ja klar. Stella Mozgawa sagte oben, daß es ihrer Meinung nach nicht um "Technik" (also selbstgenügsamer Wixerei) geht und nicht um Eitelkeit und Ruhm. Wie sie aber begeistert ihren Werkzeugkasten öffnet und erklärt, wie ein Handwerker, das finde ich bemerkenswert. Darüber hätten wir in meiner ersten Funk- und Fernsehsendung "Ein Kuchen für Herrn Kid" wunderbar reden können.

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samojede - Donnerstag, 20. September 2018, 21:40
Denke, wir sollten zum Ende oder aufs Wetter (schön sonnig mit glitzernder Elbe heute) kommen wegen Verfransung, Verkettungen & Verfädelungen¹ . Will k e i n e n Stress . Außerdem kommen wir eh nicht auf 1 Nenner , egal wie lange wir hier in den Strang noch Wörter reinhämmern. Muss aber ja auch nicht.




______
¹ 💔<--Riss!

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kid37 - Freitag, 21. September 2018, 11:00
Alles gut. Ohne Kuchen lasse ich einfach nicht locker. Unterzuckerung!

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fidibus - Dienstag, 18. September 2018, 02:28
An der weltbekannten Fassade wird das Gedicht Gomringers weiter zu lesen sein - jedoch nur auf einer Platte im Sockelbereich. Das ist dann was für Bewunderer, die den Blick für die kleinen und feinen Dinge im Leben haben. ;-)

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kid37 - Dienstag, 18. September 2018, 23:52
Also eine Grabplatte, vor der man ehrerbietig den Kopf senken muß. Dann ist der Dorn im Fleisch ja gezogen. Mir ist da immer noch unbehaglich bei.

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fidibus - Mittwoch, 19. September 2018, 02:16
Neben der Edelstahlplatte mit dem Avenidas-Gedicht soll auch noch ein Kommentar von Gomringer zur Debatte angebracht werden.
Die Auseinandersetzung ist hochgeputscht worden, weil sich da ein paar Leute profilieren wollten. Den meisten Hellersdorfern ist es völlig schnuppe, was da an der Wand steht. Hab das Gedicht auch erst wahrgenommen, als die Diskussion losging; da stand halt ein spanischer Text, den ich mangels Fremdsprachenkenntnis nicht verstand. 'Avenidas' ist ja von 1951 und wurde schon zahlreich publiziert; es existiert also auch unabhängig von der Fassade. Deshalb weiß ich nicht, ob man bei der Umgestaltung der Wand von Kunstzerstörung sprechen kann. Sehe es mittlerweile pragmatisch: Kenne jetzt die Übersetzung; und es wurde mal öffentlich über Lyrik gesprochen. (Wohlgemerkt: Ich halte den Gomringer-Text nicht für sexistisch, und die Überpinselungsaktion ist doof.)

Unabhängig davon: Hab mir die Leseproben zu Ihren illustrierten Medizinbüchern angeschaut. Das rechte Werk fängt mit den Nähstichbildern in der Tat wie ein DIY-Arbeitsbuch an. Faszinierend, aber auch gruselig.

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kid37 - Mittwoch, 19. September 2018, 20:22
Nähen und Schneidern in der Medizin. Einmal Kreuzstich bitte. Ich wäre wohl ein schlechter Chirurg, weil ich zu einer gewissen Hemdsärmeligkeit neige. So stopfe ich dann auch oft meine Bekleidung. Immerhin nimmt die zeitliche Distanz ein wenig was vom Schrecken. Letztlich haben viele Illustrationen etwas Unwirkliches.

Zum Gedicht fällt mir auch nicht mehr viel ein. Auf Twitter las es sich ja zum Teil als hinge der gesellschaftliche Zusammenhalt davon ab. Oder diese Leute, die mit "ich analysiere das jetzt mal eben für euch, ich hab' das studiert" daherkamen. Peinlich. Auch hier hätte ich mir mehr Entspanntheit gewünscht, zumal ich denke, man muß manches eben auch aushalten können. Das ist Lebenswirklichkeit. Mich stört auch vieles "da draußen".

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fidibus - Mittwoch, 19. September 2018, 21:55
(Sie wären der Punk unter den Chirurgen. Bewunderer rissen sich darum, von Ihnen zusammengeflickt zu werden. Und es gäbe Fantreffen, auf denen man stolz kid37-Kreuzstichnähte präsentierte - alle super individuell, keine Naht gliche der anderen.)

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kid37 - Mittwoch, 19. September 2018, 23:34
Edward mit den Skalpellhänden!

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