Montag, 26. November 2012


Merz/Bow, #37

Hipster, dein Schwengel steht schief! Das habe ich ja noch nie gemacht gesehen. Kaffee mit 'ner Presskanne. Entschuldigung, einer französischen Presskanne. Entschuldigung, einer per Smartphone zeitüberwachten, dudelmusikunterlegten französischen Presskanne. Ein zelebriertes Ritual! Nicht etwa einfach so. Gleich mal ein Holzfällerhemd raussuchen. Für das simple living! Danke für diesen Film. Morgen dann: ein Brot selber schneiden.

#

Dazu paßt doch wunderbar dieses Tumblr-Blog: Kitchen Counters You could Fuck on. Mal Themen auf den Punkt bringen. Nicht immer dieser Sublimierungskack.

#

Ich gehe jetzt zurück in meine etwas unaufgeräumte Bibliothek. Ausmisten, umstellen, liegen bleiben. Erneut stelle ich fest, daß es in meiner CD-Sammlung etwa so ungeordnet zugeht wie im Kopf von Katie Jane Garside. Die dabei allerdings wesentlich besser aussieht.

#

Stillende Mütter können es auch übertreiben (denken bestimmt andere stillende Mütter bei sich). Natürlich Neid, ich könnte das in vielfältiger Hinsicht nicht.

#

Mimimi. Manchmal fragt man sich schon, oder? Ich meine, das geht auf keine Kuhhaut, auch wenn jedes Ding bekanntlich seine zwei Meinungen hat. Die eine.

#

Mimimi. Manchmal fragt man sich schon, oder? Ich meine, das geht auf keine Kuhhaut, auch wenn jedes Ding bekanntlich seine zwei Meinungen hat. Die andere.

#

Um mir die Fäden zu ziehen, kniet die Arzthelferin in so einer Art Gebetshaltung vor mir. Ich will einen lauen Witz machen, fühle mich aber unbehaglich. Einfach mal die Klappe halten. Sie dankt es mir mit einem extra Pflaster.

#

Ermüdend. Alles sehr ermüdend.

MerzBow | von kid37 um 13:37h | 30 mal Zuspruch | Kondolieren | Link

 


Mittwoch, 21. November 2012


Referrer Botschaften, Teil irgendwas

Einst eine beliebte Methode, kurze netztelegraphische Botschaften mit Hilfe einer Suchmaschine zu versenden, ist die Technik der anonym-klandestinen Nachrichtenübermittlung ein wenig in Vergessenheit geraten. Nicht immer ist auch sicher, daß man wirklich als Empfänger gemeint ist, andererseits, welchen Satz, der so durch den Netzäther schwirrt, ließe sich nicht passend machen. Vorausgesetzt, man führt ein blütenreiches Leben, gleich einem Garten, in dem Platz für die obskursten Pflanzen ist. Oder für eine Bank, auf der man stumm sein kann.

search request man schweigt am meisten bei der person der man eigentlich so viel sagen will

Das ist wohl so. Manchmal erschrocken, manchmal erbost. Manchmal erschöpft oder einfach gesättig, Schnauze voll, kraftlos. Oder eben aus verlorenem Mut, gehemmt, verzagt und zögernd. Ausgespielt, aufgewacht, abgebogen vielleicht in ein anderes Leben.

Wie bestellt zeigt Viktoria Sorochinski dazu eine Fotoserie auf ihrer Webseite. Momente von Schweigen, Stille, Sprachlosigkeit. Oder einfach nur Leere, ein angerostetes Leben kurz vor dem großen, langen Warten.


 


Samstag, 17. November 2012


Besinnung

Meine Ausdrucksimpulse schwanken
zwischen dem sehr verhaltenen Haiku, der
eine hochgespannte Situation zusammenfaßt, und
einer großen Wagenladung von Banalitäten.


