Merz/Bow, #33

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Ja.

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Moonrise Kingdom. Nach langem wieder im Kino gewesen. Nicht geweint. Bildhübsch erzählte, nostalgische Geschichte über erste Liebe und Selbstbehauptung. Wes Anderson ist mittlerweile der John Irving des Films. Wiederkehrende Motive, surreale Momente, brutale Unschuld, verschrobene Familien, der Kampf fürs schräge Ich. Tilda Swinton ("Jugendamt!") die Eiskönigin, Bruce Willis immer wieder faszinierend abseits seiner Actionrollen, Murray und McDormand als Wiedergänger von Spencer/Hepburn in "Ehekrieg", zwei Anwälte mit lebensdurchdringendem Berufsethos. Viel Americana, Neue Welt, Frontier, Pocahontas, David Crockett-Mützen. Harvey Keitel als Boyscout-Chef muß man gesehen haben. Zart die Initationsszene, als der kleine Sam seiner Liebsten Suzy (im melancholischen YéYé-Girl-Look) die Ohrlöcher durchsticht. Klug auch Andersons Entscheidung, nicht in die Retrofalle zu tappen und seinen Sixties-Film mit Popmusik aus der Zeit auszutapezieren. So ein schöner Film.

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Anschließend bis zum Auskehren in der Weltbühne gesessen. Viel gelacht. Noch.

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Herr Krüger präsentiert bei Feinkunst Krüger die Gruppenausstellung Unter Butter. Die große Margarine-Verschwörung in teils abstrakten, dann sehr anschaulichen Positionen. Kurz überlegt, das Gemälde eines Butterbrotes anzukaufen. Wieder viel gelacht. Jedenfalls bis ich anfing, Fragezeichen einzustreuen. (bis 30.6.)

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Mit der neuen Radtasche (bitte beachten) zur Hafentour. Seit einer Woche schmerzfrei, dafür aber Symptome, die man als Vulkanier sicher faszinierend findet, auf Erden aber für den Sprachgebrauch unsichtbar bleiben. Ich selbst bin mir gegenüber unbefangen, mümmel ein Pausenbrot gegenüber der großen Bauruine, schaue einem Mann im rosa Hemd zu, der mit einem Dessousmodel und einem SUV aus dem Speckgürtel der Stadt herangefahren war, Bildnisse unter rostigen Kränen anzufertigen. Da er keinen Aufheller benutzt, kann ich ihm jetzt schon sagen, daß man vom Ergebnis als einen gewissen Butterbrotbelag wird reden müssen.

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Beim Versuch, einen urbanen Explorationszugang zu einem alten Eisenbahngelände im hiesigen Williamsburg zu finden, in einer Art Ken-Loach-Sozialtristesse gelandet. Wohnsiedlungspanoramen vor dunkelgetupften Himmel.

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Abends Essen zu Amália Rodrigues. Ich habe die CD nach dem 0:1 noch nicht gewechselt. Ich summe ein bißchen mit, es paßt schon.

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Nein.

MerzBow | 22:37h, von kid37 | Kondolieren | Link

 
modeste - Sonntag, 10. Juni 2012, 23:15
Ach, den möchte ich noch sehen. Vielleicht nächste Woche.

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kid37 - Montag, 11. Juni 2012, 11:29
Unbedingt machen, der zeigt, was Kino aus ganz simplen Dingen mit Herz machen kann.

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kopffuessler - Mittwoch, 13. Juni 2012, 20:37
Ja, unbedingt. Ich war mit Frau Casino drin und würde am liebsten den Sommer in der Bucht verbringen, in der die beiden ihr Lager aufgestellt hatten.

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ana - Montag, 11. Juni 2012, 09:38
Schön zu lesen, dass Sie zumindest wieder schmerzfrei sind. Hoffentlich bleibt das nun so.

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kid37 - Montag, 11. Juni 2012, 11:30
Schön wär's, aber das Prognostizieren habe ich mir abgewöhnt.

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kaltmamsell - Montag, 11. Juni 2012, 13:58
Ach, hätte ich das doch schon gestern gewusst. Dann hätte ich mir den statt My Week With Marilyn (meeh) angesehen.

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kid37 - Montag, 11. Juni 2012, 22:45
Ich hoffe, der läuft noch länger. Ich war wirklich sehr angetan.

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the thilo - Montag, 11. Juni 2012, 18:02
Herr Kid, ganz ehrlich...
Der Vollbart steht Ihnen nicht.
Und wo ist denn die Brille geblieben?

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kid37 - Montag, 11. Juni 2012, 22:47
Ich dachte, so ohne Brille wirke ich jünger. Aber dann war wohl wirklich was mit dem Bart nicht in Ordnung. Der verriet meine innere Disposition.

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mark793 - Montag, 11. Juni 2012, 18:34
Ah, eine Radtasche!
Damit kann Ihr fliegender Holländer natürlich ganz andere Nutzlast-Tonnagen rumschippern als unsereins mit dem Rucksack auf dem Buckel. Wobei ich für Sir Walter sogar einen Gepäckträger im Keller habe, für alle Fälle.

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kid37 - Montag, 11. Juni 2012, 22:52
Sehr aufmerksam!


Meine Ska-Fahrradtasche ist leider kaputtgegangen, deshalb mußte eine neue her. Ich habe ja immer viel Gepüngel dabei: ein Butterbrot, eine Wasserflasche, eine Notjacke, ein Stadtplan, eine Picknickdecke, ein kleiner Grill, ein Badeboot, ein Biwakzelt (für zwei Personen, falls man mal wen trifft), ein transportabler Plattenspieler (mit Batterien), ein Fernglas, Badelatschen, ein Geodreieck, zwei, drei Bücher zur Auswahl, Kompaß, Noten zum Mitsingen, ein Reisewecker, Heftpflaster und Ersatzventile, Brotbackmischung, Streichhölzer. Da kommt schon was zusammen.

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