Bartbrand und Ruflosigkeit - ein Krimi


Expl. I: veringwerter Axolotl

Habe mich jetzt ein paar Tage nicht rasiert, und würde ich mir den Bart anzünden, könnte ich quasi aus einem brennenden Dornbusch sprechen, aber so richtig klug wäre das nicht. Also, um einen Witz zu machen und mächtig Eindruck zu schinden, wäre der Preis zu hoch. Ich könnte aber.

Darf mir nur nichts auf die Ohren schlagen, weil ich auf den Ruf warte, der mich noch nicht ereilt hat. Ich halte tagsüber die Fenster geöffnet, damit ich es besser höre, sollte der Ruf erklingen, der meinen Ruf begründen soll. Bislang aber gilt: Es ist alles ruflose Kunst in diesem Haus!

Es gibt es aber auch gute Nachrichten. ONE hat meinen Ruf gehört, und meine heimliche Lieblingsserie, die ich hier in den letzten Jahren immer und immer wieder berufen habe, endlich ins deutsche TV geholt. Murdoch Mysteries laufen nun mittwochs abends und sollen angeblich auch in der Mediathek auftauchen (davon ist allerdings bislang, ein rätselhafter Kriminalfall für sich selbst, trotz Ankündigung noch nichts zu merken). Die mit Auftritten zahlreicher zeitgenössischer Persönlichkeiten wie Literaten und Politiker und Anspielungen auf Literatur und Fim gespickte viktorianische Polizeiserie zeigt die Fälle eines Detective der Torontoer Polizei Ende des 19. Jahrhunderts. Sein (auch im Büro ausgeübtes) Hobby: wahnwitzige technische Erfindungen, die rasch die Geschichte der Forensik voranschreiben und dabei augenzwinkernd in unsere Gegenwart vorausdeuten. Als Gegengewicht steht ihm eine engagierte, zum Widerspruch neigende Gerichtsmedizinerin zur Seite ("Akte X" lässt grüßen). Ich selbst bin bereits in Staffel 12, die deutschen Synchronstimmen hören sich folglich merkwürdig an. Was stört: offenbar hat man sich für die deutsche Schnittfassung dazu entschlossen, die entspannte Reihe aufzupeppen und mit Tempo zu versehen. Jetzt nerven in regelmäßigen Abständen mit "Zuuuuusch"-Geräusch unterlegte Inserts einer Edison-Glühbirne bei Szenenübergängen. Ein alberner Gimmick. Unnötig.

Bin gespannt, wie sich die doch sehr kanadisch und z.b. vom ewigen Duell mit dem großen Nachbarland USA geprägte Serie in Deutschland schlägt. Ist ja schließlich nicht jeder Experimentalwissenschaftler wie ich. Ich habe jetzt in dieser Tätigkeit ein Phänomen entdeckt, daß bedeutsam für die Medizin werden könnte. Der Axolotl, ein mangels Metamorphose ewiger "Kid" unter den Lurchen, zeigt neben vielen anderen bemerkenswerten Eigenschaften eine weitere erstaunliche: Bei längerer emotionaler Vernachlässigung (mad scientist voice: Details über mein Experiment will niemand wissen! /mad scientist voice) verwandelt es sich in eine Ingwerknolle! (s. Belegexemplar oben) Auch anschließendes sogenanntes "gutes Zureden" holen es nicht zurück aus seinem schrumpeligen Stadium. Es besitzt aber augenscheinlich heilende und vor allem anti-entzündliche Eigenschaften, die es weiter zu untersuchen gilt.
[pre-print Studie]

Super 8 | 14:37h, von kid37 | Kondolieren | Link

 
herzbruch - Freitag, 17. September 2021, 18:06
Ich hab den Ingwer vergessen :-(

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kid37 - Freitag, 17. September 2021, 19:05
Wenn Sie ein Axolotl besitzen, könnten Sie diesen durch emotionale Vernachlässigung zum sauren Ingwer vergären lassen.

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herzbruch - Freitag, 17. September 2021, 20:47
Habe nur Roadkill (zwinker zwinker), aber das mag ich nicht gewokt.

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fidibus - Freitag, 17. September 2021, 20:27
(Bekam mal Schoko-Sticks angeboten, von denen ich annahm, sie wären mit Nougat oder Marzipan gefüllt. Beim Reinbeißen stellte sich heraus, dass es Ingwerstäbchen waren. Bin jetzt noch voller Empörung über diese grässliche Hinterhältigkeit!)

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kid37 - Freitag, 17. September 2021, 20:32
Oh Gott! Sie haben womöglich in einen verkümmerten Axolotl gebissen!

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fidibus - Freitag, 17. September 2021, 20:38
Igitt! ;-)

(Bis die Mediathek anständig befüllt ist, schaue ich halt erst mal die neuen Folgen der Bildungsserie mit Frau Scully.)

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kid37 - Freitag, 17. September 2021, 20:41
Sicher auch eine gute Wahl. (Interessanterweise habe ich bis heute keine Folge gesehen, Frau Scully hin oder her. Habe ja auch keinen Zugang zu diesen modernen Bildlieferanten.)

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herzbruch - Freitag, 17. September 2021, 20:49
(Ich möchte kurz zu der Essensverwechslungsgeschichte beitragen, dass ich einst, als ich Jungmutter war, auf so einer Party war, wo es veganen Möhrenkuchen (süß) und Tzaziki (herzhaft, optisch wie Vanillesoße) gab, und ich habe mich vertan und heldinnenhaft dennoch aufgegessen.)

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kid37 - Freitag, 17. September 2021, 20:50
Interessant. Solche Essgewohnheiten kennt man doch sonst nur pränatal.

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herzbruch - Freitag, 17. September 2021, 21:44
Ich hatte auf ein Lob spekuliert. But well.

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kid37 - Freitag, 17. September 2021, 23:27
Ich bin Wissenschaftler. Ich sammle nur Phänomene und werte nicht. Vielleicht war es ja sogar lecker.

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