Love of my Life
"Hinter jedem erfolgreichen Mann... steht eine überraschte Frau", meinte Nils Landgren in seiner charmanten Eröffnungsrede. Diese Variante des so oder so wahren Satzes kannte ich noch nicht, aber selbst wenn sie alt sein sollte, finde ich, der Mann hat Witz. Seine musikalischen Qualitäten sind ja sowieso unbestritten.
Siggi Loch, langjähriger Musikimpressario, zeigt seine Fotos seit den 60er Jahren: Hauptsächlich Jazzmusiker, hauptsächlich schöne Schwarzweißprints. Nicht immer große Kunst, häufig eher das kleine Notizbuch, blue notes, die Arbeit eines Liebhabers, des leidenschaftlichen Amateurs. Beeindruckende Begegnungen eines langen Lebens in der Musikszene. Ray Charles, Scott Walker, Ella Fitzgerald, die Star-Club-Szene... Dann spielt Nils Landgren eine schöne Version von "Bang Bang". Die schlichten Wahrheiten sind die wuchtigsten: My baby shot me down.
Eine zeitlang dann stehe ich neben einer Lederjacke, die sich einst mit einem Stück Pfefferminz in einen Prinzen verwandeln konnte. Was Liebe alles kann.
(Siggi Loch. Love of my Life. Deichtorhallen, Hamburg. 25.9. bis 9.11.2008.)
Als SexySechsjährige stand ich auch mal neben ihm auf einer der Gartenpartys meiner Eltern. Da trug er noch keine Lederjacke, sondern sang das erste Mal "Ja, wir waren noch Kinder"...
Das kann gar nicht solange her sein, wenn Sie da bereits sechs waren. Andererseits, dieses Album... hui. ;-) Trug er einen weißen Anzug oder sowas?
Auf dem Albumcover ja. Auf der Gartenparty war er in "zivil".
Ein alter Freund von mir hatte in Kölle mal einen Autounfall mit ihm. War wohl sehr entspannt.
Bei mir hat das, trotz Fisherman's-Sucht, noch nie geklappt.
Und leidenschaftliche Amateure mag ich ja eh am Liebsten. Aber das wissen Sie ja schon.
Ich wär da auch entspannt. Außer er hätte MEINEN BUCKELVOLVO GERAMMT. Ansonsten sänge ich "Ich bin froh, daß ich kein Unfallflüchtiger bin, denn Unfallflucht ist nicht angesagt". Einen entspannten Kalauer (Köln!) - einfach, um die Situation aufzulockern. Oder auch "Mensch, Enno, die klauen unsern Laster!" Sätze, die unser Gehirn veränderten. Anders als ich, wirkt er aber immer ein wenig angespannt. Vielleicht ist er einfach ungeheuer auf Draht, während ich ja viel träume und Raum und Zeit vergesse.
Ich investiere ja Leidenschaft in die profansten Dinge - einfach, weil ich so viel davon habe. Wenn ich Leitungswasser trinke, denken andere, ich hätte da italienischen Kaffee. So muß das alles sein. Das ganze Leben.
oder vielleicht hatte er einfach nur Angst vor Dir ;)
Angespannt oder konzentriert, das lässt sich auf dem Bild da oben auch nicht unbedingt auseinanderhalten. Ich gehörte nie zu seinen Fans, was die Musik angeht, aber "Mensch, Enno, die klauen unsern Laster!" zaubert mir auch heute noch ein Lächeln ins Gesicht. Mich irritiert von je her der Spagat, den er zwischen der Rampensau und dem Feingeist versucht.
Ich mag nicht beurteilen, wie sehr ihn seine Rolle auch in die Mangel nimmt. Das Schöne an seiner Position ist ja - von außen betracxhtet- daß es ihm nun egal sein kann, was Leute denken. Ich wollte ihm gerade noch sagen, laß mal den Edelschneider, im Grunde willst du doch zurück auf die Straße, damals, Düsseldorf, Hühner-Hugo - aber da zerrte ihn bereits ein Fotograf (die nun wieder) weg. Auch kein Leben. Nein, Frau Death, vor mir hat keiner Angst. Ich bin doch das Lämmchen mit dem goldenen Herz.
Übrigens: Die Fotos auf der Ausstellung sind auch alle sehr schön.