Warmes Fest



Man muß bekanntlich an Wunder glauben, damit sie geschehen. Oder den Notdienst anrufen. In einer Welt, wo keiner verantwortlich ist, muß man mit Profis arbeiten. Pünktlich vor Weihnachten fiel nämlich die Heizung aus, das braucht kein Mensch, wie nach Stunden festzustellen war. Wie ein Weiser aus dem Morgenland aber erschien ein vom hellen Stern seiner Leitzentrale geführter Techniker an meiner Krippe und sang wie ein Engel auf dem Feld frohe Kunde: Mein Heizungsstrang stand unter einem Glücksstern und konnte wieder aufgedreht werden. O du Fröhliche! O du Warme.

Mit Ächzen und Stöhnen bebte das große Tier, dessen metallene Tentakelarme sich durch Decken und Wände des Hauses bohren, es gluckert und schringert, bis das heiße Blut in ihm die Heizkörper erreicht. Siehe da, die Maschine lebt! Den Menschen ein Wohlgefallen.

In Australien wird, man stelle sich das vor, Weihnachten schon einen halben Tag eher gefeiert. Ich nehme an, die haben danach noch viel zu tun oder Tiere zu versorgen. Auch fließt dort das Wasser in den Heizungssystemen andersherum, bei Joghurtkulturen bin ich mir nicht sicher. Ich aß an den Festtagen sehr gesund, denn die zuletzt noch spontan gekaufte Versorgungspackung Kleingebäck schmeckte derart abweisend, daß ich sie nicht einmal den Möwen vorm Haus anbieten wollte. Mir selbst dann auch nicht.

Aus den Ländern dieser Welt aber wunderbare Geschenke. Eine CD-Sammllung von Györgi Ligeti, hauptsächlich der Nachbarn wegen. Barbara Hannigan hat da einen sehr humorvollen Ansatz, falls jemand Neue Musik zu ernst findet. Eine Mahnung zur Briefkultur in einem Paket, das eine wahre Sterndeuter-Odyssee hinter sich hatte. Wenn die Boten die Schrift nicht lesen können, spricht der Gelehrte, sind die Wege wohl vergebens. Drum lerne! Lerne! Damit ein Licht aufgehe.

Dazu ist dieser wunderbare, mit Nut und Schiebedeckel gefertigte Holzkasten. Letztes Jahr brachte mir nämlich eine Freundin ein Demütigungsspiel namens "Quizduell" näher. Also, kurz gesagt, sie zockte mich ab. Diese für Mobilgeräte gedachte Kleinanwendung war für mich wohl einfach zu modern, entschied ich. Und bin nun ausgewichen auf dieses (immerhin bereits elektrifizierte!) Quizspiel mit Fragen und Antworten aus allen Lebensbereichen. Wenn man richtig liegt und die Drähte korrekt verbindet, geht ein Licht auf. Das ist wie Weihnachten.

Homestory | 13:49h, von kid37 | Kondolieren | Link

 
sid - Mittwoch, 27. Dezember 2017, 13:20
Alles Gute - zur Wärme außen und im Herzen und Weihnachten und sowieso... ach gleich 2018 (inkl. Gesundheit!!) auch!

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kid37 - Mittwoch, 27. Dezember 2017, 20:46
Oh, vielen Dank. Das ist ja ein ganzer, bunter Korb voller Wünsche. Die gebe ich gerne zurück. Und 2018 soll uns allen nur Gutes geschehen.

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zeilensturm - Donnerstag, 28. Dezember 2017, 13:43
Das Weichnachtsgleichnis von der Leitzentrale halte ich für sehr zeitgemäß und nachdenklich stimmend, samt warmblütigem Heizungskraken.
Es sollte nach meinem Dafürhalten die klassische Geschichte ersetzen, derer ich im diesjährigen Festgottesdienst endgültig überdrüssig wurde (ca. 25 Jahre nach Austritt aus der Kirche!).
Man fällt halt immer wieder auf den alten Zauber rein, aber jetzt ist der Moment für den Wechsel zu Leitzentrale und Heizungskraken definitiv gekommen. Ich könnte eine Festtagspredigt dazu aus dem Ärmel schütteln.
In diesem Sinne ein wärmeverwöhntes 2018 von Blog zu Blog!

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kid37 - Donnerstag, 28. Dezember 2017, 19:31
Oh. Kritik an der Festtagspredigt hat ja dieses Jahr große Wellen geschlagen und zum "Evangelium nach Ulf" geführt. Hätte man mich mal auf die Kanzel gelassen. Ich weiß doch, wie man Menschen rührt und ihnen Herz und Magen quetscht, bis der Kingelbeutel kommt.

Alles Gute für 2018!

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fritz_ - Donnerstag, 28. Dezember 2017, 16:24
Noch vertrackter ist die Zeitverschiebung!
Viele bei uns denken bei Weihnachten an den 24., weil es der Tag ist, an dem der Abend hängt, der vor der Weihnacht kommt weil da Oma das Geld für das neue Handy rüberwachsen lässt, während in Australien der Abwurf des I-Phones durch den Schornstein in die Socke bis zum 25. warten kann.

Es würde mich nicht wundern, wenn bei dieser schlechten Angewohnheit (und allen anderen) die lutherischen Ketzer ihre Finger drinhaben. Sodom! Und Gomorra!

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kid37 - Donnerstag, 28. Dezember 2017, 19:29
Und da durch den Schornstein nur das Telefon, nicht aber die Umverpackung paßt, folgt in den angelsächsischen Ländern am 26. der berühmte Boxing Day, an dem dann die Kartons überreicht werden. (Es erklärt auch die unverständliche Begeisterung für "unboxing videos" auf Youtube, so etwas kennen die ja normalerweise gar nicht.) Andere Kulturen haben so viele Überraschungen zu bieten!

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cabman - Sonntag, 31. Dezember 2017, 17:51
Erfreuliches 2018 Ihnen und möge die Macht mit Ihnen sein! Gruß von der anderen Seite der Stadt!

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kid37 - Montag, 1. Januar 2018, 01:38
Oh, das wünsche ich Ihnen aber auch. Ich war ja von 2017 bereits sehr angetan. Das war zum Teil ja schon ein Wunder, und das ist nicht einmal übertrieben. (Bin grad tipsy.) Entschuldigung, daß ich ein wenig abtrünnig war, aber ich war mit interkontinentalem Kulturaustausch beschäftigt und mußte quasi die innere Garderobe wechseln. Ganz erstaunlich, berichte ich gelegentlich mal. Ich hoffe auf ein tolles 2018 für uns alle.

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