Vom Fisch und der Hoffnung



Nun begab es sich, dass ich am Ufer des Kanals einen großen Fisch fand, der – von den böse brennenden Strahlen der Sonne bereits arg zugerichtet und völlig zerschuppt – nach Luft schnappte und seine Kiemen bleckte, Zunge noch dazu. Ich packte den trockenen Burschen und hob ihn vorsichtig zurück ins Wasser, wo er erstmal einen tiefen Tauchgang nahm, um sein Fischleder an allen, auch den empfindlichen, Stellen zu glätten und alle Flossen zu strecken.

Alsbald tauchte er wieder auf und sprach zu mir, der ich am Ufer mit hoffnungsvoller Sorge wartete, ob die Rettung auch erfolgreich sein würde. Da sprach der Fisch zu mir und sagte, sein Name sei Tim und er sei in Wahrheit ein verzauberter Prinz, der mir einen Wunsch erfüllen könne. Ich überlegte und wollte fast schon sagen, ach, dafür nich, wie man das hier im Norden tut. Dann fiel mir das geflügelte Wort ein vom „den Butt beim Schopfe packen“ und kam zum Schluss, dass doch auch ich im Leben endlich mal Glück haben müsse. So wünschte ich mir einen Fisch, der ein ewig perlensprudelnder Brunnen sein sollte. Denn fehlt mir doch in meiner Küche ein Wasserspender, der mir milde mit Kohlensäure versetztes Wasser liefern würde und dabei zugleich ein gewisses interessantes und ungewöhnliches Design zum Darübersprechen hätte, sollte ich mal Besuch bekommen. Vielleicht eine Frau, der es nach Wasser dürstete und dann in meiner Küche stünde und sprechen würde: „Wie ungewöhnlich - ein Fischbrunnen! Das ist amüsant.“ Was natürlich auch mir als Besitzer eines solchen amüsanten Gegenstandes einen gewissen angenehmen Glanz verleihen würde, so wie ein frisch ins Wasser zurückgesprungener Fisch, um im Bild zu bleiben.

Das sei ein banniger Wunsch, japste der Fisch. Aber ich solle mal nach Hause gehen und schauen, was da nun auf mich warten würde. „Tränen des Glücks!“, murmelte er. „Tränen des Glücks!“ Dann spuckte er einen Strahl Wasser aus seinem Maul und flukte zuletzt mit einem eleganten Schwung von dannen. Sehr denkwürdig, dachte ich bei mir und drehte mich nur wenig weniger elegant zur Straße und eilte nach Hause.

Wie groß aber war meine Überraschung, als ich die Stube meiner kleinen windschiefen Behausung betrat. Ein großer ausgestopfter Fischkopf glotzte mich an mit stummen Blick. Aus seinem Maule aber tropften unablässig Perlen herab wie an einer Schnur aufgereiht. Oh, dachte ich. Was mache ich nun? Ein Perlenbrunnen ist es fürwahr, aber was, wenn einer Besucherin nach Sprudelwasser dürstete? Verächtlich würde sich mich anschauen und rufen „Das hat heute jeder, warum du nicht?!“ Und wenn ich ihr die Geschichte vom Fisch erzählte, würde sie vielleicht rufen, was ich doch für ein dummer Junge sei. Ich hätte mir doch eine lebenslange kostenlose Lieferung von Wasser aus der Bismarckquelle wünschen können! Und ob ich den Fisch nicht noch mal rufen könne.

Ich würde vielleicht „Manntje, Mantje Timmy Te“ verzagt am Ufer rufen, aber dann sehen, wie am Himmel langsam Sturm aufzieht.

Projektor | 18:12h, von kid37 | Kondolieren | Link

 
nnier - Dienstag, 14. Juli 2026, 18:33
Das ist ja wie beim Sams hier ("Du hast nicht gesagt, dass die Wunschmaschine einen Knopf zum Einschalten haben soll!"). Kleine Chance vielleicht dennoch bei einem solchen Besuch: Gekühlten Champagner vorrätig haben und eine dieser Perlen darin auflösen, das soll früher durchaus Eindruck gemacht haben.

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kid37 - Dienstag, 14. Juli 2026, 20:25
Man muss exakt formulieren. Ist wie ein Projektentwurf. Pflichtenheft, Zeitplan usw. Diese Champagnersache ist nicht schlecht. Taucht der Fisch noch mal auf, wünsche ich mir einen Champagnerbrunnen!

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