
Montag, 8. August 2011

Die selten wie Überraschungseifiguren gesäten Sonnentage habe ich letzte Woche spontan genutzt, das gibt's nur einmal, das kommt nie wieder, mich den Mücken am Elbufer zum Beschnuppern und Anfixen hingegeben, kleine Käseplatten und Selbstgerührtes in den Sonnenuntergang gebreitet, die Fahrräder wie grasende Pferde auf die Deichkrone gestellt. Donnerstag dann wie ein Westmann zu den Aliens beim Heliumcowboy geritten, die subtilen Botschaften Boris Hoppeks entschlüsselt, die großartige Moki hat drei Bilder beigesteuert, 56K stilisiert die titelgebenden Gesellen an den Wänden, und der Hinterhof ist eine abendmilde Zuflucht vor der drückenden Wärme aus Menschen und Sommersimulation für coole Hamburger Cowgirls und altersmilde Tentakelmänner. Einfach in der Nacht rumstehen.
("Cowboys und Aliens", Heliumcowboy Artspace, Hamburg. Bis 12.8.2011)

Mittwoch, 3. August 2011
Als Wissenschaft sich mehr mit Dreh- denn mit Plagiatsverdachtsmomenten beschäftigte und daran werkelte, die Zukunft zu schaffen, die wir jetzt erleben, wurde selbst im Kinderzimmer noch eifrig, aber streng wissenschaftlich experimentiert. In manch Heiligen Abend mischte sich in den Duft von Mandel, Zimt und Zuckerstern die kosmisch-olfaktorischen Versprechungen des Chemiebaukastens. Bald starteten selbstgebaute Raketen in den Weltraum oder wenigstens zu einem Rundflug um die Zimmerlampe, und Detektorempfänger fischten zirpende Signale von Radio Norddeich oder Pionieren von der Vega aus der Ionosphäre. Eine große Zeit, in der eben mehr Lametta war, wie Volksdichter Loriot uns nachhaltig ernst ins Bewußtsein rief. Und wer bislang seinen Einfall vom Bausatz eines Atomkraftwerks für Irrwitz hielt, muss die Geschichte seines Kinderzimmers neu schreiben. Die Zeit, als der Entdeckergeist von Kindern und anderen junggebliebenen Forschern noch ernstgenommen und nicht mit öko-getestetem Holzspielzeug niedergeknüppelt wurde, war wirklich das Atomzeitalter des unbeschwerten Bastelns, als noch Kerne und nicht Haare gespalten wurden:
Der Atombaukasten und andere Papperlapapp-Basteleien rund um Stoffe wie Arsen und weitere Substanzen, die sich heute höchstens noch in der Nahrung oder Duschgels nachweisen lassen, war hochbrisante Kontrebande, die unsere Eltern uns vorenthielten! Seither, wir wissen es, geht es bergab mit diesem Wissenstandort. Im Kinderzimmer hetzt nur noch virtuelle Alienjagd, bei der alles platzen darf, nur nicht der jugendliche Forscher vor Neugier.

Montag, 1. August 2011

Wenn man die Gelegenheit hat, die feingeistig durchinszenierten Dagegen-Lieder von Happy Grindcore live zu hören, sollte niemand dagegen sein. Im Beiprogramm spielten die Gießener Boxhamsters vor exaltiertem Haus. Ausklang einer trubeligen Woche, Blut, Schweiß und Atomkraftwerke oben auf der Bühne, Happy Grindcore predigen Demut, die Boxhamsters goldene Herzen, wir träumen im Stehen, ein junger Mann immerhin, ungefähr in dem Alter, in dem man sein Leben noch unredigiert führt, spricht mich auf meine Schuhe an. Guter Mann.
Wie überhaupt die Jugend nicht nur verloren ist.

