Rückspiegel



Man müßte das mal rückblickend zusammenstellen. Die Art, wie sich Farben in den Jahren verändern. Herbstmode dieses Jahr ist offenbar so ein Graublau- oder wie die Modeexperten sagen: ein Blaugrauton. Kontrastiert durch signalfarbene (und vielleicht auch richtungsweisende) Rotweiß-Akzente. Sehr schmackhaft übrigens.

Weitere Schnittmenge: Tiere. Norbert Scheuers Winterbienen war mir bei Erscheinen natürlich aufgefallen, aber die letzten Erfahrungen mit zeitgenössischer deutscher Literatur haben mich zögern lassen. Jetzt, wo das Buch ins Haus gesummt kam, muß ich sagen: Der Auftakt ist überraschend einnehmend. Seine Geschichte und sein Thema einkreisend wie ein Schwänzeltanz. Details werde ich einfühlend bei Brehm nachschlagen, der knochentrocken festhält: "Alle Schweine der Erde ähneln sich in ihrem Leibesbau und Wesen". (Die Illustrationen der sehr schönen Ausgabe vom Duden-Verlag sind ebenfalls eine Wucht.)

Man muß den Dingen ins Gesicht und dem Energiefluß in die Steckdosennase sehen. Die letzten Woche bescherten Formulare, Zahlen, Rechenmodelle, Termine und Gespräche, ein Summen wie im Bienenstock. Während ich über einen Urlaub nachdenke, erreichen mich Karten aus anderen Zeiten und Ländern. England nämlich. Vielleicht sollte ich die Chance nutzen, solange es noch einfach ist.

Mittlerweile, ganz anderes Thema, bin ich in der achten Staffel von Murdoch Mysteries angekommen. Nach der noch etwas steifen (und viel zu indianerstark geschminkten) ersten Staffel, hat sich die Serie wie so viele ab der zweiten freigespielt, ab der fünften wird amüsierend locker mit dem mittlerweile erreichten Kultstatus (also im Heimatland Kanada) gespielt. (So gibt es eine selbstironische Folge über den "Murdoch Appreciation Club", wo eine Gruppe Fanboys und -girls einen Mordfall konstruiert, um ihr Idol aus nächster Nähe bei der Ermittlungsarbeit beobachten zu können.) Gesellschaftliche Veränderungen um 1900, wie der Kampf um Frauenrechte, spielen ebenfalls mehr und mehr eine Rolle. Hübsch sind die vielen Anspielungen (gerade habe ich eine Folge gesehen, in der Murdoch als eine Art "Indiana Jones" in den "Tempel des Todes" muß.) Der große Kniff der Serie, den anachronistischen Blick auf die Technikgeschichte, der mal vor- oder auch zurückdeutet, ist nach wie vor der größte Spaß. Murdochs Basteleien und Erfindungen (zwischendurch hat er auch ma eben eine Gangschaltung adaptiert, um an einem Radrennen teilzunehmen - nicht des Rennens wegen,, sondern als "Proof of Concept") sind immer noch teils irrwitzige Beispiele der Entwicklung in der Foresnik: So entwickelt er die von ihm erfundene automatische Kamera mit einem kleinen Ballon zur Drohne weiter, um Luftaufnahmen machen zu können. Letztlich alles ein milder Humor für erschöpfte Menschen, die sich nach einem harten Tag auf Twitter nicht mehr aufregen wollen.

Homestory | 20:33h, von kid37 | Kondolieren | Link

 
fidibus - Donnerstag, 7. November 2019, 23:22
Finde es schön, dass Sie mit Ihrem Fotoapparat nicht nur hübsche Tiere, sondern auch ein Bündel Sonnenstrahlen einfingen.

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kid37 - Freitag, 8. November 2019, 01:01
Es gelang mir, über ein komplex konstruiertes System aus kleinen Spiegeln, Lupen und Ablenkeinheiten einen Teil meiner strahlenden Zukunft einzufangen.

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cabman - Freitag, 8. November 2019, 16:44
Darf man indianerstark so ohne Weiteres schreiben? ;-)

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kid37 - Freitag, 8. November 2019, 17:26
Ich dachte, ich probier's mal. Liest ja eh keiner mehr Blogs. "Indigengeschminkt" klang auch blöd, "Native-Canadian stark geschminkt"? Und überhaupt, kann der Mann nicht geschminkt sein, wie er will? Meinetwegen wie ein Regenbogen? Der ist schließlich schwer katholisch und sonst ein wenig bieder, also herausgefordert genug. Kurz: Ich weiß auch nicht, was da in mich gefahren ist.

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samojede - Samstag, 9. November 2019, 11:52
Bin s e h r froh, dass Blogs nicht mehr gelesen werden. Auch und gerade nicht mehr von Bloggern. Beste Zeit.
(Wenn Blogger 1 Tier wären --> Fledermäuse )

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