Montag, 11. Juni 2012


Merz/Bow, #33

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Ja.

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Moonrise Kingdom. Nach langem wieder im Kino gewesen. Nicht geweint. Bildhübsch erzählte, nostalgische Geschichte über erste Liebe und Selbstbehauptung. Wes Anderson ist mittlerweile der John Irving des Films. Wiederkehrende Motive, surreale Momente, brutale Unschuld, verschrobene Familien, der Kampf fürs schräge Ich. Tilda Swinton ("Jugendamt!") die Eiskönigin, Bruce Willis immer wieder faszinierend abseits seiner Actionrollen, Murray und McDormand als Wiedergänger von Spencer/Hepburn in "Ehekrieg", zwei Anwälte mit lebensdurchdringendem Berufsethos. Viel Americana, Neue Welt, Frontier, Pocahontas, David Crockett-Mützen. Harvey Keitel als Boyscout-Chef muß man gesehen haben. Zart die Initationsszene, als der kleine Sam seiner Liebsten Suzy (im melancholischen YéYé-Girl-Look) die Ohrlöcher durchsticht. Klug auch Andersons Entscheidung, nicht in die Retrofalle zu tappen und seinen Sixties-Film mit Popmusik aus der Zeit auszutapezieren. So ein schöner Film.

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Anschließend bis zum Auskehren in der Weltbühne gesessen. Viel gelacht. Noch.

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Herr Krüger präsentiert bei Feinkunst Krüger die Gruppenausstellung Unter Butter. Die große Margarine-Verschwörung in teils abstrakten, dann sehr anschaulichen Positionen. Kurz überlegt, das Gemälde eines Butterbrotes anzukaufen. Wieder viel gelacht. Jedenfalls bis ich anfing, Fragezeichen einzustreuen. (bis 30.6.)

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Mit der neuen Radtasche (bitte beachten) zur Hafentour. Seit einer Woche schmerzfrei, dafür aber Symptome, die man als Vulkanier sicher faszinierend findet, auf Erden aber für den Sprachgebrauch unsichtbar bleiben. Ich selbst bin mir gegenüber unbefangen, mümmel ein Pausenbrot gegenüber der großen Bauruine, schaue einem Mann im rosa Hemd zu, der mit einem Dessousmodel und einem SUV aus dem Speckgürtel der Stadt herangefahren war, Bildnisse unter rostigen Kränen anzufertigen. Da er keinen Aufheller benutzt, kann ich ihm jetzt schon sagen, daß man vom Ergebnis als einen gewissen Butterbrotbelag wird reden müssen.

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Beim Versuch, einen urbanen Explorationszugang zu einem alten Eisenbahngelände im hiesigen Williamsburg zu finden, in einer Art Ken-Loach-Sozialtristesse gelandet. Wohnsiedlungspanoramen vor dunkelgetupften Himmel.

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Abends Essen zu Amália Rodrigues. Ich habe die CD nach dem 0:1 noch nicht gewechselt. Ich summe ein bißchen mit, es paßt schon.

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Nein.

MerzBow | von kid37 um 00:37h | 11 mal Zuspruch | Kondolieren | Link

 


Samstag, 9. Juni 2012


Kompositions/versuche

So etwas liegt ja immer an einer Vielzahl von Gründen, und man muß diese nicht immer bei sich selber suchen, zu benennende Fehler, die einem grundsätzlich oder im Besonderen unterlaufen sind oder sein mögen, denn manchmal sind die Dinge so wie sie sind, sagt man, die Spannungsverhältnisse, die Bezugsverhältnisse, die inneren Verhältnisse und nicht zuletzt, da müssen alle ehrlich sein, auch die äußeren Verhältnisse, die aus kleinsten Nuancen heraus, Ticks, Gesten, falschem Farbauftrag oder einem ungelenk plazierten Tremolo die Waagschale, das Pendel, einen ganzen Glockenturm zum Schwingen, Klingen und Singen bringen können. Zum Schringen, Kringen, Zerspringen respektive. #enttäuschung


 


Donnerstag, 7. Juni 2012


Walking down Memory Lane

Derzeit schaue ich ja noch einmal alle Folgen der US-amerikanischen TV-Romcom Akte-X (dazu später mehr). Nach 22.00 Uhr gerne auch die Sexy-Scully-Episoden, man muß bei diesen Verschwörungsfilmen ja alles aus ganz unterschiedlichen Perspektiven betrachten, um der Wahrheit, die ja irgendwo da draußen liegt, ein Stück näher auf die Haut zu rücken.