(Roland Barthes, Fragmente einer
Sprache des Bloggens der Liebe.
)

Natürlich denke ich in der letzten Zeit über viele Dinge nach. So frage ich mich, ob der Erfinder des Pömpels jemals einen Friedensnobelpreis bekommen hat. Man darf vermuten, wie sehr so ein Gummidings in vielen WGs, Familien, aber auch Singlehaushalten die Wellen geglättet hat. Ein Instrument für Flow und Verständigung.

Über solche Dinge und andere also denke ich beispielsweise nach, wenn ich mit einer Tasse guten Kaffees am Fenster stehe, barfuß in einem eng abgezirkelten Fleck Sonnenlichts auf dem Holzfußboden, mein Körper in einer Art Marcus-Schenkenberg-Anmutung, und hinausschaue in den Hof (alles voll gelogen) , wo ein Liv-Tyler-Mädchen im Herbstlicht Flickflacks übt (halb gelogen).

Dergestalt sind meine erhabenen Tage, wenn man so will. Blau-braune Caféhausfetzen, the beautiful and sublime, filmkörnige Luft im Gegenlicht, Gesichter, ein paar Geräusche. Pausenzeiten. An anderen Tagen, wie in einem Rohr stecken, nicht in der Scheiße, aber schon in so einem Rohr, die Arme eng am Körper, auch Schenkenberg brächte die nicht auseinander, kein vor, kein zurück, kein Pömpel brächte hier noch was in Bewegung.

Der Arzt heute, während er den Schnitt von der Biopsie vernähte, fabuliert an einer Theorie. Ich sage, ich glaube das nicht. Sagt ihr Kollege Dr. House auch immer, so hörte ich. Das sei es nicht. Das sei zu kompliziert gedacht. Ich hingegen glaube, man muß nur einen Pömpel erfinden, so etwas ganz einfaches. Für Flow und Verständigung. Der Arzt hat nicht hingehört, er spricht mit der Assistentin. Den Wein für ihren Mann, sagt er, den bringe ich nächste Woche mit. Ein ganz edler Tropfen. Ich hätte gern nur einen Tropfen auf die Stirn. Sage ich.


 


Mittwoch, 14. November 2012


"Das ist voll schlimm das haben die früher gezeigt bekommen"

So war die Kindheit. Selten nämlich wurden Meisterwerke der Schwarzen Pädagogik, die Gute-Nacht-und-Bitterlaune-Geschichten amüsanter inszeniert. Der Struwwelpeter, ein Klassiker an Maximen und Vademecum praktischer Lebensregeln ist eben auch ein Jahrmarkt der Groteske. Hier die schröckliche Moritat vom Daumenlutscher, nur für den Fall, daß sich jemand fragt, warum ich neuerdings so langsam tippe. Hübscher noch als meine sind allerdings die dortigen Kommentare. Ein Wackeln der Weltbetrachtung.


 


Samstag, 10. November 2012


Laternenumzug



November ist die Zeit der vielen Laternenumzüge. Leider werden die im kulturfernen Hamburg selten dem Gedenken an St. Martin wegen veranstaltet, es ist mehr so ein Event um des Events willen, organisiert von Parteien oder der örtlichen Sparkasse. Schön, wenn denn also mal ein solcher Umzug im Sinne von Solidarität stattfindet, gelebtes Mantelteilen und Zeichen setzen. Als Abgesandter der Renitenten Rentner Hamburg (Sektionsgruppe Ost) gesellte ich mich zu den anderen knapp 37.000 Hamburgern und Hamburgerinnen (eigene Zählung), die vom Hauptbahnhof Richtung Hafenstraße zogen, um Politik und Gesellschaft das Motto Mietenwahnsinn stoppen zu überbringen. Der Protest gegen die bedrohliche Entwicklung zieht sich mittlerweile quer durch alle Bevölkerungsgruppen in einer Stadt, die lieber Tanzende Türme und Ikeas bauen läßt als bezahlbare Wohnungen.

