The Last Goodbye

The Kills: The Last Goodbye.


Früher haben wir so etwas gemacht, nachts in den Fotoautomaten, auf dem Nachhauseweg von den dunklen Läden oder manchmal auch davor. Angetrunken vielleicht oder erwartungsvoll, müde meist von durchtanzten Nächten, dem langen Warten, dem Atmen von elektrisierter Luft, dem Schlurfen über dunkle, verlassene Supermarktparkplätze, als es nur darum ging, die Zeit herumzubringen, weil so viel davon da war. Weil überhaupt von allem so viel da war, von der Liebe war so viel da, von dem Hunger war so viel da, den Möglichkeiten, den Wegen und den Auswegen. Und Kraft war so viel da und vom Morgengrauen auch.

Früher haben wir uns nicht gefilmt dabei, aber nur, weil es technisch nicht so einfach ging. Die Schauspielerin und Regisseurin Samantha Morton hat es mit den Kills nachgestellt, es ist also nicht echt, aber es stimmt genau. Die Fäden, mit denen alles nach vorn gezogen und verwebt wird, haben etwas Loses bekommen, das Leben in den Säumen (der Nacht, der Straßen, der Rinnen, in denen man so treibt und in denen vieles nur so gesagt ist): etwas Sprachloses, etwas Lautloses. Bewegungsloses.

Früher war die Ratlosigkeit nur Übergang zwischen zwei Türen, von denen wirklich jede irgendwohin führte und selten nur ins immer wieder selbe Zimmer. Ich bin sehr müde jetzt, fasse mir nur noch selbst ins Haar, kratze aus dem Futter meiner Jacke verstreute Krümel, Kaugummipapier, Treibgut. Bin müde jetzt und etwas mutlos. Vier Bilder hat man in so einem Automaten. Letzter Blitz, heißt es. Aufstehen. Weitermachen.

Homestory | 22:10h, von kid37 | Kondolieren | Link

 
bestpilot - Dienstag, 20. März 2012, 23:23
Was für ein schöner, trauriger Text.

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kid37 - Mittwoch, 21. März 2012, 21:06
Danke.

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lorilo - Mittwoch, 21. März 2012, 11:23
Seit Tagen immer wieder in meiner Playlist, oft mehrfach, instant repeat nennt man das wohl in neu.

"Bin müde jetzt und etwas mutlos." - das ist doch nur der Frühling, der noch kurz Anlauf nimmt, bevor er Sie mit neuer Energie und Lust und Mut füllen wird. Solang müssen Sie eben etwas schummeln - falls man Ihnen da irgendwie helfen kann, mit Schokoladenkuchen oder anderen Sauereien, blitzen Sie einfach mal; kein letztes Mal.

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saxana - Mittwoch, 21. März 2012, 12:04
Die Sonne scheint. Es ist Frühling. Ich wünsche Ihnen, dass das Ihnen Mut macht und hilft weiter zu gehen. Ich denke an Sie.

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kid37 - Mittwoch, 21. März 2012, 21:05
Frühling, Müdigkeit und Schokolade, das stimmt. Eine wildfremde Frau hat mich gestern angestrahlt, vielleicht weil ich ungekämmt über die Straße humpelte. Ich kann jetzt aber nur noch auf ernsthaftes Interesse eingehen. Und ich muß vorher die Oberarme sehen. Deshalb habe ich nicht reagiert.

Haben die in Lourdes eigentlich auch guten Kuchen? Bis dahin hoffe ich auf bald bessere Laune.

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ladys smock - Mittwoch, 21. März 2012, 23:54
Bin schon im Klub der Gewichtstemmer (Naja gut, ok, irgendwo in der Wohnung müssen noch Hanteln herumliegen. Ich fang dann mal an.).

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kristof - Mittwoch, 21. März 2012, 12:14
Uff.
Man könnte sich ja schon ein wenig Sorgen machen ... :-/

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kid37 - Mittwoch, 21. März 2012, 20:59
Interessanterweise denke ich ähnlich. Meine Ärztin indes empfiehlt "erstmal abwarten". Ich bin leider ungeduldig. Und ja. Besorgt auch.

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kristof - Mittwoch, 21. März 2012, 21:18
Eine Online-Petition würde wohl eher kaum helfen, oder?

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kid37 - Mittwoch, 21. März 2012, 21:35
Vielleicht bei Twitter: #nichtmeinekrankheit

(Ich nehme beim nächsten Mal auf jeden Fall einen Schnupfen!)

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fishy_ - Mittwoch, 21. März 2012, 13:20
Man, haben Sie mir einen Schreck in die Glieder fahren lassen, als auf meinem Bildschirm diese Überschrift erschien. Dann die Erleichterung, dass der Text von Ihnen verfasst wurde. Puh. Bitte nicht aufgeben.

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kid37 - Mittwoch, 21. März 2012, 20:54
Gefaßt verfaßt. Mir geht grad so ein Lied von U2 nicht aus dem Kopf. Ihre Schuld ;-)

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fishy_ - Freitag, 23. März 2012, 15:01
Irgendwann gehen wir dann mal endlich gemeinsam tanzen.