Viele Menschen, mit den Fallstricken moderner Ermittlungsarbeit nicht vertraut, haben ja völlig falsche Vorstellungen von dieser Serie. Da ist vorurteilsgeprägt von "Aliens" die Rede, manche halten Akte X gar für eine Ufo-Serie, oder für eine, die sich mit unwahrscheinlichen Dingen beschäftigt, dabei ist es doch nur eine metapherngetriebene ganz große Love Story über zwei Menschen, die sich wie die meisten Paare auf der Arbeit treffen und fast zu spät erkennen oder es nicht wahrhaben wollen, wie sehr die Wahrheit, die sie vorgeben zu suchen, mit ihren Gefühlen füreinander zu tun hat. Besonders hübsch sind in diesem vorehelichen Entsagungsreigen insbesondere die Episoden, in denen wechselseitig die Eifersucht kocht oder sich hinter grimmigen Seufzen oder genervten Augenrollen versteckt. In "War of the Coprophages" arbeitet Special Agent Mulder plötzlich auffällig eng mit der entfernt an Lara Croft erinnernden Zoologin Dr. Bambi Berenbaum (Scully: "Her name is Bambi?!?") zusammen, was für Special Agent Dana Scully eine gewisse emotionale Herausforderung darstellt. In der Folge "Bad Blood" hingegen ist sie selbst wiederum ganz entzückt von einem Hillbilly-Cop (zu Mulders sarkastischem Vergnügen). Schlimmer hingegen Scully Tauchgang in ihre dunkle Seite, als sie, über Mulder ergrimmt, sich tätowieren läßt und die Nacht bei einem Psychopathen verbringt. Das ist die Folge, bei der man schreiend in den Bildschirm greifen möchte, aber Frauen, insbesondere diese rothaarigen, haben ihren eigenen Kopf.

Die unterschwellige Erotik dieser Serie zeigt sich in Momenten, wie dem, als Scully sich nachts besorgt ins Zimmer von Mulder schleicht, um ihm eine merkwürdige kleine Bißwunde auf ihrem Rücken zu zeigen. Wir kennen diese zaghaft intimen Augenblicke, da man als frisch verliebtes Paar sich gegenseitig die Wunden und Narben und Kratzer zeigt, Hockeyverletzungen oder die Stelle, die vom Fahrradsturz blieb. Das Entzücken über dieses Traumpaar neuerer TV-Kultur, das sich unter anderem in Geheimaktenordnern zu zählenden Mengen von Fanvideos beweist, mag also projektionsgetrieben sein oder erinnerungsgesteuert. Es ist in Wahrheit ein mitreißendes, Mamma Mia!, ein Musical über etwas, das - endlich, endlich einmal in dieser Welt, unkaputtbar bleibt.

Super 8 | von kid37 um 15:10h | 2 mal Zuspruch | Kondolieren | Link

 


Mittwoch, 6. Juni 2012


Geschichten, die mir Google erzählt

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search request kunst mit toten tieren


 


Freitag, 1. Juni 2012


Girls That Dance

Also, die Geschichte geht so. Da ist diese Tochter, 14 oder 15, die nervt den halben Tag. Tochter steppt oder "cloggt", ich kenne mich mit den Feinheiten nicht aus, jedenfalls trägt sie keine Gummistiefel, es kann also nichts Irisches sein. Sie nervt also rum, sie ist 14 oder 15, meine Güte, und am Ende sagt der Vater, gut, damit Ruhe ist. Und er legt ein paar alte Spanplatten raus in den Hinterhof und kann nun gemeinsam mit der Mutter und dem Esel und dem Hund und dem Huhn und auch der Katze von der Terrasse aus zusehen, wie Tochter zu Hits wie "Folsom Prison Blues" oder "Mad World" oder Love Song von The Cure oder zu Siouxsie and the Banshees oder Oingo Boingo steppt oder cloggt, ich kenne mich mit den Feinheiten nicht aus. Vater hat natürlich keine Ruhe, den ganzen Tag das Geklöppel im Hinterhof und nun muß er auch noch die Kamera halten, weil die Tochter ein Internetstar geworden ist und regelmäßig bei der Firma Youtube auftritt. Es sind nämlich oft die Hinterhöfe, in denen wahre Kunst gemacht wird. (Oder Garagenauffahrten, wir erinnern uns an Groovy Girl, wo man als Vater wahrscheinlich auch denkt, Himmel, da tanzt meine bekloppte Tochter mit ihrer dämlichen Strickmütze wieder in der Garagenauffahrt, hoffentlich sehen es die Nachbarn nicht - und ist heimlich natürlich doch stolz.)

