
Freitag, 29. Juli 2011
Irgendwie ja auch skurril, wenn sich Stefan Niggemeier auf die "Recherchen" von BILD beruft, um die "Methoden" von RTL zu beschreiben. (Q, derzeit nur für Abonnenten)
Ich mag so was. Irgendwie.
Neulich habe ich auf dem Fleetinselfestival eine Vertikalseilartistin gesehen, die sich ganz hochgehangelt hat und zur Musik von "Cabaret" einen beeindruckenden Spagat zeigte. Dieser Eindruck einer paradoxen Schwerelosigkeit.

Mittwoch, 27. Juli 2011
(Anfeuerungsruf)
Rückblickend betrachtet war die große Kiezkampfsause am Freitag im Hafenklang deutlich die friedlichste Veranstaltung dieses kruden Wochenendes. Gut, einem Kraken (Dr. Tentakel, sprechen wir es aus, man darf die Namen der Ringer ja nennen, wenn man sie weiß) wurde ganz gemein das Hirn rausgezogen (vom scheiß Kommander Kernschmelze nämlich, sprechen wir es ruhig aus). Kampfroboter Bio Bento das ökologisch nachhaltige Karottenherz (vom scheiß Kommander Kernschmelze, sprechen wir es ruhig aus). Aber dafür wurde auch ein Windpark eingeweiht. Und ein ganz besonders schöner! Grüne Wiesen und bunte Windräder. Und das Atom wurde glücklicherweise besiegt (von Bento III nämlich, sprechen wir es ruhig aus!) .
Capitan St. Pauli, Stern Sanchez und altbekannte Steher wie Captain Penis, sprechen wir es aus, kochten die Menge hoch, Iron Mädel zeigte, wo die Damen den Most im Ring holen (unterlag zuerst, wurde am Ende aber doch Rock&Wrestling-Champion 2011!), aber da war das Publikum schon völlig verzückt, weil eine stille, zagende Hoffnung tatsächlich wahr wurde: Hamburgs härtestes Nummerngirl Dolly Duschenka trat vom Rücktritt zurück und tütete am Ende noch (physisch und psychisch schon deutlich angeschlagen, sprechen wir es ruhig aus) den teuflischen "Louis Cyphre" ein - der den Angel Heart-Sümpfen Louisianas frisch entstiegen schien, um in einem Hamburger Ring unschuldige Geschöpfe zu drangsalieren. Da verschlägt es einem die Sprache, sprechen wir es ruhig aus.





Kleiner Wermutstropfen im wabernden Fusions-Rauch aus Höllenschwaden und Ringerschweiß: möglicherweise substanzbeschleunigte Selbsterregte, die latent aggressiv auf der falschen Seite des Seils am Ring rumtobten. Irgendwann wurden sie sogar vom Ringrichter zur Zurückhaltung ermahnt, ein eher selten geübter ordnender Eingriff für diese Art von Veranstaltung. Als auch in Hamburg und der Welt beliebte Blogger zur Diskussionseröffnung luden, ging zum Glück Lady Grey als eine Art Super-Nanny für Revierkampf-Geweihvorzeiger resolut dazwischen, ich hätt' die sonst platt, und es konnte für den Rest des Abends im Ring weitergekämpft werden. Sprechen wir es ruhig aus: toller Abend, tolle Stimmung, grandiose Kämpfe ohne Kompromisse, aber - wie heißt es so schön? - immer fair!
Am Ende aller Sprache und Special Moves summten wir zum Dank an die Crew alle glücklich und schweißüberströmt die Hymne, die uns Nik Neandertal mit auf den Weg gab: "Rock&Wrestling ist stets wu-hunderbar!" Jajaja-jaa.

Dienstag, 26. Juli 2011

Dolly Duschenka ist zurück.

Freitag, 22. Juli 2011
So, einmal im Jahr kommt die Zeit, die zarten Lyrikbändchen zur Seite zu schieben, den parfümierten Kragen abzulegen und ein paar Dehnungsübungen zu machen. Wenn man in den nächsten Tagen nichts von mir hören wird, bin ich bandagiert zur Kur. Auslüften, Einrenken, Elektrolyte nachfüllen. Bis dahin bitte einfach die offizielle Hymne einüben und mir die Daumen drücken.