Freitag, 29. Juli 2011
Irgendwie ja auch skurril, wenn sich Stefan Niggemeier auf die "Recherchen" von BILD beruft, um die "Methoden" von RTL zu beschreiben. (Q, derzeit nur für Abonnenten)
Ich mag so was. Irgendwie.
Neulich habe ich auf dem Fleetinselfestival eine Vertikalseilartistin gesehen, die sich ganz hochgehangelt hat und zur Musik von "Cabaret" einen beeindruckenden Spagat zeigte. Dieser Eindruck einer paradoxen Schwerelosigkeit.

Mittwoch, 27. Juli 2011
(Anfeuerungsruf)
Rückblickend betrachtet war die große Kiezkampfsause am Freitag im Hafenklang deutlich die friedlichste Veranstaltung dieses kruden Wochenendes. Gut, einem Kraken (Dr. Tentakel, sprechen wir es aus, man darf die Namen der Ringer ja nennen, wenn man sie weiß) wurde ganz gemein das Hirn rausgezogen (vom scheiß Kommander Kernschmelze nämlich, sprechen wir es ruhig aus). Kampfroboter Bio Bento das ökologisch nachhaltige Karottenherz (vom scheiß Kommander Kernschmelze, sprechen wir es ruhig aus). Aber dafür wurde auch ein Windpark eingeweiht. Und ein ganz besonders schöner! Grüne Wiesen und bunte Windräder. Und das Atom wurde glücklicherweise besiegt (von Bento III nämlich, sprechen wir es ruhig aus!) .
Capitan St. Pauli, Stern Sanchez und altbekannte Steher wie Captain Penis, sprechen wir es aus, kochten die Menge hoch, Iron Mädel zeigte, wo die Damen den Most im Ring holen (unterlag zuerst, wurde am Ende aber doch Rock&Wrestling-Champion 2011!), aber da war das Publikum schon völlig verzückt, weil eine stille, zagende Hoffnung tatsächlich wahr wurde: Hamburgs härtestes Nummerngirl Dolly Duschenka trat vom Rücktritt zurück und tütete am Ende noch (physisch und psychisch schon deutlich angeschlagen, sprechen wir es ruhig aus) den teuflischen "Louis Cyphre" ein - der den Angel Heart-Sümpfen Louisianas frisch entstiegen schien, um in einem Hamburger Ring unschuldige Geschöpfe zu drangsalieren. Da verschlägt es einem die Sprache, sprechen wir es ruhig aus.





Kleiner Wermutstropfen im wabernden Fusions-Rauch aus Höllenschwaden und Ringerschweiß: möglicherweise substanzbeschleunigte Selbsterregte, die latent aggressiv auf der falschen Seite des Seils am Ring rumtobten. Irgendwann wurden sie sogar vom Ringrichter zur Zurückhaltung ermahnt, ein eher selten geübter ordnender Eingriff für diese Art von Veranstaltung. Als auch in Hamburg und der Welt beliebte Blogger zur Diskussionseröffnung luden, ging zum Glück Lady Grey als eine Art Super-Nanny für Revierkampf-Geweihvorzeiger resolut dazwischen, ich hätt' die sonst platt, und es konnte für den Rest des Abends im Ring weitergekämpft werden. Sprechen wir es ruhig aus: toller Abend, tolle Stimmung, grandiose Kämpfe ohne Kompromisse, aber - wie heißt es so schön? - immer fair!
Am Ende aller Sprache und Special Moves summten wir zum Dank an die Crew alle glücklich und schweißüberströmt die Hymne, die uns Nik Neandertal mit auf den Weg gab: "Rock&Wrestling ist stets wu-hunderbar!" Jajaja-jaa.

Dienstag, 26. Juli 2011

Dolly Duschenka ist zurück.

Freitag, 22. Juli 2011
So, einmal im Jahr kommt die Zeit, die zarten Lyrikbändchen zur Seite zu schieben, den parfümierten Kragen abzulegen und ein paar Dehnungsübungen zu machen. Wenn man in den nächsten Tagen nichts von mir hören wird, bin ich bandagiert zur Kur. Auslüften, Einrenken, Elektrolyte nachfüllen. Bis dahin bitte einfach die offizielle Hymne einüben und mir die Daumen drücken.