Dieser Beitrag ist für Isa, die ja nicht nur vom steppenden Fach ist und ihr Blog gerade so hübsch aufgefrischt hat.

>>> Rockerclogger, All Shook Up.

Radau | von kid37 um 13:01h | 15 mal Zuspruch | Kondolieren | Link

 


Mittwoch, 30. Mai 2012


Oh wie öd sind Land und Herzen



Hamburger sollen bitte nicht weiter über das "drohende Clubsterben" lamentieren. Den Verfall der Live-Kultur, dem Wegfall kleiner Bühnen. Leute, dann müßt ihr aber auch mal hingehen, müßt ihr. So blieb es an mir, sich gestern vielfach bei den Damen und dem Herrn Künstlern zu entschuldigen, die extra aus Frankreich sich mit ihrem kleinen Schiff auf den Weg machten, um vor gestandenen Hanseaten ihre lieblich versponnen Sirenenweisen zu singen.

Kurzzeitig fürchtete ich, daß Konzert von Ödland fände vor nur zwei zahlenden Zuschauern statt, glücklicherweise kamen aber doch noch eine Handvoll weiterer Leute die ich mit Peitschenhieben in den Laden trieb, die einen unvergeßlichen Abend erlebten. Der Rest von euch, Guten Morgen!, kann sich das dann nächstes Jahr auf Kampnagel anschauen, aber nicht mehr im beschaulichen Wohnzimmer der Astra Stube. So blieb Zeit für ausführliche Plauderei mit der Band. Sängerin Alizée spricht hervorragend Deutsch, meine charmante Begleitung überraschte mich mit ihrem ausgezeichneten Französisch, ich tat gewohnt weltklug und so entsponn sich eine muntere Unterhaltung über le dies und la das, nach deren Ende ich mehr wußte als vorher. Auch das habt ihr verpaßt.

Der kammermusikalische Vortrag war entzückend, um Lorenzo Papaces Klavierspiel, das den Laden sozusagen zusammenhielt, wanderten Geigenklänge, diverse Spielzeuginstrumente, eine Schreibmaschine und eine singende Säge - und eben der stoisch-dramatische Gesang von Alizée Bingöllü ("Wir lieben Umlaute"). Einen ungefähren Eindruck gibt es hier. Gestern war es aber noch toller, schließlich war ich dabei.

Anschließend ließ ich mir wie ein nervöser kleiner Junge von der Band meine CD vollmalen. Ich war aber ganz locker dabei.

Hier noch mal alle Tourdaten. Berlin und Wuppertal zum Beispiel stehen noch aus. Macht euch nicht unglücklich, geht lieber alle hin.

Radau | von kid37 um 15:58h | 9 mal Zuspruch | Kondolieren | Link

 


Dienstag, 29. Mai 2012


W wie Wasser



Heute dann nur 32 Km, aber die fuhren sich dafür wie von selbst. Diesmal quer durch ein anderes Naturschutzgebiet, rumpelige Feldwege, dann über die Brücke zum Olympiastützpunkt, Füße ins Wasser halten, Kanuten beobachten, Bauchplatscher, vom Liegetuch nebenan rollt Adele herüber. Was fehlt, ist ein Picknickkorb.

Ein bißchen träge in der Sonne liegen. Eine Schwimmerin macht Übungen. Als ich jünger war, habe ich sportliche Frauen durchaus auch mit einem erotischen Interesse betrachtet. Jetzt von der Ersatzbank aus ist es mehr der Neid auf diese verdammt unbekümmerte Gesundheit. Was die alles wie selbstverständlich machen können. Neues Ziel: wieder so in Form kommen. Den Sommer in der Stadt bändigen.

Abends ein paar Gedanken verfertigen, im neuen Buch von Miranda July blättern. Auf dem Kanal ziehen zwei Entenfamilien ihre Kreise. Die eine hat drei bereits etwas älteren Nachwuchs, die andere sechs Küken, die wie am Faden aufgereiht zwischen Mutter und Vater eilig übers Wasser paddeln.

Ein einfaches Essen. Aus dem geöffneten Küchenfenster nebenan weht heiterer Fado herüber. Amália Rodrigues. Irgendwas von Einsamkeit.