Donnerstag, 21. Juli 2011
Ach, wenn man auf der Webseite einer Drehbuchautorin sieht, daß sie den Titel ihres eigenen Films nicht richtig schreibt. Gut, aber Webseiten, ich spreche aus Erfahrung, enden eh wie ein während einer Killervirenepidemie frisch untergepflügtes Kraut- und Rübenfeld. Man fängt irgendwie an, vielleicht mit einem Storyboard oder wenigstens einer kleinen Skizze, und am Ende hat man keine Zeit, haut man irgendwas da rein und schaut auch nie wieder drauf. Im Zeitalter des Flüchtigen sind statische Rechtschreibfehler von einst [abgebr.]
Ach, Frauen-WM war ja auch. Gewesen. "Sie hat das Spiel blind im Griff." So der Moderator ganz unironisch über die Schiedsrichterin.
Ach? "They are not hoarders. They are collectors of awesomeness." [Q] Seit ein paar Jahren stehen die Schwestern Hovey ja für die Speerspitze der New Antiquarians, eine Bewegung, die als solches nur in Magazinen stattfindet, und so viel Echo findet wie einst The Selby und Co. Anders gesagt, neu ist daran vielleicht die Konsequenz und die Tatsache, daß es nun aus Neuyork kommt und sich innerhab der ganzen Flohmarkt- und Trödelwohnszene auf die etwas anluxurisierte Seite (a.k.a. Großwildjäger- und Ozeanddampferstil) kapriziert. Zwischendurch besuchen die Schwestern die Krempelläden in tout Paris und Italien und schlürfen hinter Sonnenbrillen Mondänkaffee. Hauptsache, sie kaufen mir nichts weg.
Ach, aber dieses Paar wirkt auch sympathisch. die wohnen ähnlich wie ich, nur zu zweit, was vieles verdoppelt, Kram, Enge, Liebe. Und die Kunst.
Ach, der Tweed Ride in Frankreich im Mai hat auch schöne Reifenabdrücke Bilder hinterlassen. Schaut das ruhig mal an, das zeigt euch, wie euer Leben auch hätte sein können, säßet ihr nicht im Büro und machtet Geschrei. In London mischte sich zuletzt Ewan McGregor unter die Radler. Coole Sau.
Ach, das Porträt, das verdeckt auf meinem Speicher hängt, sieht scheiße aus.

Mittwoch, 20. Juli 2011
Seit ich in die Glockengießerei versetzt wurde, geht es den ganzen Tag nur dong-dong-dong, da hilft auch die Ehrenbezeichnung nichts, daß ich eigentlich nur die Formen und Gußteile begutachten und testen und meine Meinung dazu äußern soll. Dong-dong-dong dröhnt es durch die verrußte, mit giftigen Dämpfen gefüllte Halle. Müde öffne ich Schublade um Schublade, schiebe meine rollende Werkstadt von Ecke zu Ecke, klopfe mit einem Kugelschreiber gegen kleine und große Formen, klöppel ein wenig an Glocken, ohne zu wissen, um welche Melodie es eigentlich geht.
Abends dann knieweiches Schlurfen zurück zu meiner Schlafstatt, man sollte etwas darüber schreiben, denke ich, finde aber nur einen kraftlosen Gedanken. Bitte, adoptiert mich, wimmere ich. Wir basteln Flugzeuge aus Papier, machen den Tag lang nur Liebe, malen uns Träume und wechseln kein einziges böses Wort.

Dienstag, 19. Juli 2011

Man könnte viel Jammer äußern, über Wetter, Wehen, Wagnisse. Krise und Krankheit und Ausgelaugtsein. Aber verglichen mit dem, was andere derzeit niederdrückt, muß ich mich am Kragen packen, kurz durchschütteln und feststellen: Es ist nur Arbeit. Kein Verständnis also für Gezänk, launisches Befindeln von links oder rechts, dem Geschnaufe der Hobbyempörten. Raus heißt es, durch ebenso launischen Regen, rauf aufs Rad, Luft holen, ein weiteres kleines Häuschen besichtigen, schüttere Stellen im äußeren Haarkranz der Stadt, ausgefranste Fabrikgebäude und landestypisch Aufgestapeltes. Eine Stulle im idyllischen Nichts, Blick auf strukturloses Grün, Kilometer zwischen Deich und Windkante, ein Entmagnetisieren aus dem Dissonanzraum.