Gar nicht mal überraschend daher auch die Solidarität der Polizei, die den Demonstrationszug in Hundertschaften links und rechts begleitete und blaue Laternen leuchten ließ. Denn auch von einem normalen Polizistengehalt läßt sich Wohnraum in Hamburg kaum noch finanzieren.

Ob sie mitsummten? Vom ersten Wagen schallten die Evergreens von TonSteineScherben, viele aus der textsicheren Menge sangen mit, herzwärmende Folklore, während in der Volksküche unten an der Hafenstraße die Gaskocher bereits die Suppen erhitzten. Es brodelt was in dieser Stadt, und jetzt ahnt man auch, warum ich letzte Woche das Kilometergehen trainierte, ganz getreu unserem alten Familienmotto Be prepared!. Beim nächsten Mal kann ich vielleicht sogar schon wieder Flugblätter verteilen. Oder lauter singen.


 


Dienstag, 6. November 2012


Wohnen am Wasser



Das geht hier ja so: Alter Baubestand (und nicht nur der) in öffentlichem Besitz wird jahrelang sich selbst und den Vögeln überlassen, dann heißt es, oh, kaputt, müssen wir weghauen. So lange die alten Kapitänshäuschen in Oevelgönne stehenbleiben, schiet egol, der Rest kann weg. Im Nachbarviertel kamen letzte Woche engagierte Bürger in einer alten, leerstehenden Villa in städtischem Besitz zu Besuch, Tag des offenen Denkmals zu feiern. Aber irgendjemand hatte sich durch die Zeitumstellung im Kalender vertan, die Besucher vielleicht oder die Polizei, möglicherweise also war gar nicht Tag des offenen Denkmals. Immerhin aber kamen abends noch zwei Hundertschaften aus Sorge um die engagierten Bürger - denn wer weiß, wie man aus den wenig erschlossenen Gebieten im Osten Hamburgs abends wieder nach Hause kommt. Diese Stadt läßt einen nicht allein.

Ich kannte diese Villa zuvor gar nicht, sovieles, auch in uns, steht dieser Tage still und starr wie gefrorene Seen. Daher versuchte ich am Wochenende, weitere vergessene Objekte zu finden. Wie diese kleinen Backsteinschlößchen im schicken Industriecharme, die mitten im und am Wasser vor sich hinrotten. Wunderbare Studentenbuden könnten das sein: Lofts mit 8 qm Größe, idyllisch am Wasser gelegen, Wasaland mit Anleger, gleich nebenan ein Café und Toiletten. Ein gewisse Sanierungsrückstand muß eingeräumt werden, aber junge Leute sind oft erstaunlich begabt und engagiert und für Projekte zu begeistern. Spätestens die Ansichtskarten, die sie von dort in ihre Netzwerke schicken, werden die Kommilitonen in Neid versetzen und die Tanten im Ländle entzücken.

Ich habe alles kartographiert und dabei die eigene Reichweite vermessen. Acht Kilometer, dann ist ein Bänkchen ganz schön. Zum Entzücken genügt das nicht. Man muß dabei aber unverdrossen murmeln: Immerhin!


 


Freitag, 2. November 2012


Heiligenbildchen


Foto von Frank Egel

Und jetzt alle mal so: Ooooh! ♥♥Dolly Duschenka♥♥ für den Nachttisch. Dürft ihr mal schauen, aber nicht alles weggucken. Und nicht anfassen! So was bekommt man zum Geburtstag, wenn man das ganze Jahr brav war - und Freunde hat! Jetzt kann ich zur Nachtzeit jeden überstandenen Kampf Tag dem hl. Nummerngirl beichten, ein Fürbittgebet abringen, anschließend beseelt die Äuglein schließen und einem ruhigen Schlaf entgegendämmern.

Ausklang der Ruhewoche, die Nachrichtenlage gemischt, man hält den Kopf besser unten, steckt die Nase ins Buch. Ohne Karte langsam nach vorne tasten. Wer weiß, wo man rauskommt.