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heim_weh - Mittwoch, 21. März 2012, 13:29
Was auch sonst, außer Weitermachen...? Die letzte Ausfahrt, dafür ist zu früh. Irgendwie immer zu früh. Einfach liegenbleiben, das könnte man zwar, aber will man nicht. Also weiter. Die ungefähre Richtung anpeilen und weiter, weiter, weiter. Und irgendwann liegt der Staub weit hinten und vorne geht die Sonne auf und alles schaut so friedlich und freundlich aus. Ein Weilchen. Dann steckt man wieder in einer Staubwolke und schluckt den eigenen aufgewirbelten Dreck.

Atmen. Mehr nicht. Mehr geht manchmal nicht. Aber dieses Atmen reicht schon um wissen: Weitermachen.

Ich wünsche. Sie wissen schon.

(ich weiss gar nicht, ob Sie wissen, wer ich bin. Ist schon lange her, , so ungefähr vier Jahre, dann verschwand ich. Aber insgeheim bin ich noch da. Anders, aber immer noch. Weiter eben, immer weiter.)

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kid37 - Mittwoch, 21. März 2012, 20:52
Huch. Kurz erschrocken. Vor vier Jahren sind so manche aus meinem Leben verschwunden. Aber jetzt ist der Groschen gefallen. Eigentlich ist mir das Ständig-neu-Erfinden eine ganz gängige Eigenheit. Aber die neue Definition kann ich nicht recht formen, die formt nicht. Ich war nie ein Fan von dieser neuen Mode "Kontrollverlust". Zum Glück bin ich mehr so der sonnige Typ.

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arboretum - Mittwoch, 21. März 2012, 22:50
Manche Verschwundenen tauchen wieder auf. Ich halte es in dem Fall 'mal mit Steve Vai, vielleicht hilft's ja.

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novesia - Mittwoch, 21. März 2012, 17:11
Die Kills sind wunderbar, und Ihre Worte auch. Ganz bestimmt sogar mehr noch als damals. - Ich verwerfe dauernd meine Kommentare... - Nach wie vor allerbeste Genesungswünsche. Nicht nur so gesagt. Und vor allem, dass sich die Mutlosigkeit vom Acker macht.

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kid37 - Mittwoch, 21. März 2012, 20:49
Danke. Letzteres ist gerade ein Problem. Vielleicht auch nur die Medikamente. (Eigentlich wollte ich Sie im April besuchen kommen, aber da bin ich gerade voller Fragezeichen.)

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thingonaspring - Mittwoch, 21. März 2012, 21:48
You got sirens for a welcome
... huiii the kills, das ist lange her. Vielleicht hören Sie einfach mal ein wenig Duran Duran. Also, heimlich. Sie sind doch waren doch ein wilder Junge ;-). Alles Gute!

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novesia - Donnerstag, 22. März 2012, 15:29
Wenn's nicht klappen sollte mit dem Besuch, komme ich einfach demnächst mal in den hohen Norden und bringe Ihnen was Tolles aus dem Naturhistorischen mit :) Die haben neuerdings mutlosigkeitsvertreibende Zaubersachen und sowas im Keller, hab ich gehört.
Alles Beste, die Daumen und großen Onkel bleiben weiterhin feste gedrückt!

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novemberregen - Mittwoch, 21. März 2012, 23:31
Von ganzem Herzen gute Besserung.

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the thilo - Donnerstag, 22. März 2012, 00:01
Herr Kid, es gibt da noch mindestens einen anderen Ausweg!
Den können Sie allerdings nur alleine heraus finden...

Versuchen Sie es mit leichter Gymnastik.
Und wenn es nur das Ausdehnen ist,
auf dem Stuhl auf dem Sie hocken.

Ich weiß, wovon ich spreche...

Alles Gute wünsche ich Ihnen!

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vulkantanz - Donnerstag, 22. März 2012, 03:27
Es ist ein Kampf.
...gegen die Müdigkeit, die Ratlosigkeit, die Fassungslosigkeit.
...gegen die Einsamkeit, die Melancholie, die Angst.
Man kämpft am besten mit dem Visier nach oben, denn nur so sieht man dem Gegner am besten ins Auge. Mit einer tapferen und treuen Armee an der Seite, denn alleine gewinnt man nicht. Mit einem Buch als Waffe, denn Unwissenheit ist tödlich. Und mit einem Ziel vor Augen, denn sonst hat das Sinnlose keinen Sinn. Und damit öffnen sich dann auch wieder neue Türen.
Auch wenn Sie es gerade nicht glauben wollen, glauben sie mir mal.
Edwyn Collins macht wieder Musik.

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cabman - Donnerstag, 22. März 2012, 09:59
All the best, mein Lieber, all the best und das von ganzem Herzen!

Ich könnte dir hier einen Nachmittag unter einer Zierkirsche im Sonnenschein anbieten, es gäbe Kuchen und Kaffee und wir könnten den Pflanzen beim Wachsen zuschauen, Bienen beim Bestäuben selbiger auch.

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